Für mich persönlich ist Eigenverantwortung der Grund, warum ich meinen Beruf gewählt habe.

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Ich habe mich irgendwann dazu entschieden, nicht mehr nach den Regeln und Maßstäben anderer Menschen zu arbeiten, sondern nach meinen eigenen Wert- und Moralvorstellungen, nach bestem Wissen und Gewissen, das zu tun, was ich für gut und richtig halte. Und somit auch allein die Verantwortung für mein Handeln und dessen Konsequenzen zu tragen. Und dies war eine der besten Entscheidungen meines Lebens.

Meiner Meinung nach bedeutet Eigenverantwortung, sich seiner eigenen Handlungen, mit den entsprechenden Gedanken und Worten, bewusst zu sein. Das heißt, sich selbst und damit jegliches Sein und Tun zu reflektieren und zu erkennen, was diese für Konsequenzen haben. Und schließlich auch in der Lage zu sein, für alle seine Taten und Worte einzustehen.

Wie lernen wir Eigenverantwortung?

Wir tun die meisten Dinge aus einer inneren Überzeugung heraus. Entweder, weil wir so erzogen wurden, oder aber, weil wir uns irgendwann im Laufe des Lebens dazu entschlossen haben, eine gewisse Sicht der Dinge anzunehmen und zu vertreten bzw. danach zu leben. Im besten Falle wurden wir schon mit der Einstellung erzogen, dass man immer offen und ehrlich ist und für seine Worte und Taten die Verantwortung übernimmt. Das ist nur leider nicht die Regel.

Besonders bei befürchteten negativen Konsequenzen für uns selbst, geben wir nur ungern zu, dass diese oder jene Tat begangen bzw. unterlassen wurde. Doch genau da fängt die Eigenverantwortung an! Zu sich zu stehen. Das bedeutet auch zu seinen Fehlern zu stehen. Wir alle machen Fehler – das ist nur menschlich. Wir müssen diese nur nutzen, um zu lernen und Dinge besser zu machen. Am besten indem wir offen zugeben, etwas falsch gemacht zu haben, uns dafür entschuldigen und hoffentlich lernen, wie wir diesen Fehler künftig vermeiden können. Fehler einzugestehen ist für unser seelisches und körperliches Wohlbefinden wichtig und fördert sogar soziale Bindungen. Denn Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit auf einer Seite fördert Verständnis und die Bereitschaft zu verzeihen auf der anderen Seite.

Jeder hat seine eigene Moral und sein eigenes „Richtig“ und „Falsch“ und das ist in Ordnung. Das ist auch gut so. Schwierig wird es nur dann, wenn die eigene Einstellung ein Zusammenleben in einer Gemeinschaft unmöglich macht. Weil wir eventuell eine sehr rigide, eigensinnige Perspektive haben und es nicht schaffen, den Blickwinkel zu wechseln. Wir können andere Menschen und andere Einstellungen nur verstehen, wenn wir versuchen uns in diese hineinzuversetzen. Dadurch bekommen wir eine Chance Neues zu lernen und uns weiterzuentwickeln. Aber dies müssen wir wollen. Wir sind soziale Wesen und können evolutionsbiologisch auf Dauer nicht ohneeinander überleben. Das heißt also, wenn ein Miteinander nicht möglich ist, muss sich etwas ändern. Und dieses „Etwas“ sind immer wir selbst! Denn das ist die einzige Variable, auf die wir Einfluss nehmen, und somit verändern können.

Also ist jeder dazu angehalten, in den Spiegel zu schauen und sich selbst die Frage zu stellen: Bin ich das? Ist die Person, die ich da sehe, die Person, die ich sein möchte? Ist dies das Leben, welches ich führen möchte?

Wenn wir uns selbst nicht mehr erkennen und spüren, dass das nicht das Leben ist, welches wir führen möchten, dann müssen wir das auch nicht. Nur weil wir vielleicht so erzogen wurden, heißt das nicht, dass wir uns nicht umerziehen bzw. umlernen und umdenken können. Wir alle können und dürfen sein, wer und was immer wir wollen. Neuroplastizität ist hier das Stichwort. Dieser Fachbegriff beschreibt im Grunde die Fähigkeit unseres Körpers sich zu verändern, Neues zu lernen und sich unser ganzes Leben lang weiterzuentwickeln. Und wir entscheiden selbst, in welche Richtung unsere Entwicklung voranschreiten soll.

