Keiner will ihn, jeder hat ihn und ein wenig brauchen wir ihn sogar: den Stress. In der Tat hilft uns Stress, unser Leistungsniveau anzuheben. Schwierig wird es erst dann, wenn wir in eine Situation geraten, die uns überfordert. Dann befindet sich unser Körper in voller Alarmbereitschaft und wir verlieren unsere Fähigkeit, klar und kreativ zu denken und zu handeln. Genau damit wird es jedoch meistens schlimmer und nicht besser.

staerke resilienz

Wann oder wobei diese Grenze zur Überforderung überschritten wird, ist individuell sehr unterschiedlich. Erzählen Sie doch einmal einem guten Freund, was Sie besonders stresst. Fragen Sie ihn dann, wie es ihm in dieser Situation gehen würde. Wahrscheinlich würde er das Stressniveau anders empfinden.

In diesem Artikel lernen Sie sieben Aspekte aus der Resilienzforschung kennen, die Ihnen helfen, stressige Situationen mehr als Herausforderung statt als lähmende Überforderung zu erleben. So schaffen Sie es, leichter und kreativer Ihr Leben zu meistern.

1. Optimismus hilft!

Pessimisten glauben nicht daran, dass ein Projekt oder ein Vorhaben gelingt. Warum also sollten Sie sich dafür engagieren? Ein Optimist glaubt an ein gutes Ende. Und wenn er sich auch noch fragt, was er zum Gelingen beitragen kann, entwickelt er kreative Ideen und handelt danach. Genau diese Kreativität und die Fähigkeit ins Tun zu kommen sind vor allem in stressigen Situationen sehr wichtig. Zum Üben des Optimismus nutzen sie jedoch keine Stresssituation sondern beginnen mit kleinen Schritten.

Schritt 1: Überlegen Sie sich zuerst, was Ihnen bereits heute gelingt. Es ist wahrscheinlich mehr, als Sie im ersten Moment vermuten. Vielleicht haben sie ja einen grünen Daumen und eine Fensterbank voller Blumen. Oder sie können in der Küche selbst aus Resten noch ein Menü zaubern. Oder bei Ihrer Arbeit gelingen Ihnen Dinge, bei denen sich andere sehr viel schwerer tun. Fragen Sie doch mal Freunde, Bekannte oder Kollegen, wofür diese Sie bewundern.

Schritt 2: Jetzt nehmen sie sich etwas Neues vor. Wie wäre es zum Beispiel mit 5 Minuten Morgengymnastik nach dem Aufstehen? Mit einem Gedanken wie: „Wenn ich X, Y und Z (aus Schritt 1) schon kann, dann schaffe ich ja locker auch 5 Minuten Gymnastik am Tag.“ Ganz wichtig: Kleinigkeiten genügen in diesem Schritt und machen Sie etwas, das Ihnen Spaß macht.

Schritt 3: Nach und nach dürfen Ihre Vorhaben und Projekte größer werden. Immer begleitet mit den Gedanken: „Mal sehen, wie es mir gelingt.“ Genau darin liegt die Grundhaltung zum Optimismus.

2. Akzeptanz: Nicht alles ist änderbar!

Kennen Sie auch das Gefühl, wenn Sie in einem Stau stehen, dass Sie lieber einen Umweg fahren würden, selbst wenn Sie damit keine Zeit gewinnen würden? Manchmal wollen wir handeln, doch wir können es nicht. Diese Form der aufgezwungenen Handlungsunfähigkeit ist oft auch ein Stressverursacher.

Überlegen Sie sich deshalb, wo Sie tatsächlich selbst etwas ändern können, wo Sie vielleicht etwas noch beeinflussen können und was Sie hinnehmen müssen - oder hinnehmen dürfen. Konzentrieren Sie sich auf das, bei dem Sie selbst handeln können.

Sehr gut ist es in diesem alten Gebet zusammengefasst:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden.
(Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Gelassenheitsgebet)

3. Die Lösung im Blick behalten

Manchmal haben Problem und Lösung nichts miteinander zu tun. Stellen Sie sich vor, eine gute Freundin kommt zu Ihnen und beklagt sich über den Partner, dem sie vor kurzem den Laufpass gegeben hat: „Ständig hat er an seinem Motorrad rumgeschraubt. Mein nächster Mann darf auf keinen Fall ein Motorradfahrer sein.“ Wenn Sie eben diese Freundin ein paar Monate später wieder treffen erzählt sie von ihrem neuen Partner ähnlich unglücklich: „Und jetzt habe ich einen Partner, der immer mit seinen Fußballfreunden unterwegs ist.“

Was ist passiert? Ihre Freundin hat sich auf das Problem konzentriert, also die Motorrad- bzw. Fußball-Leidenschaft, nicht auf die Lösung. Um was ging es denn wirklich? Ihre Freundin wollte einen Partner, der Zeit mit ihr verbringt.

Fragen Sie sich deshalb immer wieder: „Um was geht es wirklich? Was will ich? Was willst du?“ Diese Änderung der Sichtweise kann Ihnen schnell und einfach helfen, Stress zu verringern. Statt zu vermeiden, was Sie nicht wollen, orientieren Sie sich an dem, was Sie erreichen möchten.

