Ratgeber Lifestyle

Ein Öko-Check ist eine Überprüfung, ob die gewünschte Veränderung wirklich sinnvoll für uns selbst und unser Umfeld ist.

Herleitung des Begrifflichkeit Öko-Check

Ökologie stammt von griechisch oikos = Haus/Haushalt und logos = Lehre; Lehre vom Haushalt der Natur und ist die Wissenschaft von den Beziehungen des Organismus zur umgebenden Außenwelt.

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Abgewandelt auf das Individuum heißt das – Ökologie ist die Lehre von unserem Haushalt, also von uns Menschen mit uns selbst und unserem Außen (Umwelt / Umfeld). In vergleichbarer Form hat auch die Systemtheorie und die systemische Familientherapie den Begriff der Ökologie geprägt: „Der Mensch wirkt verändernd auf seine Umwelt und diese Veränderungen wirken auf den Menschen zurück.“

Der Sinn und Zweck des Öko-Checks ist, dass jede Intervention (Veränderungsarbeit) auf Nachteile überprüft wird. Gibt es Gründe, die gegen eine Veränderung sprechen?

Jede Veränderung ist eine Chance, ja natürlich – doch jede Veränderung hat auch Auswirkungen auf das gesamte System (des Klienten) und darin können sich möglicherweise Hindernisse und unerwünschte Nebenwirkungen verbergen.

Das System ist ständig bemüht den Zustand der Stabilität zu erhalten und Veränderungen stehen vordergründig zunächst im Widerspruch zur Stabilität. Daher ist es besonders sinnvoll zunächst zu überprüfen, ob die Anstrengung zur Veränderung überhaupt lohnenswert ist, oder ob es vielleicht das falsche Ziel ist.

Der Öko-Check dient der Überprüfung, ob das Ziel des Klienten für ihn selbst (innen) und für sein System (außen) wirklich konstruktiv und sinnvoll ist.

- Entspricht das Ziel auch den Werten des Klienten?

- Entspricht das Ziel seinem Wesen, seinem Charakter?

- Gibt es Gründe, die gegen eine Veränderung sprechen?

- Welche Auswirkungen hat die Veränderung auf das Umfeld?

- Wen betrifft es noch, wenn Du…?

- Wie würden XY reagieren, wenn Du Dein Ziel erreichst?

- Inwieweit verändert sich Dein Leben?

Es geht hier immer um die Sicht des Klienten. Die Ziele oder Gründe gegen diese Ziele mögen uns manchmal unverständlich erscheinen, doch es geht nicht um unsere Meinung, sondern um das Wohl des Klienten.

Um destruktive Veränderungen zu vermeiden und Konsequenzen zu offenbaren, macht der Öko-Check schon während der Intervention Sinn.

So beobachten wir zum Beispiel Inkongruenzen beim Klienten und hinterfragen diese, denn Inkongruenzen können innere Einwände sein, die noch nicht verbalisiert werden (können). Das heißt innere unbewusste Teile haben Einwände gegen die geplanten Veränderungen. Diese unbewussten Einwände gilt es bewusst zu machen und zu überprüfen.

Die besondere Beobachtung von sogenannten Ökologieverletzungen gilt dauerhaft vor / während / nach der Intervention.

Wer macht den „Öko-Check“?

Jeder, der eine Veränderung / ein Ziel vor Augen hat, sollte vorab überprüfen ob er alles bedacht hat und ob es unbewusste Gründe gibt, die dagegensprechen. Es ist sinnvoll und empfehlenswert sich die Zeit für einen Öko-Check zu nehmen, denn diese Zeit sparen wir wieder ein indem wir nicht den falschen Fährten folgen, Energie verschwenden und uns selbst frustrieren.

Grundsätzlich lässt sich der Öko-Check natürlich auch allein im stillen Kämmerlein machen, aber wir sollten bedenken, dass wir uns auch (unbewusst) selbst betrügen können. Wir sehen unsere eigenen Inkongruenzen nicht und wir sind auch nicht neutral mit uns. Besser ist es, mit einer ausgebildeten Person (Coach) diesen Prozess zu durchlaufen und Feedback und kompetente Unterstützung zu erhalten.

Die Verträglichkeit des Ziels mit dem inneren und äußeren System kann zunächst bewusst abgefragt werden. Zum Beispiel mit Fragen wie:

„Gibt es in Ihrem/Deinem Leben Bereiche, Werte, andere Ziele, Personen… die mit dieser Veränderung nicht einverstanden sind?“

Wenn ja, welche Gründe sind das?

Gibt es einen „sekundären Gewinn“ der bisherigen Situation / des bisherigen Verhaltens, den wir bei Veränderung verlieren würden?

Potentielle Hindernisse lassen sich durch „was wäre wenn…“ Fragen überprüfen. Besonders hier ist wieder auf Inkongruenzen zu achten, denn manchmal sehen wir bewusst keine Hindernisse, unbewusst aber doch. Die Inkongruenzen werden in der Physiologie, der Mimik, Gestik, Tonalität etc. sichtbar. Übertrieben formuliert würde die gefragte Person positiv antworten und dabei den Kopf schütteln.

