Probleme mit Kolleg:innen durchschauen und lösen - Inkl. 10 + 1 praktische Tipps zur Lösung bei Stress mit Kolleg:innen.

konflikt-meeting

Kolleg:innen haben ist toll

Sie unterstützen mich und ich sie. Meine Kollegin vertritt mich gerne, wenn mein Kind krank ist. Wir lachen zusammen, in der Pause, aber auch am Arbeitsplatz. Dabei machen wir uns nie über jemand anderen lustig, sondern höchstens über uns selbst. Wir schätzen und loben uns. Wenn uns etwas am anderen nicht passt, klären wir das in einem freundlichen Gespräch. Niemals sprechen wir schlecht über nicht anwesende Kolleg:innen. 

Wenn es stressig wird, entspannen wir uns zwischendurch gemeinsam bei einer Tasse Kaffee oder Tee in der Küche, dann gehen wir erfrischt und guter Laune weiter unserer Arbeit nach. Ich finde es großartig, wenn meine Kollegin bessere Ideen hat als ich und wenn die Kollegin den nächsten Aufstiegsposten bekommt, auf den ich schon lange warte.

Wenn die Kollegin sehr langsam arbeitet, oft Fehler macht (die ich dann ausbaden muss), nach Schweiß riecht oder zu laut telefoniert, dann schmunzle ich nur darüber, nehme sie beiseite, kläre das und wir arbeiten weiter erfolgreich und freundlich in einem Team…

So oder ähnlich läuft es doch in den Betrieben mit den Kolleg:innen. Oder etwa nicht?

Sie glauben, das alles ist zu schön um wahr zu sein, und bei Ihnen ist das ganz anders? Ihre Erfahrung mit Kolleg:innen sieht eher wie das Gegenteil aus? Gerade im Moment versuchen Sie ernsthafte Probleme mit einer bestimmten Kollegin zu lösen. Bloß wie? Gut, dann schreibe ich diesen Artikel für Sie. Und natürlich sind Sie damit alles andere als allein.

Krank durch Kolleg:innen-Stress?

Probleme mit anderen können uns den Spaß an der Arbeit vermiesen, Frust verursachen und im schlimmsten bzw. dauerhaften Fall sogar krank machen. Psychische Erkrankungen wie Depressionen und Angststörungen können durch scheinbar unlösbare und belastende Probleme mit Arbeitskolleginnen ausgelöst oder verstärkt werden.

Beschwerden wie Kopf- oder Rückenschmerzen und Infektanfälligkeit können mit Verspannungen und einem geschwächten Immunsystem zusammenhängen, die wiederum durch die Problematik im Arbeitsumfeld begünstigt werden.

Es lohnt sich also genauer hinzuschauen.

Gibt es die eine Lösung?

Niemand kommt konfliktlos durch´s Leben

Wo Menschen zusammen sind, gibt es Konflikte. Das ist normal!

Von einem Konflikt kann man sprechen,

  • wenn unterschiedliche Zielvorstellungen, Interessen oder Wertvorstellungen - scheinbar - unvereinbar sind. (Beispiel: ich arbeite sehr schnell und vielleicht etwas ungenau - die Kollegin arbeitet akribisch und langsam. Oder: mir geht es vor allem um schnelle Ergebnisse, die Kollegin braucht die Schwätzchen in der Küche) wenn zwei Parteien dasselbe haben wollen, das es aber nur einmal gibt. (Beispiel: eine bestimmte Stellung im Unternehmen)
  • wenn ein innerer Konflikt herrscht. (Beispiel: den höheren Posten annehmen oder mehr Zeit für die Familie?) Ist es das Wesen von Konflikten, dass sie uns per se krank machen? Nein.

Konflikte gehören zum Leben dazu. Kein Mensch kann Konflikte vermeiden. Aber bei vielen hat man den Eindruck, sie versuchen es. Dauernd. Das Resultat sind überangepasste, ängstliche, zurückgezogenen Menschen, die starr und wenig lebendig wirken - manchmal geben sie sich auch besonders freundlich und emphatisch.

Der Unterschied ist: emphatische Menschen, die mit Konflikten - im Außen oder im Innen - umgehen können, wirken lebendig und authentisch. Sie strahlen das Wissen aus: Konflikte lassen sich lösen. Auch wenn es mal nur die Lösung gibt, dass jeder seiner Wege geht - in Frieden.

Kampf oder Spiel?

Schauen wir uns an, wie wir unserer Arbeit nachgehen: Ähnelt das eher einem Kampf oder einem Spiel?

Sind wir dauernd

  • in Habachtstellung (dass uns etwas weggenommen wird)
  • im Konkurrenzmodus - wollen wir immer Erster (Beste) sein
  • stellen wir uns immer hinten an, weil wir den Kampf eh verlieren werden?

oder

  • nehmen wir das Spiel an?
  • nehmen wir unsere Bedürfnisse wahr?
  • würfeln wir eine neue Runde, wenn das Spiel mal verloren wurde?