4. Raum zur Regeneration

Ein wirksamer Schutz gegen Stress liegt in der Fähigkeit zur Erholung und Regeneration. Wo erholen Sie sich am besten? Wo können Sie gut abschalten und zur Ruhe kommen? Wie können Sie es schaffen, dass Sie selbst bei knapper (Frei-)Zeit Entspannung finden?

Hier ein paar Ideen: einen Waldspaziergang machen, malen, ein Musikinstrument spielen, ein Theaterstück besuchen, usw. Diese Pausen helfen Ihnen nicht nur “aufzutanken”. Sie helfen auch, Ihre Kreativität und Denkleistung zu erhalten und zu verbessern.

Besonders emotionalen Menschen empfehle ich außerdem, sich zu erlauben, nicht sofort in stressigen Situationen zu reagieren. Schlafen Sie lieber noch einmal eine Nacht über etwas, bevor Sie eine emotional aufgewühlte Entscheidung bereuen. So oft haben Antworten Zeit.

5. Die Verantwortung für Sie liegt bei Ihnen selbst

Für Sie ist in der Hauptsache nur einer verantwortlich: Sie selbst. Machen Sie sich also zum Hauptakteur Ihres Lebens.

Am einfachsten wird es deutlich, wenn Sie sich selbst sagen hören: „Was habe ich mich über den XY geärgert!“ Und in der Tat, Sie haben sich geärgert. Natürlich hat der XY Ihnen einen Anlass dazu gegeben. Doch die emotionale Aufgeladenheit war ganz bei Ihnen.

Stellen Sie sich gerade in solchen Fällen diese drei Fragen:

1. Was tue oder denke ich, damit mich diese Situation so aufregt?

2. Warum ärgert mich das? Worin bin ich verletzt? (z.B. ein Vertrauensbruch)

3. Was kann ich machen, damit mir das nicht mehr passiert?

Gerade hier wird deutlich, dass echte Veränderung nur bei Ihnen selbst möglich ist. Auf das Verhalten Ihrer Mitmenschen können Sie nur Einfluss nehmen. Ergreifen Sie also die Verantwortung für sich, und getreu dem Motto: “Wenn etwas nicht klappt, versuch etwas Anderes!”

6. Sie sind nicht allein

Etwas, das mich selbst immer sehr beruhigt, ist die Erkenntnis, dass ich nicht alles alleine machen muss. Nimmt der Stress überhand, dürfen Sie gerne auch Kollegen, Freunde und Familienmitglieder um Hilfe bitten. Das kann sowohl die stressige Situation selbst betreffen aber auch andere Aufgaben, damit Sie sich auf den Stressverursacher, was auch immer es ist, fokussieren können.

Folgende Mindestregeln halte ich hier für sinnvoll in einer sich unterstützenden Gemeinschaft:

1. Jeder darf um Hilfe bitten. Sie können also selbst um Unterstützung bitten oder gefragt werden.

2. Jeder darf auch nein sagen, auch ohne einen Grund dafür anzugeben.

3. Wenn Sie oder jemand anderes Hilfe gewährt, dann des Helfens wegen, nicht, damit man selbst etwas bekommt.

4. Wenn Sie helfen oder jemand Ihnen helft, sprechen Sie vorher über die Erwartungen/Wünsche. So ersparen Sie sich Enttäuschungen.

Sie werden entdecken, dass Menschen gerne helfen wollen!

7. Plan B

Stress wird häufig durch Dinge erzeugt, die man so nicht vorhergesehen hat, und man spontan oft nicht weiß, wie man darauf reagieren soll. Ja, das gehört zum Leben. Trotzdem können und sollten Sie sich genau damit beschäftigen: Was würde passieren, wenn der Ehepartner plötzlich stirbt? Was ist, wenn der Geschäftspartner die Verbindung löst? Was ist, wenn ein Kunde mehr kaufen möchte, als man liefern kann?

Genau für solche Fragen erstellen Sie den berühmten “Plan B”. Es gibt ein Testament, eine Risikoversicherung, genaue Vereinbarungen, usw. Es lohnt sich, derlei Gedanken zu machen, damit Sie im Fall der Fälle handeln können und nicht in einer Schockstarre hängen bleiben. In den genannten Beispielen wird es wohl immer noch stressig werden, vermutlich aber weniger als ohne den Plan B.

Fazit aus den Aspekten der Resilienzforschung

Sie sehen, es gibt viele Möglichkeiten, mit Stress anders umzugehen. Wenn Sie Ihre Haltung und Ihre Strategien dafür anpassen, wird das Leben leichter. Einen Tipp möchte ich Ihnen auf den Weg geben: Gehen Sie es langsam und in kleinen Schritten an. Erproben Sie nach und nach, was ich Ihnen an Techniken hier mitgegeben habe. Einiges fällt Ihnen sicher leichter, anderes schwerer. Sprechen Sie mit anderen Menschen darüber, von denen Sie glauben, sie tun sich leichter damit. Was können Sie von denen lernen?

Ich wünsche Ihnen Kraft und Kreativität bei der Umsetzung!

Wenn Sie mehr darüber lesen wollen, finden Sie zum Thema Resilienz eine Reihe von Blogbeiträgen: http://www.svenbartel.de/category/resilienz/ Außerdem unterstütze ich Sie gerne in meinen Online-Kursen und Workshops zum Thema Stressmanagement und Resilienz.

Autor: Sven Bartel
Thema: Aspekte aus der Resilienzforschung

Webseite: http://www.svenbartel.de

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