Ratgeber Lifestyle

Vielleicht empfinden sie folgendes, wenn sie das Wort Stress hören, z.B.:

- Stress hab ich auch, ist doch gar nicht so schlimm.
- Alles stöhnt über Stress, stellt euch doch nicht so an.
- Ich hatte zwar einen stressigen Tag, war aber trotzdem gut; heute gibt es dafür noch einem schönen Entspannungsabend.

katze-couch-entspannt

Das ist eigentlich kein Stress, der uns zu schaffen macht, sondern er wird als Eustress (eu = gut, wohl, richtig) bezeichnet, d. h. Aufgaben und Anforderungen können uns ordentlich beanspruchen, aber sie machen Freude, verschaffen uns Zufriedenheit, sind eher kurzfristig und erlauben immer wieder auch Entspannungsphasen. Anspannung und Entspannung sind Gegensätze, die zur Aufrechterhaltung unseres inneren Gleichgewichts notwendig sind, wie hell und dunkel, warm und kalt, Sonne und Regen, Sommer und Winter…

Aber was ist, wenn….

- Dieser dauernde Stress macht mich fertig, ich weiß nicht, wie lange ich das noch durchhalte.
- Diesen Druck halte ich nicht mehr aus.
- Ich mach mir ständig Sorgen um meine Familie.
- Vor lauter Angst meine Arbeit zu verlieren, kann ich gar nicht mehr klar denken

Das ist der sog. Disstress (dis = schlecht), der uns wirklich krank machen kann.

Was passiert mit uns, wenn wir dauernd unter Stress stehen? Wie ist der Ablauf einer Stressreaktion? Es gibt da etwas, das nennt man das Gesetz der Homöostase (Fließgleichgewicht). Das bedeutet, dass ein System – in diesem Fall der Mensch – die Fähigkeit besitzt, sich trotz Störungen der Umwelt oder trotz sich ändernder Lebensbedingungen in einem stabilen Zustand zu halten. Wenn wir ständig unter Druck stehen, ist dieses Gleichgewicht gestört. Psychisches Ungleichgewicht beeinflusst unsere normalen Körperfunktionen und umgekehrt beeinträchtigen körperliche Beschwerden unser seelisches Gleichgewicht .

Alles, was uns ein Signal gibt, unter Druck zu stehen macht uns Stress…

- Über- oder Unterforderung am Arbeitsplatz
- Ständige Hektik
- Angst, nicht zu genügen
- Finanzielle Sorgen
- Sorgen um die Familie
- Mobbing
- Gesundheitliche Probleme...

…und verursacht ein Gefühl von Angst.

Auf Angst reagiert unser Körper in der Regel reflexartig, gesteuert durch das Stammhirn, welches für den Ablauf aller Funktionen zuständig ist, die unser Überleben sichern. Diese Reaktion bereitet unseren Körper auf Flucht oder Kampf vor, etwa so wie unsere Vorfahren auf der Jagd oder der Flucht vor dem berühmten Säbelzahntiger. Der Ablauf einer Stressreaktion ist ein festgelegtes Programm. Folgendes passiert:

Eine wichtige Rolle spielt hier das vegetative Nervensystem (es ist autonom und nicht willkürlich steuerbar), bestehend aus Sympathikus und Parasympathikus – man kann sie mit Gas und Bremse vergleichen.

Sind wir auf der Flucht oder befinden wir uns in einer Stresssituation wird der Sympathikus aktiviert. Dieser sorgt für die schnelle Verfügbarkeit der notwendigen Energie und aktiviert die Organe, die im Moment am nötigsten gebraucht werden. Das macht er, indem er das Nebennierenmark anregt Adrenalin und Noradrenalin auszuschütten. Diese Hormone bewirken eine Steigerung der Herzfrequenz und-schlagkraft, Steigerung der Muskeldurchblutung, Erweiterung der Bronchien und Freisetzen von Glukose aus der Leber. Das Denken fällt jetzt schwer, da die schematischen Abläufe wichtiger sind. Die Verdauungsorgane laufen auf Sparflamme. Der Motor ist also angeworfen, das Gaspedal ist fast durchgetreten – fehlt nur noch das nötige Benzin. Aber das ist schon längst auf dem Weg. Durch das Stress auslösende Ereignis wurden ebenfalls Hypothalamus und Hypophyse aktiviert, zwei Hormon bildende Organe im Zwischenhirn, durch deren Hormonausschüttung die Nebennierenrinde veranlasst wird, das eigentliche Stresshormon Cortisol ins Blut abzugeben. Dieses liefert die nötige Energie (Benzin), um Flucht oder Kampf auszuführen. In Muskulatur, Haut- und Fettgewebe wird Eiweiß abgebaut, durch Fettabbau werden Fettsäuren freigesetzt und ins Blut abgegeben, und in der Leber wird aus Aminosäuren Glukose gebildet (Glukoneogenese) – der Blutzucker steigt.

Nun haben wir alles zur Verfügung, um die Situation zu meistern. Bleiben wir bei unseren Vorfahren, für die genau dieser Ablauf einer Stressreaktion überlebenswichtig war. Die Flucht ist vorbei, wir sind in Sicherheit oder die Jagdbeute ist erlegt und die so schnell zu Verfügung gestellte Energie ist verbraucht. Was nun normalerweise folgen sollte ist die Phase der Entspannung. Der Parasympathikus wird jetzt aktiv. Essen, Verdauung und Erholung haben jetzt Vorrang. Die Nebenniere bekommt das Signal, die Produktion von Adrenalin, Noradrenalin und Cortisol zu drosseln, alles läuft wieder in geregelten Bahnen.

