Als ich vor fast zehn Jahren das erste Mal etwas von Kinesiologie hörte, steckte ich selbst in einer Lebenskrise. Ich hatte beruflichen Erfolg, eine liebevolle Beziehung, zwei wunderbare Kinder und trotzdem spürte ich ganz deutlich, dass ich so nicht weitermachen wollte. Etwas musste sich ändern – aber was?

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Ich war auf der Suche nach mehr Energie, mehr Leichtigkeit, mehr Kreativität und mehr Wohlbefinden. Mit Kinesiologie, so erzählte mir eine Freundin, kommst du diesem Ziel ein großes Stück näher. Seitdem hat sich mein Leben auf wundersame Weise geordnet, neue Träume entwickelten sich, die ich auch tatkräftig umsetzen konnte. Die Last auf meinen Schultern war verschwunden und eine nie dagewesene Leichtigkeit erfüllte mich. Aber worum geht es nun dabei?

Was ist Kinesiologie?

Der Wortstamm wird von dem griechischen Wort „kinesis“ abgeleitet und bedeutet übersetzt: Bewegung. Kinesiologie kann somit als die "Lehre von der Bewegung der Körperenergie" definiert werden. Diese noch recht junge Methode wurde Anfang der siebziger Jahre in den USA entwickelt. Sie basiert auf dem jahrtausendealten Wissen der traditionellen chinesischen Medizin. Das Energiemodell der chinesischen Akupunktur beruht auf den Beziehungen zwischen den Energiebahnen im Körper (Meridianen) und bestimmten Organen. Dr. George Goodheart, der „Vater“ der Kinesiologie erkannte wiederum, dass Meridiane und Organe darüber hinaus jeweils auch mit ganz bestimmten Muskeln in Verbindung stehen.

Aus dieser Erkenntnis ist der sogenannte Muskeltest entstanden, ein Werkzeug, das alle Anwender kinesiologischer Methoden nutzen, um mit dem Körper „ins Gespräch zu kommen“. Dieser Test erlaubt dem Kinesiologen herauszufinden, was eine Person gerade „schwächt“. Jede Art von Stress schwächt die Körpermuskulatur immer unmittelbar. Da die Körpermuskeln im Zusammenhang mit den Meridianen, bestimmten Emotionen und Zuständen stehen, werden diese bei Stress auch „schwach“. Die Qualität der „fließenden Körperenergie“ wird also über die Muskulatur sichtbar gemacht. Der sanfte Drucktest zeigt dabei, ob die Muskulatur „entriegelt" oder „verriegelt“, der Energiefluss also schwach oder stark ist.

Welche Bedeutung hat die Kinesiologie für unsere Psyche?

Auf Wikipedia wird Psyche, altgriechisch „Seele“, als Ort menschlichen Fühlens und Denkens beschrieben. Sie ist die Summe aller geistigen Eigenschaften und Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen.

In der Kinesiologie betrachten wir Körper, Geist und Seele (Psyche) ganzheitlich, das heißt als Einheit. Anschaulich erklären lässt sich dies, indem wir uns den Körper, Geist und Seele als unser „Haus“ vorstellen.

Ein stabiles Haus hat ein sicheres Fundament, eine oder mehrere Etagen mit unterschiedlichen Räumen und ein Dachgeschoß. Wenn das Fundament beschädigt ist, beginnt das ganze Haus instabil zu werden. Es wäre unsinnig in diesem Zustand einzelne Räume zu renovieren.

In der Kinesiologie steht das Fundament im übertragenen Sinne für unsere „Vorsorge“. Eine sichere Grundlage in Körper, Geist und Seele haben wir dann, wenn wir für Körper, Geist und Seele Sorge tragen.

Das Leben in unserem Haus lässt sich auf kinesiologischer Ebene in Lebensenergie messen. Diese bewegt sich auf Energieleitbahnen, den sogenannten Meridianen. Wenn wir ausgeglichen sind, kann die Energie frei fließen und wir fühlen uns vital und gesund. Sind wir hingegen unausgeglichen oder krank, wird unser Energiestrom blockiert. Es gibt einige kinesiologische Selbsthilfemethoden, diese Blockaden schnell lösen und so die Energie wieder zum Fließen zu bringen. Diese Übungen werden auch als „Hygiene für unser Energiesystem“ bezeichnet. Sie sind einfach und leicht zu Hause anzuwenden und unterstützen unsere Selbstvorsorge, ganz ähnlich wie beim Zähneputzen. Auch das dient der Zahnhygiene und Vorsorge, der Zahnarzt beseitigt nur entstandene Schäden.

