Eine Wohnungskatze allein zu halten – kann das artgerecht sein?

In meinem Alltag als Tierheilpraktikerin betrachte ich die Tiere möglichst ganzheitlich, d.h. ich bekämpfe nicht nur Symptome, sondern beziehe alle Lebensumstände mit ein, um sie so positiv und artgerecht für das Tier zu gestalten, wie es nur irgend geht.

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Bei Katzen gibt es recht unterschiedliche Haltungsformen. Man kann sagen je ländlicher eine Katze wohnt, desto mehr Freiheiten genießt sie in der Regel. Da überwiegen die Freigängerkatzen deutlich.

Von reinen „Draußenkatzen“, meist auf Bauernhöfen, bis zu Hauskatzen mit Freigang und Katzenklappe oder zumindest gesichertem Garten ist alles vertreten. Diese Katzen können ihren Instinkten zu beobachten und zu jagen folgen und lasten sich dadurch gut aus. Sie haben auch die Möglichkeit, ihre Sozialkontakte selbst zu bestimmen, je nachdem ob sie eher Einzelgänger sind oder die Gesellschaft anderer Katzen bevorzugen.

Leider ist es heutzutage nicht mehr immer und überall möglich, Katzen so ein traumhaftes natürliches Leben zu gewähren. Viele Menschen leben in Städten, in denen der Straßenverkehr es nicht zulässt, seiner Samtpfote Freigang zu geben. Es lauern einfach zu viele Gefahren da draußen, so dass die häufigste Todesursache von Katzen unter 2 Jahren ist, überfahren zu werden.

Sollte man nun deshalb lieber darauf verzichten, eine Katze zu halten? Meiner Erfahrung nach keineswegs. Der Mensch ist ein Teil der Natur, sie ist tief in unserem evolutionären Erbe verankert. Je mehr wir im täglichen Leben von der Natur abgeschnitten sind, desto mehr sehnen wir uns danach, sie wieder zu erleben, und das nicht nur im Urlaub. Menschen, die regelmäßig in der Natur sind und Umgang mit Tieren haben, sind viel resilienter im Umgang mit Stress, Krankheit oder schicksalhaften Ereignissen.

Eine Katze ist ein soziales Wesen und daher ein guter Begleiter für uns Menschen. Sie sind sehr sensibel und empfindsam, spüren unsere Stimmung und spenden Trost und Nähe, bringen uns durch ihre Verspieltheit Lebensfreude.

Es spricht also prinzipiell nichts dagegen, eine Katze in einer Wohnung zu halten, wenn man kein Haus mit Garten bieten kann. Nur ist hier einiges zu beachten, damit es der Katze dabei auch gut geht, denn das sollte immer im Vordergrund stehen. Wie jede Tierart hat die Katze grundsätzliche Bedürfnisse, die bei reiner Wohnungshaltung so gut wie möglich erfüllt werden müssen, damit die Katze mental und körperlich gesund alt werden kann.

Zunächst einmal die Dinge, die generell bedacht werden sollten, egal ob man eine Katze alleine oder mehrere in der Wohnung halten möchte:

In den meisten Fällen wird es sich um Mietwohnungen handeln. Da empfiehlt sich vorab ein genauer Blick in den Mietvertrag. Ein Vermieter hat das Recht, Katzenhaltung generell auszuschließen. In der Regel ist das nicht der Fall. Wenn im Vertrag stehen sollte, dass Tierhaltung generell verboten ist, so ist das ungültig. Das würde auch Tiere wie Amphibien, Hamster, Zierfische, etc. einschließen. Dieses generelle Verbot der Tierhaltung wurde vom Bundesgerichtshof untersagt.

Wenn uneingeschränkte Haustierhaltung im Vertrag erlaubt ist, brauchen Sie keine Rücksprache mit dem Vermieter zu nehmen. Dies dürfte allerdings selten der Fall sein. Wenn der Vermieter der Katzenhaltung zustimmt, sollte man auch das Gespräch mit den anderen Mietern suchen. Dann eine Katze ist kein stummes Wesen, dass den ganzen Tag still verbringt, bis der Halter zurückkommt. Je nach Alter und Temperament der Katze(n) wird ausdauernd getobt, was der Mieter der darunterliegenden Wohnung deutlich hören wird. Auch können Katzen, die sich langweilen, frustriert oder ängstlich sind, sehr laute klagende Laute von sich geben, die durch das ganze Haus hallen. Das kann schnell zu Beschwerden führen. Sollten sich andere Mieter wiederholt beschweren, kann die Katzenhaltung nachträglich untersagt werden.

