Wer aus seiner Mitte heraus handelt, kann die Innere Ruhe wahren, trotz Anforderungen und Stürme im Außen

Im Auge des Orkans, in der Mitte eines Strudels ist es ruhig.

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Wo befinden Sie sich gerade?

Sind die Anforderung in Beruf, Familie, Gesellschaft so hoch, dass Sie immer mehr an den Rand nach außen trudeln? Auch Anforderungen in Beziehung(en) – Krisen, Zeitdruck, finanziellen Sorgen, Ohnmacht, Mobbing, körperliche oder psychische Erkrankungen können dazu führen.
Oder sind die Anforderungen die ja objektiv gesehen auch Anregungen sind, anhaltend so gering, dass Sie sich durch Fernsehen, Action und Vergnügen einen Lebensinhalt suchen?

Wir sagen, wir sind gestresst …anstatt zu sagen … ich habe meine Innere Ruhe (aus dem Focus) verloren. Denn wären wir darin geübt diese beständig zu fokussieren bzw. sobald wir bemerken dass wir uns verlieren, zu ihr zurückzukehren, würden wir

  • uns rechtzeitig abgrenzen und innerlich ein paar Schritte zurücktreten
  • die Symptome in uns kennen, die uns ein Abweichen davon signalisieren wie z.B. Unzufriedenheit, Hetzen bzw. Trödeln, höherer Puls und Blutdruck, Kopfschmerzen, Enge in der Brust, Bauchgrummeln, Kompensation über Essen, Alkohol …. u.v.m.
  • und sie ernst nehmen

Dann könnten wir die Situation erstmal akzeptieren, wie sie ist. In Ruhe und mit Distanz. Und erst dann, bewusst, selbstgesteuert reagieren anstatt unser Leben und Handeln dem Autopiloten in uns zu überlassen

Wirkliche Innere Ruhe entsteht meiner Erfahrung nach, wenn wir uns einerseits als Gestalter unseres Lebens erleben und gleichzeitig akzeptieren, dass es Kräfte gibt, die größer sind als wir. Die zu unserem und dem Wohl Aller unterstützend mitwirken.

Die Innere Ruhe zu haben, heißt verankert sein

Den Zugang zur Inneren Ruhe zu haben heißt, inmitten der Veränderungen des Lebens, jenseits aller  Emotionen und Gedanken tief im Inneren sich verankern zu können  -die Asiaten nennen es Hara- dem Zentrum, das was beständig ist. Es bedeutet, auf den Ebenen Körper, Geist und Seele im Einklang zu sein.

Ein hohes und doch elementares Ziel, zu allen Zeiten, das besonders Philosophen und Spirituelle sich zur Aufgabe gesetzt haben. Heute darf sich diese Sinnfrage jeder, vom Topmanager bis zum Arbeitslosen stellen, von der Schülerin bis zum Hausmann. Und am besten, früh! Also warum nicht, bereits bei Babys und Kleinkindern die Grundlagen hierfür erhalten, Lebensgestaltung und Pädagogik diesbezüglich ausrichten?

Wenn Sie als Erwachsener, was wahrscheinlich ist, dies lesen; Sie können wieder freilegen, was auf ihrer bisherigen Lebensreise auf der Strecke blieb.

Zurück zur Quelle

Es ist ein regnerischer Tag, 25 Tage Fasten liegen hinter mir … und ich fühle mich nicht nur im wortwörtlichen Sinne sondern auch im übertragenen Sinne leichter.

Fasten ist eine einfache und bewährte, zugegeben zeitaufwändige Methode zur Inneren Ruhe und Klarheit zu finden.

Zu den besonderen Eindrücken der letzten gut 3 Wochen, zählten folgende Erfahrungen

  • intensivere Wahrnehmung der Sinne
  • vertieftes Bedürfnis, Situationen in Ruhe zu erfassen und eine authentische Haltung dazu einzunehmen, im Handeln, Sprechen oder auch Schweigen
  • Vielfältigere Wahrnehmung der Welt um mich herum
  • Zurückgeworfen bzw. fokussiert sein auf mich durch das Fehlen sonst so schöner sinnlicher und sozialer Situationen wie das gemeinsame Essen und die Zubereitung dessen.
  • ein Weniger das zu einem Mehr an Lebensqualität geführt hat, welches ich in jedem Fall in mein alltägliches Leben mit einbauen will

Dies sind nur einige Werte, die man auch mit dem Zustand Innerer Ruhe in Verbindung bringen kann.