In meiner Praxis biete ich meinen Klienten regelmäßig Kurse in „Entspannung und Vitalität durch Kinesiologie“ an, wo alle Interessierten diese Vorsorge-Übungen erlernen können. Als besonders wirkungsvoll haben sich „Brain-Gym-Übungen“ aus der „Educational Kinesiology“ nach Dr. Paul Dennison (1982) erwiesen. Regelmäßig angewendet, sorgen diese für ein robustes energetisches Fundament, dass unseren Energiestrom fließen und uns im Alltag robuster werden lässt – ganz ähnlich, wie uns ein starkes Immunsystem vor Infekten schützt.

Das Fundament ist also wichtige Basis unseres „Hauses“. Aber das Fundament allein macht noch kein stabiles Haus. Also schauen wir uns auch noch die einzelnen Räume an. In jedem Haus gibt es Räume, die voller Gerümpel stehen, andere brauchen dringend einen neuen Anstrich und ab und zu gibt es leere Zimmer, die noch darauf warten, eingerichtet zu werden.

Der überwiegende Teil der kinesiologischen Praxisarbeit findet in den Räumen voller Gerümpel statt. Dort wird energetisch regelmäßig alles gesammelt, was schon lange nicht mehr benötigt wird, weil es den meisten von uns nicht nur im Alltäglichen unendlich schwer fällt auszumisten und loszulassen, sondern auch das Energiesystem gerne an „lieb Gewonnenem“ festhält.

Warum fällt es uns so schwer loszulassen?

„Die Fähigkeit, sich Neuem zuzuwenden, setzt die Fähigkeit voraus, sich vom Bisherigen zu lösen.“
- Wilhelm Zauner -

Wir Menschen können uns von Gestrigem nur dann verabschieden, wenn der Stress der darin gebunden ist gelöst wird und wir unabhängig werden. Das bedeutet im übertragenem Sinne: Um Platz für Neues zu schaffen, müssen wir unseren „Rucksack“ leeren und unsere Komfortzone erweitern, uns also von allem seelischen Ballast befreien, von dem Unnötigen, dem Stress und den alten überholten Glaubensmustern. Aufräumen und Ausmisten ist allerdings nicht, wie bei der „Vorsorge für das Energiesystem“, mit einigen Übungen zu erledigen. Dafür benötigt es eine kinesiologische Sitzung.

Der erfahrene Kinesiologe geht dann in ein „Gespräch mit dem Körper“ und wird mithilfe des Muskeltests herausfinden, wo das Energiesystem einer Person gerade schwach ist, in welchem Raum also „ausgemistet“ werden muss. Dabei schauen wir Kinesiologen immer das ganze Haus, mit allen Räumen an, um die Störfaktoren zu lokalisieren. Alle Stressfaktoren unterbrechen den Energiefluss und zeigen dann einen „schwachen“ Muskel an. So können physischer, psychischer, mentaler oder emotionaler Ballast gefunden und bearbeitet werden und gefestigte Denkstrukturen, Glaubensätze und Überzeugungen aufgelöst werden.

Denn Probleme und Konflikte, die negative Erfahrungen mit sich bringen, basieren auf ständig wiederkehrenden Entscheidungen und gleichen Verhaltensmustern. Diese Muster werden oft schon in unserer frühesten Kindheit angelegt. Wir lernen ein bestimmtes Verhalten, um unser Bedürfnis nach Nahrung, Sicherheit und Geborgenheit befriedigt zu sehen. Mit diesem Verhalten machen wir Erfahrungen. Glaubenssätze und Kernüberzeugungen entstehen, die tief im Unterbewusstsein abgespeichert werden.

