"Burnout" was ist das eigentlich?

Burnout gehört längst zu unserem Alltag, selbst das Wort verwenden wir schon ganz selbstverständlich.

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Doch was ist eigentlich Burnout, wodurch entsteht es und woran kann ich erkennen ob ich vielleicht selbst betroffen bin? Zuletzt wäre es auch nicht schlecht, zu wissen wie man es überwinden bzw. behandeln kann.

Nun, zunächst muss gleich vorab gesagt werden, dass es „das Burnout“ als eigene Erkrankung theoretisch gar nicht gibt. Im internationalen Diagnosekatalog, kurz: ICD10, ist in seiner Klassifikation der psychischen Störungen das Burnout nicht zu finden. Allerdings bei näherer Betrachtung wird, als sogenannte Beschreibung der Umstände für die Entstehung einer psychischen Erkrankungen unter Z73.0 doch darauf eingegangen.

Warum ist das so?

Es erklärt sich dadurch, dass sich diese völlige Erschöpfung des Menschen, also das ausgebrannt sein, sich ebenso individuell äußert, wie das jeweilige Leben der Betroffenen an sich. Einen gemeinsamen Nenner gibt es jedoch in jedem Fall und das ist der Ausgangspunkt, nämlich die Angst.

Doch beginnen wir ganz am Anfang. Welche Bedingungen müssen denn gegeben sein, dass sich ein sogenanntes Burnout entwickeln kann?

Es beginnt und jetzt bitte nicht enttäuscht sein, im Kopf, genauer gesagt in der Haltung zum eigenen Leben und dem was jeder einzelne als erstrebenswert empfindet.

Die Antwort ist sehr einfach. Jeder von uns versucht in der bzw. seiner unmittelbaren Gesellschaft anerkannt zu sein. Um es noch banaler auszudrücken, der Mensch will einfach geliebt werden, bzw. be-liebt sein. Von Kindesbeinen auf, hören wir Sätze wie:“sei ein braves Kind und mach....“, oder: „sei so lieb und tu...“ Das bedeutet, wir sind von Anbeginn unseres Lebens darauf konditioniert, dass wir immer nur dann geliebt werden wenn wir etwas tun, also Leistung für jemanden erbringen. Wer nichts tut ist nicht brav und somit auch nicht liebenswürdig. Brav sein bringt Erfolg den man in Zahlen messen kann und einen somit auch noch zu einem guten Menschen macht. Wer erfolgreich ist, muss somit nach dieser Rechnung auch gut sein und wird daher auch von allen geliebt.

Versager sind die, die keinen Erfolg verzeichnen können und aus diesem Grund dann natürlich auch nicht liebenswürdig sind. Wir haben damit gelernt, dass wir immer das tun müssen was andere von uns erwarten, denn nur dann werden wir gemocht. Aber genau damit sind wir dem größten Missverständnis aufgesessen, was es im Zusammenhang mit Burnout überhaupt nur gibt! Denn wenn wir das tun was andere von uns erwarten werden nicht wir selbst als Mensch dadurch geliebt sondern das was wir getan haben, also nur unsere Tat, die jeder andere x-beliebige auch hätte erledigen können …. Wir verwechseln an dieser Stelle Lob mit Liebe und das von Kleinkindalter an. Wir können an dieser Stelle nun in tiefer Betroffenheit stecken bleiben oder uns neugierig an die Wahrheit heran tasten. Die Wahrheit ist, dass wir in all dem, was wir den anderen „zu Liebe“ tun spüren, dass wir noch nicht am Ziel sind, dieses Tun offenbar nicht reicht, denn wir bekommen die erhoffte Liebe nicht, sondern eben nur Lob, was uns leider in diesem Momenten nicht bewusst ist. So fangen wir an unsere Leistungen zu steigern... was uns ja wieder „nur“ weiteres Lob, statt Liebe einbringt und so dreht sich die Spirale in der Angst des immer noch nicht geliebt zu werden immer weiter nach oben. Und Trotz vieler Erfolge durch viel Leistung wird unsere Sehnsucht nach dem „Ich bin doch erfolgreich, also bin ich geliebt“ immer noch nicht erfüllt.  Das Gefühl von Liebe ist das Motiv, was uns anspornt zu Höchstleistungen aufzufahren. Wir können jetzt ins Detail gehen und analysieren warum viele sich nicht rechtzeitig abgrenzen und „nein“ sagen können, aber das würde den Rahmen dieses Artikels sprengen.

