Was ist ein Stressor?

Stress ist ein allgegenwärtiges Phänomen in unserem Leben.

frau-stress-pfeile

Wenn wir das Wort „Stressor“ hören, denken viele Menschen direkt an Stress, ausgelöst durch andere Personen. Dies ist jedoch nur ein Teilaspekt.

Ja, als Stressor bezeichnen wir jemanden, der uns Stress bereitet, uns unter Druck setzt. Es gibt jedoch viele weitere Faktoren, die Stress auslösen.

Bevor ich in das Thema „Stressor“ eintauche, ist es wichtig zu verstehen, was Stress eigentlich ist – und dass Stress an sich nichts Negatives bedeutet.

Stress ist…

… eine natürliche Reaktion des Körpers auf eine Herausforderung oder Bedrohung. In der evolutionären Geschichte der Menschheit hat uns Stress geholfen, Gefahren zu erkennen und auf sie zu reagieren. Ohne eine Stressreaktion, auch häufig als „fight or flight“ Reaktion beschrieben, hätten unsere Vorfahren nicht überlebt.

Das bedeutet: Durch Stress wird in unserem Körper ein Überlebensprogramm gestartet. Toll, was unser Körper da für uns tut – finden Sie nicht?

Diese uralte Stressreaktion läuft immer nach demselben Muster ab: Auslöser sind echte oder empfundene Gefahrensituationen. In der Folge wird die Atmung schneller, Blutdruck und Puls steigen, Gehirn und Muskeln werden mit zusätzlicher Energie versorgt und stehen unter Spannung. Der Körper ist sofort bereit zum überlebenswichtigen Kampf oder die rettende Flucht. Ist die Gefahr vorüber, geht der Körper normalerweise wieder in die Erholungsphase.

Übrigens hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Stress schon vor vielen Jahren zur größten Gefahr für die Gesundheit im 21. Jahrhundert erklärt. Bei fast 70 Prozent aller Krankheiten ist Stress eine der Ursachen.

Doch… was ist denn nun ein Stressor?

Als Stressoren (auch: Stressfaktoren) werden alle inneren und äußeren Reize bezeichnet, die Stress verursachen und dadurch das betroffene Individuum zu einer Reaktion der aktiven Anpassung veranlassen. Der Organismus interpretiert die auf ihn einwirkenden Reize und ihre Auswirkungen für die jeweilige Situation und bewertet sie entweder positiv oder negativ.

Nach einem Konzept von Hans Selye unterscheidet man zwei Arten von Stress: positiven Stress (auch Eustress) und negativen Stress (Distress). (Quelle: Wikipedia)

Kurz und knapp: ein Stressor ist ein Stressfaktor.

  • Positiver Stress bzw. Eustress: dieser ist erst mal gesund. Er steigert die Leistungsfähigkeit, macht uns zufrieden, wenn wir etwas erreicht haben, schüttet Glückshormone aus – was uns wiederum Selbstvertrauen gibt.
  • Negativer Stress bzw. Distress: Langanhaltender, chronischer Stress oder Stress „in hohen Dosen“. Dieser wirkt sich negativ auf die körperliche und psychische Gesundheit aus und kann auf Dauer krank machen. Die Folgen können vielfältig sein: Körperliche Symptome, Erschöpfung, Antriebslosigkeit bis hin zum Burnout und zur Depression.

Ein Stressor ist individuell

Was Sie vielleicht auf die Palme bringt, lässt jemand anderen absolut kalt. Das liegt daran, weil die Einstellungen und Bewertungen jedes Menschen unterschiedlich sind. Der eine empfindet etwas als „easy going“, „einen Klacks“, während genau dieses Thema bei dem anderen Menschen Stress auslöst, z. B. eine Präsentation halten oder Angst vor Hunden.

Bereits der griechische Philosoph Epiktet (um 50-138 n. Chr.) hat gesagt

"Es sind nicht die Dinge selbst, die uns beunruhigen, sondern die Vorstellungen und Meinungen von den Dingen."

Das liegt daran, dass unsere persönliche Stress-Lebensgeschichte und unsere inneren Einstellungen dazu führen, dass wir jede Situation auf eine bestimmte Art und Weise bewerten. Jeder Mensch hat ein unterschiedliches Empfinden, eine unterschiedliche Lebensgeschichte.

Arten von Stressoren

In verschiedenen Umfragen steht ein Stressfaktor an Nummer 1: die Arbeit. Diese ist sicherlich ein großer Stressauslöse-Faktor. Es gibt jedoch viel mehr Faktoren, die Stress hervorrufen:

1. Physische Stressoren sind äußere Stressauslöser – sie sind mit den äußeren Bedingungen oder Umständen verbunden. Dazu gehören:

  • Umweltfaktoren: Extremes Wetter (Hitze, Kälte). Erinnern Sie sich einmal an besonders heiße Sommertage. Wie haben Sie sich da gefühlt? Ich kann von mir sagen, dass ich den Sommer sehr mag. Aber extreme Hitze und schwüles Wetter stressen mein System ganz massiv. Das macht sich bei mir sofort durch die Haut bemerkbar. Weitere Stressoren, die zu den Umweltfaktoren zählen sind Lärm, Verkehrsstau, Wartezeiten, Schichtarbeit, ständige Unterbrechungen, Termin- und Leistungsdruck – aber auch Luftverschmutzung oder Naturkatastrohen

  • Schlafmangel und Müdigkeit: schlechter Schlaf, Durchschlafprobleme verursachen Müdigkeit – und wir sind dann nicht mehr so belastbar wie üblich.