Diese unbewusst abgespeicherten Programme steuern uns im Alltag, vor allem aber immer dann, wenn wir in eine stressbesetzte Situation geraten. Wir sind nicht in der Lage, diese Situation objektiv zu beurteilen und eine logische und rationale Entscheidung zu treffen. Wir reagieren und handeln nur noch im „Überlebensmodus“, das heißt ein altes bekanntes Verhaltensmuster wird aktiviert und angewendet, auch wenn uns in der aktuellen Situation ein neues Verhalten der Lösung näherbrächte.

„Wer das tut was er immer tut, bekommt auch das was er immer hat.“

Die Lehre von der Kinesiologie geht grundsätzlich davon aus, dass der menschliche Organismus selbst am besten weiß, was ihm guttut, ihm hilft, ihm fehlt oder ihn stört.

Das Besondere einer kinesiologischen Balance ist, dass jedes Vorgehen individuell auf den jeweiligen Klienten abgestimmt ist. Wir sind alle einmalig und nicht miteinander vergleichbar. So verhält es sich auch mit unserem Zellgedächtnis – das Gerümpel, die Leere oder schlechte Wandfarbe in unseren Räumen speichert. Ähnlich wie bei einem Sicherheitsschlüssel mit vielen unterschiedliche Zacken, der nur ein ganz bestimmtes Schloss passt, ist das Zellgedächtnis jedes Menschen individuell.

So kann die Begegnung mit einer Frau in einem roten Kleid beispielsweise bei Paul an die glückliche Begegnung mit einer geliebten Person, z.B. seiner Mutter gekoppelt sein, während sie bei Klaus mit Angst und Schrecken verknüpft ist, weil ihm einst eine Frau in einem roten Kleid vor das Auto gelaufen ist. So erhält das eigentlich neutrale rote Kleid eine Verknüpfung mit einer Emotion und durch die Ablage in einem bestimmten Raum, eine bestimmte persönliche Bewertung: Stress und Gefahr oder Geborgenheit und Liebe, beides kann gut oder schlecht für mich.

Diese Verknüpfungen und Ablagen erfolgen in den meisten Fällen unbewusst. Damit werden sie zu einer großen Falle unseres persönlichen Wachstums. In unserem Beispiel wird Klaus immer dann, wenn ein „rotes Kleid“ in einer Situation auftaucht, unangemessen gestresst aus einem alten Muster heraus handeln, Paul wiederum kann entspannt eine Lösung kreieren und umsetzen.

Wie kann die Kinesiologie nun die Psyche positiv beeinflussen?

Im Rahmen einer kinesiologischen Balance gilt es mithilfe des Muskeltestes und gezielten Fragen den Kontext, in dem das Thema für den Klienten steht, die jeweilige beste Methode und die Reihenfolge der Auflösung der Blockaden auszutesten. In der Health Kinesiologie sprechen wir von Ebenen in denen uns unterschiedliche Balancemöglichkeiten zur Verfügung stehen: die spirituelle, mentale, emotionale, ätherische und physische Ebene. Sind alle Ebenen „befragt“, haben wir den „passenden Schlüssel“ für das Zellgedächtnis des Klienten, um die Blockade aufzulösen.

Erst dann ist in unserem Raum wieder Platz frei für Neues – neue bewusste Entscheidungen. Alte Verhaltensmuster können durch passendere ersetzt werden.

Körper, Geist und Seele beginnen eine kinesiologische Reise im Übrigen immer in dem Raum, wo Veränderungen leicht durchführbar sind. Erst nach und nach weitet sich das Bewusstsein und die veränderte Sicht- und Handlungsweise auf andere „Räume“ und Bereiche aus, bis das ganze Haus aufgeräumt ist. Das wiederum bedeutet, dass ein verändertes Verhalten in einer Situation auch den ihr zugrundeliegenden Konflikt ändert und dieser oft verschwindet. Damit ist der Weg frei für neue Entscheidungen.

In unserem Haus bleibt dann noch das Dachgeschoss. Dieser Bereich ist für persönliches Wachstum und Persönlichkeitsentwicklung reserviert.

Wie können Körper, Geist und Seele noch wachsen?

Zu Leben heißt, im Fluss zu sein, Veränderungen willkommen zu heißen und neue Erfahrungen in unser Leben einzuladen. Das Neue benötigt Platz. Das bedeutet auch immer Raum zu schaffen und schaffen zu wollen, um Altes gehen zu lassen. Diesen Prozess nennen wir Persönlichkeitsentwicklung.