Eigenverantwortung bedeutet auch Freiheit.

Die Freiheit zu haben, das zu tun, was man möchte. Die Person zu werden, die man sein möchte, und das zu tun, was einen glücklich macht. Dazu muss man sich natürlich erst einmal bewusst werden, wer man ist und was man im Leben erreichen möchte bzw. was einem wichtig ist. Folglich sollte man sich fragen: Welche Moralvorstellungen habe ich selbst und welche Werte sind mir wichtig? Wie kann ich diese vertreten? Und was bin ich bereit dafür zu tun? Dies gilt für alle Bereiche des Lebens. Es gilt für einen selbst und in Bezug auf das soziale und berufliche Umfeld sowie die Umwelt. In erster Linie geht es dabei aber auch um die eigene Gesundheit! Denn nur, wenn wir unsere eigenen Wünsche und Bedürfnisse – im Einklang mit funktionierenden sozialen Beziehungen – leben können, geht es uns wirklich gut.

Diese Freiheit birgt allerdings auch gewisse Ängste in sich. Denn die Verantwortung für das eigene Leben übernehmen, bedeutet sich Herausforderungen zu stellen.

Im Erwachsenenalter führt im Grunde jeder sein Leben (wenn möglich) eigen- und selbständig und jeder entscheidet selbst, wie er es leben möchte. Wenn man allerdings zum ersten Mal damit konfrontiert wird, sein Leben in die Hand zu nehmen und künftig allein und weitestgehend ohne Hilfe zurechtzukommen, kann das durchaus auch etwas beängstigend wirken. Dabei steht insbesondere die Angst etwas falsch zu machen im Vordergrund. Die Angst nicht zu schaffen, was man selbst und manchmal (oft aber nur mutmaßlich!) auch andere von einem erwarten, setzt viele Menschen enormem Druck und Belastungen aus. Denn nun sind wir gefordert, aus den Mustern der Erziehung auszubrechen bzw. diese Richtlinien und Regeln zu überdenken und selbst unseren Weg im Leben und den Weg zu uns (und unseren Überzeugungen) zu finden.

Egal wie wir aufgewachsen sind oder unter welchen Umständen und mit welchen Menschen wir konfrontiert wurden – mit welchem Leid und welchem Glück – wir sind jetzt in der Verantwortung, uns gegen die Opferrolle und die Vergangenheit und das, was das Leben aus uns gemacht hat, zu stellen und – wenn nötig – etwas, ergo uns selbst, zu ändern! Denn niemand ist für unser Leben und unsere Entscheidungen und Handlungen verantwortlich, außer wir selbst! Wenn unser Leben nicht läuft, wie wir uns das wünschen, dann nur, weil wir es zulassen. Nur wir selbst können etwas daran ändern bzw. verhindern, dass es weiter so bleibt. Es gibt im Leben kein MUSS, es gibt immer ein KANN und WILL. Und dessen sollten wir uns bewusst sein.

Eigenverantwortung bedeutet auch Grenzen zu setzen.

Wir fühlen uns für so viele Dinge im Alltag verantwortlich. Wir sind für die eigene Familie, die Kinder, die Arbeit/Kollegen, die Freunde usw. da und fühlen uns dazu verpflichtet, alles dafür zu tun, dass es allen um uns herum gut geht. Was wir dafür leider nur allzu oft vergessen bzw. völlig vernachlässigen, sind wir selbst und unsere eigenen Bedürfnisse. Wie viel Zeit nutzen wir (effektiv) zur Selbstfürsorge? Die Realität lautet leider: viel zu wenig! Und damit können wir auf Dauer kein gesundes Leben führen. Wir können auch niemandem helfen bzw. für andere Sorge tragen, wenn es uns selbst nicht gut geht. Im Flugzeug wird man schließlich auch bei jedem Flug darauf hingewiesen, im Notfall immer zuerst sich selbst die Sauerstoffmaske aufzusetzen, bevor man anderen dabei hilft. Es ist nicht selbstsüchtig das zu tun, was für einen selbst das Beste ist – es ist schlicht und ergreifend notwendige Selbstfürsorge. Denn wenn wir nicht auf uns und unsere Bedürfnisse achten, sind wir irgendwann überlastet und werden krank. Und zwar psychisch, physisch oder oft auch beides. Und das gilt es zu verhindern! Wenn wir jemandem in UNSEREM Leben gerecht werden müssen, dann nur UNS SELBST.