  • Körperliche Gesundheitsprobleme: Krankheit, Verletzungen oder Schmerzen machen uns verwundbar und weniger belastbar.

2. Emotionale Faktoren beziehen sich auf unsere zwischenmenschlichen Beziehungen und Gefühle. Das können sein:

  • Zwischenmenschliche Faktoren: Streitigkeiten bzw. Konflikte am Arbeitsplatz, in der Familie oder auch im Freundes- und Bekanntenkreis. Auch das Gefühl der Ungerechtigkeit zwischen Kollegen zählt dazu.

  • Gefühl des Kontrollverlustes, z. B. durch Umstrukturierungen, Überforderung durch zu viele, komplexe Aufgaben – aber auch Unterforderung durch eintönige Arbeitsabläufe.

  • Finanzielle oder existentielle Sorgen: Geldprobleme, finanzielle Unsicherheit sowie berufliche oder private Zukunftsängste können starken emotionalen Stress verursachen.

3. Kognitive Stressoren – diese Stressfaktoren sind mit unseren Gedanken und Wahrnehmungen verbunden, wie z. B.

  • Übermäßige Anforderungen: Übermäßige Arbeitsbelastung, Prüfungen oder hohe Erwartungen an sich selbst. Eng verknüpft sind hier auch die inneren Antreiber wie „Sei perfekt“, „Sei stark“, „Sei beliebt“ oder „Mach es allen recht“, „Mach schnell“, „Streng dich an“.

  • Negatives Denken: ich glaube, jeder kennt ihn, den gnadenlosen inneren Kritiker… Selbstkritik, mangelndes Selbstwertgefühl, Sorgen, Pessimismus und Ängste sind große Stressfaktoren.

  • Ungenügende Selbstwirksamkeit oder Fähigkeitenpräsenz, wie z. B. Schwierigkeiten, Prioritäten zu setzen und den Stress angemessen zu bewältigen.

4. Verhaltensbezogene Stressoren, die eng mit unseren Gewohnheiten verbunden sind. Ein paar Beispiele dazu:

  • Belohnungsverhalten durch Konsum von Alkohol, Drogen, Tabak oder ungesundem Essen. Im ersten Moment entspannt es den Körper – jedoch löst der Konsum davon in unserem Körper Stress aus.

  • Mangelnde Bewegung: Ein inaktiver Lebensstil kann Stress verursachen. Dabei hilft viel an Bewegung nicht immer viel. Auch hier macht es die Dosis aus. Es gibt Studien, dass ein täglicher Spaziergang an der frischen Luft von 30 Minuten unglaublich viel bewirken kann.

  • Ungesunde Lebensführung: Schlafmangel, ungesunde Ernährung und übermäßiger Gebrauch von Bildschirmgeräten (Fernseher, Handy, Tablet, etc.) auch in der Freizeit. 

5. Lebensverändernde Stressoren, die mit großen Lebensveränderungen verbunden sind. Auch wenn sie positiv gesehen und wahrgenommen werden, können sie Stress verursachen. Einige Beispiele:

  • Hochzeit: Die Planung und Vorbereitung einer Hochzeit kann stressig sein. Ebenso der Gedanken, ob es die richtige Entscheidung ist, wie die Beziehung sich entwickelt, etc.

  • Geburt eines Kindes: Die Verantwortung für ein neugeborenes Baby kann Stress verursachen und hat Auswirkungen auf die Partnerschaft.

  • Pensionierung: Der Übergang in den Ruhestand kann ebenfalls Stress bedeuten – was fange ich nun mit meiner freien Zeit an, werde ich noch gebraucht, wie funktioniert es, wenn beide Partner auf einmal täglich zu Hause sind.

6. Arbeitsbezogenen Stressoren: Da Stressfaktoren immer wieder mit der Arbeit verbunden werden, hier einige Beispiele:

  • Arbeitsüberlastung: Zu viele Aufgaben und zu wenig Zeit, um sie zu bewältigen.

  • Arbeitsplatzunsicherheit: Angst vor Arbeitsplatzverlust oder beruflichen Veränderungen, Umstrukturierungen, neue Vorgesetzte.

  • Konflikte am Arbeitsplatz: Schwierigkeiten mit Vorgesetzten, Kollegen oder dem Arbeitsumfeld, Mobbing, negatives Betriebsklima.

