Blähungen und weicher Stuhl- was hilft?

Sicher gehört es zu den unangenehmsten Erfahrungen im sozialen Kontakt, wenn plötzlich bei einem Treffen mit Freunden oder gar einem Geschäftsessen das Grummeln im Bauch beginnt, das sich in Minuten zu einem schier unkontrollierbaren Druck steigert.

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Eine höchst peinliche Situation verbunden mit der Angst vor Blamage und Gesichtsverlust. In meine Praxis kommen in den letzten Jahren vermehrt Menschen, die unter Blähungen, weichem Stuhlgang oder gar schlagartigen Durchfällen leiden. Sie quälen sich damit nicht nur bei Begegnungen mit anderen, sondern auch Tag für Tag Zuhause. In der Folge fehlen Leichtigkeit und Unbefangenheit bei soziale Aktivitäten und im Beruf sinkt die Leistungsfähigkeit. Oft gehen noch andere Beschwerden mit diesen Symptomen einher:

Spannung und Völlegefühl im Bauchraum, Schmerzen, Unwohlsein, Übelkeit und die Empfindung, der Bauch sei wie aufgeblasen. Oder Aufstossen, Sodbrennen, häufiger Schluckauf und natürlich häufige Toilettengänge.

Die Lebensqualität sinkt und auch unsere Emotionen werden aufgerüttelt: Angst, Verärgerung, Verzweiflung bis hin zur Depressivität werden immer häufiger, was unseren „Bauch“ zusätzlich belastet. Ein Teufelskreis und nicht selten sitzt dann ein Häufchen Unglück vor mir, in Tränen aufgelöst.

Die gute Nachricht: Es gibt Wege aus diesem Dilemma und eine deutliche Verbesserung ist nahezu immer möglich. Und jede/jeder hat es zu 80 % in der eigenen Hand, wenn man sich auf unkonventionelle Lösungen einlassen kann, die mitunter völlig konträr zu unserem Bild von Heilung, gesunder Ernährung und Lebensweise sind. Hier meine ich insbesondere den energetischen Ansatz der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM).

Was sind die Auslöser von Blähungen und weichen Stühlen?

Hier werden sich einige schon wundern und vielleicht innerlich protestieren. Deshalb zwei kleine Vorbemerkungen:

  • Die individuelle Konstitution spielt eine wichtige Rolle. Wir alle kennen Menschen, die den sprichwörtlichen Kuhmagen haben, also riesige Mengen von allem Möglichen ohne jede Beschwerde vertragen und der nächsten schlägt alles sofort auf „die Verdauung“, jede kleine Sünde wird sofort vom „Bauch“ bestraft. Hier geht es natürlich um letztere Veranlagung.

  • Die TCM betrachtet als Hauptursache dieser Problematik eine Schwäche der Mitte, womit unsere Verdauungsorgane gemeint sind. Die Umwandlung der Nahrung funktioniert nicht richtig und es fehlt die Kraft, all das, was wir zu uns nehmen, richtig zu handeln, also so zu verarbeiten, dass wichtige Nährstoffe aufgenommen und Unnötiges ausgeschieden werden kann. Dazu zählen auch die Flüssigkeiten, die der Darm wieder resorbieren muss, damit sie nicht zu Durchfall werden. Und es geht auch um die Energie (Qi), die Dinge im „Bauch“ für die zur Umwandlung nötige Zeit zu halten, damit man/frau nicht 5, 10 oder gar 15 mal täglich auf die Toilette muss.

Diese Kraft der Mitte (im TCM-Sprech Milz-Qi genannt) mag speziell drei Dinge an unserer Nahrung (womit ich Essen und Trinken) meine:

  • Wärme

  • Trockenheit (damit ist Nahrung gemeint, die nicht zu Ansammlung von Flüssigkeit und Schleim im Körper führt, wie z.B. die Honigmilch, die wir trinken, wenn der Hals trocken und kratzig ist)

  • Süße (womit eine milde, leichte Süße gemeint ist, die wir dann schmecken, wenn wir Brot lange genug kauen, keinesfalls aber die extreme Süße wie in vielen Softdrinks, Riegeln usw.)

Damit können wir direkt problematische Nahrungsmittel benennen, die nicht verboten sind, aber stark reduziert werden müssen:

  • Rohkost (Salat, rohes Obst) und kalte Speisen und Getränke
  • häufige Brotmahlzeiten (Belag kommt aus dem Kühlschrank; Hefe lässt nicht nur das Brot aufgehen sondern auch den Bauch)
  • Müsli (letztlich rohes Getreide, das schwer zu verdauen ist)
  • Milchprodukte (diese sind meist kalt und führen zu Ansammlung von Feuchtigkeit im Körper; beides belastet die Verdauungskraft; Kuhmilch zählt außerdem zu den häufigsten Allergenen)
  • Zucker (Süßkram, Gebäck, Limonaden, Eis, Fruchtsäfte usw. usf.)

