Friedrich Nietzsche: „Wer ein WARUM zum Leben hat, erträgt fast jedes WIE“

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„Als ich meine Arbeit verloren habe, ist mein Leben sinnlos geworden!“

„Mein Partner hat mich ohne Vorwarnung verlassen! Mein Leben hat keinen Sinn mehr.“

„Ich habe mein Leben lang für meine Kinder gelebt, jetzt sind sie alle ausgezogen und brauchen mich nicht mehr, ich fühle mich so sinnlos“

„Durch Corona sind mir alle Aufträge weggebrochen, jetzt suche ich nach dem Sinn dahinter, nach dem, was es mir vielleicht sogar nützt, habe die Chance, mich neu zu erfinden“

„Ich frage mich, welchen Sinn meine Krebsdiagnose für mich hat – was kann ich daraus lernen?“

Diese Aussagen meiner Klient*innen stehen exemplarisch für ganz viele innere Auseinandersetzungen mit der Frage: Was hat es für einen Sinn zu leben? Mit diesem großen Thema haben sich schon seit Menschheitsgedenken Philosophen, Wissenschaftler, Dichter und Denker beschäftigt. Es gibt Tausende Abhandlungen und Bücher zu dem Thema, Filme, Musikwerke, ja sogar ganz viele Schlager beschäftigen sich mit dieser Frage. Ratgeber empfehlen „die besten 5 Tipps, wie du dein Lebensglück findest“, Bestsellerautoren setzen sich in Podcasts und Vorträgen damit auseinander. Eigentlich stecken in dieser Frage gleich mehrere: Welchen Sinn hat das Leben allgemein? … Welchen Sinn, welchen Wert hat MEIN Leben? … Welchen Sinn hat mein Leben jetzt noch (nach Schicksalsschlägen, Katastrophen, Krisen)? … Was ist überhaupt Sinn?

Besonders in Krisenzeiten und Lebensumbrüchen stellt sich wohl jeder ab und an die Frage nach dem großen Sinn. Ich kann mich noch gut erinnern, als ich als junges Mädchen begann, mir die Frage nach dem „Woher komme ich und wo gehe ich hin“ zu stellen. Ich war damals so ca. 14 Jahre alt, sehr christlich geprägt und sehr gespannt auf die Welt da draußen. Welchen Beruf sollte ich lernen? Welcher Partner passt zu mir und wie finde ich den? Wie wird es mir gehen, wenn ich mein Elternhaus verlasse und auf eigenen Füßen stehe? Mein erlernter Glauben bekam erste Risse, aber irgendwie war da ganz fest die Gewissheit in mir: Alles hat einen Sinn und alles dient mir zu meinem Besten… Dieser Satz ist heute noch die Basis meines Vertrauens ins Leben, nur ergänzt um den Teilsatz …, wenn ich bereit bin, mich darauf einzulassen und Ja zu sagen zu dem, was ist.

Ich selbst gebe den Ereignissen ihre Bedeutung und ihren Wert für mich. Insofern bestimme ich also über mein eigenes Glück? Ja, zumindest in diesem Punkt. Das bedeutet nicht, dass ich immer glücklich bin mit dem, was das Leben mir anbietet oder dass ich immer sofort Danke sagen kann. Natürlich bin ich frustriert, traurig, erschüttert, genervt, verletzt, wenn mir jemand oder etwas Knüppel zwischen die Beine wirft. Natürlich zweifle ich den Sinn eines vielleicht Existenz bedrohenden Schicksalsschlages an. Natürlich braucht es Zeiten der Trauer, bis ich Ja sagen kann zu einem Leben in einem neuen Rahmen – und die sollte man sich auch unbedingt lassen!