Wie definieren Sie Innere Ruhe?

hand feld sonne

Nehmen Sie sich ein wenig Zeit, ihre eigene Definition von Innerer Ruhe zu schöpfen.
Woran würden Sie merken, dass Sie in dieser sind, sie (wieder-)erlangt oder auch verloren haben?

Wie würde es sich anfühlen, wenn Sie Zugang zu Ihrer Inneren Ruhe hätten? Was daran ist für Sie attraktiv? Was realistisch? Was anstrebenswert und in Stufen erreichbar?

Woran würde ihr Partner, ihre Freunde, Kollegen Kinder merken, dass Sie in sich ruhen?

Und wie würden diese darauf reagieren?

Mögliche Übungswege, die Innere Ruhe (wieder) zu erlangen

Durch regelmäßiges Praktizieren verschiedenster Übungswege, kann man lernen, Zugang zur Inneren Ruhe zu bekommen, die jenseits ist aller Veränderungen, Gemütszustände, Emotionen, Gedanken. Tief im Inneren ist das, was beständig ist.

  • In die Natur gehen und die Sinne, zunächst einzeln öffnen. Also: nur sehen ODER nur hören ODER nur fühlen ODER nur riechen ODER nur schmecken.
  • Atmen: Den Atem ganz bewusst erleben. Den Luftstrom spüren wie er ein und ausströmt, die Atembewegung erfahren, wenn Gedanken eindringen … zurück zum Atem kehren.
  • Intuition schulen
  • Künstlerisches Tun wie Plastizieren, Malen, Musizieren …
  • Entspannungsübungen, PMR, Autogenes Training, Phantasiegeschichten …
  • Tanzen: wild, zart, frei oder mit vorgegebener Form
  • sich vom Wasser tragen lassen
  • Achtsamkeit entwickeln. Was genau spüre ich, wenn ich dusche? Was wenn ich im vollen Bus fahre? Was wenn ich an einem einsamen Ort verweile. Wie wirken Worte, Farben, Bilder, Gerüche, Töne, Berührungen auf mich? Beobachtung der Gedanken anstelle von Nachdenken. Tätigkeiten verlangsamen.
    Achtsamkeit ist Übungsweg und Haltung zugleich
  • Mitgefühl/Empathie  mit sich und mit dem Gegenüber entwickeln
  • Meditation/Gebet
  • Weisheitsgeschichten
  • Beruf als Berufung, aufgehen in dem was man tut. Liebe das, was du tust, tue das, was du liebst.
  • Sport, Yoga, Aikido etc.
  • Engagement sozial, politisch, ökologisch – sinnstiftend,…
  • Bewusst entscheiden….. Ja oder Nein, reduzieren, expandieren …selbstbestimmt handeln
  • offline sein
  • gesunde Ernährung, Fasten
  • sich selbst einen heilsamen Tagesrhythmus vorgeben
  • sich eine Zeitspanne des Ausprobierens und Erfahrens geben, um Ent-Wicklungen zu ermöglichen. Kleine aber beständige Übungen nutzen.
  • beibehalten was gut tut, sich abgrenzen vor einer Überflutung an Tipps und Impulsen
  • offen sein, für den Moment der Veränderung
  • Schutzstrategien entwickeln
  • Forschergeist, in Demut und Dankbarkeit

Was noch hilft,  den Zugang zur Inneren Ruhe  zu finden  und  aufrecht zu halten?