Aber unser Leben verläuft nun mal nicht immer in geregelten Bahnen, sondern wir sind immer öfter und über einen z. T. langen Zeitraum Stresssituationen ausgesetzt. Umweltbelastungen wie Lärm, Pestizide oder Elektrosmog tun ihr übriges.

Wie wirkt sich das aber auf den Organismus aus, wenn dieser Ablauf einer Stressreaktion zu Dauerläufer wird? Ist der Sympathikus im Dauereinsatz, laufen wir ständig auf Hochtouren im wahrsten Sinne des Wortes. Es kann zu Bluthochdruck, Herzrhythmusstörungen und anderen schwerwiegenden Herz-Kreislauferkrankungen kommen. Auch unser Verdauungsapparat leidet, da er nicht ordentlich versorgt wird. Verdauungsbeschwerden, Magengeschwüre oder entzündliche Darmerkrankungen können die Folge sein. Ein dauerhaft erhöhter Cortisolspiegel hemmt das Immunsystem, wir werden anfälliger für Infektionskrankheiten. Kennen sie das? „Der Herpes“ macht sich immer dann bemerkbar, wenn wir längere Zeit gestresst sind. Auch Diabetes kann eine Folge von lang anhaltendem Stress sein, da Cortisol den Transport von Glukose in die Zellen hemmt und so zur sog. Insulinresistenz führen kann, zumal bei unserem „neuzeitlichen Stress“ meist die körperliche Anstrengung fehlt, so dass die Energie von unseren Muskeln nicht verbraucht wird. Irgendwann ist aber auch die fleißigste Nebennierenrinde mal am Ende und läuft nur noch auf Sparflamme. Erschöpfung durch Energiemangel und eine stark reduzierte Stresstoleranz sind die Folge. Da die schmerzreduzierende und entzündungshemmende Wirkung des Cortisols nun unterbleibt, können vermehrt Schmerzen, Migräne, Entzündungen oder Allergien auftreten.

Da zwangsläufig durch den Ablauf einer Stressreaktion sowohl bei physischem als auch bei psychischem Stress vermehrt sogenannte freie Radikale gebildet werden, leidet auch jede unserer Zellen. Normalerweise werden diese Radikale beim Zellstoffwechsel immer mitgebildet und die Zelle ist darauf eingerichtet. Aber bei Stress sind die Zellen überfordert, vor allem wenn es an zusätzlichen Antioxidantien fehlt – die Zellkraftwerke (Mitochondrien genannt) machen schlapp, sie können nicht mehr genug Energie bilden, was weitreichende Folgen für unsere Gesundheit hat. Auch ein Burnout ist hier unter Umständen nicht mehr weit.

Aber wie kann man den Folgen von Stress entgegen wirken?

Es ist wirklich wichtig, achtsam mit sich zu sein. Den Ablauf einer Stressreaktion spüren wir kaum noch – na ja ein bisschen Herzklopfen und innere Unruhe sind ja „normal“. Oft nehmen wir die Anzeichen der Belastung durch Stress nicht wahr oder ignorieren sie sogar. Regelmäßige Bewegung an frischer Luft ist wichtig, um zum einen die bereitgestellte Energie auch wirklich durch die Muskeln zu verwerten - denn wenn wir den ganzen Tag am Schreibtisch oder im Auto sitzen verbrauchen wir diese ja nicht - zum andern wird der Parasympathikus aktiviert, das System kann gut runterfahren. Auch das Erlernen von Entspannungstechniken wie Muskelentspannung nach Jakobsen, Autogenes Training, Atemübungen oder Achtsamkeitstraining sind sehr hilfreich, am besten bevor das Kind in den Brunnen gefallen ist.

Wir lernen dabei, uns besser wahrzunehmen und somit rechtzeitig zu erkennen, wenn wir auf die Bremse treten müssen, und wir haben jederzeit das Handwerkszeug ,zwischendurch mal kurz abzuschalten, uns zu sammeln und zu entspannen und aus dieser Entspannung heraus gelassen und konzentriert weiter unserer Arbeit nachzugehen - es gar nicht erst zum Ablauf einer Stressreaktion kommen zu lassen.

Achten Sie auf genügend Schlaf und auf eine gesunde Ernährung. In Stresssituationen verbrauchen wir sehr viel Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Antioxidantien. Eventuell sollten vereinzelte Stoffe zusätzlich eingenommen werden. Blutuntersuchungen können hier Aufschluss geben.

Vorbeugen ist in jedem Fall viel leichter, als sich aus dem Loch der Erschöpfung herauszuarbeiten. Ist es wirklich so weit gekommen, sollte dringend ein Therapeut aufgesucht werden, der sich mit Burnout auskennt. Man läuft auch schnell Gefahr, ein Burnout mit Depression zu verwechseln. Zuerst sollte der Körper gestärkt werden, dann erst ist der Geist in der Lage von der Arbeit an der Stressresilienz zu profitieren.

Ich wünsche Ihnen eine stressfreie und entspannte Zeit – achten Sie auf sich.

Autor: Beate Ernst - Heilpraktikerin
Thema: Ablauf einer Stressreaktion
Webseite: http://www.naturheilpraxis-ernst.de



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