Außerdem ungünstig:

  • viel Fleisch und insbesondere Wurst (Fett, viele Zusatzstoffe, kalt)
  • Kohlensäure (Gas!)
  • zuviel Fette, speziell Frittiertes kann die Verdauungsorgane überfordern

Individuell können auch Eier, diverse Kohlsorten, Hülsenfrüchte, Soja- und leider oft auch Vollkornprodukte Blähungen auslösen. Alkohol (Bier!) und Nikotin sind nicht hilfreich.

Es empfiehlt sich ein wenig Buch zu führen, nach welchen Lebensmitteln die Beschwerden auftreten und diese dann im Zuge einer Ernährungsumstellung und /oder Behandlung einige Wochen wegzulassen.

Sehr wichtig sind die Essgewohnheiten. Essen unter Zeitdruck, nebenbei oder unregelmäßig sind schlechte Voraussetzungen. Nehmen Sie sich Zeit. Vor allem Kohlenhydrate müssen im Mund durch den Speichel vorverdaut werden, wozu lange und gründlich gekaut werden sollte. Optimal wäre, wenn ein Stückchen Brot solange gekaut wird, bis es verflüssigt ist. Dasselbe trifft auf einen Löffel Müsli zu. Bitte auch nicht das Essen mit Flüssigkeiten herunterspülen und sich so das Kauen sparen. Angenehmer Nebeneffekt: wer lange kaut, wird von weniger satt.

Was empfiehlt die TCM?

  • Direkt nach dem Aufstehen heißes Wasser trinken, wenn verträglich mit einer Scheibe Ingwer. Das ist sozusagen das Warmup für die Verdauungsorgane.

  • Als Frühstück statt Müsli (oder Käsebrötchen) warmen Getreidebrei/Porridge. Ich empfehle Schmelzflocken, die sich in Sekunden in heissem Wasser auflösen. Diese können mit Trockenfrüchten, ein paar Nüssen oder Samen garniert werden. Möglichst keine Kuhmilch, sondern eine der vielen verfügbaren Alternativen, z.B. Hafermilch. Beim Getreide gibt es eine riesige Auswahl. Mein Tipp: Stöbern Sie mal durch die Babykostabteilung. Damit haben Sie eine bekömmliche, stärkende und schnell zubereitete Grundlage für den Tag.

  • Zwischendurch immer wieder ein paar Schlucke heisses Wasser oder Tee mit wärmenden Kräutern. Klassiker ist die Mischung mit Anis, Fenchel und Kümmel gegen Blähbauch.

  • Mindestens noch 1 warme Mahlzeit, vorzugsweise mit gedünstetem Wurzelgemüse mit oder ohne Fleisch und Fisch, als Beilage öfter Reis, Hirse, Kichererbsen, Couscous, Polenta, Quinoa, Bulgur oder Graupen. Damit lassen sich auch leckere Salate zaubern. Und bitte immer an verdauungsfördernde Kräuter denken: Kümmel, Kardamom, Ingwer, Majoran, Anis oder die gute alte Petersilie.

  • Als Alternative zum Käsebrot: Knäckebrot mit Linsenpaste.

  • Statt rohem Obst öfter Kompotte oder kurzes Dünsten/Anbraten

Im Internet findet man/frau viele weiterführende Informationen und tolle Rezepte und Tipps unter dem Stichwort „Ernährung nach den 5 Elementen“. Nach meiner Erfahrung können 50-60 % der Betroffenen allein mit diesen simplen Umstellungen nahezu beschwerdefrei werden.

Was tun, wenn das noch nicht hilft?

Auch hier gilt: bei anhaltenden Beschwerden in Behandlung begeben.

  • Test auf Unverträglichkeiten/Allergien: Kuhmilch, Weizen, Eier, Histamin, Fruktose, Laktose, Gluten sind die häufigsten Trigger für Blähungen/Durchfall
  • Die seelische Komponente und die Lebensumstände sollte jeder gute Therapeut im Blick haben. Unter Umständen ist eine Psychotherapie der richtige Weg.
  • Erwähnen möchte ich auch die Trennkost- bestimmte Lebensmittel nicht mehr zusammen zu essen, erleichtert unserer Verdauung merklich die Arbeit da sie weniger Multitasking für Leber, Bauchspeicheldrüse, Magen und Darm bedeutet.

Ich wünsche Ihnen allen das Beste und immer ein gutes Bauchgefühl.

Autor: Jörg Handrock
Thema: Blähungen und weicher Stuhl
Webseite: https://wellness-beauty-ruegen.de

#Ernährung, #Verdauung , #Traditionelle Chinesische Medizin (TCM)

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