Aber was gibt nun meinem Leben Sinn? Einen Sinn, der größer ist als meine Kontrollmöglichkeiten, meine Planungen, meine Reaktionen auf Unvorhergesehenes, der unabhängig von dem ist, was mir das Leben anbietet? Der Sinn, der immer noch da ist, wenn ein Schicksalsschlag mir das Liebste nimmt, was ich hatte?

wiese gelbe blume sonne klein

„Die beiden wichtigsten Tage deines Lebens sind der Tag, an dem du geboren wurdest und der Tag, an dem du herausfindest, WARUM!“

Mit diesem Zitat von Mark Twain nähere ich mich nun den drei Grundfragen des Lebens: 1. Woher komme ich? 2. Warum / wofür bin ich hier, was ist mein Auftrag? 3. Wo gehe ich hin bzw. wie möchte ich eines Tages wieder gehen? Was soll bleiben von mir? Diese Fragen wird sich jeder Mensch – je nach religiösem, spirituellem, soziokulturellem Hintergrund etwas anders beantworten. Aber erst wenn wir für uns diese Fragen ganz individuell geklärt haben, werden diese Antworten uns auch durch schwierige Zeiten tragen.

1. Woher komme ich?

Ist mein Leben Zufall oder Entscheidung? Wer hat entschieden, dass es mich gibt – Gott, das Universum, Vater und Mutter? Was war vorher – gab es mich schon einmal in einem anderen Leben? Gab es einen „höheren Plan“? Bin ich das Ergebnis einer Liebesbeziehung zwischen meinen Eltern, in Liebe gezeugt und in Liebe geboren? Kann ich in der lebendigen Reihe meiner Ahnen dankbar meinen Platz anerkennen?

Achtung: Die Sichtweise, dass unser / mein Leben ein bloßer Zufall ist, dass ich völlig trieb- und lustgesteuert auf den Wellen dieses riesigen Ozeans surfe, kann Menschen in tiefe Sinnkrisen stürzen. Darum ist die Beantwortung dieser Frage so wichtig.

2. Wofür bin ich geboren worden, was ist mein Auftrag, warum bin ich hier?

Unser ganzes Sein strebt hauptsächlich danach, glücklich und erfüllt zu leben. Das kann für jeden etwas anderes bedeuten und wechselt auch in den verschiedenen Phasen des Lebens: Für die Kinder und die Familie da sein; gesellschaftlich aktiv sein und etwas für diese Welt bewirken; in dem Beruf arbeiten, mit dem ich meinen Werten entsprechend Einfluss nehmen und etwas voran bringen kann; Ja sagen lernen zu meinem Leben und damit ruhiger und gelassener werden …

In meiner Arbeit mit Klient*innen ist das Erstellen einer Wertehierarchie eine hilfreiche Übung, um den Sinn meines Daseins zu erforschen. Was ist mir wirklich wichtig im Leben? Wofür lebe ich?

Man wählt aus einer Vielzahl von Stichworten zum Thema „Werte“ die momentan 10 wichtigsten aus und bringt diese dann noch in eine Reihenfolge der Wichtigkeit. Zum Beispiel:

Mir ist wichtig: (Wertigkeit nummerieren – 1: am wenigsten wichtig; 10: am wichtigsten)

  • Sicherheit und Geborgenheit
  • Schönheit und Ästhetik
  • Karriere und berufliche Erfüllung
  • Nähe und Zärtlichkeit
  • Gehört und wahrgenommen werden
  • Status, öffentliches Ansehen
  • Ehrlichkeit, Verlässlichkeit
  • Anerkennung
  • Persönliche Freiheit
  • Materielle Absicherung

Dies mögen Beispiele für einen erfolgreichen, gesunden Menschen in der Mitte des Lebens sein. Im Alter und bei schweren Schicksalsschlägen werden sich diese Werte meist deutlich verändern und eventuell reduzieren auf 3-5 wirklich wesentliche. Meist bleiben Werte wie Sicherheit, Selbstbestimmung, Liebe, Vertrauen und Zugehörigkeit als Grundwerte bestehen.