Mögliche Gründe für einen inneren Einwand sind oft im sekundären Gewinn beheimatet. Wenn der Klient also das Gefühl hat, dass ihm durch die Veränderung auch ein Nutzen verloren geht, hat er einen inneren (oft unbewussten) Einwand.

Beispiele:

„Ich möchte gerne aufhören zu rauchen, aber dann bin ich aus der Firmenclique raus und kriege auch keine Neuigkeiten mehr mit.“

„Ich möchte gerne öfter nein sagen, aber ich habe Angst, dass XY dann sauer auf mich ist.“

„Ich möchte diesen Job wirklich gerne haben, aber dafür müsste ich 300 km pendeln und wäre nur noch am Wochenende bei meiner Familie.“

„Ich möchte gerne in den Schützenverein eintreten, aber meine Frau lehnt das total ab.“

Manche Ziele klingen in unseren Ohren einfach gut und wir glauben zunächst, dass wir dieses Ziel auch wirklich erreichen wollen. Doch vielleicht haben wir das Ziel nur bei jemanden „abgeschaut“ oder uns wurde aus unserem Umfeld suggeriert, dass wir dieses Ziel erreichen sollen und wir glauben das mittlerweile.

Wir überprüfen daher, ob das Ziel / die Veränderung von der wir glauben es zu wollen, auch wirklich erstrebenswert ist – mit allen Auswirkungen.

Es geht hier um die innere Bewertung der Konsequenzen aus Sicht des Klienten. Selbst wenn das angestrebte Ziel für den Klienten äußerst angenehm ist, können Hindernisse aus dem Umfeld noch stärker sein.

So kann ein Klient beispielsweise den beruflichen Erfolg und die nächsthöhere Position anstreben, doch gleichzeitig unbewusste innere Verstrickungen haben durch die Überzeugung, dass sein beruflicher Aufstieg in der Familie nicht gern gesehen wäre. Da können Glaubenssätze hemmend wirken wie „In unserer Familie waren wir immer alle bescheiden.“ Dein Vater war ein aufrechter Arbeiter, warum musst Du immer was Besseres sein wollen“ etc.

Hier würde die Zielerreichung also die Konsequenz beherbergen, dass die eigene Familie dies als mangelnde Solidarität interpretiert. Dadurch kann es für den Klienten schnell zu einem Wertekonflikt kommen.

Zeichnen sich negative Konsequenzen ab, so muss das Ziel erneut überprüft und gegebenenfalls verändert werden. Es wird neu verhandelt und überprüft bis es in jedweder Hinsicht konstruktiv und erstrebenswert ist.

Bei der Definition wohlgeformter Ziele lässt sich das Akronym SMART gut nutzen:

Spezifisch (Konkret) / Selbst erreichbar (Eigenverantwortung)
Messbar (konkret überprüfbar / wahrnehmbar)
Attraktiv (erstrebenswert / motivierend / positiv formuliert)
Realistisch / realisierbar (ist die Zielerreichung für mich möglich?)
Terminiert (Zeitpunkt / konkretes Datum)

Das bedeutet, dass wir unser Ziel zunächst formulieren und anschließend auf jeden der fünf oben genannten Punkte überprüfen. Ist mein Ziel „Weltfrieden“ wirklich realistisch und selbst erreichbar? Ist mein Ziel „nie wieder Schokolade zu essen“ wirklich attraktiv? Und ist die Formulierung positiv? Eine negative Formulierung ist grundsätzlich nicht motivierend, sondern zeigt nur, von was wir weg wollen. Ein Ziel aber sollte zeigen wo wir hin wollen.

Bei der Überprüfung der Zielformulierung auf die Wohlgeformtheitskriterien sollten wir sehr aufmerksam sein, denn wenn bereits die Formulierung äußerst schwerfällt, liegt eine systemische Verstrickung nahe. Das bedeutet, selbst wenn oberflächlich betrachtet das Ziel nun wohlgeformt formuliert wurde, können wir an der Physiologie, Mimik, Gestik, Tonalität etc. ableiten, ob eine unbewusste Vermeidungshaltung besteht. Dies kann beispielsweise durch innere Glaubenssätze wie im obigen Beispiel bedingt sein. Oft sind wir uns dieser Glaubenssätze nicht bewusst. Auch solche hemmenden Glaubenssätze lassen sich gut mit einem Coach bearbeiten, doch das ist ein separates Thema.

Die Zielformulierung mit den Kriterien der Wohlgeformtheit zu erarbeiten ist eine hervorragende Möglichkeit, um bereits mögliche unökologische Zielvorstellungen zu korrigieren.

Die Kernfragen am Ende der Zieldefinition lauten:

„Wie hoch ist der Preis dieser Veränderung? Und bin ich bereit diesen Preis zu bezahlen?“

Preis ist hier nicht monetär zu verstehen, sondern meint den Aufwand in welcher Form auch immer. Sei es der tägliche Gang ins Fitnessstudio, der Arbeitsaufwand von 16 Stunden täglich für ein bestimmtes Projekt oder der Umzug in eine andere Stadt / ein anderes Land um den Traumjob zu bekommen.

In diesem Sinne: Viel Erfolg bei Ihren Veränderungen!

Autor: Steffi Jacobeit
Thema: Öko-Check

Webseite: http://www.kompsych.de



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