Das Thema psychische Belastbarkeit und wie diese gestärkt werden kann, begegnen mir sehr häufig in den Beratungen. So entschied ich mich gern meine Erfahrungen darüber  weiter zu geben und diesen Artikel zu verfassen.

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Bevor ich jedoch auf die einzelnen Möglichkeiten eingehen werde, ist es mir wichtig im Bezug auf diese spezielle Thematik vorab meine Erkenntnisse und ganz persönlichen Eindrücke in der täglichen Arbeit mit Klienten und auch meiner ganz eigenen einmal näher zu betrachten. Nach meiner Überzeugung kommt es hier leider oft  zu  ungünstigen Interpretationen.

Das Streben nach mehr Belastbarkeit setzt voraus sich selbst momentan als eingeschränkt belastbar zu erleben. Hier verbirgt sich meines Erachtens eine Gefahr für das Verständnis dieser Problematik.Viele Menschen sind tagtäglich  sehr hohen Belastungen ausgesetzt, daher denke ich ist es völlig legitim unter permanent erbrachter Leistung, es auch Zeiten geben darf in denen es vorübergehend nicht so ist.   

Nach meinen Beobachtungen besteht der Irrglaube darin, dem Einwirken von ungünstigen Ereignissen sei es im beruflichen oder privatem Umfeld, stets souverän, gelassen und stark begegnen zu müssen . Stellte sich mir doch immer wieder die Frage nach dem Warum. Wieso gilt es in unserer Gesellschaft immer noch als Manko zeitweise nicht belastbar zu sein? In vielen Stellenangeboten taucht  fast schon  wie selbstverständlich unter den Anforderungen „hohe Belastbarkeit“ auf.  Das macht auf mich einen eher befremdlichen Eindruck.

Sollen oder müssen Menschen in allen Lebenslagen und zu jeder Zeit resilient bewaffnet daher kommen?

Nach meiner Einschätzung nicht. Im Gegenteil, ich halte es für überaus bedenklich dort weiter zu gehen, wo sich innerlich bereits ein Stoppschild zeigt. Besonders betroffen macht es mich, wenn ich sehe wie viel  bereits schon Schulkindern abverlangt wird.    

Ich erinnere mich das ich es als junge Mutter schon ziemlich seltsam empfand, das für Mütter und Väter eine Welt zusammenbrach, wenn es das Kind nicht auf ein Gymnasium schaffte. Mir schien es einfach wichtiger meinem Sprössling nicht nur auf Leistung zu fokussieren, sondern ihm beizubringen das es auch auf alle seine Schwächen und Stärken stolz sein darf. Heute weiß ich das ich das Richtige tat.

Begrenzt strapazierbar zu sein, hat immer einen „guten“ Grund, dennoch sind die meisten Menschen  mit diesem Zustand unzufrieden und nehmen eben diesen als Schwäche war. Es ist jedoch festzustellen, das wir mit solch einem Echo eine wichtige Botschaft erhalten. Unser ganz eigener und wichtiger Schutzmechanismus gibt uns ein Warnsignal, welches durchaus im positiven Sinne zu verstehen ist. Es ist also eine absolut normale und gesunde Reaktion der Psyche auf  dauerhafte Einflüsse zu reagieren, die nicht zur Erfüllung unserer Bedürfnisse beitragen. Wenn das geschieht, wurde meist schon über einen längeren Zeitraum übersehen gut für sich zu sorgen.

Wie das möglich ist möchte ich Ihnen nun anhand eines Fallbeispiels aufzeigen.

Ein Klient der sich sehr unwohl fühlte und sich kaum noch zur Arbeit traute, weil er unter den immer wieder auftretenden Wutausbrüchen seines Vorgesetzten litt, kam mit der inneren Haltung „ er müsse da jetzt stärker werden“.

Dieser Klient empfand, die aus meiner Sicht völlig angemessene Reaktion seiner Psyche als schwach und fehlerhaft, übersah allerdings zwei entscheidende Faktoren. Erstens: das die starke seelische Resonanz seines Körpers eine absolut normale Erwiderung auf die wiederholten tiefen seelischen Kränkungen waren und durchaus Würdigung und Beachtung verdienten, zweitens: die Erkenntnis das der Vorgesetzte zur Zeit ebenfalls vermutlich auch nur sehr eingeschränkt belastbar zu sein schien und diese in einem Gewand von Unbeherrschtheit und Überreaktionen zum Vorschein trat.  

Um sich wieder psychisch stark zu fühlen oder um bestimmten Situationen gelassener zu begegnen gilt es in erster Linie  achtsam für sich selbst zu werden. So banal es für den Ein oder Anderen auch klingen mag, so ist doch das Achtsam sein eine von vielen wertvollen Methoden und ein erster Schritt zurück zu den inneren Kräften.

