Bevor ich näher auf das elementare Thema Berührungen eingehe, möchte ich ein Gedicht mit euch teilen, welches ich im Rahmen einer Kinesiologie-Weiterbildung kennen lernen durfte. Der Verfasser ist mir leider unbekannt.

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Berühren

Berühre einen anderen Menschen, nicht aus der Sicherheit des Abstandes, nicht im Schutz von Floskeln, nicht mit dem Fuß, der schon zur Flucht ansetzt, wenn es zu anstrengend wird. Berühre das Wesen des Menschen, nicht nur die Rolle, die er spielt, nicht nur die Masken, die er meint tragen zu müssen. Berühre.

Die Worte haben mich damals schon tief bewegt. Berührungen sind wie das Atmen, für uns Menschen lebensnotwendig und das schon von Geburt an. Sogar pränatale Berührungen des Bauches, in der Vorfreude auf das neue Leben, haben bereits einen Einfluss auf das „sich Willkommen-fühlen“ des Embryos und der Seele. Dieses Grundbedürfnis begleitet uns solange wir leben, egal in welcher Phase unserer Entwicklung wir uns gerade befinden, egal welches Alter wir erreicht, oder welchen äußeren Status wir erreicht haben.

Dabei hat jeder Einzelne von uns, seine eigenen Berührungserfahrungen gesammelt und in seinem Zellgedächtnis abgespeichert. Dies ist uns zum Teil nicht mehr bewusst, und wir wundern uns vielleicht hin und wieder über uns, weshalb wir bestimmte Dinge nicht anfassen, oder auf unserer Haut spüren möchten.

Denn wie alles, können auch Berührungen zwei Seiten haben, sie können achtsam, liebevoll, mit Respekt und Wertschätzung ausgeführt werden und sie können bedrohlich, schmerzhaft, gewaltsam und übergriffig sein. Die Grenze, welche Berührungen angenehm sind und welche bereits ein „zu viel“ bedeuten, sind dabei individuell und je nach Erfahrungsschatz einzuordnen. Berührungen können uns ein Gefühl von Geborgenheit schenken, unsere Seele nähren und heilen, sie können eine aber auch Seele zerbrechen. Auch Worte oder Blicke können uns berühren, können uns aufrichten, oder klein machen.

In meiner Praxis, habe ich schon des öfteren, durch Berührungen bei Massagen oder Energiebehandlungen, und auch durch eine gezielte Anwendung mit einer Pflanzenseele (100% Naturreine Ätherische Öle) ... erleben dürfen, wie dadurch eine tief vergrabene Sehnsucht, nach Berührung, nach Zugehörigkeit und nach geliebt sein, schmerzhaft bewusst wurde. Wenn diesen Menschen dann plötzlich spürbar bewusst wird, welchen Preis sie tagtäglich dafür bezahlen, diese Sehnsucht –mehr oder weniger erfolgreich-  zu unterdrücken, sind sie häufig erst mal erschrocken über sich selber.

Es ist kein Zeichen von Schwäche, dazu zu stehen, dass man sich nach Berührungen sehnt. Ganz im Gegenteil, dazu gehört Größe, Mut und innere Stärke, da man sich mit so einem Outing verletzbar macht. Aber es kann ebenso eine Gefühls-Welle auslösen, weil wir dadurch ein Spiegel für andere sind, die sich noch nicht getraut haben, dazu zu stehen. Dadurch können wir anderen Mut machen, denn wir b e r ü h r e n sie mit unseren Worten, das gibt dem Einen oder Anderen die Kraft, sich ebenfalls zu zeigen. Und entweder zu sagen, das man sich mehr Berührungen wünscht, oder gleich in die Selbstverantwortung zu gehen, den ersten Schritt zu tun und sich selbst und anderen mehr Berührungen zu schenken. Gelebte Selbstfürsorge!

Selbst der größte Rebell, wünscht sich in der Regel nichts mehr, als geliebt, gehalten und akzeptiert zu werden.

