Stress zu haben muss nicht immer gleich etwas Negatives bedeuten. Solange ein ausgewogenes Verhältnis besteht zwischen Anspannung und Entspannung, wird Stress nicht als Belastung empfunden. Dann kann Stress sogar motivieren und innere Kräfte mobilisieren, allerdings nur kurzfristig.

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Denn dauerhafte Anspannung schadet uns, sowohl psychisch als auch physisch. Wenn nach langanhaltenden angespannten Situationen keine Stressreduzierung erfolgt, kann dies zu Krankheiten aller Art führen, nicht nur zu Burnout und Depressionen.

Was genau stresst uns denn?

Immer häufiger stresst uns der Blick auf die Uhr, denn der Zeitdruck, vor allem im Arbeitsleben, ist in den letzten Jahren enorm gestiegen und dies ist unser größter Stressfaktor. Stress entsteht auch durch Überforderung, wenn wir einer Situation einfach nicht mehr gewachsen sind.

Das kann durch eine Krankheit sein, Probleme in der Partnerschaft, in der Familie, mit den Kindern oder auch Probleme mit der Arbeit sowie Geldsorgen. Manchmal gibt es gleich mehrere Stressfaktoren, die  zusammenkommen, und dann wird es so richtig stressig: wenn zum Beispiel eine allein erziehende Mutter eines Schreikindes, eines pubertierenden Teenagers und /oder weiterer Kinder trotz mehrerer Jobs am Existenzminimum lebt.

Doch nicht nur stressige Situationen belasten uns, sondern auch stresserzeugende Gedanken. Solche Gedanken belasten uns häufiger als wir es uns vielleicht vorstellen können. Meist laufen solche Gedankengänge unbemerkt im Unterbewusstsein ab und führen Gefühle wie Angst, Wut, Ärger, Sorgen und Zweifel mit sich. Diese Belastung abzustellen ist erst einmal schwierig, da wir sie meist gar nicht bewusst wahrnehmen. Doch dazu weiter unten mehr.

Was ist denn das Gegenteil von Stress?

Viele Menschen sind der Ansicht, dass sie glücklich und zufrieden mit ihren Leben sind, doch fragt man genauer nach, stellt sich heraus, dass sie im Dauerklinsch mit den Nachbarn sind oder sich oft über ihren Ehepartner beklagen. Also gibt es doch Stressfaktoren! Völlig frei von Stress wäre, wenn sich nicht nur der Körper entspannt anfühlt, sondern sich auch eine Leichtigkeit und Gelassenheit einstellt, innere Ruhe, innerer Frieden, treiben lassen, keine Uhr und keine Gedanken, die uns stören. Ist das nicht genau das, was wir eigentlich wollen, was wir aber meist nur ein paar Minuten und dann auch nur im Urlaub erleben bzw. aushalten? Wieviel Entspannung sind wir uns denn eigentlich wert?

Dazu können wir uns selbst fragen: Was tut mir gut? Was brauche ich?

Oft ist die Antwort: “Mehr Zeit für mich“

Doch ist das wirklich wahr?

Denn sobald wir freie Zeit haben, neigen wir dazu, sie mit neuen Terminen, diesmal mit Freizeitaktivitäten auszufüllen. Dabei flüchten wir vor uns selbst, vor dem Alleinsein mit uns selbst, vor unseren (stressigen oder angstmachenden) Gedanken.

Welche Methoden zur Stressreduzierung gibt es?

Um Stress zu reduzieren, bedarf es des ganzheitlichen Ansatzes, der aus Bewegung, Entspannung, Entschleunigung und aus einem mentalen Training besteht. Hier ein paar  Anregungen:

Bewegung (am besten an der frischen Luft), Sport: Jede Art von Bewegung oder Sport kann ein Ausgleich zu einer Stressreduzierung im Alltag führen. Vor allem Sportarten, bei denen beide Körperteile ausgewogen belastet werden,  tun dem Körper sehr gut wie zum Beispiel Nordic walking, ebenso Spaziergänge, Rad fahren und Schwimmen. Wichtig ist dabei, dass die Bewegung regelmäßig durchgeführt wird, am besten mehrmals wöchentlich, und dass wir Spaß dabei empfinden.

Achtsamkeitstraining MBSR (Mindfullness Based Stress Reduction): Dieses Achtsamkeitstraining nach Professor Jon Kabat-Zinn beinhaltet verschiedene Übungen zur Stressreduzierung. Das Training setzt sich zusammen aus regelmäßigem Meditieren, Atemübungen, dem Bodyscan (eine geführte Körperreise zur bewussten Körperwahrnehmung) und gezielter Entschleunigung. Es wurde in einer Studie eindeutig nachgewiesen, dass die regelmäßige Durchführung dieses Trainings zu mehr Gelassenheit und Bewusstheit sowie zur Verbesserung der Gesundheit führt.

Autogenes Training: Es werden regelmäßig Kurse bei Volkshochschulen, usw. angeboten. Auch diverse CDs gibt es zu kaufen. Achten Sie dabei darauf, welche Stimme für Sie angenehm klingt.

Meditieren: Unsere Gedanken können wir nicht kontrollieren und auch nicht stoppen. Doch darum geht es auch nicht beim Meditieren, sondern darum, die Gedanken loszulassen, indem wir sie einfach „weiterschieben“ ohne dass wir uns in ihnen verstricken. Indem wir sie nur beobachten und sie nicht bewerten, verlassen sie uns wieder.

Durchs Meditieren kommen wir ins Jetzt und sind dann weder mit unserer Erinnerung an die Vergangenheit noch mit der Zukunft beschäftigt.Kein Nachdenken, keine Grübeln, keine Sorgen, nur wir selbst, unser Atem und der jetzige Moment. Dabei kann sich Verbundenheit mit unserer Quelle, innerer Frieden, Gelassenheit, Ruhe, Entspannung und langfristig auch eine positivere Haltung zum Leben einstellen.

