In unserer heutigen Zeit ist sehr schwer Trauer zu leben. In der Werbung wird uns eine immer heitere und strahlende Welt vermittelt.

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Auch sind wir Menschen immer wieder geneigt das Thema Tod und Trauer ganz weit weg an den Rand zu schieben. Bitte nur nicht zu nahekommen lassen.

Dabei ist der Trauerprozess eine überaus große Chance der eigenen Entwicklung eine neue Dimension zu ermöglichen.

In welchen Situationen wird getrauert?

Trauersituationen können sehr unterschiedlich sein. In erster Linie denkt man sofort an den Verlust eines geliebten Menschen. Auch der Tod eines Tieres kann Menschen in eine Ausnahmesituation bringen. Für viele Menschen sind Tiere über Jahre hinweg sehr treue Begleiter und manches Mal der einzige soziale Kontakt. Wenn dieser wichtige Halt im Leben eines Menschen wegbricht, dann kann das ganze Leben ins Schwanken geraten.

Ein sehr häufiger Grund, wann Menschen Trauerphasen in ihrem Leben durchleben, sind Trennungen und Scheidungen. Der Prozess um eine Trennung oder Scheidung zu verarbeiten ähnelt dem Trauerprozess durch den Tod eines geliebten Menschen stark.

Auch der Verlust der Arbeitsstelle oder das Auseinanderbrechen einer Freundschaft sind Gründe für Trauerphasen im Leben.

Wie wird getrauert?

Die Art des Trauerns ist kulturell ganz unterschiedlich. In unseren Breitengraden gab es noch bis vor wenigen Jahren traditionell das sogenannte Trauerjahr. Dieses Jahr ist den Ereignissen, Festen und dem Alltag gewidmet, der ohne den/die Verstorbene*n nun zum ersten Mal stattfindet. Das Trauerjahr hat in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung verloren. Trauern wurde gesellschaftlich gesehen verkürzt. Viele Trauernde geben mir die Rückmeldung, dass sie nach einigen Wochen nach dem Verlust sanft darauf hingewiesen werden, dass jetzt doch so langsam der Alltag wieder einkehren könne. Was vorbei ist, ist vorbei.

Die Zeit die Trauernde benötigen, um den Verlust verarbeiten zu können, ist sehr individuell. Für eine Person ist ein halbes Jahr ausreichend und für die andere Person genügt ein Jahr bei weitem nicht aus. Es gibt keine Zeitvorgabe, es gibt vielmehr verschiedene Phasen. Diese Phasen sollten durchlebt werden, um am Ende der Trauer gestärkt das zukünftige Leben zu leben. Trauer ist so einzigartig wie jeder Mensch. Es gibt kein richtig und kein falsch.

Was passiert in der Trauer?

Trauer ist eine lebenswichtige Reaktion auf den Verlust eines lieben Menschen. Trauer ist für einen Menschen Schwerstarbeit. Sie ist ein emotionaler Ausnahmezustand, auch kann sie körperliche Symptome hervorrufen. Die Trauer wirft jede Menge Fragen auf. So sieht sich ein Hinterbliebener unter Umständen mit folgenden Fragen oder Aussagen konfrontiert:

  • Wie soll ich mein Leben ohne den Verstorbenen überhaupt leben können?
  • Warum habe ich mich nicht verabschiedet oder mich verabschieden können?
  • Warum haben wir uns immer über diese Lappalien gestritten?
  • Ich hätte noch so viel zu sagen gehabt.
  • Ich konnte mich nicht mehr entschuldigen?
  • Warum habe ich keine Hilfe angeboten?
  • Warum habe ich auf die Hinweise nicht reagiert?
  • Ich fühle mich schuldig, dass ich leben darf und er/sie nicht.

All diese Fülle an Gefühlen darf und muss verarbeitet werden. Unweigerlich kommt man mit seinem eigenen Selbst in Kontakt. Hiervor scheuen sich etliche Menschen, da die Angst vor der eigenen Unzulänglichkeit vorhanden ist. Hier darf ich Ihnen Mut machen. Es lohnt sich, sich mit seiner Trauer auseinander zu setzen. Es gibt keinen Weg an der Trauer vorbei, nur durch sie hindurch. Nicht gelebte Trauer, kann langfristig zu Erkrankungen des Körpers und der Seele führen. Der Weg durch die Trauer führt durch vier Phasen hindurch.

