Zusammen ist man weniger allein

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In deutschen Haushalten leben aktuell über 13 Millionen Katzen, die Dank der modernen Tiermedizin immer älter werden. Zudem achten immer mehr Katzenhalter auf eine möglichst artgerechte Haltungsform – und so gibt es in der reinen Wohnungshaltung immer mehr Katzen, die mit einem passenden Kumpel oder einer angemessenen Freundin zusammen leben. Gut so!

Es ist noch gar nicht so lange her, dass Katzen als absolute Einzelgänger galten, die höchstens zur Paarungszeit Kontakt mit Ihresgleichen suchten und das entweder kurz und heftig im Kampf um ein attraktives paarungsbereites Weibchen oder im Umwerben desselben.

Heute wissen wir es besser – unsere Pelznasen sind keine absoluten Einzelgänger wie etwa die australischen tasmanischen Teufel, sondern sogenannte soziale Einzelgänger: Sie jagen allein, da die Beute meistens so klein ist, dass sie in der Regel sehr gut allein erlegt werden kann. Zum garantierten Fangerfolg ist kein Rudel nötig. Zudem ist eine Maus nur knapp daumengroß – unter mehreren Katzen aufgeteilt, bleibt für das einzelne Tier nicht viel übrig.

Zwischen den Zeiten, die für die Pirsch aufgewendet wird, ergibt sich immer wieder Kontakt zu Artgenossen bei Katzen, die Freilaufmöglichkeiten haben. Es entwickeln sich dabei sogar einige sehr große Freundschaften zwischen den Pelznasen, so dass sich die Tiere teilweise gegenseitig von Zuhause abholen, um zusammen den Tag zu verbringen.

Selbstverständlich herrscht zwischen manchen Katzen nicht nur Funkstille, sondern sogar offene Feindschaft, obwohl das faktisch nicht die Regel ist. Wenn möglich, werden Konflikte vermieden. Kämpfe können zu Verletzungen führen, mit denen das Tier dann allein zurechtkommen muss. Hier steht kein Rudel, keine Herde hilfreich und unterstützend bei. Um sich für potentielle Feinde nicht angreifbar zu machen, werden Schmerzen unterdrückt und nicht angezeigt. Leider kann dieses Verhalten dazu führen, dass die „Dosenöffner“ unter Umständen (ernsthafte) Krankheiten übersehen können, weil sich das Tier scheinbar normal benimmt.

Eine sehr pfiffige Möglichkeit, Konflikte mit Artgenossen zu vermeiden, ist das sogenannte „Time-share-Prinzip“: Dabei teilen sich Katzen das gemeinsam genutzte Revier zeitlich untereinander auf. So hat jeder Schnurrer die Möglichkeit, zu 100% die Ressourcen in derselben Umgebung zu nutzen, ohne einer anderen Katze in den Weg zu kommen. Sehr effektiv. Auf diese Weise wird (weitestgehend) der Frieden bewahrt. Da es aber zum guten felinen Umgangston gehört, Grenzen immer mal wieder auszutesten, kann es gelegentlich doch zu kleineren Reibereien oder größeren Schlachten kommen, bis die Demarkationslinien fürs Erste wieder klar gezogen sind. Bis zum nächsten Mal.

In einer reinen Wohnungshaltung gehört der Kontakt zu Artgenossen zum katzengerechten Leben dazu wie das Amen in der Kirche. Einzige Ausnahme bilden hier die armen Pelznasen, die viel zu früh von ihrer Mutter und den Geschwistern getrennt wurden. Diese Katzen haben nie die Gelegenheit erhalten zu lernen, wie sie auf ihre eigene kätzische Art und Weise kommunizieren. In der Auseinandersetzung mit Artgenossen kann dies zu Missverständnissen führen, in deren Folge es teils zu heftigen Aggressionen ihnen gegenüber kommen kann. Eine viel zu frühe Trennung schafft absolute Einzelgänger, die in dieser Hinsicht in der Regel ein nicht-katzengerechtes Leben führen müssen.