Nun stehen wir weltweit, seit mittlerweile 3 Monaten, vor einem absoluten Ausnahmezustand. Berührungen sind uns zum Teil sogar durch den Staat untersagt, in manchen Menschen ist sogar bereits Angst vor Berührung gewachsen, weil sie damit mittlerweile eine Gefahr, verbinden. Kleine Kinder können nicht mehr zu ihren Großeltern, um von Ihnen gekuschelt und verwöhnt zu werden, Erwachsene können teilweise nicht mehr zu Ihren Eltern um sie u.a. in Heimen oder Krankenhäusern zu besuchen, um Ihnen Nahe zu sein und das Gefühl der Einsamkeit für einen Moment zu nehmen. Was dies alles für unsere Gesellschaft für Spätfolgen haben wird, dass kann momentan noch niemand absehen.

„Berührungen“ ist für viele Menschen auch heute noch ein Tabuthema, oder momentan nicht wichtig genug um darüber zu sprechen, da wir vor scheinbar kollektiven  Problemen und Herausforderungen, ganz anderer Art stehen. Einigen ist es dabei nicht mal bewusst, dass es genau so ist, weil diese Gefühle zum Selbstschutz, vor einiger Zeit so tief vergraben wurden, das im Alltag kein Zusammenhang zwischen der latenten Unzufriedenheit, mangelndem Selbstvertrauen, innerer Unruhe, einem Getrieben sein, nach schöner, schlanker, besser, erfolgreicher... hergestellt werden kann.

Bis zu dem Moment, wo zufällig eine sanfte Berührung stattfindet und diese dich sofort in deinem Herzen schmerzhaft berührt, sogar fast elektrisiert.

Nach nun mehr 3 Monaten Social Distancing, sind viele Menschen so dünnhäutig, weil der Zwischenmenschliche Kontakt, die Nähe, der unbekümmerte Umgang miteinander, die Berührungen, so schmerzlich fehlen, dass die Zahl an psychosomatischen Beschwerden, Ängsten, Melancholien, Depressionen etc. rasant angestiegen sind.

Wie geht es dir persönlich mit dem Thema Berührungen? Vielleicht ist dir spätestens nach dem du meinen Artikel gelesen hast, bewusst, dass du mit der Sehnsucht danach, keineswegs alleine bist.

Sehnsucht nach Berührung, nach Augen-Blicken, Herzens-Begegnungen, Umarmungen, ein Streicheln über das Gesicht oder deine Hand, ein sich gegenseitig halten, einfach so ohne Worte.

Vielleicht habe ich es mit meinem Worten geschafft, auch dir etwas Mut mitzugeben. Den Mut zu deiner Sehnsucht zu stehen, den ersten Schritt zu machen, wieder mehr zu berühren (in dem Rahmen wie es sich natürlich für dich und dein Gegenüber gut und richtig anfühlt), auch dir selber wieder mehr achtsame Berührungen und Wertschätzung zu schenken. Denn so viel ist sicher, Berührungen sind nicht nur gut und wichtig für unser Wohlbefinden, sie sind sogar elementar, für jeden von uns, für unser Leben, unser soziales Miteinander, für das was wir unseren Kindern und Enkeln vorleben und für das, was wir in der Zukunft erschaffen wollen.

Lasst uns wieder durch Worte, Blicke, Gesten und Berührungen berühren! Mit der Achtsamkeit auf deine eigenen Bedürfnisse und die Bedürfnisse deines Gegenübers, denn auch dieser Mensch, hat seine Themen / Ängste / Sehnsüchte…

Auch wenn wir uns vielleicht (noch) nicht physisch kennen, sende ich dir auf diesem Wege eine Herzensumarmung. Fühl dich berührt… Weil du es wert bist.

Autor: Judith Julia Hahn, Heilpraktikerin
Thema: Wie wichtig sind Berührungen für unser Wohlbefinden?
Webseite: https://www.heilpraxis-hahn.de

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