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Wir alle kennen unsere 5 Wahrnehmungssysteme:

  • Visuell - sehen    
  • Auditiv - hören, verbal, sprechen  
  • Kinästhetisch - fühlen ( anfühlen und Emotionen fühlen ) 
  • Olfaktorisch - riechen  
  • Gustatorisch - schmecken

und wir wissen, dass wir durch unsere 5 Wahrnehmungssysteme unsere Welt erfahren.

Kann es dann sein, dass unsere Wahrnehmungssysteme auch unser Lernverhalten beeinflussen?  Und in wie weit nehmen sie Einfluss?

Dazu möchte ich folgende kurze Geschichte erzählen:

1.Beispiel:

Eine Teilnehmerin ärgerte sich sehr über ihren Sohn, weil er zum Lernen, so wie sie es formulierte die Bücher verunstaltete. Was war passiert! Auf näheres nachfragen beschrieb sie, dass er sowohl mit Markern, im Buch arbeitete, als auch manchmal Sätze an den Rand des Textes schrieb. In ihren Augen, war es absolut unnötig und ungehörig, mit einem Buch so umzugehen und sie erkannte auch keinerlei Sinn darin.

Wenn wir uns diese Situation im Bezug  auf unsere 5 Wahrnehmungssysteme näher anschauen, dann lässt sich entschlüsseln, wieso der Sohn so lernt und wieso die Mutter meint, das dies eine unnötige Vorgehensweise ist.

Alle Menschen haben im Normalfall 5 Wahrnehmungssysteme, allerdings nutzen sie diese nicht alle zu gleichen Anteilen, sondern sie bevorzugen meistens individuell 2 Wahrnehmungssysteme, die sie vermehrt nutzen.

In unserem vorliegenden Beispiel nutzt  die Mutter an erster Stelle den auditiven Kanal, ihr Sohn hingegen das visuelle System. Damit er längere Texte verstehen kann, muss er die Texte in irgendeiner Form visuell, also „sichtbar“ einteilen, z.B. durch bunte Marker, bunte Zettel oder durch mit Worten markierten Textstellen.

Seine Mutter, die den visuellen Kanal erst an dritter Stelle nutzt, braucht das nicht, ihr reicht es den  Sinn des Textes  zu erfassen, in dem sie ihn sich innerlich vorliest.

Ein 2.Beispiel aus meiner eigenen Geschichte. Da ich sehr visuell bin, fällt es mir extrem schwer Zahlen oder technische Daten z.B. eines Motors zu lernen, wenn ich nicht  den Motor vor mir habe oder Bilder dazu sehen kann.

Es fällt mir also schwer technische Details eines Motors zu verstehen, da ich keinerlei Referenzerfahrung dazu habe und mir so keine inneren Bilder machen kann.

So habe ich früher geglaubt, dass ich technische Zusammenhänge einfach nicht verstehe. Heute weiß ich, sobald ich technische Daten mit Bildern verknüpfen kann, verstehe ich die Zusammenhänge spielend leicht. Umgekehrt nehme ich auch wahr, wann und warum mein Gehirn sozusagen abschaltet. Es ist der Moment, in dem mein Gehirn versucht sich zu einer gerade gehörten Information ein Bild zu machen. Es aber keines finden kann, da es zu diesem Motorteil keine Referenzerfahrung in Form eines Bildes hat oder konstruieren kann, dann komme ich nicht mehr mit meiner inneren „Textverarbeitung“ mit und mein Gehirn schaltet ab.

>  Das Gehirn lernt leicht, wenn es etwas Neues mit einer schon gemachten Erfahrung, im gleichen Wahrnehmungssystem verknüpfen kann.