Ich kann davon aus eigener Anschauung ein Lied singen. Ich hatte eine Zeitlang eine Mieterin in der Wohnung über meiner, die 2 Wohnungskatzen hielt. Nachts wurden sie besonders aktiv, wie es dem Wesen einer Katze entspricht und tobten über meinem Schlafzimmer herum. Einmal kam ich nach Hause und hörte schon im Flur durchdringend klagende Laute. Eine Katze miaute ununterbrochen. Ich klingelte und rief, bekam aber keine Antwort von der Mieterin. Auch auf Anruf reagierte sie nicht.

Also konsultierte ich die Polizei, weil ich mir Sorgen machte, sie könnte vielleicht hilflos in der Wohnung liegen. Als diese gerade die Tür aufbrechen wollte, kam die Mieterin zurück. Also am besten das Gespräch mit den Mitbewohnern suchen. Dabei wird sich auch klären, ob jemand allergisch gegen Katzen ist. Das wäre dann evtl. auch ein Ausschlusskriterium, da die leichten Katzenhaare an Kleidung und Schuhen haften und so auch durch den Hausflur getragen werden.

Sind diese Aspekte geklärt, sollte man die Wohnung daraufhin überprüfen, ob sie den Ansprüchen einer Wohnungskatze genügt. Sie sollte bei Haltung einer einzelnen Katze mindestens 50 m² haben und über mehr als ein Zimmer verfügen. Bei 2 Katzen sollten es mindestens 60 m² sein.

Sehr wichtig ist Zugang zu frischer Luft, visuellen und geruchlichen Eindrücken. Mindestens sollte ein großes gesichertes Fenster vorhanden sein, dass geöffnet bleibt (niemals auf Kipp, da sich die Katze darin einquetschen kann, was starke innere Verletzungen nach sich zieht). Besser wäre natürlich ein gesicherter Balkon, zu dem die Katze freien Zugang hat. Dies ist umso wichtiger, wenn nur eine einzelne Katze gehalten wird. Da sie keinen Sozialpartner hat, sobald der Mensch die Wohnung verlassen hat, braucht sie Ablenkung und Anreize zum Beobachten.

Auch hier muss vor Anbringen eines Gitters oder Netzes der Vermieter um Erlaubnis gebeten werden. Sollten sich andere Anwohner dadurch gestört fühlen, kann der Vermieter ablehnen. Ferner sind Katzenklos unabdingbar – über den Geruch der Ausscheidungen in der Wohnung sollte man sich vorher klar sein und sie daher täglich reinigen. Es sollte immer ein Klo mehr als Anzahl der Katzen vorhanden sein. Meiner Erfahrung nach eignen sich offene Klos besser. Da die Katzen auf der Toilette leicht angreifbar sind, bevorzugen sie freie Sicht und Fluchtmöglichkeit. Dies sagt ihnen ihr Instinkt, auch wenn sie in Obhut des Menschen nicht von Feinden bedroht sind.

Des Weiteren brauchen sie unbedingt einen Kratzbaum, am besten mehrere Möglichkeiten, ihre Krallen zu wetzen. Das schont die Möbel ungemein. Was viele Menschen nicht wissen, ist, dass die Katzen in allen Ebenen leben. Sie möchten sich nicht nur auf dem Boden oder vielleicht noch dem Sofa aufhalten, sondern so hoch hinaus wie möglich.

katze kratzbaum klein

Sie lieben also erhöhte Stellen, von denen sie den Überblick haben, ohne gesehen zu werden. Hier kann man Bretter an den Wänden anbringen oder sogar einen richtigen Umlauf unter der Zimmerdecke machen, z. B. von einem Kratzbaum zum anderen. Das nimmt dem Menschen keinen Platz weg, aber erweitert den Lebensraum der Katze beträchtlich. So kann sie sich auch mehr Bewegung verschaffen, die ihr durch den verwehrten Freigang fehlt.

Auch Versteckmöglichkeiten müssen vorhanden sein. Hier eignet sich z. B. ein leerer Karton mit einem passenden Einstiegsloch oder ein alter Korb mit Frotteehandtuch. Man kann auch unter Stühlen Höhlen schaffen, indem man ein Tuch darüberlegt. Gern wird auch auf Schränken geschlafen. Ein freier Platz auf der Fensterbank mit Blick auf ein belebtes Umfeld ist auch ein Muss.

