Sind hochsensible Menschen hochbegabt? Gibt es hier einen Zusammenhang?

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Definieren wir zuerst die Begriffe Hochsensibilität und Hochbegabung bevor wir uns der Frage zuwenden, was Hochbegabung und Hochsensibilität verbindet.

Der Begriff „high sensitiv person“, geprägt von der amerikanischen Psychologin und Vorreiterin auf diesem Gebiet der Psychologie - Dr. Elain Aron - wurde ins Deutsche übernommen mit dem Begriff der „Hochsensibilität“ und gewinnt immer mehr an Bedeutung: immerhin sind 15 – 20 % der Bevölkerung hochsensibel und das geschlechtsunabhängig, also Männer genauso wie Frauen.

Was bedeutet das konkret für die Betroffenen? In jedem Fall sind sie in manchen Bereichen anders als die Norm, der Durchschnitt der Bevölkerung. Hochsensible Menschen reagieren schlichtweg anders, empfindsamer auf äußere und auch auf innere Reize: sie besitzen ein hoch erregbares autonomes Nervensystem und reagieren damit deutlich stärker auf deutlich feinere Impulse als normal sensible Menschen. Hochsensibilität bringt Vorteile genauso wie Nachteile mit sich, ähnlich einem Präzisionsmessinstrument: sehr fein und auch sehr empfindsam!

Man unterscheidet grob in drei Hauptgruppen der Hochsensibilität (HS) und selbstverständlich sind auch Ausprägungen in allen drei Gruppen sowie unterschiedlich starke Ausprägungen möglich:

  • sensorische Hochsensibilität (Geräusche, Gerüche, visuelle Eindrücke wie Licht oder Farben, über den Tastsinn wahrgenommene Reize, Geschmacksreize werden deutlicher stärker und früher wahrgenommen)

  • emotionale Hochsensibilität (Feinheiten in zwischenmenschlichen Bereichen werden sofort wahrgenommen, starke Empathie, Fähigkeit besonders gut zuhören zu können, ausgeprägtes Gerechtigkeitsempfinden)

  • kognitive Hochsensibilität (ausgeprägte Logik, komplexe Zusammenhänge fallen leicht ebenso die Unterscheidung von Wahr/Falsch, auch multiperspektivisches Denken sind hier besonders ausgeprägt)

An dieser Stelle möchte ich auch noch eine weitere Gruppe der Hochsensibilität vorstellen:

  • hochsensitive Hochsensibilität. Diese Art der HS bringt eine starke Ausprägung des 6. Sinnes (also der Körperwahrnehmungen außerhalb unserer üblicherweise genutzten 5 Sinne) und auch des 7. Sinnes (der die Fähigkeit mit sich bringt, Informationen aus der Zukunft zu empfangen, starke Vorahnungen ...) ebenso wie mediale Fähigkeiten (Kontakte zu Verstorbenen z. B.)

Hochsensible Menschen, die nicht wissen dass sie hochsensibel sind, verzweifeln oftmals an sich selbst und den üblichen Herausforderungen des Alltages. Sie scheinen für diese Welt oftmals als viel zu empfindsam zu sein. Sie können mit der üblicherweise geforderten Geschwindigkeit und dem Verarbeiten der viel zu vielen Reize durch ihre Umwelt nur sehr schwer mithalten, ziehen sich gerne zurück oder werden auch plötzlich aggressiv, weil Ihnen die notwendige Zeit zur Erholung fehlt.

Hochsensible Menschen fühlen sich meist anders als die anderen, nicht zugehörig falsch und nicht belastbar. Erst mit dem Wissen/Erkennen ihrer Hochsensibilität geht auch die notwendige Akzeptanz ihrer Persönlichkeit einher, sowohl für sich selbst als auch im Idealfall durch ihr Umfeld.

Kommen wir nun zur Definition des Begriffes Hochbegabung:

Hochbegabung ist nach gängigem Modell der Psychologie eine weit über dem Durchschnitt liegende intellektuelle Begabung eines Menschen. Üblicherweise gilt hier ein IQ > 130 als Hochbegabung. Demnach sind Hochbegabte selten, sie machen nur gut 2 % der Bevölkerung aus.

Da aber die Höhe des Intelligenzquotienten alleine nicht immer Erfolg im Leben garantiert, gibt es weitere Modelle zur Definition einer Hochbegabung wie z. B. das Ring Modell von Joseph Renzulli:

nach diesem Modell löst das Zusammenspiel dreier Faktoren, nämlich Überdurchschnittliche Intelligenz mit IQ > 130, der Fähigkeit und auch Bereitschaft, sich Aufgaben zuzuwenden sowie hoher Kreativität einen dynamischen Prozess aus, welcher unter Einbezug des persönlichen Umfeldes zu hochbegabtem Verhalten und zu hoher Leistung führt bzw. führen kann!

Mit dieser Betrachtungsweise distanziert man sich von einer reinen Intelligenzdefinition bei einer hochbegabten Person (welche dann als angeboren gilt) und wendet sich der Vorstellung zu, dass sich Hochbegabung entwickeln kann, wenn die drei genannten Persönlichkeitsmerkmale sowie das Umfeld optimal zusammen wirken.

Mit dieser Betrachtungsweise wird einer deutlich größeren Gruppe von potentiell Hochbegabten die Möglichkeit gegeben, entdeckt zu werden. Demnach gibt es eben nicht nur die sogenannten „Schul-Begabten“ sondern auch die „kreativ- und produktiv-Begabten“.

