Stilsicher Kommunizieren, den richtigen Ton treffen und die Dinge auf den Punkt bringen - das sind Erwartungen von Teilnehmerinnen und Teilnehmern meiner Kommunikationsseminare. Kein Wunder – meine ich. Denn, sobald zwei Menschen aufeinander treffen, entsteht Kommunikation - bewusst oder unbewusst, nonverbal mit dem Körper oder verbal mit dem gesprochenen Wort. Der Wunsch, es richtig zu machen, ist groß. Doch das Thema ist komplex und nicht einfach zu fassen, wie die folgende Beispiele zeigen.

stilsicher kommunizieren

Vor einigen Jahren lief ich mit meiner Kollegin von unserem Seminarraum zum 300 Meter entfernten Materialraum. Auf halber Strecke sagte ich: „ Ich habe meinen frischen Kaffee im Seminarraum stehen lassen“. Zu meiner Überraschung drehte sie sich auf dem Absatz um, ging zurück in den Seminarraum und holte mir meinen Kaffee. Meine Frage an Sie: was habe ich gesagt und was wurde verstanden? Welche Botschaften wurden gesendet? Was stand zwischen den Zeilen?

Die Aussage: „Wir müssen jetzt ganz arg auf Qualität achten. Ich habe Deinen Beitrag deshalb durch einen von mir ersetzt.“, führte zu einem Konflikt zwischen zwei Inhabern eines Internet-Blogs. Welche Botschaften wurden hier gesendet? Wer setzte den Maßstab für Qualität?

Eine weitere Geschichte (nach Professionelle Gesprächsführung, Weisbach). Zwei Männer wollten nahe Breisach den Rhein überqueren. Das Boot, das am Ufer lag, bot nur für einen Platz, denn es war so klein, dass es nur einen Menschen tragen konnte. Beide überquerten den Rhein in diesem Boot und setzen anschließend ihre Reise fort. Wie konnten Sie das tun? Kommen Sie auf die Lösung? Nein?

Die Sätze sind kurz, einfach, keine Fremdwörter und trotzdem wissen Sie nicht wie die beiden Männer einzeln den Rhein überquert haben. Was genau steht im Text? Welches Bild entsteht vor Ihrem inneren Auge? Sehen Sie die beiden Männer gemeinsam an einem Rheinufer stehen? Dann ist die Aufgabe nicht lösbar. Ich als Erzählerin weiß, dass die beiden Männer an unterschiedlichen Ufern stehen und damit ist die Lösung denkbar einfach. Einer der Männer überquert den Rhein von West nach Ost und der andere umgekehrt.

Unsere inneren Bilder und Vorstellungen lenken unser logisches Denken. Und manchmal scheint unsere Vorstellung so stark, dass wir uns sicher sind, dass sie der Realität entspricht. Und in solchen Fällen fragen wir nicht mehr nach.

Womit können Sie nun starten, um an Ihrer Kommunikation zu feilen?

Gut und aktiv zuhören

Unsere Sprache enthält eine Reihe von Ungenauigkeiten. Wir verallgemeinern, verändern und lassen Teile unserer Gedanken aus, wenn wir mit anderen sprechen. Ansonsten wären Unterhaltungen langatmig und pedantisch. Dies gibt jedoch dem Gegenüber Raum für (Fehl)Interpretation. Wenn Sie am Inhalt wirklich interessiert sind, hinterfragen Sie Worthülsen mit „wer, wie, was, wo genau?“ oder „verglichen womit?“, „wirklich alles, keiner, jeder, nie, immer?“.

Hier ein Beispiel von einer Teilnehmerin: „Meine Auszeit in Australien war sehr prägend für mich. Ich wurde selbstbewusster und erwachsener“. In meinem Kopf entstanden sofort Bilder aus meiner eigenen Zeit in Australien. Aber deckt sich meine Vorstellung mit der Realität der Teilnehmerin? Auszeit? Wovon? Wie lange? Mit wem? Was genau war prägend? Wie genau selbstbewusster? Was heißt erwachsener? Verglichen womit? Wenn Sie ehrlich interessiert sind, dann hören Sie genau hin und fragen nach.

Klartext reden & Rückmeldungen einholen

Sagen Sie: „Machen Sie bitte das Fenster zu“ anstatt: „Hier im Zimmer ist es aber kalt“. Sagen Sie: „Ich möchte das Arbeitspaket XY abgeben“ und nicht: „Die Arbeit wächst mir über den Kopf“.

Bereiten Sie (wichtige) Gespräche vor. Machen Sie sich klar, was Sie sagen wollen und werden Sie konkret. Wenn Sie überzeugt sind von dem, was Sie sagen, stimmt Ihre Körpersprache mit dem Gesagten überein und Sie wirken authentisch, ehrlich und vertrauenswürdig.

Am Feedback erkennen Sie, ob Sie das Richtige gesagt haben. Achten Sie bei Ihrem Gegenüber auf ein Zeichen des Verstehens (Kopfnicken, Blickkontakt, zugewandte Körperhaltung)? Das Wesentliche wird zwischen den Zeilen gesagt: Mimik, Gestik, Stimme und Körpersprache sprechen Bände und der Ton macht die Musik. Fällt die Reaktion des Gegenübers nicht so aus, wie Sie dachten, sprechen Sie es an. Eventuell haben Sie eine Botschaft gesendet, die Ihnen nicht bewusst war.

Ich-Botschaften senden

Sagen Sie: „Es ist mir zu laut, ich habe dadurch Schwierigkeiten mich zu konzentrieren, ich wünsche mir einen ruhigen Arbeitsplatz“, anstatt „Euer Lärm nervt total und wegen Euch kann man sich nicht konzentrieren“. Bleiben Sie bei sich und Ihren Wahrnehmungen ohne Interpretationen, beschreiben Sie Ihre Gefühle und Ihre Wünsche. Du-Botschaften wirken (oft) beleidigend und zwingen das Gegenüber in eine Rechtfertigungshaltung.

Fragen stellen

Wenn im Gespräch etwas unklar ist, fragen Sie nach ohne Angst, dass Sie als dumm und unwissend dastehen. Mit offenen Fragen bekommen Sie mehr Informationen (wer, wie, was, wo, wieso, weshalb?). Wollen Sie sicher gehen, dass Sie alles richtig verstanden haben, wiederholen Sie das Gesagte mit eigenen Worten.

Wertschätzung zeigen

Das Wichtigste zum Schluss: Neben allem Wissen über Sprache und Kommunikationsinstrumente braucht es für eine stilvolle, klare Kommunikation eine positive Grundeinstellung, Blickkontakt und gerne auch ein Lächeln. Gehen Sie offen, wohlwollend und höflich auf Ihre Mitmenschen zu. Erwarten Sie von sich und den anderen keine Perfektion und erlauben Sie Fehler.

Mit Respekt und Wertschätzung sind Sie immer auf der sicheren Seite.

Autor: Stefanie Groos
Thema: Stilsicher Kommunizieren

Webseite: http://www.stefanie-groos.de

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