Über den Begriff „Burnout“ wird sehr viel geschrieben und die mehr oder weniger hilfreichen Anleitungen zur Lösung aller Probleme nehmen immer mehr zu.

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Auch die Frage nach der Herkunft des Begriffes erübrigt sich, da jeder weiß - oder glaubt zu wissen - wie es sich anfühlt ausgebrannt zu sein. Aber was genau macht den Unterschied zwischen dem Burnout bei Männern und bei Frauen? Dazu ist es hilfreich die Entstehung dieses Zustandes zu verstehen.

Nach Freudenberger[1] und North gibt es 12 Phasen:

1. Drang, sich selbst und anderen Personen etwas beweisen zu wollen

2. extremes Leistungsstreben, um besonders hohe Erwartungen erfüllen zu können

3. Überarbeitung mit Vernachlässigung persönlicher Bedürfnisse und sozialer Kontakte

4. Überspielen oder Übergehen innerer Probleme und Konflikte

5. Zweifel am eigenen Wertesystem sowie an ehemals wichtigen Dingen wie Hobbys und Freunden

6. Verleugnung entstehender Probleme, Absinken der Toleranzgrenze

7. Rückzug und dabei Meidung sozialer Kontakte bis auf ein Minimum

8. Offensichtliche Verhaltensänderungen, fortschreitendes Gefühl der Wertlosigkeit, zunehmende Ängstlichkeit

9. Depersonalisierung durch Kontaktverlust zu sich selbst und zu anderen Personen; das Leben verläuft zunehmend funktional und mechanistisch

10. Innere Leere und verzweifelte Versuche, diese Gefühle durch Überreaktionen zu überspielen wie beispielsweise durch Sexualität, Essgewohnheiten, Alkohol und andere Drogen

11. Depression mit Symptomen wie Gleichgültigkeit, Hoffnungslosigkeit, Erschöpfung und Perspektivlosigkeit

12. Erste Gedanken an einen Suizid als Ausweg aus dieser Situation; akute Gefahr eines mentalen und physischen Zusammenbruchs

Das Hauptproblem im Kampf gegen den auf die Frau einstürmenden Stress, der dann einen solchen Verlauf wie in den Punkten 1-12 nehmen kann, ist nicht nur das soziale Umfeld, sondern auch die Persönlichkeit der Frau selbst.

Schon die Vorstellung, eine Aufgabe „links liegen zu lassen“, oder sich auch mal Zeit für sich selbst zu nehmen, kann für Frauen unvorstellbar sein und auch auf Unverständnis in Beruf oder Familie stoßen.

Viele Frauen, die gerade noch in Phase 2,3 oder sogar in Phase 5 auf andere Menschen einen Eindruck von Stärke und Elan vermitteln, würden also für ihr Umfeld plötzlich anfangen „faul“ zu werden. Das tiefer zugrunde liegende Problem des persönlichen „Ausgebranntseins“ wurde einfach zu oft überspielt und so von anderen nicht wahrgenommen.

Und hier sind wir an dem entscheidenden Punkt, an dem man eine Trennung zwischen der Persönlichkeitsstruktur von Frauen und Männern ziehen kann und welcher sich schon im früh im Leben abzeichnet.

Studien zur Stressbewältigung von Kindern und Jugendlichen zeigen, dass Mädchen eher eine problemorientierte Bewältigungsstrategie wählen und auch nach Unterstützung im Umfeld suchen, wohingegen bei Jungen eher eine vermeidende Strategie bevorzugt wird.[2] Während sich Männer also oft mit Ablenkungen wie Sport oder auch einfacher Flucht aus der Situation den Problemen verschließen, versuchen Frauen Lösungsansätze zu finden.

Woher kommen die Unterschiede? Die University of Pennsylvania hat eingehende Test zu den Unterschieden der Gehirnvernetzungen durchgeführt. Das Ergebnis zeigt, daß Frauen bessere Vernetzungen in den jeweiligen Gehirnhälften haben, aber die Vernetzung zwischen den Hemisphären bei Männern besser ist [3].

Was genau heißt das jetzt für den Umgang mit Stress? Wenn Männer ihr Denken in „Schubladen“ packen können,“berühren“ sich diese Schubladen auch nicht, außer es dient zur Lösung eines Problems. Stress kann also teilweise abgeschaltet oder vergessen werden. Scherzhaft gesagt können Männer sogar ohne große Gehirnaktivitäten dasitzen und sterben trotzdem nicht.[3]

Bei Frauen hingegen sind alle Areale miteinander verbunden und bedingen sich gegenseitig. Evolutionär gesehen ist dieses Multitasking ein Vorteil, da durch das Überblicken der Gesamtsituation und entsprechend schnelles Handeln das Überleben der Kinder besser gesichert werden konnte.

Im heutigen Alltag sind darüber hinaus aber  vielfältigere Ansprüche hinzugekommen, die bewältigt werden müssen.

Jede Suche nach der Lösung eines Problems sorgt wiederum für Stress und regelmäßige Erholung ist damit unverzichtbar.

Da es aber vor allem bei Mehrfachbelastung durch Familie, Beruf und soziales Umfeld einfach zu wenig Zeit zwischen den Stressphasen gibt, kann auch keine ausreichende Erholung stattfinden. Dabei sind die Anforderungen des Alltags so vielfältig wie die Lebensbedingungen der Frauen, die dieses Problem betrifft.

Das führt natürlich dazu, das viele allgemeine Tipps zur Bewältigung von Stress bei ihnen nur bedingt wirken.