  • Selbstwahrnehmung schulen, Selbstregulation nutzen, Selbstwirksamkeit erleben
  • sorgfältige Pflege des Energiehaushaltes (Belastung und Erholung in Balance bringen)
  • im Beruf, Beziehungen, Hobbies etc.  aufgehen ohne unterzugehen.
  • den inneren Kritiker entlarven und zähmen
  • gesunde Grenzen setzen und sich vor Überforderung schützen
  • Innehalten - die eigenen Bedürfnisse wahrnehmen, Beobachter all dieser Regungen sein
  • Verankerung in die eigene Kraft und Ruhe, eigene Maßstäbe entwickeln
  • positive soziale Interaktion, insbesondere Berührung, bewirk Oxytocin-Ausschüttung
    (three hugs a day…) mit Menschen, Tieren, Pflanzen, Natur …
  • körperliche Fitness
  • Spannung kontrolliert abreagieren
  • gesunde „Ernährung“ auf allen Ebenen wählen (Nahrung, Medien, Kontakte ….)
  • Entgiftung
  • positive Selbstgespräche - lösungsorientiert: Wie gehe ich damit um? 
    statt    - problemorientiert:  Warum immer ich?
  • hilfreiche Gedanken – Refraiming
  • Zufriedensheitserlebnisse zulassen, bemerken, schätzen ….
  • Humor, Lachen  …

Achtsamkeit

Emotionale Intelligenz besteht im Kern aus Selbsterkenntnis. Die beste geistige ,App' dafür ist die Methode der Geistesschulung namens Achtsamkeit.“ Chade-MengTan, Ingenieur bei Google

Achtsamkeit hat immer mit bewusst im Hier und Jetzt sein zu tun. Sich einlassen auf den Moment,
mit einem nicht wertenden Gewahrsein. Etwas, das wir erst wieder üben müssen, um es mehr und mehr zu ermöglichen.

  • bewusst (was fühle, rieche, höre, schmecke, sehe, denke ich)
  • wertfrei
  • keine Beurteilung des Wahrgenommenen
  • ohne Absicht

Übungen:

  • MBSR ( mindfulness based stress reduction)
  • Tee-Trinken, Rosinenübung u.a.
  • Achtsamkeit und Selbstmitgefühl – Tonglen
  • Atemtechniken, Hara-Atembetrachtung,  4711
  • Bodyscan
  • PMR (Progressive Muskelrelaxation), Autogenes Training etc.
  • Zen-Meditation, meditatives bewusstes Gehen
  • Qi-Gong, Yoga, Bogenschießen …
  • STOP! Für einige Momente die aktuelle Tätigkeit anhalten und bewusst über wahrnehmen, was JETZT ist. Gefühle, Gedanken, Körperwahrnehmung, Impulse…
  • Die bekannten Variablen bewusste, gesunde Lebensweise, hochwertige Nahrung, Entgiftung, Bewegung, Wechsel von Anspannung und Entspannung nach dem Motto – in einem gesunden Körper wohnt ein gesunder Geist.
  • Sich ganz einer Sache widmen, focussieren: Schöner Musik lauschen und auf sich wirken lassen, Singen, Beten Vögel am Himmel beobachten, handwerkliches Tun etc.

Ein praktisches Beispiel:  Stilles Sitzen im Wechsel mit achtsamen Gehen

Eine bequeme, aufrechte Sitzposition auf einem Hocker, Sitzkissen oder Meditationsbänkchen einnehmen, die Hände übereinander legen, mit den Handflächen nach oben unterhalb des Nabels platzieren – Hara. Den Atem ruhig aus und einfließen lassen, mit Betonung des Ausatmens und ganz darauf fokussieren.  Das Atemgeschehen betrachten. Nach ca. 10 Minuten langsam aufstehen und im Zeitlupentempo einen Fuß anheben, nach vorne bewegen und von der Ferse bis zu den Zehenspitzen sehr langsam und bewusst aufsetzen, dabei den Schwerpunkt auf den vorderen Fuß verlagern. Fokus auf alle sich ereignenden Körperwahrnehmungen richten und ruhig weiteratmen. In diesem Stil 5-10 Minuten durch den Raum schreiten. Wieder in Stille sitzen, Atembetrachtung. Zum Hara – Innere Mitte hin atmen. Insgesamt dreimal und mit stillem Sitzen beenden.