Es empfiehlt sich, dass Katzen mindestens 12 Wochen, gern auch länger, bei ihrer Familie verbleiben. Das Zusammenleben, das gemeinsame Spiel mit den Geschwisterkatzen und mehr garantiert eine sehr gute Sozialisierung auf die eigene Art und verhindert zukünftig manches psychische Problem wie etwa Aggression gegenüber Menschen. Wie schön, dass mittlerweile Zweier- oder Dreiergruppen in der Wohnungshaltung normal sind.

Beim Zusammenleben von Katzen hängen wir „Dosenöffner“ gern der schönen Vorstellung nach, dass die Tiere natürlich wunderbar miteinander spielen, schmusen und aneinander gekuschelt schlafen. Tatsächlich sieht die Realität häufig anders aus: Nicht jede Katze liebt es, mit dem Kumpel eng verbunden zu schlummern. Es gibt sehr unterschiedliche Spieltypen, die gerade dann scheinbar nicht harmonisieren, wenn das eine Tier eher aktiv durch die Gegend springt und das andere gern die grauen Zellen bei Intelligenzspielen bemüht.

Aber auch Parkettpanther, die scheinbar nicht wirklich viel miteinander zu tun haben, können sehr wohl voneinander profitieren. Um sich nah zu sein, gehört nicht zwingend die gegenseitige Nähe dazu. Manchmal liebt es sich auf Entfernung besser. Das Zusammenleben ist viel mehr als „nur“ gemeinsam zu spielen oder sich gegenseitig zu putzen. Eine zweite Katze garantiert, dass das Leben in den vier Wänden durch die Möglichkeit artgerechter wird, sich mit einem Artgenossen auseinandersetzen zu können und die Katzensprache richtig verstanden wird. Eben genauso, wie es draußen tagtäglich passiert.

Wenn die Tiere die freie Wahl haben, ob sie sich mit dem kätzischen Zeitgenossen auseinander setzen möchten oder eben (gerade mal) nicht, wenn sie sich frei zurückziehen können, respektiert dies das Wesen der Katzen, die ihre Privatsphäre ebenso schätzen wie wir. Ausreichend vorhandene Rückzugsmöglichkeiten für jeden Stubentiger bilden damit eine sehr gute Basis für ein friedliches, stressarmes Zusammensein. Da es bei den Samtpfoten ganz unterschiedliche Vorlieben zum erholsamen Abhängen gibt, empfiehlt es sich, verschiedene Möglichkeiten auf diversen Ebenen zur Verfügung zu stellen: Nicht jeder Haustiger fühlt sich in einer ebenerdigen Katzenhöhle sicher und damit wohl, sondern sieht der Welt lieber aus einer scheinbar sicheren Höhe zu.

Wundern Sie sich nicht, wenn die sorgfältig mit Liebe ausgewählten Rückzugsmöglichkeiten nicht (sofort) angenommen werden: Bei der Wahl der Lieblingsplätze haben Katzen eindeutig ihren ganz eigenen Geschmack und so ist eben ein alter Karton aus feliner Sicht manchmal viel attraktiver als das beste Designerkissen.

Man kann Katzen nun einmal immer nur ein Angebot machen – ob sie es annehmen, das entscheiden sie immer wieder aufs Neue. Und ist es nicht exakt diese stets überraschende, nicht berechenbare Individualität, die wir so sehr an unseren Pelznasen schätzen?

Autor: Heike Grotegut
Thema: Artgerechte Katzenhaltung in der Wohnung
Webseite: https://www.tiercouch.de

Bücher:

Heike Grotegut - Katze allein zu Haus
ISBN 978-3-8186-0650-3
Ulmer Verlag 16,95 EUR

Heike Grotegut - Alles für die Katz!
ISBN 978-3-8001-0303-4
Ulmer Verlag 15,90 EUR

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