Als Kind in der Mitte von zwei brillanten Brüdern war es nicht ganz einfach, gesehen zu werden.

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Als es um die Wahl der weiterführenden Schule oder einer Ausbildung ging, sagte mein Vater, dass ich dies nicht brauche, da ich ein Mädchen sei und sowieso später für einen Mann und Kinder sorgen würde. Ich weiß noch genau, dass mich diese Perspektive unglaublich geärgert hat. Sind Frauen Menschen zweiter Klasse? In meinem Kopf als 12jährige entstand der Gedanke und der Willen „Nein, genau das werde ich so nicht machen“.

Warum erzähle ich diese kleine Geschichte?

Jeder, ob Junge oder Mädchen, ob Mann oder Frau, hat Fähigkeiten, Begabungen, Stärken und Vorlieben, die er ausleben und gestalten sollte. Dabei ist es völlig egal, welches Geschlecht, welche Hautfarbe, welche Herkunft der Mensch hat.

Wofür habe ich mich entschieden?

Ich wählte die weiterführende Schule, ein Studium und dann zunächst den beruflichen Erfolg, die Karriere. Mit 33 Jahren war ich Prokuristin in einem großen internationalen Unternehmen.

Was ist eigentlich eine Karrierefrau?

Ist eine Karrierefrau, eine Frau, die beruflich erfolgreich ist? Was ist ein Karrieremann? Das Gleiche? Gibt es eigentlich diesen Begriff?

Es sollte aus meinem Selbstverständnis heraus keinen Ratgeber für die Karriereentwicklung von Frauen geben. Es sollte für Frauen und für Männer gleichzeitig ein Recht und eine Pflicht sein, gleichberechtigt in allen Bereichen des beruflichen Kontextes zu agieren.

Eine Frau, die Lust auf beruflichen Erfolg hat, sollte ihr Tun auf ihren beruflichen Erfolg ausrichten. Die Frage, die sich für mich dahinter stellt, (bei Frau und Mann) was ist die wirkliche Motivation? Ist es das Bedürfnis nach Anerkennung? Das Bedürfnis nach Selbstverwirklichung (ein abgedroschenes Wort)? Der Wunsch nach materieller Unabhängigkeit?

Oder ist es die Freude etwas beruflich erreichen zu wollen, wie bei einem Sportwettkampf? Ist es die Begierde, noch mehr zu wissen? Machtbewusstsein - in der oberen „Liga“, egal in welchem Bereich, mitzuspielen?

Egal welche Motivation dahinter steckt, gut ist, wenn Frau/ Mann sie kennt. Gerade wenn es um berufliche Entscheidungen geht, ist es von Vorteil, sich immer wieder mal in einem Zwiegespräch zu hinterfragen:

Was ist die eigentliche Motivation, dass ich dies oder jenes jetzt tun möchte? Was ist mein Ziel? Ist das noch mein Weg? Mache ich das, was ich hier tue, aus ganzem Herzen? Denn bei allem gilt, glücklich zu sein mit dem was ich tue.

Es kann auch vorkommen, dass es in der beruflichen Entwicklung stagniert oder zu Einbrüchen kommt. Gründe für solche Situationen können vielschichtig sein. Nach meinem Verständnis sind das die Herausforderungen, an denen wir wachsen können. Kommt es zu Schwierigkeiten, ist es durchaus unterstützend sich mit nachfolgenden Fragen auseinanderzusetzen. Was macht mich aus? Was macht mir Freude? Was hindert mich? Was fördert mich? Wo stehe ich mir selbst im Weg? Was sind meine förderlichen Glaubessätze und welche blockieren? Ist das noch der Ort, an dem ich sein möchte? U.v.a. Seien Sie bei allem was Sie tun sie selbst und arbeiten Sie an Ihren Stärken und Schwächen. Seien Sie die, die sie sein wollen. Vor vielen Jahren gab es dann für mich einen sehr harten beruflichen Einschnitt, von heute auf morgen. Das tat sehr weh und ich habe eine ganze Weile benötigt, um das aufzuarbeiten. Heute weiß ich, dass meine ursprüngliche Motivation, nicht die Motivation war, die mich mit Freude erfüllt hat.

Nach meinem Resumé, ist für Frauen wichtig, die Spielregeln in ihrer Führungsliga zu erkennen und taktisch klug damit zu agieren. Zu verstehen und zu erkennen, was erfolgreiche Menschen ausmacht. Widerstände zu überwinden und gleichsam mutig zu sein und auch Risiken einzugehen. Männer agieren sehr gut in Netzwerken und verbünden sich unternehmensintern, bilden eine Phalanx. Sie spielen ihr Spiel.

Frauen sollten sich stärker vernetzen und kooperieren. Unternehmensintern und übergreifend in Netzwerken. Ich nehme oft eine konkurrierende Stutenbissigkeit wahr, die niemanden etwas bringt. Im Gegenteil, sie lässt Frauen unter sich allein. Das halte ich für ein großes Defizit, was Frauen verhindert.

Nach meiner Beobachtung passen sich Frauen oft dem maskulinen Habitus an. Ich glaube nicht, dass dies notwendig ist, um erfolgreich zu sein. Und das Original wird nun mal doch eher gewählt als die Kopie. (Bildlich gesprochen: Nehmen Sie den Klappstuhl und stellen diesen mit einem Selbstverständnis an den Tisch der Männer.)

Wissen, Kompetenz, Geradlinigkeit und Authentizität gepaart mit Empathie und Sozialkompetenz sind u.a. Eigenschaften, die notwendig sind, um geachtet zu werden und was einen erfolgreichen Menschen ausmacht. Wobei erfolgreich zu sein viele Aspekte des beruflichen Tuns beinhaltet.

Dabei ist Frau sein vollkommen selbstverständlich. Das macht es doch gerade aus, die Kombination aus den unterschiedlichen Stärken und Fähigkeiten, Charakteren – Männern und Frauen, in einem Team, einer Abteilung, einem Unternehmen...

Achten Sie dabei auf Ihre Balance und bleiben Sie sich selbst treu.

Autor: Claudia Mächtle
Thema: Karrierefrau
Webseite: https://www.claudia-maechtle.de

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