Eigenverantwortung bedeutet für sich selbst Sorge zu tragen.

Das heißt:

  • man selbst steht immer an erster Stelle und muss zuerst versorgt werden: Sicherung von ausreichendem und gesundem Schlaf, bewusste Ernährung, Bewegung (in der Natur) und bewusste Atmung (Achtsamkeitsübungen, Yoga, Meditation, autogenes Training, usw.)
  • Aufgaben abzugeben bzw. zu delegieren, wenn es einem zu viel wird. Beruflich und privat!
  • NEIN zu sagen.
  • Grenzen zu setzen und diese zu wahren.
  • zuhause zu bleiben und auszuruhen, wenn man bereits krank ist. Und dazu zählt auch psychisches Unwohlsein!
  • Hilfe anzunehmen bzw. zuzulassen und sich Hilfe holen, wenn man welche braucht. (Das ist erlaubt und sogar erwünscht.)
  • sich Zeit für sich zu nehmen und für Dinge, die einem gut tun. Verstehen, dass man das darf – ohne schlechtes Gewissen!
  • verstehen, dass man sich nicht um alles alleine kümmern kann und es vor allem auch nicht muss.
  • verstehen, dass andere die Verantwortung genauso für sich selbst tragen.
  • akzeptieren, dass es einem auch mal schlecht gehen darf und man nicht immer stark und autark sein muss. (Das ist keine Schwäche, das ist menschlich.)
  • vor allem, sich selbst zu lieben, so wie man ist.

Fazit:

Das Leben ist es nicht, welches uns schlecht behandelt. Es sind auch nicht die Menschen in unserem Leben. Wir sind es selbst, wenn wir Menschen und Dinge in unser Leben lassen, die uns nicht gut tun. Wir sind es selbst, wenn wir denken, wir müssten die Dinge so hinnehmen, wie sie sind. Das müssen wir nicht! Wir sind kein Opfer des Schicksals, wir sind nur leider oft zu festgefahren in unseren Gewohnheiten und Lebensweisen, um etwas an den Situationen und Umständen, die uns stören, zu ändern. Deshalb sollte jeder die Verantwortung für sein Leben übernehmen und selbst handeln. Es wird niemand für uns tun. Wir müssen nur bereit sein, uns unseren Ängsten und Herausforderungen zu stellen, die uns dabei im Wege stehen, dann kann sich alles ändern. Die meisten Ängste im Leben sind unbegründet, da sie niemals eintreten bzw. sich bestätigen. Also anstatt sich die negativen Konsequenzen seiner Handlungen auszumalen, wäre es sinnvoll und zuträglich, sich das bestmögliche Ergebnis, in all seinen leuchtenden Farben, vorzustellen. Die Energie folgt immer der Aufmerksamkeit. Fokussieren wir uns also auf die positiven Gefühle im Leben und wir werden sie verstärken.

Jeder ist dazu fähig sich zu ändern, wenn er es will! Wenn wir auch nicht immer eine Situation an sich ändern können, können wir sehr wohl die eigene Einstellung zu Situationen und Dingen ändern und das bedeutet im Grunde alles zu verändern. Es liegt in deiner Hand, das bestmögliche Leben für dich zu kreieren. Also worauf wartest du? JETZT ist immer die richtige Zeit, die Verantwortung für sein eigenes Leben zu übernehmen.

Autor: Caroline Pitz (Psychotherapeutin nach dem Heilpraktikergesetz)
Thema: Was bedeutet Eigenverantwortung
Webseite: https://www.life-balance-carolinepitz.com

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