Nun steht noch die Entscheidung an, ob es eine Einzelkatze werden soll oder ob man 2 Katzen ein Zuhause geben möchte/kann. Das wird oft schon von der Größe der Wohnung abhängen. Ein kleines Einzimmerappartment ist ungeeignet für 2 Katzen. Sie müssten immer die Möglichkeit haben, einen gewissen Abstand zu halten. Ansonsten sind Aggressionen vorprogrammiert.

Wenn man also nur eine Katze zu sich nehmen kann, sollte man sich bewusst sein, dass ihr Mensch ihr den Sozialkontakt ersetzen muss, den sie dringend braucht. Katzen sind von Natur aus keine Einzelgänger, sie jagen nur einzeln. Ansonsten ziehen die allermeisten Katzen Gesellschaft vor. Das Tierschutzgesetz schreibt vor, dass einer allein lebenden Wohnungskatze täglicher Kontakt mit Menschen zusteht. Darum sollte man sie also nicht länger z. B. mit einem Futterautomaten allein lassen.

Wenn man neben dem Beruf noch mehrere Hobbies hat und gerne abends unterwegs ist, sollte man lieber keine Katze zu sich nehmen. Eine Katze, die weitgehend ohne soziale Kontakte leben muss, verkümmert seelisch. Sie zieht sich immer mehr in sich selbst zurück und wird apathisch oder aggressiv. Diese Aggressivität kann sie an der Wohnungseinrichtung auslassen oder an sich selbst.

Auch kann es zu stereotypem Verhalten kommen. Da kann der Mensch vorbeugen, indem er feste Zeiten einplant, in denen die Katze im Vordergrund steht. Wo zusammen gespielt und geschmust wird. Da Katzen eher abends und nachts aktiv sind und bis zu 11 Stunden schlafen, passt der Rhythmus von Katze und arbeitendem Menschen in der Regel gut zusammen. Es bieten sich Spiele mit der Reizangel oder einen Laserpointer an, die die Jagd imitieren sowie Futtersuchspiele.

Wie findet man nun die richtige Katze für eine Einzelhaltung?

Die Fachleute sind sich einig, dass man keine erwachsene Katze, die bisher Freigang gewohnt war, auf Wohnungshaltung umstellen sollte. Katzen, die die Freiheit schon kennengelernt haben, werden mit allen Mitteln dagegen protestieren, sie aufzugeben. Das kann von Futterverweigerung, Aggressivität bis zur Unsauberkeit gehen. Das wäre eine Qual für Katze und Mensch. Ein Kitten sollte man auch nicht allein in der Wohnung halten. Sie brauchen den Sozialkontakt mit Artgenossen noch besonders intensiv.

Meiner Meinung nach wäre es am sinnvollsten, mit einem größeren Tierheim Kontakt aufzunehmen. Hier gibt es eine große Auswahl an erwachsenen Tieren und auch immer wieder Katzen, die offensichtlich lieber allein leben, da sie starkes Territorialverhalten und Futterneid zeigen oder von anderen Katzen gemobbt werden und sich in der Gruppenhaltung im Tierheim nicht wohlfühlen.

Die Tierheime können hier gut beraten. Man kann die Katze auch mehrfach besuchen und in Ruhe kennenlernen, um zu sehen, ob die berühmte „Chemie“ stimmt. So einer Katze tut man einen großen Gefallen, wenn man sie aus dieser Zwangsvergesellschaftung befreit und ihr ein eigenes Revier gibt, in dem sie ihre Ruhe hat.

Generell sollen sich Rassekatzen besser für die Einzelhaltung beim Menschen eignen, als unsere heimischen Samtpfoten (europäisch Kurzhaar). Sie werden schon seit langer Zeit darauf gezüchtet, eine möglichst enge Bindung zum Menschen zu haben, kuschelig und wenig aggressiv zu sein. In Frage kommen Maine Coon, Perser, Heilige Birma, Britisch Kurzhaar, Ragdoll, Russisch Blau. Weniger geeignet, da freiheitsliebender, sind Norwegische Waldkatzen, Burmas oder Siam.

Ich wünsche viel Erfolg beim Finden der geeigneten Katze und stehe für weitere Fragen gerne zur Verfügung.

Autor: Sabine Stark
Thema: Einzelhaltung einer Katze in der Wohnung
Webseite: http://www.gesunddurchglobuli.de

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