Man kann sich das „3 Ringe Modell“ von J. Renzulli auch so vorstellen: die drei schon genannten Persönlichkeitsmerkmale stehen für drei Kreise, welche sich bildlich gesehen überschneiden müssen um in ihrer gemeinsamen Schnittmenge eine Hochbegabung zu ermöglichen:

  • ein Kreis für allgemeine kognitive Fähigkeiten (also die Fähigkeit, Informationen zu verarbeiten, Erfahrungen zu integrieren und sich so in neuen Situationen angemessen zu verhalten).

  • Ein weiterer Kreis steht für die Fähigkeit und auch Bereitschaft sich Aufgaben zuzuwenden (z. B. sich Fähigkeiten, Wissen oder Fertigkeiten in einem oder mehreren spezifischen Wissensbereichen anzueignen) und das intensiv und auch über einen längeren Zeitraum hinweg (Leistungswille))

  • Der dritte Kreis steht für hohe Kreativität (Gestaltungswille, Vorstellungsreichtum, Flexibilität, Orginalität im Denken, Offenheit und Sensibilität für Neues, Neugier).

Verfügt eine Person über alle drei „Kreise“, also alle drei Persönlichkeitsmerkmale und wächst zudem noch in einem optimalen Umfeld auf, so ist die Wahrscheinlichkeit, eine Hochbegabung entwickeln und erfolgreich leben zu können, deutlich größer.

Nun dürfen wir uns die Frage stellen, ist Hochsensibilität gleichzusetzen mit einer Hochbegabung? Nein, das würde ich nicht sagen.

Allerdings wird Hochsensibilität durchaus als Teilbedingung für die Entwicklung einer Hochbegabung verstanden: hochsensible Kinder mit angeborenem, sehr hohen kognitiven Potenzial entwickeln auf Grund ihrer Reizoffenheit, der sogenannten „Filterschwäche“ eines Hochsensiblen, und den damit einhergehenden Informationsimpulsen eine besonders rasche und auch außergewöhnlich stark vernetzte Hirnentwicklung, also gute Voraussetzungen für eine Hochbegabung.

Es gibt durchaus Hochbegabte, die sich selbst als hochsensibel erkannt haben, sich allerdings durch das Vorhandensein ihres besonders hohen IQ und/oder Ihrer sehr starken Bereitschaft, sich mit einer Thematik intensivst auseinander zu setzen, die Vorteile ihrer HS zu nutzen wissen um ihre Hochbegabung weiter zu fördern.

Umgekehrt ist es für viele hochsensible Kinder sehr schwer, sich in ihrem Alltagsleben zurecht finden zu können. Die Notwendigkeit, all die vielen ungefilterten Reize von innen und von außen zu verarbeiten, blockiert nicht selten das Entwickeln und Ausleben vorhandener Fähigkeiten.

In beiden Fällen geht es jedoch darum, seine Einzigartigkeit anzuerkennen, sich dabei weder falsch zu fühlen noch sich auf ein Podest damit zu stellen. Beide Themen bringen Herausforderungen mit sich, denen man sich erst wirklich gut stellen kann, wenn die eigene Persönlichkeit erkannt wird. So manche Hochbegabung wird erst gar nicht entdeckt weil alle Kraft dahin fließt, ein möglichst „normales“ Leben zu führen. Und ob ein stark hochsensibler Mensch seine Fähigkeiten als Belastung sieht oder als besondere Begabung erkennen kann, die er nutzt und weiter ausbildet, hängt sicherlich stark davon ab, wie viel er zu den Themen Hochsensibilität und Hochbegabung weiß, in wie weit er sich darauf einlassen kann und möchte und vor allem auch, wie sein persönliches Umfeld reagiert.

Ich persönlich möchte Sie dazu motivieren, sich Ihrer selbst noch stärker bewusst zu werden, so Ihre ureigenste Persönlichkeit besser zu erkennen und Ihren Selbstwert zu stärken. Dann können Sie auch mit Hilfe diverser Tests leichter feststellen, ob Sie hochsensibel sind oder hochbegabt oder vielleicht beides. Dann können Sie sich auch die Frage beantworten, wie wichtig und wie hilfreich Ihnen die Definition bzw. Einteilung in die Kategorie „Hochsensibilität“ oder „Hochbegabung“ tatsächlich ist.

Die Suche nach bzw. das tiefere Erkennen der eigenen Persönlichkeit und den damit verbundenen Fähigkeiten und auch Herausforderungen und Aufgaben ist in jedem Fall sehr hilfreich. Ein Grundbedürfnis der allermeisten Menschen ist es, dazu zu gehören, von der Norm der Gesellschaft anerkannt zu werden. Dabei kann die Definition Hochbegabung und/oder Hochsensibilität helfen – muss es aber nicht zwangsweise.

Ihre Erkenntnisse werden Ihnen in jedem Fall dazu dienen, Ihr Leben und Ihren bisherigen Lebensweg mit all den Herausforderungen, die eine möglicherweise vorhandene Hochsensibilität oder Hochbegabung mit sich bringen, besser zu verstehen um damit die Weichen für Ihr weiteres Leben positiv stellen zu können.

Autor: Konstanze Schuierer, Heilpraktikerin
Thema: Hochsensibilität und Hochbegabung
Webseite: http://www.heilpraxis-schuierer.de

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