Wir haben dabei auf alle Fälle Angst, bei unserem Gegenüber auf der Beliebtheitsskala in den Keller zu rutschen, was dann für uns Ablehnung und Antipathie bedeuten würde. Das wollen und können wir sehr häufig nicht aushalten, da wir Menschen eben soziale Wesen sind. Beruflich könnte ein „Nein-sagen“ unter Umständen vielleicht sogar eine Kündigung nach sich ziehen, was unserem Erfolg und damit „guter Mensch sein“ ein herbes Ende bescheren würde, was wir auf keinem Fall wollen. Aber nicht nur im Beruf möchten wir weiterhin beliebt bleiben, sondern noch viel wichtiger ist es uns für unser Privatleben, was dann unseren Freundeskreis und unser Familienleben betrifft. Als dieses besagte soziale Wesen, sind wir darauf angewiesen von unserem Umfeld das Gefühl der Zugehörigkeit zu erhalten. Ich nenne es ganz banal „Stammeskultur“ die uns bzw. unser Urgehirn seit Jahrtausenden unverändert geprägt hat. Diese Prägung hat zur Folge, dass wir jede Form von Ablehnung früher vielleicht mit unserem Leben bezahlen mussten. Vom Stamm ausgeschlossen zu werden, kam einem Todesurteil gleich, denn ohne dem Schutz des Stammes, waren wir dem Säbelzahntiger und anderen Raubtieren als schnelle Beute ausgeliefert. Sie sehen also, wie einfach erklärbar es ist, dass der Mensch vor kaum mehr Angst verspürt, als vor der sozialen Isolation. Das gleiche Ausmaß an Angst finden wir auch bei jeder Form von Trennung vom Partner, sei es durch Tod oder Scheidung o.ä. löst es in uns diese extreme Existenzangst aus....

Ein vorhin beschriebener Jobverlust könnte für uns eine soziale Ablehnung bedeuten, ebenso ein Konflikt mit einer nahestehenden Person der man, aus welchen Gründen auch immer, nicht oder nicht mehr alle Erwartungen, die diese an mich hat, erfüllen kann, oder auch will. Daher sind in abhängigen Familiensituationen mindestens gleich viel Menschen von Burnout betroffen wie im Berufsleben. Im privaten Bereich sind sehr häufig pflegende Angehörige betroffen, die weit über ihre menschlichen Kräfte gehen, um die (oft nur vermuteten) Erwartungen des Pflegebedürftigen zu erfüllen. In meiner Praxis finde ich dieses Phänomen jedoch auch oft unter Ehepartnern, dass einer die (vermuteten) Erwartungen des anderen erfüllen will und aus diesem Grund sich einer chronischen Überforderung aussetzt. Sehr häufig jedoch ist es der Patient selbst der diese hohen Erwartungen an sich erhebt ohne es zu ahnen. Ebenso häufig ist dies bei jenen Müttern zu beobachten, die ich als „Helikoptermütter“ bezeichne, also jene Mütter die ihren Kindern keinerlei Selbstbestimmtheit durch Eigenverantwortung und Selbstbewusstsein zutrauen und somit die absolute Kontrolle über ihre Kinder ausüben, was auf die Dauer ebenso wenig möglich ist wie von einer Führungskraft über seine Mitarbeiter. Sie sehen also die Bandbreite der Burnout gefährdeten Menschen ist groß und es gibt kaum jemanden der oder die sich hier ausnehmen kann.

Wir Logotherapeuten haben hierzu eine sehr simple Formel: Stress entsteht, wenn Anforderungen und Fähigkeiten nicht oder nicht mehr zusammenpassen, womit der Anfang für ein Burnout schon gemacht wäre.

Denken wir hier an ein Sekretariat vor 40 Jahren und heute. Was hat sich alleine in diesem Bereich alles geändert? Natürlich haben wir heute im Berufsleben teils völlig andere Anforderungen als damals, viele unserer Kollegen können mit dem Einzug der Digitalisierung einfach nicht mehr mithalten und geraten daher aus dem Gleichgewicht. Aber noch sehr viel anderes hat sich damit an Voraussetzungen einer beruflichen Qualifizierung geändert. Betrachten wir die Fähigkeiten, so muss jeder selbstreflektierte Mensch sich eingestehen, dass unsere Fähigkeiten allein schon altersbedingt, heute andere sind als vor 5, 10 oder 15 Jahren. Eine 35 jährige Mutter von drei kleinen Kindern, die kaum eine Nacht durchschlafen kann, hat natürlich heute andere Fähigkeiten als eine junge Frau ohne Anhang mit Anfang 20.

Alleine also an Hand dieser Formel können wir sehen wie störanfällig unser seelisches Gleichgewicht werden kann. Kommen nun die beschriebenen, von uns vermeintlich nicht erfüllten Erwartungen dazu, drohen wir in diese Burnout Falle zu geraten.

Welche Anzeichen können bereits Vorboten für einen Burnout sein?

Da wir Erwartungen erfüllen wollen, denken wir pausenlos darüber nach, wie wir dies trotz widriger Bedingungen, doch noch schaffen könnten, das heißt ein Gedankenkarussell, Gedankenkreisen auch Grübelzwang genannt, setzt sich in Gang. Wir können nicht mehr durchschlafen, wachen nach ca. vier Stunden auf und die Gedanken, auf der Suche nach einer Lösung, rotieren in unserem Kopf.