Schauen wir uns nun gemeinsam die einzelnen Schritte an und wie Sie diese ganz praktisch umsetzen können.

Erster Schritt:   Stärke durch Achtsamkeit 

Ich möchte Ihnen als erstes eine Übung vorstellen die mir persönlich sehr geholfen hat und immer noch hilft um achtsam zu werden. Diese Übung stammt aus fernöstlichem Gedankengut und nennt sich Finger strömen oder halten. Dabei gehen Sie wie folgt vor:

umschließen Sie mit einer Hand jeden einzelnen Finger der anderen Hand für ca. drei Minuten. Beginnen Sie mit dem Daumen der linken  oder rechten Hand und lenken Sie Ihre Aufmerksamkeit auf das leise pulsieren. Beobachten Sie und bewerten Sie dabei nichts. Wenn Sie das mit allen zehn Fingern gemacht haben, dann waren Sie bereits eine halbe Stunde achtsam. Ich empfehle Ihnen diese Aufgabe abends auszuüben, bevor Sie sich schlafen legen. Sie erreichen mit diesem Ablauf nicht nur mehr Achtsamkeit sondern gleichfalls Entspannung und einen wunderbaren Ausgleich des vegetativen Nervensystems, ebenso eine Harmonisierung aller Organfunktionen und des Atems.  

Zweiter Schritt:  Kraftquellen finden

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Um ganz individuelle Kraftquellen für sich zu entdecken, ist es empfehlenswert einmal zu überlegen, wobei Sie immer wieder Freude und Glück empfinden können. Ist es das anhören einer bestimmten Melodie oder schöpfen Sie Ihre Kraft draußen in freier Natur, vielleicht beim lesen eines guten Buches oder einem ausgedehnten Spaziergang mit Menschen die sie mögen.

Auch schöne Erinnerungen, selbst wenn diese bereits schon lange zurück liegen, können eine solche Quelle sein. Meine persönliche Stärke und Freude ziehe ich aus dem Zusammensein mit meiner Familie und vor allem der Enkelkinder, für mich gibt es nichts schöneres als mit ihnen zu spielen und sie aufwachsen zu sehen. Ich bin mir ziemlich sicher das auch in Ihrem Leben etwas zu finden ist, dass sie aufleben lässt und Gefühle des Glückes und der Freude auslösen.  

Dritter Schritt:  Mentale Power durch hilfreiche Glaubenssätze entwickeln

Meist sind wir von negativen Glaubensätzen aus der Kindheit geprägt und folgen diesen immer wieder ganz unbewusst. Weit verbreitete Glaubenssätze lauten: „ich kann das nicht“, „das schaffe ich nicht“, „ich mache sowieso alles falsch“, „dazu habe ich keine Zeit“ und viele mehr.  Auch hier ist es hilfreich sich  einmal darauf zu konzentrieren wo Ihre Stärken, Fähigkeiten und Talente liegen. Denn  jeder Mensch ist im Besitz von Begabungen, jedoch müssen wir uns auf diese immer wieder neu besinnen.

Mein Tipp an Sie, schauen Sie auf das was Sie bereits schon erreicht haben, wie oft sind Ihnen im leben schon gewisse Dinge gut gelungen? Schreiben sie sich am besten jeden Tag auf, was Sie heute positives erlebt haben. Selbst wenn Sie verärgert wurden gibt es auch an einem solchen Tag etwas was gut war. Leider neigen wir dazu uns die negativen Dinge besser zu merken als die positiven.  Und sollten sich bei Ihnen wieder einmal ungünstige Glaubensüberzeugungen Eintritt verschaffen wollen, dann fragen Sie sich ob die Annahme darüber der tatsächlichen Wahrheit entspricht und verwandeln Sie die wenig hilfreichen Überzeugungen in hilfreiche. Verzaubern Sie ein „ich kann nicht“ in ein „ich kann alles erreichen was ich wirklich möchte“ und ein „dazu habe ich keine Zeit“ in ein „ich nehme mir die Zeit die ich brauche“, ein „ich mache sowieso alles falsch“ in ein „mir ist schon vieles im Leben gelungen“.

Zusammenfassend bliebe nun noch festzuhalten, das wenn Sie wieder einmal das Gefühl haben sollten wenig belastbar zu sein, es sich um ein leises anklopfen handelt das liebevoll um Aufmerksamkeit bittet.

Sie sind wunderbar gemacht und zwar genauso wie Sie sind.   

Autor: Sylke Oberländer
Thema: Psychische Belastbarkeit stärken
Webseite: https://www.psychologische-beratung-coaching.de

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