Ein 3.Beispiel im Bezug auf wahrnehmungsorientiertes Lernen ist die Art und Weise, in der wir aussuchen ob ein Wort, von dem wir nicht 100%ig wissen wie es geschrieben wird, in einen Diktattext eingefügt wird. Fast alle kennen wir die Variante, dass wir dann die 2 oder 3 Möglichkeiten, wie dieses Wort geschrieben wird, auf ein Blatt Papier schreiben und jetzt fangen die Unterschiede an:

  • Die vornehmlich visuell orientierten Lernenden schauen, welches Wort besser aussieht und fügen dies in den Text ein.
  • Der gefühls- / kinästhetisch orientierte Lernende entscheidet danach, welches Wort sich besser anfühlt.
  • Der vornehmlich auditiv Orientierte spricht die Worte vor sich hin (gedanklich oder laut) und entscheidet danach, welches sich besser anhört, um es in Text einzufügen. 

Vornehmlich Auditiven fällt es leicht

  • komplexe Texte, ohne viel Bilder oder Absätze zu erfassen
  • Zahlen, Daten und Fakten sind wichtig für sie und leicht zu erlernen
  • Können nur das Hören von Fakten gut lernen
  • Behalten bei Vorstellungsrunden die vorgestellten Namen leicht und schnell
  • Können gut über Hörbücher oder auch durch Vorträge lernen
  • Wenn sie etwas hören, müssen sie, um es zu lernen nicht mitschreiben
  • Es fällt ihnen schwer zum Beispiel Radio zu hören und gleichzeitig zu telefonieren ( zu sprechen )
  • Bei einem Buch ist es wichtig, dass es viel Text, zahlen, Daten und Fakten hat
  • Ordnen Bücher z.B. nach dem ABC

Beispiele : Auditive Worte

  • hören
  • schweigen
  • Stille
  • Ruhe
  • Sprache
  • erklären
  • lachen
  • stammeln
  • jubeln
  • antworten
  • schreien
  • Geschrei
  • Rede
  • diskutieren
  • fragen
  • besprechen
  • brüllen
  • singen
  • rufen
  • zuhören
  • ansagen
  • erörtern
  • Gerede
  • reden
  • deutlich hören
  • hörbar machen
  • das Schweigen im Walde
  • die Stille der Nacht

Vornehmlich Visuelle Menschen brauchen

  • Bilder oder bildhafte Worte oder Beschreibungen, um sich einen Text einprägen zu können
  • Teilen sich komplexe Texte durch den Einsatz von Markern oder Notizzetteln u.a. ein, damit sie die wichtigen Passagen sehen können
  • Schreiben sich das, was sie behalten möchten auf, um es zu sehen
  • Können z.B. gleichzeitig lernen und Radio hören, da sie das Radio ausfiltern
  • Schreiben sich zum Beispiel beim telefonieren, den Namen eines Kunden auf, damit sie ihn sehen und behalten können.
  • Können im Radio einen Titel nicht behalten, außer sie sehen ihn auf dem Bildschirm des Radios
  • Bei einem Buch ist es wichtig, dass es übersichtlich aufgeteilt ist oder Bilder hat oder einen ansprechenden visuellen Einband oder ein bestimmtes Schriftbild
  • Ordnen Bücher z.B. nach Größe oder Farben

Beispiele: Visuelle Worte

  • klar
  • sehen
  • beobachten
  • verschleiern
  • reflektieren
  • einsehen
  • dunkel
  • hell
  • funkeln
  • glänzend
  • aufblicken
  • strahlen
  • anblicken
  • gucken
  • Bilder
  • Perspektive
  • Sicht
  • Sichtweise
  • Ansicht
  • erstrahlen
  • auf einen Blick
  • einsichtig sein
  • klar sehen
  • sichtbar machen

Vornehmlich das kinästhetisch System nutzende Menschen brauchen

  • Gefühle / Emotionen, um leicht lernen zu können
  • Müssen Texte selbst auf- oder mitschreiben, um sie so „im wahrsten Sinne des Wortes zu erfassen-begreifen“
  • Müssen, um leicht zu lernen, Dinge selber tun ( Übungen, etwas selbst auseinander oder zusammenzubauen, Versuche, praktische Übungen )
  • Bei einem Buch ist es ihnen wichtig, dass es Gefühle auslöst oder emotionale Beispiele aufführt und dass sich das Papier oder der Einband gut anfühlt
  • Ordnen Bücher nach Gefühl, d.h. nach den Emotionen, die das Buch in ihnen auslöst

