Wir sind keine Roboter! Warum uns Empathie, Mitgefühl und Sympathie einzigartig machen.

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Es herrscht Stille im Seminarraum. Das Thema des heutigen Workshops lautet: „Erkenne Deine Stärken und nutze sie jeden Tag!“ Soeben wurde den Teilnehmern die Frage gestellt, was sie als ihre größte Stärke betrachten. Keine leichte Frage.

Nach einigem Zögern sagt Ulrike: „Also meine größte Stärke ist meine Empathie. Ich kann mich gut in Andere einfühlen. Das übertreibe ich aber manchmal auch.“ Aus dem Plenum kommt teilweise zustimmendes Nicken. Empathie kommt grundsätzlich gut an, hat aber auch ihre Tücken. Als der Seminarleiter ihr die Frage stellt, wie genau sich das äußern würde, antwortet Ulrike: „Ich habe häufig so viel Verständnis für die Wünsche und Gefühle von anderen Menschen, dass ich mich selbst und meine Bedürfnisse vergesse – und dann fällt mir meine Empathie auf die Füße. Am Ende komme ich zu kurz bzw. reibe mich selbst an den negativen Gefühlen der Anderen auf.“

Empathie ist heute ein geflügeltes Wort und wird in unterschiedlichen Kontexten genutzt. In Führungskräftetrainings wird sie vor dem Hintergrund zunehmender Automatisierung häufig als neue Allzweckwaffe gebraucht, um eine tiefere Beziehung zu Mitarbeitern aufzubauen und diese nachhaltig zu motivieren. In Partnerschaften soll sie in verstärkter Form die Lösung für Konflikte und sinnvolle Perspektivwechsel bieten. In der aktuellen Coronakrise wird sie laufend betont, um die Solidarität zu allen in der Gesellschaft zu erhalten – und oft wird das Fehlen von Empathie und der kursierende Egoismus bei diesem explosiven Thema angeprangert.

Menschen, die sich über alle Maßen für Andere aufopfern und irgendwann selbst in der Erschöpfung landen, nennen häufig übermäßige, „ungesunde“ Empathie als Auslöser. Hier fehlt manchmal die Einsicht zu erkennen, dass Empathie zwar grundsätzlich eine menschliche Stärke ist, ab einem gewissen Punkt jedoch eine Abgrenzung zugunsten der eigenen Balance vorgenommen werden muss. Dysfunktionale innere Muster wie z.B. „ich muss es allen Recht machen“, „ich bin nicht wichtig“ oder „ich muss mich um alles kümmern“ spielen bei der mangelnden Abgrenzungsfähigkeit häufig eine tragende Rolle.

Aber was genau bedeutet eigentlich Empathie und wie ist sie von der Sympathie abzugrenzen?

Der Begriff Empathie kommt aus dem Altgriechischen und bezeichnet zunächst die Fähigkeit zu verstehen, wie sich unser Gegenüber fühlt und darauf aufbauend die Bereitschaft, die Perspektive zu wechseln und sich in unser Gegenüber einzufühlen. Aufgrund dieser Fähigkeit sind wir imstande, angemessen auf die Gefühle anderer Menschen zu reagieren, z.B. in Form von Hilfsbereitschaft, Trost oder Mitleid.

Ausschlaggebend dafür ist auch unsere individuelle Ausprägung der Selbstwahrnehmung. Je aufmerksamer und offener wir für unsere eigenen Gefühle sind, desto leichter fällt es uns, die Gefühle Anderer zu deuten. Empathiefähigkeit ist uns Menschen grds. angeboren, es sei denn es ist eine psychische Störung wie z.B. das Asperger-Syndrom vorhanden. Wir brauchen Sie, um sozialverträglich miteinander umzugehen und sensibel interagieren zu können. Sie ermöglicht uns, mit den Gefühlen anderer Menschen in Resonanz zu gehen – manchmal auf die Gefahr hin, dass wir von diesen Gefühlen überrollt werden und ggf. in einen Zustand von emotionalem Stress und Erschöpfung fallen können. Diese Resonanzfähigkeit unterscheidet uns von Robotern, die zunehmend in unseren persönlichen und beruflichen Alltag Einzug halten. Was die Funktionalität angeht, mögen Sie uns überlegen sein, Empathiefähigkeit jedoch bleibt unser menschliches Alleinstellungsmerkmal.

