Freunde zu haben, zu wissen, dass man anerkannt und geliebt wird, ist ein Grundbedürfnis eines jeden Menschen.

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Wer Freunde hat, kann sich glücklich schätzen und als reich bezeichnen. Ganz so empfinden es aber viele Menschen nicht, dass sie sich glücklich schätzen können, 1-2 echte Freunde zu haben. Auch hier greift das permanente Defizits Gefühl und der Wunsch nach mehr, nach mehr Quantität um sich. Dieses Defizits Gefühl haben sich unter anderem Facebook und Co. zunutze gemacht und die Definition von Freund pervertiert. So wird dem Nutzer vorgetäuscht, dass er viele, ja sogar Hunderte oder gar paar Tausend Freunde haben kann. Unter Anderem hat sich auf diese Weise das Problem mit Freundschaften nach und nach eingestellt. Wer nun auf seine wenigen Freunde schaut, fühlt sich ausgeschlossen, nicht anerkannt und einsam.

Was aber ist eigentlich Freundschaft? Wann können wir von einem echten Freund sprechen?

Die alten Volksweisheiten geben da recht viel Aufschluss darüber, wer ein Freund wirklich ist. So findet man Zitate wie: „Gute Freunde sind wie Diamanten. Wertvoll, selten und einzigartig“. Diese Bewertung eines Freundes lässt an eine Liebesbeziehung denken. Eine geistige und platonische Beziehung. Letztlich ist der Ausschluss von Sexualität eines der Kriterien, die eine Liebesbeziehung von einer Freundschaft unterscheidet. Wenn wir nun annehmen, dass dem so ist, und Sie vielleicht wissen, welch ein Glück es ist, den richtigen Partner im Leben zu finden, dann ahnen Sie, dass Sie, falls Sie 1-2 Freunde gefunden haben, ein sehr glücklicher Mensch sind. Ein weiteres Kriterium für eine echte Freundschaft ist es, dass diese eine Distanz braucht und erlaubt. Echte Freunde können Jahre oder Jahrzehnte körperlich fern voneinander gewesen sein und wenn sie sich wieder treffen, dann ist ihr Miteinander so vertraut, als hätten sie sich gerade gestern gesehen. Überhaupt charakterisiert einen echten Freund, dass Sie bei ihm sie selbst sein können und Materielles keine Rolle spielt. Unter anderem deshalb erkennen Sie – so eine alte Weisheit - Freunde am besten in der Not.

Heutzutage wird inflationär häufig von Freunden gesprochen. Gemeint sind hier jedoch Menschen, mit denen man eine oft zweckgebundene Gemeinschaft bildet. Diese Gemeinschaft kann die Nachbarschaft sein, die Arbeitskollegen, die Vereinskollegen oder die Kunden. In diesem Zusammenhang wird Freundschaft eher gleichgesetzt und definiert als mindestens zwei Menschen mit den überwiegend gleichen Interessen oder gar Bedürfnissen. Es geht auch um Hilfeleistung und ein gegenseitiges Miteinander. Auch geht es darum, dass eine gewisse Sympathie und Zuneigung da sind. Der Unterschied zur Freundschaft liegt jedoch darin, dass es innerhalb dieser Gemeinschaften oder Systeme Regeln und Themen gibt, die es zu beachten gilt. Wenn Sie Glück haben und sich Ihre Gemeinschaft mit Herz und Verstand aussuchen, dann fällt es Ihnen leicht diese Regeln zu befolgen und oft sind es auch Ihre persönlichen Regeln. Befolgen Sie diese Regeln im Großen und Ganzen nicht, kann ein Ausschluss aus dieser Gemeinschaft die Folge sein. Und das ist genau das, was heutzutage häufig passiert. Der soziale Ausschluss aufgrund von Arbeitslosigkeit, Trennung, aber auch Heirat oder Familiengründung.

Mit anderen Worten geht mit einer jeden größeren positiven wie negativen persönlichen Veränderung eine soziale Veränderung in der Gemeinschaft einher. So schmerzlich dies auch ist, so verständlich ist es aus soziologischer und psychologischer Sicht. Einfacher können wir mit diesem Schmerz umgehen, wenn wir uns klarer über die Begrifflichkeiten, wie Freundschaft, (Zweck-) Gemeinschaft, Bekanntschaft etc. werden. Gemeinschaften verändern sich laufend im Leben und wenn Sie dies unter dem beschriebenen Aspekt betrachten, dann werden Sie wahrscheinlich ein Stoßgebet aussprechen mit einem Dank dafür, dass es so ist. Eine echte Freundschaft entsteht aber auf einer emotionalen Ebene frei jeglicher Ansprüche aneinander, sie wächst und gedeiht, braucht Raum und Herz, wenig Verstand und überdauert auf diese Weise ein Leben lang. Alles andere ist doch eher eine unerkannte Zweckgemeinschaft gewesen.

Drum: Freunde kann man nicht kaufen und sich auch nicht verdienen. Sie sind ein Geschenk. Nehmen Sie das Geschenk an, wenn es zu Ihnen will. Und ansonsten: suchen Sie sich mit Herz und Verstand passende Gemeinschaften und tun Sie Gutes innerhalb dieser. Sie erhalten darauf eine unsagbar zufriedenstellende Resonanz, mit der es sich auch gut durchs Leben gehen lässt. Und das Gute daran: für eine Gemeinschaft können Sie persönlich sehr viel tun, damit diese gut funktioniert.

Autor: Agnes Martin-Dulemba
Thema: Weisheiten über Freundschaft
Webseite: https://www.klaradenken.com

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