Es dürfte zum Beispiel nicht immer sinnvoll sein, mitten in einer Großstadt spazieren zu gehen oder mit Hochdruck ein Hobby zu suchen um sich abzulenken.

Die Erfahrung lehrt, dass es viel wichtiger und auch effektiver ist sich auf die Dinge zu konzentrieren, die direkten Einfluss auf die Situation haben in der eine Frau sich befindet.

„Nein!“ zu einer Aufgabe oder Bitte zu sagen, fällt vielen Frauen schwer, weil sie dies als Ausdruck von Schwäche empfinden. Sich selbst stellen sie dabei hinten an, dabei ist es gesünder, dass sie in sich hinein horchen, ob sie die Kraft haben, all die Dinge zu erledigen um die sie gebeten werden. Also anstatt „Ja“ zu etwas zu sagen, ist es ratsam zuerst zu überlegen, wie sich  die Aufgabe auswirken kann. Ob sie zu schaffen ist und trotzdem noch genug Ruhezeit da ist. Sei es ein Gefallen, Hilfe bei einer Tätigkeit, die ein anderer nicht schafft, oder ein Besuch, der sich kurzfristig angesagt hat.

Frauen sind sich oft bewusst,dass sie „Nein!“ sagen sollten. Gleichzeitig aber sind sie nicht in der Lage, das Bild der starken  Frau, die alles schafft, aufzugeben.  Hier kann es hilfreich sein, sich zu überlegen, ob es vielleicht besser ist „Nein“ zu sagen, egal was man glaubt was andere denken könnten.

Belastende Alltagssituationen können Frauen an ihre Grenzen bringen. Hier hat es sich bewährt, die negativen Stressfaktoren in einer ruhigen Minute für sich selbst in zwei Gruppen zu unterteilen, nämlich die, auf welche man Einfluss nehmen kann und  jene, bei denen das nicht möglich ist.

Den Stressoren, die nicht direkt beeinflusst werden können, ist nur mit Planung, Disziplin und Ruhe zu begegnen, erledigt werden müssen die Aufgaben ohnehin. Diese also nach Dringlichkeit und Konsequenzen sortieren. Nicht dringend und keine Konsequenzen? Dann später erledigen! Dringendere und anstrengendere Arbeit mag vielleicht auch morgen noch da sein, bis dahin aber kreiselt sie im Kopf herum und sorgt für Unruhe.

Andere Probleme kann man beeinflussen, wenn beispielsweise in der Familie die Aufgaben nicht gerecht verteilt sind. Es ist dann wichtig, auch das gesamte zur Verfügung stehende Umfeld einzuspannen. Arbeit zu teilen ist eine wichtige Säule der Gesellschaft und es ist oft auch überraschend, wie gerne geholfen wird.

Sie haben das Gefühl, Sie sind dann keine Frau mehr, die alles kann? Was denken die anderen nun über Sie?

Lassen Sie diese Gedanken beiseite, vermuten Sie nicht zu viel! Ihre körperliche und psychische Gesundheit haben oberste Priorität, nur mit  einem gesunden Körper können Sie noch längere Zeit auch viel schaffen. Dazu gehören auch kurze Momente des Innehaltens. Versuchen Sie, mit Achtsamkeitsübungen etwas Ruhe zu gewinnen. Das gelingt schon bei ganz alltäglichen Handlungen. Wann haben sie das letzte Mal ganz bewusst eine Tasse Tee oder Kaffee getrunken? Oder auch schon ganz bewusst zubereitet? Auch störende Signale der Außenwelt können Sie nutzen, um sich bewusst zu werden, was gerade wichtig ist. Wenn wir Geräusche wie Telefonklingeln oder Autohupen wahrnehmen, unterbrechen wir kurz unsere Gedankengänge. Nutzen Sie das als Möglichkeit, gedanklich einen Schritt zurück zu treten, um einen andere Herangehensweise auf die Situation zu erhalten, die Sie gerade beschäftigt. So fällt Ihnen vielleicht auch ein weiterer Lösungsansatz ein.

Denken sie daran: Stress entsteht im Kopf! Wenn Gedanken dort immer und immer wieder Runden drehen, dann schreiben Sie sie auf und machen einen Plan. Legen sie sich Block und Bleistift neben das Bett und schreiben Sie in der Nacht auf, was Sie wachhält. Planen Sie am nächsten Tag, was Sie erledigen müssen. Und dann handeln sie nach diesem Plan ohne ständig die selben Gedanken zu wiederholen. Wenn Sie gerade vor Arbeit nicht wissen was zuerst zu tun ist, dann machen Sie eine Pause, atmen durch und entscheiden, womit Sie beginnen sollten. Ist das Problem gelöst, haken Sie es ab und denken Sie auch wirklich nicht mehr daran.

Achtsamkeit und Planung können helfen, Burnoutsymptome zu erkennen, ihnen rechtzeitig entgegen zu treten und eine Verschlimmerung aufzuhalten. Gerade im größten Stress sollten Sie an eine japanische Volksweisheit denken:

Wenn Sie es eilig haben, dann gehen Sie langsam.

Autor: Alexander Jähnig, Anja Jähnig
Thema: Burnout Symptome Frau
Webseite: https://www.logopaedie-jaehnig.de

[1] Herbert Freudenberger, Gail North: Burnout bei Frauen. Freiburg, 1992.
[2] Zeitschrift für Gesundheitspsychologie (2012), 20, pp. 3-12. . © 2012 Hogrefe Verlag.
[3] Penn Medicine Brain Imaging Study Helps Explain Different Cognitive Strengths in Men and Women December 02, 2013

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