mann langt sich an kopf

Am nächsten Tag sind wir unausgeschlafen und dementsprechend nach kurzer Zeit unkonzentriert. Die Nerven liegen blank, das Nervenkostüm ebenso. Wir werden dünnhäutig und unsere Frustrationstolleranz nimmt massiv ab, die Reizbarkeit dafür um so mehr zu. Wir beginnen Fehler zu machen, was uns noch mehr aus der Bahn wirfst und wir noch intensiver versuchen, Lösungen zu finden, um das Gleichgewicht zu halten... Die Achterbahn zwischen Hoffnung und Verzweiflung nimmt volle Fahrt auf. Da wir kaum noch eine Nacht richtig schlafen und wenn dann nur in der Seitenlage, nehmen muskuläre Verspannungen im Hals-, Schulter-, Nackenbereich zu, die zu chronischen Kopfschmerzen und Gelenkschmerzen führen, wir werden noch unkonzentrierter, gereizter, mit noch mehr Fehlern und abnehmender Produktivität und somit sinkendem Erfolg... Weniger Erfolg signalisiert uns aber wieder, weniger geliebt zu werden, der Ausschluss aus dem Stamm scheint uns unausweichlich, die (Ur-,) Todesangst steigt....

Wir kämpfen um unser Leben, gegen alle und jeden mit allen Mitteln und letzter Kraft …

Am Ende geht die Verzweiflung in Resignation über: „egal was ich jetzt noch tue, es hat doch keinen Sinn mehr“.... Es folgt der absolute Zusammenbruch. Die Symptome bewegen sich zwischen Schlafstörungen, Schmerzstörungen, Psychosomatik, fehlende Libido, Interessenlosigkeit, sozialer Rückzug, Isolation, Gereiztheit, Depression, Aggression, Weinerlichkeit, Sucht....

Patienten die nicht schon vorher die Notbremse gezogen haben, werden spätestens an dieser Stelle bezüglich einer Krankschreibung bei ihrem Hausarzt landen, mit der (nicht klassifizierten) Diagnose: „Burnout“! Willkommen im Club.

Und jetzt?

Die schlechte Nachricht vorab, Sie werden nie wieder „der/die Alte“ werden, denn unser Gehirn verfügt über ein sogenanntes „Angstgedächtnis“ und hat nun gelernt, dass all das wie Sie bisher gelebt haben, lebensgefährlich ist und der Säbelzahntiger Spur auf Sie aufgenommen hat. Ihr Gehirn wird also in Zukunft schnellstens Alarm melden, sobald ihm eine Situation in dieser Form bekannt vorkommt. Das macht Sinn, denn so haben wir auch gelernt, dass es nicht gesund ist, wenn man die Hand auf eine heiße Herdplatte legt. In dieser Situation erschwert es jedoch die Genese, denn gegen aller herkömmlicher Meinung kann unser Gehirn nichts wirklich verarbeiten im Sinne von vergessen. Hier sollten wir uns einfach einmal eine Art Computer-Festplatte vorstellen, auf der alles gespeichert ist und nichts gelöscht werden kann. Zum Glück ist aber unser Gehirn bestechlich und das nicht wenig. Es sucht sich immer den bequemsten, angenehmsten und einfachsten Weg heraus, um so energiesparend wie möglich zu arbeiten. Jede Form von Stress bedeutet für das Gehirn einen hohen Energieverbrauch, was es von vorne herein vermeiden will. Nun ist die Psychotherapie gefragt, denn jetzt geht es darum, dem Gehirn neue Verhaltens-, und Lösungsmuster anzubieten, die im Laufe der nächsten Monate, dann erst noch zur Gewohnheit „trainiert werden müssen. Man kann von ca. 13 Monaten ausgehen, dass das Gehirn das neu Erlernte als „seine Normalität“ akzeptiert. Davor ist es ein ständiges daran arbeiten, was es als Energie raubend empfindet und daher lieber vermeiden möchte. Hier muss nun der innere Schweinehund überwunden werden und das ist nicht immer leicht. Wir Logotherapeuten sprechen hier von „Selbsttranszendenz“.

Trotz all dem Neugewinn an Erkenntnissen und Verhalten wird das Gehirn weiterhin seine Erfahrungen vergleichen, denn es vergisst wie gesagt nie.... Es bleibt ein ewiger Tanz auf dem Seil, jedoch am Sicherheitsgurt, denn die Alarmanlagen sind in Zukunft sehr sensibel eingestellt und werden mit Sicherheit, weit vor jeder erneuten Gefahr der Überforderung, unüberhörbar ihr Signal an SIE auslösen...

Und die Moral von dieser Geschichte?

Im beruflichen Bereich bedarf es Kompetenz, Wertschätzung und Fairness, nicht aber Liebe und wer im Privatleben uns nur liebt weil wir etwas für ihn/sie tun, wir selbst inklusive, oder uns so verhalten wie er/sie es von uns erwarten, hat unser Liebe nicht verdient. An dieser Stelle sollten wir uns dann lieber einem neuen „Stamm“ zuwenden, oder gegebenen Falls sind wir es selbst die an unserem Selbstwertgefühl, Eigenerwartungen und einer gewissen Selbstliebe arbeiten müssen.

Autor: Gudrun Mehring, Diplom-Logotherapeutin und Existenzanalytikeri
Thema: "Burnout" was ist das eigentlich?
Webseite: https://www.gudrunmehring.de

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