Mit der Definition der persönlichen Werte komme ich der Antwort auf die Frage „Wofür lebe ich?“ deutlich näher. Für viele Menschen ist darüber hinaus die Lebenseinstellung, mit allen und mit allem verbunden zu sein und damit eine Aufgabe an meinem Umfeld und meiner Umwelt zu haben, eine hilfreiche Vorstellung, nicht zufällig auf dieser Welt zu sein.

3. Wo gehe ich hin bzw. wie möchte ich eines Tages wieder gehen? Was soll bleiben von mir?

Das ist auch wieder eine eher spirituelle, metaphysische Frage, die jeder nach seinem Glauben und seiner soziokulturellen Herkunft etwas anders beantworten wird. Aber besonders der letzte Teil der Frage kann für jeden Menschen eine große Hilfe sein, dem Leben auch jetzt schon eine neue Richtung zu geben. Wie möchte ich in den letzten Minuten meines Lebens zurückschauen auf meinen Weg? Was sehe ich, wenn ich mir heute vorstelle, alt und lebenssatt zurückzublicken? Was habe ich schon immer machen wollen und nun verpasst? Was würde ich aus dieser Perspektive anders machen?

Hier ein Beispiel aus https://www.welt.de/vermischtes/article13851651/Fuenf-Dinge-die-Sterbende-am-meisten-bedauern.html:

Bronnie Ware begleitet ihre Patienten zu Hause in den Tod - und hört in den Wochen, Tagen und Stunden in den Gesprächen mit den Sterbenden stets dasselbe Bedauern und dieselben Vorwürfe: das Bedauern darüber, nicht das Leben gelebt zu haben, das sie sich gewünscht hatten. Reue angesichts der Entscheidungen, die man getroffen oder nicht getroffen hat. Vorwürfe gegenüber sich selbst, weil diese Erkenntnis erst kam, als es bereits zu spät war.

"Wenn sie sterben, kommt eine Menge Furcht und Ärger aus den Menschen heraus", sagt Bronnie Ware, "und dieses 'Ich wünschte, ich hätte ...', das kommt auch immer wieder." Darüber hat Bronnie Ware nun ein Buch geschrieben, "The Top Five Regrets of the Dying" , übersetzt etwa "Die fünf Dinge, die Sterbende am meisten bereuen".

1.) "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, mein eigenes Leben zu leben"

2.) "Ich wünschte, ich hätte nicht so viel gearbeitet"

3.) "Ich wünschte, ich hätte den Mut gehabt, meine Gefühle auszudrücken"

4.) "Ich wünschte mir, ich hätte den Kontakt zu meinen Freunden aufrechterhalten"

5.) „Ich wünschte, ich hätte mir erlaubt, glücklicher zu sein“

Wie wäre es, wenn Sie sich diese Wünsche schon jetzt erfüllen und nicht damit warten, bis es nicht mehr möglich sein wird? Wie wäre es, wenn Sie Ihrem Leben selbst seinen Sinn geben würden und damit die Fäden in der Hand behielten? Dann bräuchten Sie niemand und nichts die Verantwortung für Ihr Glück zu überlassen und könnten es selbst gestalten. Sie selbst bestimmen am Morgen jeden Tages, wie Sie heute Ihre persönlichen Werte selbstverantwortlich leben und ziehen am Abend Bilanz zum Lernen für den nächsten Tag. Wie fühlt sich diese Option für Sie an?

„Wir verlangen, das Leben müsse einen Sinn haben – aber es hat nur ganz genau so viel Sinn, als wir selber ihm zu geben imstande sind.“

- Hermann Hesse -

Autor: Maria Markusch, Integrative Psychotherapie und Trauerbegleitung
Thema: Was hat es für einen Sinn zu leben
Webseite: https://www.einklang-brandenburg.de

Autorenprofil Maria Markusch:

Irmgard Maria Markusch ist Heilpraktikerin für Psychotherapie, Klang- und Hypnosetherapeutin, Trauerbegleiterin und Psychoonkologische Beraterin und arbeitet in eigener Praxis in Brandenburg an der Havel.

Expertenprofil:

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