Ein bisschen Schwitzen ist für jeden für uns überlebensnotwendig, denn so schützt sich unser Körper vor Überhitzung. Zudem bildet Schweiß einen Säureschutzmantel auf der Haut und damit eine chemische Barriere gegen Krankheitserreger. Allerdings gibt es Menschen, die fast ständig schwitzen – und das nicht zu knapp. Dieses Phänomen nennen Mediziner Hyperhidrosis.

dr bernd loos

Wem die gängigen Mittel aus der Apotheke nicht weiterhelfen, erwägt häufig eine ärztliche Behandlung. Dr. Bernd Loos, Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie, ist leitender Arzt der Clinic im Centrum Karlsruhe. Er behandelt regelmäßig Patienten, die unter ihrer übermäßigen Schweißproduktion leiden.

Dr. Loos, warum schwitzen einige Menschen mehr als andere?

Der Mensch besitzt mehr als zwei Millionen Schweißdrüsen am Körper, die vor allem für die Wärmeregulation zuständig sind. Gesteuert werden sie vom vegetativen Nervensystem.

Bei Hyperhidrosis liegt jedoch eine Fehlfunktion vor, das heißt, das Nervensystem löst Schweißausbrüche auch dann aus, wenn gar keine Notwendigkeit wie große Hitze oder körperliche Anstrengung vorliegt.

Menschen, die unter Hyperhidrosis leiden, schwitzen oftmals zusätzlich stressbedingt, weil sie sich dafür schämen, wenn sich Schweißränder unter den Achseln bilden oder sie jemandem ihre feuchten Hände reichen sollen. Weiterhin fördert auch Übergewicht die Schweißproduktion.

Können auch Krankheiten hinter verstärktem Schwitzen stecken?

Ja. Eventuelle Erkrankungen sollten vor jeder Hyperhidrosis-Behandlung immer abgeklärt werden. Häufig geht ein hormonelles Ungleichgewicht mit starkem Schwitzen oder Schweißausbrüchen einher, was beispielsweise viele Frauen in den Wechseljahren betrifft.

Aber auch Diabetes, Bluthochdruck, Infekte, Schilddrüsenprobleme, bestimmte neurologische Erkrankungen wie Parkinson oder Krebserkrankungen wie Leukämie können hinter der vermehrten Schweißproduktion stecken. In diesem Fall muss natürlich erstmal die Erkrankung behandelt werden und nicht primär das Schwitzen.

Wie äußert sich Hyperhidrosis?

Am häufigsten sind Handteller, Fußsohlen und die Achselhöhlen betroffen. Bei schwächerer Hyperhidrosis sind diese Stellen konstant feucht, bei stärkerer Ausprägung bilden sich richtige Schweißperlen.

Häufig gibt es keine klar erkennbare Ursache für das Schwitzen. In einigen Fällen kommt zum übermäßigen Schwitzen auch noch eine besonders unangenehme Geruchsbildung hinzu. In diesem Fall sprechen wir von Bromhidrose.

Was sind die Folgen von Hyperhidrosis?

Das ständige Schwitzen kann die Haut aufweichen. Krankheitserreger haben dann ein besonders leichtes Spiel. An den Füßen kann es dadurch beispielsweise zur verstärkten Bildung von Fuß- und Nagelpilz sowie Warzen kommen.

Die schlimmsten Folgen von Hyperhidrosis sind allerdings sozialer Natur. Es gibt Patienten, die sich wegen ihrer Hyperhidrosis regelrecht isolieren. Manche haben auch berufliche Nachteile. Stellen Sie sich bloß mal die Situation vor, wenn Sie ihrem künftigen Arbeitgeber vor dem Bewerbungsgespräch die Hand geben sollen. Ein bisschen feuchte Hände haben in diesem Moment wohl viele, aber bei einem Hyperhidrosis-Patienten ist das eine ganz andere Hausnummer.

Deshalb ist die Angst vieler groß, dass sich ihr soziales Umfeld vor ihnen ekeln könnte. Entsprechend zurückgezogen leben einige Patienten – und entsprechende Nachteile tragen sie davon.

Was kann Botulinumtoxin A bei Hyperhidrosis bewirken?

Injektionen mit Botulinumtoxin A hemmen die Reizübertragung von den Nerven zu den Schweißdrüsen und sind auf diese Weise ein probates nichtoperatives Mittel gegen Hyperhidrosis. Eine Botulinumtoxin A-Behandlung ist sehr unkompliziert und kann theoretisch überall angewendet werden, wo der Patient übermäßig schwitzt.

