Wie Führungskräfte Mitarbeiter* motivieren können

Die schlechte Nachricht vorab: eigentlich lassen sich Menschen langfristig nicht von außen motivieren. Motivation ist eine intrapersonelle Angelegenheit: Intrinsische Motivation.

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Aber, werden Sie jetzt sagen, durch Extrazuwendungen wie Lohnerhöhungen, Boni, etc. lassen sich Mitarbeiter durchaus bei der Stange halten. Ja, das stimmt. Kurzfristig „motivieren“ solche Zuwendungen, die Arbeitsleistung zu erhöhen, etwas Ungeliebtes doch zu tun, etc. Hier spricht man von extrinsischer Motivation. Aber deren Wirkung lässt bei den meisten von uns relativ schnell nach, nämlich spätestens dann, wenn mit dem Geld der Wunsch erfüllt wurde und sich neue Wünsche auftun.

Wenn man Menschen fragt, was sie an der Arbeit motiviert, dann sind es einmal sinnvolle Inhalte und zum anderen eine gute Arbeitsumgebung. Nun werden Sie fragen: was ist denn eine sinnvolle Arbeit und was eine gute Arbeitsumgebung?

Genau dort sind wir beim Kernproblem der Motivation angelangt. Sie ist subjektiv. So unterschiedlich, wie Menschen sind, so unterschiedlich sind auch ihre Sichtweisen. Und so unterschiedlich ist das, was einen jeden motiviert.

Jetzt die gute Nachricht:

Wir können einander, und insbesondere Führungskräfte sich selbst und ihre Mitarbeiter besser kennen und verstehen lernen. Um an den Wesenskern einer Person heranzukommen, dauert dies aber eine gewisse Zeit in der man mehr und mehr Vertrauen aufbaut und beobachtet, wie sich jemand verhält. Dabei müssen wir auf unsere eigene Prägung aufpassen: die meisten von uns sehen zuerst das vermeintlich Negative, Störende Unpassende im Verhalten des anderen. Um Verhalten schneller zu beschreiben, gibt es eine Reihe von selbstauswertbaren und selbstbeschreibenden Modellen.

Ich arbeite mit dem Persolog Persönlichkeitsmodell. Dazu gibt es noch flankierend das Energy Factors-Modell und das Resilienz-Profil. Mit dem Persönlichkeitsprofil findet eine „Analyse“ der typischen Verhaltensmuster statt. Daraus lässt sich weiter erschließen, welche intrinsische Motivation am ehesten zu dieser Person passt.

Diese Modelle bieten einen hohen Grad an Selbsterkenntnis, sie fassen das in Sprache, was jeder von uns in sich verankert spürt, aber meist nicht so zum Ausdruck bringen kann, da uns unser Verhalten in Fleisch und Blut steckt und wir wenig darüber nachdenken.

Die Forschung von Marston liegt dem Persolog Persönlichkeitsmodell zu Grunde und differenziert Verhalten anhand 2er Fragestellungen: Wie nimmt eine Person ihr Umfeld wahr? und Wie reagiert Sie darauf?

Damit ergeben sich folgende 4 Varianten, die alle möglichen Mischformen zulassen:

  • Wahrnehmung: Umfeld ist stressend, unangenehm Reaktion: bestimmt, aktiv
  • Wahrnehmung: Umfeld ist nicht stressend, angenehm Reaktion: bestimmt, aktiv
  • Wahrnehmung: Umfeld ist nicht stressend, angenehm Reaktion: zurückhaltend, passiv
  • Wahrnehmung: Umfeld ist stressend, unangenehm Reaktion: zurückhaltend, passiv

Dieses Verhalten ist u.a. im Charakter einer Person begründet und wird durch Erziehung und Sozialisation geprägt. Wenn man jetzt nur über diese 4 Verhaltenstendenzen spricht, gehen typische Eigenschaften, Vorlieben und letztendlich auch andere Werte damit einher, die eine andere Motivation begründen.

Typ 1: liebt die Freiheit, keine Vorgaben, Umsetzung eigener Ideen und Visionen, Ziele setzen, Individualität.
Diese Menschen lassen sich motivieren, wenn man Ihnen weitgefasste Aufgaben mit großen Spielräumen ohne ständige Kontrolle gibt. Er ist gerne Einzelkämpfer und Vorreiter.

Typ2: ist gern unter Menschen, liebt die Zusammenarbeit; er möchte akzeptiert werden, in der Gruppe dazu gehören.
Wenn er diese Zufriedenheit hat, ist er hochmotiviert. Auch braucht er viel unterschiedliche Aufgaben, denen er sich immer wieder abwechselnd widmen kann und einen starken Zusammenhalt und gute Zusammenarbeit in einem Team. Er ist kein Einzelkämpfer.

Typ 3: ist gerne in einem überschaubaren harmonischen Team eingebettet. Er liebt die Konstante und arbeitet gern und zufrieden an den immer gleichen Aufgaben. Er braucht Zeit für seine Arbeit, weil er die anderen auch zufrieden stellen will.
in einer ruhigen Arbeitsatmosphäre mit vorhersehbaren Aufgaben und Strukturen sind diese Menschen hochmotiviert und spezialisiert in Ihrer Aufgabe. Sie nehmen gerne Arbeitsaufträge an, in denen sie ihr Wissen zeigen können und damit die Leistung des Gesamtteams positiv beeinflussen.

Und last but not least:

Typ 4: ist sehr selbstbeherrscht und vernünftig. Seine Gewissenhaftigkeit und Selbstdisziplin tragen zu hervorragenden Ergebnissen bei, da er den Prozess unter Kontrolle behält und Fehler sofort bemerkt und verbessert. Diese Menschen brauchen Aufgaben, denen sie sich mit aller Zeit und Geduld widmen können, um eine perfekte Lösung zu finden. Sie arbeiten gerne nach präzisen Vorgaben, die aber der Lösung Spielraum lassen, in denen er perfekte Ausarbeitungen anfertigen kann.

Nun gibt es noch viele Mischformen dieser vier Ausprägungen. Aber vielleicht wird schon an diesen Beispielen deutlich: wenn ich mich und meine Mitarbeiter gut kenne und vor allem ihre Motivation und damit verbunden auch ihre Bedürfnisse einschätzen kann, kann ich als Führungskraft das Umfeld so schaffen, das bei jedem Mitarbeiter die intrinsische Motivation zur Wirksamkeit kommt.

Oder besser noch: bevor ich einen Mitarbeiter einstelle, mache ich mir Gedanken darüber, welche Persönlichkeit am effektivsten diese Position besetzen kann. Welches Umfeld vorhanden ist und wer am besten da hineinpasst. Dann besetze ich neue Stellen nicht nur nach den fachlichen Fähigkeiten, sondern auch mit dem Wissen, um die Motivation für den neuen Mitarbeiter.

In Change Prozessen können diese Profile auch wertvolle Hinweise geben, wie ich meinen Mitarbeitern die Veränderungen erkläre und sie motiviere an anderer Stelle oder in neuer Struktur weiterhin hochmotiviert mitzuarbeiten. Und das ohne meine eigene Persönlichkeit hinten anzustellen!

Win – win für alle Beteiligten!

*: hiermit sind alle Geschlechter gemeint.

Autor: Ute Rabert; Pluspunkt Perspektiventwicklung
Thema: Wie motiviert man Mitarbeiter
Webseite: http://www.perspektiventwicklung.eu

#Erfolg, #Motivation, #Karriere, #Arbeit, #Verhaltensmuster

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