Im Gegensatz zu Therapie und Coaching ist Achtsamkeit ein Übungsweg und Haltung zugleich

…der in Kursen vermittelt und die durch eigenes, kontinuierliches Üben sich entwickelt, unsere Achtsamkeit schult, den innerer Raum der Ruhe kreiert.  

Und ja, manchmal sind wir so in Eile oder soweit von uns getrennt, da ist es sinnvoll, sich einen ortskundigen Reiseführer zur Seite nehmen. Manchmal liegen kleinere oder größere Hindernisse im Weg, die zuvor oder parallel aus dem Weg geschafft werden müssen. Dies ist dann der Fall, wenn bestimmte, die Ruhe verhindernde Verhaltensweisen einen guten Grund haben, nämlich evt. erfahrene Kränkungen, Verletzungen, Überforderungen oder Systemische Verstrickungen. Es entstehen sogenannte Überlebensstrategien, die der Inneren Ruhe, dem Eins- und Authentisch sein im Wege stehen. Dann ist es hilfreich, einen Coach, Supervisor oder Therapeut, der mit Ihnen, das Ziel und die Zwischenziele bespricht, die Erwartungen an Ihre Reise klärt. Mit Ihnen Ihre Kondition sprich Ressourcen einschätzt. Im Laufe dieser Reise können Sie viel entdecken. Erfreuliches und Belastendes. Sie werden entscheiden, was Sie weiterhin tragen wollen und wovon sie sich befreien, was Sie ausprobieren und was Sie sich neu aneignen wollen. Bis Sie mehr und mehr Sicherheit verspüren im Kontakt mit Ihrer Inneren Ruhe.

Alles hat seinen Preis

Sie glauben, klingt ja alles schön und gut … aber …
Sie können das auch! Allerdings, da gebe ich Ihnen vollkommen recht. Alles hat seinen Preis.

Wenn Sie sich frühzeitig abgrenzen, wenn Sie aus ihrer Innern Ruhe heraus entscheiden und handeln, werden Sie nicht bei allen beliebt sein. Ihre oberste Instanz wird nicht mehr ihr Kontostand oder ihr Prestige sein. Dafür wird ihr Maß an Selbst-Zufriedenheit also Frieden mit sich selbst – und … wer weiß, vielleicht sogar ein Stückchen mehr Frieden mit und in der Welt sich einstellen.

Und … es werden sich ganz neue Optionen auftun, auf die Sie nie gekommen wären, hätten Sie weiterhin fremdbestimmt und aus inneren Automatismen heraus gelebt. Dafür werden Sie immer leichter und öfter zur Inneren Ruhe finden, und damit zu nachhaltigem Erfolg, der sich in einer Balance von Körper Geist und Seele, deren Vitalität und Kraft spiegelt.

In diesem Sinne, möchte ich Sie ermutigen, sich auf die Reise, zurück in Ihre Mitte, Ihrer Inneren Ruhe zu machen. Mit sich und der Welt ins Reine zu kommen. Ganz in Ihrem Tempo und Ihrer Gangart.

Innere Ruhe: Sprüche und Zitate

  • Muße, nicht Arbeit, ist das Ziel des Menschen. Oscar Wilde
  • Ein Feld, das geruht hat, trägt prächtige Ernte. Ovid
  • Ruhe, Stille, Sofa und eine Tasse Tee geht über alles. Theodor Fontane
  • Wenn es dir gelingt, die innere Ruhe zu erobern, so hast du mehr getan als derjenige, der Städte und ganze Reiche erobert hat. Michel de Montaigne
  • Früher brachte der Lärm die Menschen aus der Ruhe. Heutzutage ist es die Stille. Ernst Ferstl
  • Wenn dein Leben schwer geworden ist, denk nur einen Tag in Ruhe über dich nach. Das wird dir mehr einbringen als ein ganzes Jahr einfach nur weiterzumachen. Arthur Schopenhauer

Autor: Birgit Gruner
Thema: Innere Ruhe finden
Webseite: psychotherapie-karlsruhe.info

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