Hier kann man eine Unterscheidung von Empathie und Mitgefühl vornehmen: Empathie befähigt uns zu fühlen, was ein anderer Mensch fühlt – auch im Extrem. Hier ist dann ggf. eine klare Abgrenzung nötig, um unsere eigene Psychohygiene zu wahren. Dies bedeutet jedoch nicht, dass wir kein Mitgefühl für Andere zeigen sollen.

Mitgefühl äußert sich meist in erhöhter Fürsorge für unser Gegenüber. Wir kümmern uns, werden also aktiv und gehen von der emotionalen Ebene in die konkrete Aktion. Es ist also weniger ein „Gefühl“, als vielmehr dessen Übersetzung in Taten zugunsten der Person, die unser Mitgefühl erhält.

Folglich wird in der aktuellen Coronakrise neben der Empathie als Basis für einen einfühlsamen Perspektivwechsel auch an unser Mitgefühl appelliert, verbunden mit der Aufforderung, für die Schwächeren von uns zu sorgen und Rücksicht zu nehmen. Der Solidaritätsgedanke soll durch Mitgefühl und unsere daraus resultierenden Handlungen zugunsten der anderen Menschen gestärkt werden. Die Bereitschaft, Mitgefühl zu entwickeln und entsprechend zu handeln, ist individuell unterschiedlich hoch ausgeprägt – auch das können wir täglich beobachten.

Was aber unterscheidet Empathie von Sympathie?

Wir alle kennen den schönen Moment, dass wir jemanden kennenlernen und spüren, dass es „irgendwie passt“. Die berühmte Wellenlänge, auf der wir uns mit einem anderen Menschen verbunden fühlen, oft ohne genau definieren zu können, woran wir das eigentlich festmachen.

Der Begriff Sympathie stammt ebenfalls aus dem Altgriechischen und bezeichnet die sich spontan ergebende gefühlsmäßige Zuneigung. Wir fühlen und „schwingen“ im Gleichklang mit einer anderen Person – nicht zu verwechseln dem oben erläuterten „Mitgefühl“. Ihr Gegenteil ist die Antipathie (Abneigung) – auch diese haben wir sicher alle bereits hin und wieder erlebt, sei es als Sender oder als Empfänger. Hier ist der Gleichklang bzw. die positive Schwingung gestört. Wir spüren intuitiv, dass es einfach „nicht passt“. Sowohl Sympathie als auch Antipathie können aufgrund konkreter Anhaltspunkte entstehen, positiv z.B. durch ein offenes Lächeln oder ehrliches Interesse füreinander, oder im negativen Fall möglicherweise durch rücksichtsloses Verhalten oder eine verschlossene Körpersprache.

Was bedeuten diese Unterscheidungen nun für uns und unser menschliches Miteinander?

Letztlich muss jede(r) selbst erfahren und entscheiden, wie weit er/sie sich für die eigenen Gefühle und die Emotionen anderer Menschen öffnen möchte, ohne sich dabei selbst zu verlieren. Wieviel Mitgefühl er/sie für Andere zeigen und konkret leben will. Tatsache ist jedoch, dass wir alle von einer höheren Bereitschaft, uns ins Gegenüber einzufühlen, von zunehmendem Mitgefühl und einem achtsameren Umgang miteinander profitieren werden – auch wenn wir uns nicht in einer weltweiten Krise befinden, wie es aktuell der Fall ist.

Empathie und Mitgefühl entstehen nicht nur im dramatischen Kontext, sie werden im Alltag gelebt. Sie sind sichtbar an kleinen Gesten und erzielen oft eine große Wirkung. Sie zeichnen uns als Menschen aus. Kein Roboter kann das erfüllen. Und vielleicht führen sie dazu, dass wir spontan das Geschenk der Sympathie finden, nämlich Menschen, die mit uns auf dieser Basis im Gleichklang schwingen und mit- und füreinander Verbindung schaffen.

Autor: Kirsten Schmiegelt, Personal- & Businesscoaching
Thema: Unterschied zwischen Empathie und Sympathie
Webseite: https://www.schmiegelt-coaching.de

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