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Die vier Trauerphasen

Nicht jede Trauerphase wird gleich intensiv durchlebt. Auch können die Phasen sehr fließend ineinander übergehen. Auch der Sprung zurück zu einer bereits durchlebten Phase ist möglich. Verena Kast, eine Schweizer Psychologin hat den Trauerprozess in vier Phasen dargestellt.

Was geschieht in Phase 1?

Der Beginn der Trauer geschieht mit dem Verlust eines lieben Menschen. Die Art und Weise des Verlustes kann den Verlauf der Trauer beeinflussen. In der ersten Phase wehrt sich alles in uns. Wir können uns den Verlust nicht vorstellen und möchten ihn auch nicht wahrhaben. Wir Menschen können völlig unterschiedlich in dieser Phase reagieren. Manche Menschen sind wie erstarrt und stehen völlig neben sich. Andere wiederum wüten und toben oder brechen auch zusammen. Der Tod ist ein absoluter Schockmoment. Auch der Körper reagiert auf diese Situation. Der Puls geht nach oben, der Schweiß bricht aus, die Übelkeit kommt bis hin zum Erbrechen.

In dieser ersten Phase darf alles sein. Alle Gefühle dürfen und sollen sich ihren Weg bahnen. Oftmals ist es in dieser Phase nicht möglich zu Weinen. Auch das darf so sein. Für die Hinterbliebenen ist es oft sehr schön, dass Menschen um sie herum sind, die einfach da sind. Mit dabei sind und diesen unfassbaren Schmerz mit aushalten und sie genauso annehmen, wie es ihnen gerade zumute ist.

Was geschieht in Phase 2?

In der zweiten Phase löst sich die Schockstarre auf und die ungebändigte Wucht an Gefühlen bricht heraus. Zorn, Wut, Angst, Freude, Traurigkeit und Schmerz zeigen sich. In diese Phase hinein fallen auch Selbstvorwürfe und Vorwürfe gegenüber dem Verstorbenen. All diese Gefühle sollten nicht unterdrückt werden. Der freie Lauf der Gefühle unterstützt den Trauerprozess. Vor allem Tränen sollten nicht unterdrückt werden. Sie bringen den Prozess ins Fließen. Und Fließen bedeutet Bewegung. Bewegung bedeutet Fortschritt.

Was geschieht in Phase 3?

In dieser Phase sind die Trauernden häufig hin und hergerissen. Das Gefühl gleicht einer Suche. Es werden ehemalige Gemeinsamkeiten gesucht und weitergelebt. Erinnerungen werden wieder wachgerufen und gehütet wie Schätze. In fremden Gesichtern sieht man Gesichtszüge der/des Verstorbenen. Der Zustand ist wie ein Schwanken von ganz nahe an sich heranlassen und wieder von sich entfernen von der gesuchten Nähe zur/m Verstorbenen. In den Momenten des sich Entfernens spüren Menschen im Prozess, dass neues Leben bzw. ein Weiterleben möglich sind. Eine ganz zarte Pflanze bahnt sich den Weg durch die dunkle Erde ans Licht. Diese Pflanze namens Leben darf gut gepflegt werden.

Jedoch fällt in diese Phase, bei manchen Menschen, auch die Verfestigung und Chronifizierung von Trauer. Wenn die Momente der Hoffnung nicht angenommen werden können und das Festhalten am Vergangenen überwiegt. Soziale Kontakte werden minimiert, Gedanken an die Zukunft finden kaum statt. Ängste und Panik können sich entwickeln. Ebenso wie Depressionen, Suchtmittelmissbrauch und Verwahrlosung. Sollten sie sich hier wiedererkennen suchen sie einen Arzt oder dafür geschulte Menschen aus. An dieser Stelle kann eine Trauerbegleitung sehr gut unterstützen, auch in guter Zusammenarbeit mit Ärzten. Ein Prozentsatz von ca.4-8% der Trauernden bedürfen eines Klinikaufenthaltes.

Was geschieht in Phase 4?

In dieser Phase darf wieder Ruhe einkehren. Die zarte Pflanze aus Phase drei darf wachsen. Viele Menschen beginnen wieder Pläne für ihr Leben zu schmieden. Es hat sich eine neue Ordnung eingestellt und diese darf gelebt werden. Der/die Trauernde hat einen tiefgreifenden Prozess durchlaufen und die eigene Haltung zum Leben hat sich verändert.