Fragen Sie sich zum Beispiel ehrlich (sie können die Ergebnisse ja erstmal für sich behalten):

  • Versuchen Sie Ihre Ziele rigoros durchzusetzen oder sind Sie eher an Teamerfolg interessiert?
  • Können Sie das Leben - und somit auch die Arbeit - als spielerischen Kampf sehen und Niederlagen sportlich annehmen?
  • Oder brechen Sie zusammen, wenn Sie einen Konflikt scheinbar verloren haben?
  • Können Sie nächtelang nicht schlafen oder flüchten sich ins Lästern über den Widersacher?

Kampf ist nicht gleich Kampf

Der „gewaltsame“ Kampfmodus ist angeschaltet, wenn

  • viel Konkurrenzdenken und Angst vor dem Schlechter-Abschneiden spürbar ist
  • es vorwiegend darum geht, selbst besser abzuschneiden als der andere
  • alles immer mit großer Anstrengung verbunden ist
  • häufige Erschöpfung in und nach einem Arbeitstag auftritt
  • Stressgefühle an der Tagesordnung sind

Der „spielerische, sportliche“ Kampf zeichnet sich aus durch

  • Spaß und Leichtigkeit beim Lösen des Konflikts oder Erreichen des Ziels. Faire Auseinandersetzung, die den „Gegner“ nicht vernichten will
  • Situationen und Niederlagen annehmen können
  • häufige Gelassenheit, Entspannung und Humor anstatt Stress
  • mehr Tatkraft und Energie

Wer also „spielend“ durch die Arbeitswelt und die Konflikte mit den Kolleg:innen kommt, tut gut daran, sich ein paar Spielregeln klar zu machen.

Spielregeln für Konflikte

Wer sich für den „spielerischen Kampf“ im Umgang mit Kolleg:innen entscheidet, wählt in der Regel auch das friedliche Lösen von Konflikten.

Und den Verzicht auf „Maßnahmen“ wie

  • Lästern und Mobbing oder
  • kompletten Rückzug, Selbstzweifel und stille Kündigung 

Beides tut Ihnen selbst nicht gut, vergiftet das Arbeitsklima, bringt weder Frieden noch gesunde Kraft. Wie also stressfrei bei Problemen mit Kolleg:innen bleiben und entspannter Konflikte lösen?

Meine 10 + 1 Tipps bei Problemen mit Kolleg:innen

1.) Annehmen, was ist. (Mit einem klaren „Ja“ zu dem, was eben gerade stattfindet bzw. wahrgenommen wird, tritt automatisch Entspannung ein. Das heißt nicht, dass es gut gefunden werden muss. Aber der Kampfmodus wird dadurch spürbar runtergefahren.)

2.) Verständnis für sich selbst und die eigene Situation entwickeln. (Mit sich umgehen wie mit der besten Freundin, dem besten Freund.) 

3.) Die eigene Haltung/das eigene Verhalten in Frage stellen. (Wie könnte ich anderes agieren bzw. reagieren?)

4.) Verständnis für die Kollegin entwickeln. (Die Situation aus ihrer Warte aus betrachten - welche Ängste könnten z.B. hinter ihrem Verhalten stehen.)

5.) Die Meinung der Kollegin anhören, mitteilen, was angekommen ist, evtl. nachfragen - ohne sich sofort zu rechtfertigen.

6.) Fragen stellen - anstatt anklagen oder zurückschlagen. (Was bedeutet es für dich, wenn ich in deinen Augen langsam arbeite? gibt es eine Möglichkeit, wie wir beide besser damit zurechtkommen könnten?)

7.) Ich-Botschaften senden. (Ich bin eine langsame und korrekte Arbeitsweise gewohnt und sehe, dass dich das ärgert. Das macht mir Stress und ich werde ohne es zu wollen noch langsamer. Was können wir tun?)

8.) Niederlagen als Erfahrungen sehen (nicht als „ich habe verloren“) - Sportsgeist entwickeln.

9.) Aufgestaute Gefühle wie Ärger, Wut und Enttäuschung ernst nehmen. (Evtl. mit Familie, Freunden oder mit einem guten Coach/einer Therapeutin besprechen - siehe Punkt 11)

10.) Zu Hause klare Kommunikation üben. (Aufschreiben und vor dem Spiegel üben)

+ 1 Tipp:

11.) Sich selbst Unterstützung holen (Chef, Coach, Therapeutin) oder sich gemeinsam mit Kolleg:innen unterstützen lassen. (Chef, Mediator, Coach, Paartherapeuten - die meisten arbeiten auch mit „Arbeitsbeziehungen“)

Kaum jemand kann von heute auf morgen diese oder weitere Tipps anwenden und sein (Er-)Leben komplett verändern. Wer dies versucht und scheitert, erhöht nur den Frust. Besser: Jeden Tag (besser: jede Woche) einen Tipp näher betrachten, sich damit beschäftigen, forschen, anwenden, beherzigen. Zehn Tage (besser: 10 Wochen) lang. Und dann wieder von vorne… falls es überhaupt noch nötig ist.

Als Joker immer den „+ 1 Tipp“ in der Hinterhand haben und sich unbedingt helfen lassen, wenn nötig. Nicht lange Leiden, sondern Handeln! Für leichtes, erfolgreiches und gesundes Arbeiten.

Autor: Sabine A. Kastner, Heilpraktikerin/Psychotherapie
Thema: Probleme mit Kollegen am Arbeitsplatz
Webseite: https://www.sabine-kastner.de

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