Beispiele: kinästhetische Worte

  • umarmen
  • fühlen
  • befühlen
  • kneifen
  • anfassen
  • dick
  • dünnhäutig
  • steif
  • behandeln
  • tun
  • streicheln
  • hauen
  • hocken
  • hart
  • weich
  • matschig
  • Wärme
  • Härte
  • angenehm
  • betreten
  • kalt
  • gehen
  • rühren
  • glatt
  • rauh
  • auf eigene Faust
  • das ist eine Gefühlssache
  • das mache ich nach Gefühl

Ein Beispiel für die Wortwahl, mit vornehmlich visuellem und kinästhetischem System:

  • Mal sehen was ich spüre. – Mir ist klar ersichtlich, was du fühlst.

ÜBUNG: Welcher Wahrnehmungstyp sind sie?

Halten sie den Mittelfinger und den Zeigefinger in Form eines V nach oben.

  • Schließen sie nun kurz die Augen und stellen sie sich vor ihrem inneren Auge nun einen bunten Faden vor, der sich um ihrer Finger wickelt und diese klar ersichtlich, eng aneinander gebunden hat. Sehen sie sich ihre, durch den bunten Faden, fest miteinander verbundenen Finger an und zählen sie jetzt langsam bis 5, dann versuchen sie ihre Finger zu öffnen, Gelingt ihnen das nur unter Schwierigkeiten, sind sie ein eher visueller Typ.

  • Schütteln sie ihre Hände kurz aus.

  • Halten sie den Mittelfinger und den Zeigefinger in Form eines V nach oben und Schließen sie ihre Augen und bewegen sie ihre Finger langsam aufeinander zu, kurz bevor sie sich berühren, hören sie innerlich ein lautes Plopp, wie das Zuschlagen einer schweren Tür, ... ihre Finger sind jetzt fest miteinander verbunden, ... zählen sie wieder langsam bis 5 und versuchen sie ihre Finger zu öffnen, gelingt ihnen das nur unter Schwierigkeiten, sind sie ein eher auditiver Typ.

  • Schütteln sie ihre Hände aus.

  • Halten sie den Mittelfinger und den Zeigefinger in Form eines V nach oben. Schließen sie ihre Augen und stellen sie sich vor, wie eine dicke, klebrige Masse an ihren Fingern klebt und während sie ihre beiden Finger aneinander drücken, spüren sie, wie sich diese Masse zurechtrückt und ihre Finger wie angeklebt in der zähen, langsam fest werdenden Masse einsinken, immer tiefer einsinken und sich die Masse immer fester um ihre Finger schließt....zählen sie bis 5 und versuchen sie dann ihre Finger wieder zu öffnen, gelingt ihnen das nur schlecht, sind sie ein eher kinästhetischer Typ.

Fazit: WAHRNEHMUNGSORIENTIERTES LERNEN

  • Die Art und Weise wie sie, individuell, ihre Wahrnehmungssysteme nutzen, bestimmt auch ihr individuelles Lernverhalten. ( auch ihr Lehrverhalten !)
  • Wenn es ihnen Schwierigkeiten macht einem Lehrer zu folgen oder die Inhalte bestimmter Bücher schwieriger zu erlernen sind, liegt es oft am Einsatz der Repräsentationssysteme und weniger daran, dass sie nicht in der Lage sind etwas zu verstehen. Besorgen sie sich dann z.B. ein anderes Buch ( Hörbuch ) zum gleichen Thema.
  • Gestatten sie sich so zu lernen, wie es für sie am Besten ist, also markieren sie wichtige Textstellen in Büchern bunt, auch wenn sie gelernt haben, dass man in Büchern nicht herumschreibt ( oder kopieren sie die Seiten und arbeiten sie dann in den Kopien ).

Sie möchten mehr zu diesem Thema erfahren? Dann besuchen sie doch einen NLP Einführungskurs oder meine Homepage.

Autor: Karin Pätze
Thema: Wahrnehmungsorientiertes Lernen | Effizienter lernen mit den Wahrnehmungssystemen
Webseite: kp-business-nlp.de

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