Nehmen wir mal an es gäbe keine Entspannung, nur Anspannung.

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Alles geschieht unter Druck, Hetze, geschürt von Sorgen und Angst.Termine müssen eingehalten werden, Vorgaben erfüllt werden, Erfolg muss sichtbar sein und zwar möglichst schnell.

Kommt Ihnen das bekannt vor?

Da heißt es Müßiggang ist aller Laster Anfang. Bloß nicht nachlassen, die Konkurrenz schläft nicht. Und man selbst irgendwann auch nicht mehr.

Schauen wir uns noch einmal kurz an wie die meisten von uns hierzulande leben. Wir leben in einer eher männlich dominierten Leistungsgesellschaft. (Was ich damit meine erkläre ich weiter unten). Ruhepausen sind zwar gesetztlich vorgeschrieben, werden aber oft nicht eingehalten oder nur mit schlechtem Gewissen. Man hätte ja noch so viel zu erledigen. Zu lange Pausen oder Zurückziehungen werden oft als schwächeln oder faulenzen ausgelegt.

Wenn man jetzt noch die Zeit, die eigentlich zur Erholung dienen sollte mit TV oder Social Media verbringt kann man überhaupt nicht mehr abschalten.

Das Gehirn ist so daran gewöhnt mit Reizen überflutet zu werden, dass man die Auszeit als langweilig empfindet und eventuell gar nichts mehr damit anfangen kann.

Wie gravierend sich diese Reizübergflutung auswirken kann beschreibt Prof. Dr. Dr. Manfred Spitzer ausfürhlich in seinem Buch „Digitale Demenz“. Er schreibt auf Seite 261: „Wer sich mit digitalen Medien den Schlaf raubt, begeht keineswegs ein Kavaliersdelikt, sondern ein schweres Verbrechen gegenüber dem eigenen Körper. Denn es ist ein Irrtum zu glauben, dass zu wenig Schlaf nur kurzfristig Müdigkeit auslöst. Langfristig führt zu wenig Schlaf zu verminderter Immunabwehr und daher zu einem häufigeren Auftreten von Infektionskrankheiten und Krebserkrankungen. Es ergibt sich ein erhöhtes Risiko, dass sich kardiovaskuläre Erkrankungen, krankhaftes Übergewicht und Diabetes entwickeln.“

Deshalb ist es heute wichtiger denn je sich zu entspannen, und zwar ohne jegliche Ablenkung. Das will gelernt sein.

Seit nunmehr dreißig Jahren beschäftige ich mich mit diesem Thema, besuche Seminare, habe mich zur Entspannungstrainerin ausbilden lassen und lerne selbstverständlich immer noch weiter. Meditation und Entspannung gehören für mich heute zu meinem Alltag wie essen und trinken.

Mit Anfang 20 stand ich an einem ganz entscheidenden Punkt in meinem Leben. Ich hatte  ein Studium in der schönen Stadt Münster in Westfahlen begonnen. Innerlich war ich auf der Suche, wußte aber nicht genau wonach. Und so bin ich über ein Buch zu meiner ersten bedeutenden Erfahrung in der Meditation gekommen.

Ich (be-)fand mich kurz darauf in einem schönen Hotel in Hamburg an der Alster. Es war ein Seminar zur Entwicklung geistiger Fähigkeiten. Die erste wichtige Fähigkeit, die wir dort lernten war die Entspannung. Ich habe mich tatsächlich zum ersten mal in meinem Leben vollkommen entspannt gefühlt. Eine ganz neue Welt tat sich für mich auf. Ich bin endlich zur Ruhe gekommen und habe die inneren Bilder in mir bewusst wahrnehmen können, einfach nur beobachten können.

Diese Fähigkeit halte ich für eine der grundlegendsen Selbsterfahrungen. Um sich selbst zu begegnen ist ein Raum notwendig, der dies ermöglicht. Oft ist dies ein Raum der Stille, ein kurzer Moment, der sich anders anfühlt als das „Normale“.“

Man könnte einen solchen Moment mit einem See vergleichen. Wenn es ganz windstill ist, wenn alles zur Ruhe gekommen ist, dann ist die Wasseroberfläche spiegelglatt. Man kann bis auf den Grund sehen.

Es gibt in unserer Welt der Dualität zwei Pole, die sich gegenüberstehen. In jedem von uns sind alle Gegensätze enthalten. So auch das männliche und das weibliche Prinzip. In der Psychologie sind diese Pole bekann als Animus und Anima.

Das männliche Prinzip steht für Tatkraft, Aktivität, Ausdruck, nach außen gehen. Es ist mit der linken Gehirnhälfte und dem logischen Denken verknüpft.

Das weibliche Prinzip steht für Intuition, Innenschau, Gefühlsenergie, Weisheit. Es ist mit der rechten Gehirnhälfte, also der Kreativität verbunden.

Das eine kann ohne das andere nicht existieren. Jeder von uns hat beide Anteile in sich. In jedem Lebensrhythmus spiegeln sich diese Anteile wider. Zur Aktivität gehört die Passivität.

Wenn wir also sehr aktiv, beschäftigt und nach außen gerichtet sind, müssen wir auch genauso nach innen gehen, ruhen und entspannen.

Früher war der Lebensrhythmus der Menschen durch Jahreszeiten und Sonnenlicht bestimmt. Heute sitzen wir bei Kunstlicht bis in die Nacht vor Computern. War der Mensch denn früher wirklich „primitiv?“

Jeder weiß wie wichtig der Schlaf ist. Aber fragen Sie sich mal ganz ehrich: können Sie wirklich entspannt schlafen? Wachen Sie morgens gut gelaunt und erholt auf? Und falls nicht, wie können Sie diesen Zustand verbessern?