Kreativ sein: Kreativität, die uns in einen sogenannten Flow bringt, hält uns vom Nachdenken ab und entspannt.

Bachblüten: Diese Blütenessenzen wirken sanft auf negative Gemütszustände und Charakterschwächen ein und bringen die Seele wieder ins Gleichgewicht. Auf der Suche nach dem Zusammenhang zwischen Körper, Geist und Seele gelangte Dr. Edward Bach (1886-1936) zu der heilenden Wirkung von insgesamt 38 Essenzen.

Er entwickelte ein natürliches Verfahren, um aus Blüten bestimmter Pflanzen, Sträuchern und Bäumen Essenzen herstellen zu können, die uns stabilisieren und uns wieder in unsere Mitte bringen. Besonders bei Kindern sind Erfolge recht schnell sichtbar, da sich bei ihnen Verhaltensweisen noch nicht so fest manifestiert haben.

Entschleunigung: eine Menge unseres Stresses machen wir uns selbst. Müssen wir denn wirklich ständig erreichbar sein? Was ist der wahre Grund dafür, dass wir nicht „nein“ sagen, sondern zu einer Veranstaltung oder einer Einladung gehen, obwohl wir hundemüde sind und eigentlich nur früh ins Bett wollen?

Haben Sie schon einmal wahrgenommen, dass viele Menschen regelrecht stolz darauf sind, dass ihr Terminkalender überquillt und sie nicht mehr wissen, wo ihnen der Kopf steht? Müssen wir einen gehetzten Eindruck machen, um von anderen anerkannt zu werden? Fühlen wir uns nicht mehr zur Leistungs-Gesellschaft zugehörig, wenn wir am Tag vor Heilig Abend keine Hektik haben und mit unserem Ehepartner ganz entspannt durch den Wald spazieren? Eine spannende Frage ist auch:

„Wozu machen wir all diese Hektik? Was wollen wir damit erreichen?“

Eine zufriedene Familie? Nettere Mitmenschen? Oder dass wir nicht mit uns selbst alleine sind und darüber nachdenken könnten, ob wir dieses Leben so eigentlich wirklich wollen? Hatten wir uns denn damals als Kind oder als Jugendlicher unser weiteres Leben so vorgestellt? Wann genau haben wir unsere Träume verloren und warum? Leben wir unser Leben nur deshalb auf diese Weise, weil „alle“ es so machen? Halten wir uns an gesellschaftlichen Normen und Zwängen fest, weil uns Freiheit Angst macht? Was wollen wir wirklich?

Mentaltraining: Das folgende Mentaltraining startet mit genau dieser Überlegung: was will ich wirklich? Bin ich mit meinem Leben zufrieden, bin ich glücklich?

Und dann geht es los mit der Erforschung unserer Innenwelt. Meiner Meinung nach ist die Reise zum eigenen Selbst das größte Abenteuer, das man als Mensch überhaupt erleben kann.

Der erste Schritt bei dieser Reise besteht darin, sich der vielen Gedanken bewusst zu werden, die am laufenden Band in unseren Kopf kommen, also unsere Wahrnehmung zu schulen. Bald finden wir dann heraus, dass wir einen inneren Kommentator haben, der ständig unsere Sinneseindrücke bewertet und in entsprechenden „Ordnern“ ablegt. Diese „Bewertungsordner“ gibt es bereits seit unserer Kindheit und es werden laufend Updates gemacht. So entstehen Glaubenssätze. Diese Glaubenssätze hatten anfangs ihre Berechtigung und schützten uns vor Gefahren. „ Bleib weg vom Wasser, da ist es gefährlich“, sagte die Mutter als wir noch klein waren und nicht schwimmen konnten. Falls wir heute Angst vor dem Schwimmen im Badesee haben, könnte das bedeuten, dass die Aussage der Mutter inzwischen ein Glaubenssatz geworden ist, den wir ungeprüft weiterhin denken. Manche dieser Glaubenssätze sind also inzwischen hinderlich für uns geworden und sie erzeugen jetzt nur noch Stress.

Das Mentaltraining besteht unter anderem aus dem Hinterfragen solcher stressigen Gedanken und einengenden Glaubenssätze. Eine sehr wirksame Methode dazu ist The Work von Byron Katie. Mit der Beantwortung von 4 Fragen und 2-3 Umkehrungen ändert sich unser Blickwinkel, verhärtete Denkmuster und Glaubensätze können sich relativieren. Bei regelmäßiger Überprüfung unserer Gedanken mit The Work kommen wir in eine entspannte Gelassenheit und plötzlich ist die Welt ein viel sicherer und friedlicherer Ort als wir es uns je vorstellen konnten.

Bei einer weiteren Mentalübung geht es darum, den Fokus vom Negativen hin zum Positiven zu verlagern, also das Denken zu disziplinieren. Wir sammeln dabei Glücksmomente, d.h. wir lernen, unsere Aufmerksamkeit systematisch auf positive Ereignisse zu lenken und in das Gefühl der Dankbarkeit zu kommen. So können wir die schönen Dinge im Leben wieder bewusst wahrnehmen und schätzen auch solche, die wir bisher als selbstverständlich ansahen. Zum Beispiel, dass unser Partner jeden Sonntag Brötchen beim Bäcker holt.

Autor: Beate Walz-Baldzer, Heilpraktikerin und Mentaltrainerin
Thema: Methoden zur Stressreduzierung
Webseite: https://www.fuesse-ruecken-seele.de

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