Ratgeber Lifestyle

Stress ist schon seit langem in aller Munde. Das Thema selbst ist schon stressig. In jedem Magazin, ob Lifestyle, Gesundheit oder Management, gibt es mindestens einen Artikel, der uns helfen soll, besser mit Stress umzugehen und vor allem unsere Stressresistenz zu verbessern.

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Stressresistenz soll heißen, Stress zu verringern, unsere allgemeine Anfälligkeit zu mindern und uns generell besser vor Stress zu schützen. Klingt schön, ist aber dann doch schwieriger als sich im Laden eine schusssichere Weste zu kaufen. Die Tatsache, dass die Flut solcher oder ähnlicher Artikel nicht abnimmt, zeigt, dass der Diskurs noch nicht zu Ende ist und dass immer noch niemand die für alle Menschen gültige Formel gefunden hat.

Zum einen kann hierbei ein Perspektivenwechsel helfen. Wenn wir Stress nicht als etwas von außen an uns herangetragenes betrachten, sondern als etwas dass in uns und durch uns entsteht, kommen wir dem Ganzen vielleicht einen Schritt näher. Und wenn wir uns noch einmal genau fragen, was Stress eigentlich ist, vielleicht noch einen.

Die beste Definition von Stress, der ich in meiner mehrjährigen Tätigkeit als Life-Coach und Heilpraktikerin für Psychotherapie bislang begegnet bin lautet wie folgt:

“Stress ist das subjektive Empfinden, dass die eigenen Ressourcen nicht ausreichen, um eine Situation zu bewältigen.”

Heißt also, nicht jede Situation ist für alle Menschen gleich stressig und jeder Mensch braucht etwas anderes (eine andere Ressource), damit eine Situation nicht stressig wird, bzw. um das Stresspotential einer Situation zu senken.

Beispiel: Ich bin im Büro, mit einer bereits vollen To-Do-Liste schwer beschäftigt, und mein Chef wirft mir zwischen Tür und Angel noch zwei Aufgaben hin, die sofort erledigt werden sollen.

Mögliche Reaktion: Stress mit all seinen körperlichen und psychischen Symptomen: Herzrasen, Bluthochdruck, Kurz- und Flachatmigkeit, Konzentrationsschwierigkeiten, Gedankenblockaden, Angst vor Versagen, Gefühl der Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit und eventuell sogar Panik. Der Grund für diese Reaktion liegt darin, dass mir etwas fehlt, um diese Situation zu bewältigen. Wenn ich alles hätte, was ich brauche, würde die Stressreaktion gar nicht, oder wesentlich geringer, ausfallen.

Was fehlt also? Vermutlich Zeit. Mein Tagesprogramm ist auch ohne die beiden neuen Aufgaben ausgelastet. Heißt also, dass ich mich ab sofort zumindest beeilen muss und damit steigt die Möglichkeit Fehler zu machen und trotz besten Bemühens, doch nicht alles heute noch zu bewältigen. Wenn mein Arbeitstag einen fixen Endpunkt hat, weil ich vielleicht die Kinder abholen muss oder Karten fürs Theater habe, habe ich weniger Möglichkeiten, mein Zeitkonto zu verlängern.

Was fehlt noch? Eventuell zusätzliche Informationen zu den Aufgaben selbst? Weiß ich alles, was ich wissen muss, um diese Aufgaben zu bewältigen? Kann ich diese Aufgaben überhaupt alleine bewältigen, oder fehlen mir z.B. Zahlen aus der Buchhaltung, die ich unvorbereitet gar nicht haben kann? Wenn die Buchhaltung gerade nicht besetzt ist, fehlen mir zum einen relevante Daten, und eben auch Unterstützung.

Was fehlt noch? Respekt und Wertschätzung meines Chefs? Vermutlich schon. Wenn der Chef meinen bisherigen Tagesplan einfach so überrollt und ignoriert, fühlt sich das einfach nicht gut an.

Und… habe ich genug geschlafen, gegessen, getrunken? Die Basics, die Fundamente unseres täglichen Lebens, werden oftmals unterschätzt.

Hätte man all dies, würde diese Situation nicht, oder wesentlich weniger, stressig ausfallen. Man wäre also wesentlich weniger anfällig für eine Stressreaktion, und wäre demnach stressresistenter.

Stresssymptome (kurze Atmung, Bluthochdruck, Schweiß, eingeengtes Denken etc.) kennen wir alle, diese sind auch für die meisten Menschen zumindest sehr ähnlich. Wir können jedoch mit diesen Symptomen arbeiten und sie erst einmal als “Nachricht von uns - an uns” verstehen.

Die Antwort liegt also darin, wie wir es schaffen, allgemein unser Ressourcenspektrum zu erweitern (z.B. wenn es mir helfen würde, meine Excel-Skills zu verbessern, würde ich nicht bei jeder Aufgabe, die mit Zahlen zu tun hat, in eine Stresssituation geraten) und unseren Blick auf unsere Bedürfnisse zu richten, wenn eine Situation eine Stressreaktion hervorruft. Oftmals sind es ähnliche Situationen, die für uns problematisch sind. Ganz konkret danach suchen, welche Muster es gibt und mit welchen Ressourcen wir uns stärken können, heißt an unserer Resilienz zu arbeiten. 

Die einfache Frage “Was fehlt mir / Was brauche ich gerade?” in einer von Stresssymptomen befallenen Situation führt mich im Grunde direkt zum Kern meines Problems und macht mich wieder handlungsfähig. Kann ich benennen was fehlt, kann ich damit umgehen. Wenn ich merke, dass einfach zu viel fehlt, weiß ich, dass ich es mit einer unmöglichen Situation zu tun habe. Und dann kann ich machen was ich will, ich werde diese Situation nicht meistern. Wenn ich allerdings merke, dass mir ganz konkret ein oder zwei Dinge fehlen (und Zeit ist nicht unbedingt immer das Einzige), dann kann ich ganz konkret danach suchen und mir konkrete Hilfe suchen. Denn auch wenn es manchmal so scheint, oftmals müssen wir eine Aufgabe nicht alleine bewältigen oder manchmal muss man gar nicht den Anspruch haben, alles zu können. Für vieles gibt es Hilfe und Unterstützung, wir müssen nur manchmal pro-aktiv danach suchen und fragen. Ich muss nicht alles können, aber ich muss im Zweifelsfall wissen, wie und wo ich mir helfen kann.

Unsere Resistenz, also Schutz und weniger Anfälligkeit, können wir also stärken, indem wir uns unseren Bedürfnissen stellen und pragmatisch mit unseren Ressourcen umgehen. Was fehlt? Was brauche ich gerade? Diese Fragen klingen einfach und sind es auch. Aber im richtigen Moment eingesetzt, entlocken sie ungeheure Kräfte und geben uns wieder unsere Stärke zurück. 

Autor: Fabienne Riener
Thema: Stressresistenz
Webseite: http://www.gedanken-klinik.de



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