Besonders sinnvoll ist diese Methode bei Hyperhidrosis an Händen und Füßen, da hier keine operative Entfernung der Schweißdrüsen möglich ist. Nachteil dieser Behandlungsmöglichkeit ist die begrenzte Wirkdauer. Nach rund sechs Monaten wird sich die Schweißproduktion wieder verstärken – dann muss entsprechend nachbehandelt werden.

Wie funktioniert eine Schweißdrüsenabsaugung und wann ist diese sinnvoll?

Eine Schweißdrüsenabsaugung kann durchgeführt werden, wenn ein Patient stark unter den Achseln schwitzt. Sie ist ein Eingriff, der ambulant und unter örtlicher Betäubung sowie auf Wunsch in Dämmerschlaf vorgenommen wird. Die Technik ähnelt in diesem Fall einer Fettabsaugung.

Zunächst wird das abzusaugende Gebiet markiert, dann wird etwas Tumeszenzlösung – eine spezielle Kochsalzlösung, die bewirkt, dass sich die Schweißdrüsen vom umliegenden Gewebe lösen können – in die Achsel injiziert. Anschließend wird über kleine Hautschnitte eine Absaugkanüle eingeführt, mit deren Hilfe die Schweißdrüsen entfernt werden. Zuletzt werden die Schnitte vernäht und die Nähte mit Pflastern geschützt.

Schwitzt man nach einer Schweißdrüsenabsaugung dann gar nicht mehr?

Der Effekt der Schweißdrüsenabsaugung ist dauerhaft, das heißt, die Schweißdrüsen bilden sich nicht mehr neu. Das ist der Vorteil gegenüber der Behandlung mit Botulinumtoxin A. Man entfernt allerdings nicht alle Schweißdrüsen. Einige wenige verbleiben und sind auch noch aktiv. In seltenen Fällen ist dies den Patienten immer noch zu viel, dann ist es aber möglich, einen Korrektureingriff durchzuführen.

Welche Risiken hat die Schweißdrüsenabsaugung?

Die Schweißdrüsenabsaugung ist ein ganz normaler operativer Eingriff und mit entsprechenden Risiken verbunden. Direkt nach der OP ist der operierte Bereich geschwollen, auch Blutergüsse können sich bilden. Da durch die Schnitte zwangsläufig Nerven durchtrennt werden, können zudem vorübergehende Sensibilitätsstörungen der Haut auftreten. Schwerwiegendere Komplikationen wie Wundheilungsstörungen und Infektionen sind hingegen sehr selten.

Gibt es noch andere nichtoperative Alternativen zur Schweißdrüsenabsaugung?

Ja, die gibt es – zum Beispiel die Behandlung mit MiraDry®. Dabei handelt es sich um ein Gerät, das über ein Handstück gezielt elektromagnetische Wellen – ähnlich denen der Mikrowelle – abgibt. Dadurch entsteht im behandelten Gewebe kurze, intensive Hitze, die ohne OP und schmerzfrei die Schweißdrüsen dauerhaft zerstört. Meist genügt schon eine einzige Anwendung, um einen spürbaren Effekt zu erzeugen.

Ein weiterer Vorteil ist, dass der unangenehme Geruch, unter dem viele Hyperhidrosis-Patienten leiden, mit verschwindet. Was viele meiner Patienten ebenfalls praktisch finden, ist, dass auch die Haarwurzeln der Achselhaare zerstört werden – die Achselrasur kann man sich danach also sparen.

MiraDry® ist derzeit die innovativste Methode und meiner Erfahrung nach eine sehr zuverlässige Alternative zu einer Schweißdrüsenabsaugung oder einer Behandlung mit Botulinumtoxin A.

Das sind ja gute Nachrichten für Hyperhidrosis-Patienten, oder?

Hyperhidrosis ist jedenfalls kein Schicksal mehr. Wer sich an einen erfahrenen Facharzt wendet und sich umfassend und individuell beraten lässt, wird mit sehr großer Wahrscheinlichkeit eine gute Lösung für sein Problem erhalten – ganz egal, mit welcher Methode.

Autor: Dr. Bernd Loos
Thema: Hyperhidrosis - Behandlungsmöglichkeiten

Webseite: https://www.clinic-im-centrum.de

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