Gefühle wie Dankbarkeit, Ruhe, Sinnhaftigkeit, Freude und Stolz werden gespürt. Die Pflanze des Lebens darf gedeihen und größer werden.

Es gibt keinen Standard-Trauerprozess. Jede Trauer ist einzigartig. Eines jedoch ist allem gemein. Es gibt kein Weg an der Trauer vorbei, nur durch sie hindurch.

Wozu überhaupt Trauerbegleitung?

Die Trauerarbeit unterstützt Trauernde die neue bestehende Situation, die Wirklichkeit des Verlustes, zu begreifen. In der Trauerarbeit wird auf sanfte Weise versucht eine mögliche Sprach- und Gefühlslosigkeit zu überwinden. Der/die Trauernde wird in seinem Schmerz getragen und gesehen. Tränen dürfen, ich versteige mich sogar zu sagen, müssen fließen. Tränen haben etwas heilsames. Symbolisch gesehen kommt mit dem Fließen der Tränen in Menschen etwas in Bewegung. Gefühle dürfen fließen und sich äußern. Unterdrückte Gefühle können sich im Körper verfestigen und Symptome verursachen. Wenn die Tränen geflossen sind, entsteht häufig ein ruhiges und geerdetes Gefühl.

Sich in seiner Trauer begleiten zu lassen hat den Vorteil, sich ganz um sich kümmern zu dürfen. Andere Angehörige, die sich auch im Trauerprozess befinden werden nicht zusätzlich belastet. Außerdem können gegenüber einem Dritten auch Gefühle wie Wut, Zorn, Undankbarkeit und Ängste offen und einfach geäußert werden. Es muss keine Rücksicht auf andere Menschen genommen werden.

In der Trauerbegleitung können Rituale entwickelt werden, wie die Erinnerung an den/die Verstorbene/n zukünftig gelebt werden kann. Falls kein Abschied stattfinden konnte, können zum Beispiel Abschiedsrituale erarbeitet werden.

Zum passenden Zeitpunkt können im gemeinsamen Tun neue Lebensentwürfe gezeichnet und neue Lebensperspektiven entwickelt werden. Auch die Begleitung in der Umsetzung kann Bestandteil der Trauerbegleitung sein.

Für wen ist eine Trauerbegleitung passend?

Auch hier gilt wieder die Individualität. Jeder Mensch lebt seine Trauer anders. Sollten sie das Bedürfnis nach einer Begleitung haben, dann nehmen sie diese in Anspruch. Auch wenn sie sozial gut eingebettet sind. Wahrscheinlich gibt es auch bei ihnen Gedanken, Gefühle und Befürchtungen, die sich lieber mit einem Dritten teilen, als mit ihren Angehörigen. Vielleicht bemerken sie auch bei sich selbst, dass die Trauer in ihnen stecken bleibt, dann dürfen sie für sich sorgen und um Unterstützung bitten.

Es gilt: sie tun, was ihnen guttut. Hören sie auf ihren Bauch und ihr Herz.

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Trauerbegleitung – eine Chance!

Eine Trauerbegleitung kann in ihrem Leben eine echte Chance für ihr Leben sein. Der Trauerprozess ist eine emotionale und mentale Höchstleistung. Sie werden auf das Äußerste herausgefordert und in ihren Grundfesten erschüttert. Eine Unterstützung auf diesem Weg, kann ihnen helfen die Situation zu akzeptieren und dass sie den Boden unter ihren Füßen wieder spüren können. Mit Ritualen, Entspannungsübungen, praktischer Arbeit und weiteren individuell auf sie abgestimmten Methoden, werden sie durch die Trauer hindurch geleitet. Dadurch können sie für sich neue Ressourcen, Kraftquellen und Lebensperspektiven entdecken. Eine durchlebte Trauer ermöglicht ihnen die Chance persönlich zu wachsen und sich zu entwickeln.

Autor: Mirjam Hauptfleisch
Thema: Trauerbegleitung
Webseite: https://www.naturheilpraxis-hauptfleisch.de

Expertenprofil:

Beiträge Persönlichkeitsentwicklung

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