Als Menschen sind wir in der Lage routiniert unseren alltäglichen Verpflichtungen nachzugehen und uns trotzdem persönlich weiterzuentwickeln und an unseren Aufgaben zu wachsen. Dieses Wachstum vollzieht sich immer im Sinne unserer Interessen und Anlagen und begleitet uns ein Leben lang tief in unserem Inneren, egal wie alt wir werden.

Dieses äußere und innere Wachstum beginnt bereits mit der Befruchtung der Eizelle. Ein erster einschneidender Schritt, der massive Veränderungen mit sich bringt, ist die Geburt. Aus der Dunkelheit kommen wir ins Licht, aus der Enge in die Weite, aus der Geborgenheit in die Freiheit, aus der Wärme in die Kälte. In einer natürlichen Geburt liegen die Wurzeln dafür, wie wir später im Leben mit Veränderungen umgehen können, Rückschritte akzeptieren und die Abenteuer des Lebens mit seinen Herausforderungen begrüßen.

Die Freiheit sich persönlich zu entwickeln und zu entfalten, sich zu verändern und zu wachsen, ist also ein Geburtsrecht und gleichzeitig unser inneres Anliegen und Bedürfnis - wie eine Blume zum Licht wächst, wollen auch wir wachsen.

Hat sich hier bereits Stress in unserem System abgespeichert, liegt der erste Müll schon in einem Raum und es fällt uns schwerer, uns für Veränderungen zu öffnen.

Wenn wir unter Druck stehen, müde und geschwächt sind, unsere Räume unaufgeräumt sind, bleibt oft nicht genug Energie übrig, die bis ins Dachgeschoss vordringen und für persönliches Wachstum sorgen kann. Fließt die Energie frei und ungehindert, haben wir weniger Stress, können Ideen entwickeln und neue Zielen und Visionen verfolgen.

Betreiben wir also Selbstfürsorge und räumen mit unseren inneren Unsicherheiten auf, können wir persönliches Wachstum fördern. Dieses im Dachgeschoss verborgene persönliche Wachstum gibt uns das Gefühl im Fluss des Lebens schwimmen, Veränderungen willkommen zu heißen, sich weiterzuentwickeln und letztlich dem Sinn des Lebens ein Stück näher zu kommen.

Mit Kinesiologie geht alles etwas leichter

Ich freue mich täglich an den tiefgreifenden und wunderbaren Erfahrungen, die ich mit mir und gemeinsam mit meinen vielen dankbaren Klienten sammeln durfte und darf. Ich wünsche auch Dir viel Mut und Entschlossenheit für den ersten Schritt. Es ist immer der schwerste, aber er lohnt sich. Lerne auch Du die Kinesiologie kennen und erfahre damit eine neue ungeahnte Leichtigkeit!

Noch ein Hinweis zum Schluss: Die Anwendung kinesiologischer Methoden ist noch immer nicht staatlich geschützt. Auf der Suche nach einem umfassend qualifiziert ausgebildeten Kinesiologen ist es ratsam, sich auf der Webseite der Deutschen Gesellschaft für angewandte Kinesiologie (DGAK) unter https://www.dgak.de zu informieren. Die Arbeit mit dem Muskeltest erfordert viel Übung und Erfahrung und kann nicht in einem Wochenendseminar erlernt werden. Es gibt zudem unterschiedliche kinesiologische Systeme. Das bekannteste ist sicherlich „Touch for Health“ nach Dr. John F. Thie (1973), das heute in über 100 Ländern angewendet wird. Bei gut ausgebildeten und professionellen Kinesiologen werden zudem auch Methoden wie „Three and One Conzept“ nach Gordon Stokes und Daniel Witeside (1983), „Health Kinesiology“ nach Dr. Jimmy Scott (1981) oder „Educational Kinesiology“ nach Dr. Paul Dennison (1982) Anwendung finden, um nur einige zu nennen. Jeder bei der DGAK registrierte Kinesiologe erhält entsprechend seiner gesammelten Ausbildungsstunden ein Gütesiegel, dass Ihnen die Sicherheit gibt, professionell betreut zu werden.

Autor: Petra Kohlmann
Thema: Kinesiologie für die Psyche
Webseite: https://www.inbalancesein.com

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