Ich schlage Ihnen vor eine Liste zu machen, wie eine Zutatenliste bei einem Kochrezept:

nehmen Sie einen Zettel und schreiben Sie alles auf, was zu Ihrer Entspannung beiträgt. Also eine „JA BITTE-Liste.“

Die könnte in etwa so aussehen: JA BITTE

  • erholsamer ausreichender Schlaf
  • gesundes richtiges Liegen
  • Meditation
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelrelaxation
  • Yoga
  • Spaziergänge
  • Sport
  • Sauna
  • Wellness
  • Massagen
  • Wärme
  • Badewanne
  • Fussbad
  • Musik hören
  • ein gutes Buch lesen
  • die Natur beobachten
  • schweigen, Stille
  • bewusst atmen
  • eine sanfte Berührung
  • malen, zeichnen
  • musizieren

Sie können die Liste beliebig fortsetzen. Wichtig ist, dass Sie die Zeit dafür einplanen, und zwar jeden Tag.

Alles was Sie stresst kommt auf die „NEIN DANKE-Liste“.

Dann kommt die nächste Aufgabe. Planen Sie Ruhepausen und Zeit zum entspannen ein -jeden Tag. Sie werden sehen wie das Ihr Wohlbefinden steigert. Ihr Energielevel ist unmittelbar mit Ihrem inneren Zustand verbunden. Das kennen wir alle: sind wir innerlich ausgeglichen gelingt alles viel leichter und schneller. Die Leichtigkeit kommt im tun. Die Basis dafür ist die entspannte Haltung.

Machen Sie es zum Beispiel wie eine Kur: Sie schreiben eine „JA BITTE-Liste.“ Dann nehmen Sie sich 21 Tage lang jeden Tag etwas von dieser Liste vor. 21 Tage deshalb, weil das Gerhirn dann eine Gewohnheit entwickelt hat. Es ist nicht so wichtig immer das gleiche zu tun, also beispielsweise jeden Tag dieselbe Übung zu machen. Viel wichtiger ist sich jeden Tag die Zeit zu reservieren, um etwas entspannendes zu tun. Ob das nun morgens eine halbe Stunde Meditation ist oder abends ein entspannender Spaziergang im Feld ist – hauptsache man plant diese Zeit für 21 Tage ein und setzt es auch um! So entsteht eine Gewohnheit daraus.

Sicherlich reicht es nicht über Entspannung zu lesen und hier und da mal etwas zu probieren. Die Erfahrung zählt. Das regelmäßige tun ist hier entscheidend. Es wirkt wie eine Belohnung.

Wenn Sie es allein nicht schaffen besuchen Sie einen Entspannungskurs, oder einen Yogakurs oä. Für etwas Geübte ist auch eine Entspannungs CD gut geeignet. Und tatsächlich gibt es in dieser besonderen Zeit der Kontaktbeschränkungen auch die Möglichkeit sich in einem Zoom Raum zum meditieren zu verabreden. Sprechen Sie mich gerne darauf an.

Meine Erfahrung in vielen Entspannungskursen und Meditationskursen, die ich gegeben habe ist die, dass bei manchen Menschen am Anfang so viele Fragen aufkommen, dass sie danach allein schnell wieder aufgeben. Dann sollte man sich Unterstützung holen, sich „anschließen.“ Ich habe es zu Beginn auch so gemacht. Ich habe mir Gruppen und Meditationszentren gesucht und mich mit anderen ausgetauscht. Dabei hat mich die Meditation so fasziniert, dass ich in andere Länder gereist bin um zu lernen. Mein Weg hat mich bis nach Tibet in entlegene Kloster geführt.

Es ist einfacher jemanden zu fragen, sich Anregungen zu holen. In der Gruppe ist es ebenfalls leichter die Entspannung zu lernen. Schließlich sitzen da noch eine Reihe anderer, denen es vielleicht ähnlich schwer fällt. Und dann gibt es diejenigen, die einen mitziehen, inspirieren. In jedem Fall ist der Austausch über die eigenen Erfahrungen hilfreich. So bleibt man motiviert und setzt sich irgendwann auch mal allein zu Hause zu einer Meditations- oder Entspanungsübung hin.

Eine meiner Kursteilnehmerinnen begann zunächst mit Übungen der progressiven Muskelrelaxation. Sie lernte von mal zu mal mehr zu entspannen. Dann begab sie sich in Phantasiereisen und schließlich saß sie auf einem Kissen in Meditationsstellung und lernte in Stille loszulassen. Sie gab mir als Rückmeldung, dass diese Erfahrungen ihr Leben nachhaltig positv beeinflusst habe. Sie verspürte insgesamt mehr Klarheit und mehr Lebensfreude. Vor allem konnte sie sich viel intensiver auf einzelne Dinge in ihrem Leben einlassen.

Zum Abschluss noch eine ganz kurze Übung von Thich Nhat Hanh – die „Telefonmeditation“

„When the telefon rings you breath in, when it rings the second time you breath out, and when the telefon rings the third time you pick up the phone and say hello.“

Jetzt bleibt mir nur noch Ihnen viel Erfolg, Experimentierfreudigkeit und Offenheit zu wünschen.

Bleiben Sie gesund.

Autor: Andrea Hanson, Heilpraktikerin
Thema: Warum ist Entspannung wichtig?
Webseite: https://www.naturheilpraxis-hanson.de

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