Fazit – und ein praktisches Beispiel

Es gibt nicht „den einen Stressor“. Häufig kommen mehrere Faktoren zusammen, wenn wir Stress empfinden. Auch ist es wichtig zu beachten, dass nicht alle Stressoren negativ sind. Einige, wie positive Herausforderungen, können dazu beitragen, Ihr persönliches Wachstum und Entwicklung zu fördern.

Dennoch ist es entscheidend, Stressoren zu identifizieren und angemessene Bewältigungsstrategien anzuwenden, um die negativen Auswirkungen von chronischem Stress zu minimieren und das Wohlbefinden zu erhalten.

Ich nutze hier gern ein praktisches Beispiel aus dem Alltag:

Stellen Sie sich einmal vor, dass die Tankleuchte Ihres Autos angeht. Was tun Sie?

  • Kleben Sie die Benzinlampe zu, um sie nicht mehr sehen zu müssen?
  • Warten Sie so lange, bis der Sprit ausgeht und Sie mit dem Auto liegenbleiben?
  • Denken Sie sich: och, das hält schon noch länger als die Restreichweite…

Lachen Sie nicht – diese Alternativen sind sicherlich absurd.

Übertragen auf die Realität ist es jedoch so, dass wir die körperlichen Warnsignale bei Stress und Überlastung gerne ignorieren, so lange es geht. Irgendwann sind wir dann erstaunt, wenn es einfach nicht mehr weitergeht - weil sprichwörtlich nicht der Tank unseres Autos, sondern unser eigener Tank,  unser Akku, leer sind.

Es ist keine gute Idee, die Warnlämpchen der Tankanzeige zu ignorieren. Denn Tatsache ist: es geht nicht vorbei und wir können nicht mal eben an der nächsten Tankstelle anhalten und einfach so unseren Tank wieder füllen.

Ein paar Tipps, den eigenen Akku aufzuladen:

  • Entspannungstraining, z. B. Progressive Muskelentspannung, Autogenes Training, Atemtechniken, Meditation, Phantasiereisen
  • Kognitives Training, z. B. Identifikation der persönlichen Stressoren, die Inneren Antreiber nutzen – und sie durch Erlauben ersetzen
  • Die eigene Selbstwirksamkeit und den Glauben an sich selbst stärken: Erfolge reflektieren, positive Selbstgespräche führen, Bewältigungsstrategien entwickeln, Selbstfürsorge betreiben
  • Die Fähigkeitenpräsenz ausbauen: die eigenen Stärken bewusst einsetzen, Wissen teilen, persönliche Weiterentwicklung
  • Integration von Mini-Urlauben in den Alltag – also geplante Momente in denen Sie quasi die Pause-Taste drücken und gezielt eine Auszeit im Arbeitsalltag einlegen
  • Genusstraining

Denn: jede Reaktion… erfordert eine Atempause.

Autor: , Heilpraktikerin (Psychotherapie)
Thema: Was ist ein Stressor?
Webseite: https://www.praxis-neuwinger.de

#Stress, #Entspannung, #Verhaltensmuster, #Krisen, #Gedanken, #Gefühle, #Gesellschaftssystem

Expertenprofil:

Beiträge Lifestyle

Themenübersicht

mann-depressionen

Wie unser Gesellschaftssystem psychische Krankheiten auslöst

In diesem Artikel erkunden wir die wachsende Krise der psychischen Gesundheit in unserer modernen Gesellschaft. Wir tauchen ein in die unübersehbaren Herausforderungen, denen viele Menschen auf der ganzen Welt gegenüberstehen. Das Ziel dieses mehr...


medien-news

Die wahren Funktionen von Medienberichten und Nachrichten

In dieser Recherche tauche ich ein in die komplexe Welt der Medienberichte und Nachrichten und frage mich, welche Rolle sie wirklich in unserer Gesellschaft spielen. Die offensichtliche Antwort mag sein, dass sie uns mehr...


pfeilkresse

Die Pfeilkresse

Eine weniger bekannte Pflanze ist die Pfeilkresse (aufgrund ihrer Wuchsform, s.u.), auch Herzkresse (aufgrund ihrer Fruchtform) oder Türkische Kresse genannt. Doch es lohnt sich, sich diese etwas genauer anzuschauen. Ursprünglich war sie bei mehr...


mann-winter

Stilvolle Wintermode für Herren

[Anzeige] Der Winter ist eine Jahreszeit, in der Stil und Funktionalität Hand in Hand gehen sollten. In diesem Ratgeberartikel werden wir Ihnen zeigen, wie Sie sich auch in den kaltesten Monaten des Jahres mehr...


beziehung-beenden

Wie beende ich eine Beziehung?

Vier verschiedene Arten, eine Beziehung (nicht) zu beenden. Und glauben Sie mir, jede einzelne dieser vier Methoden kommt häufiger vor, als man sich vorstellen mag. „Hmm, irgendwie ist das mit dem Bernd auch mehr...

 

Lifestyle Redaktion

Krautheimer Str. 36
97959 Assamstadt
Telefon: 0151 - 275 200 45

info@ratgeber-lifestyle.de