Betroffene von Panikattacken haben meist einen langen Leidensweg hinter sich, wenn sie sich der Hypnose und Hypnotherapie öffnen.

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Symptome einer Panikattacke

Nicht zu Letzt auf Grund der Tatsache, dass Panikattacken dem Betroffenen mit massiven körperlichen Symptomen begegnen, die als (lebens)bedrohlich wahrgenommen werden. Atemnot, Beklemmungen in der Brust, bleierne Schwere verbunden mit der Angst ohnmächtig zu werden, veranlassen zum Notruf. Trifft der Notarzt dann ein und untersucht die Vitalfunktionen des Patienten, ergibt sich eine Diagnose, die diesem unfassbar erscheint: „Alles in Ordnung. Wir können keine besonderen Auffälligkeiten erkennen. Vielleicht sollten Sie sich ein wenig ausruhen, mal Urlaub machen. Dann wird das alles schnell wieder besser.“

Behandlung von Panikattacken und Angststörungen

Verunsichert und ungläubig, dass es keine körperlichen Ursachen geben sollte, begeben sich die Betroffenen anschließend in umfangreiche Untersuchungen. Neben dem Allgemeinmediziner als erster Anlaufstelle zum Thema Angststörung reihen sich dann Internisten, Kardiologen, Gastroenterologen und manchmal sogar Endokrinologen in die Reihe der Fachärzte.

Ein EKG hier, ein MRT da sowie Blut- und Ultraschalluntersuchungen stehen wochenlang auf dem Terminplan der Panikpatienten. Und immer mit dem gleichen Ergebnis: „Alle Werte sind im Normalbereich. Keine besonderen Auffälligkeiten. Vielleicht sollten Sie sich mehr Ruhe gönnen.“ Während die Panikattacken mittlerweile wiederholt und in zunehmender Frequenz auftreten, stellt sich beim Betroffenen bereits in den guten Zeiten eine Angst vor dem nächsten Anfall ein.

Die Lebensqualität beginnt empfindliche Einschränkungen zu erfahren. Verunsicherung macht sich breit und Dr. Google wird zum vertrauten Ratgeber, was wohl der Grund für die wiederholt erlebten Symptome sein könnte. Diagnosevorschläge von schwersten Krankheiten werden ausgegeben, was zu einer noch intensiveren Recherche bzgl. des jeweiligen Krankheitsverlaufs führt. Geplagt von nagenden Fragen aus denen sich vor dem inneren Auge der Vorstellung, Horrorszenarien von unheilbarer Krankheit bis hin zum Tod abspielen, führen unweigerlich zu der Angst, ob vielleicht doch etwas übersehen wurde und ob es nicht sinnvoll sein könnte, eine zweite Arztmeinung einzuholen.

Damit beginnt meist ein weiterer Durchlauf, fachmedizinischer Untersuchungen, der ebenfalls ergebnislos bleibt und „Gesundheit“ attestiert. Und irgendwann tritt ein Arzt auf den Plan und erklärt dem Patienten, in mehr oder weniger einfühlsamer Weise, dass es sich bei ihm/ihr „lediglich“ um Panikattacken und Panikstörungen handle, die zwar unangenehm, aber ungefährlich seien. „Machen Sie mal wieder Urlaub oder entspannen Sie sich, dann ist das alles bald vorbei.“ Ist dann der gut gemeinte Rat, den die Betroffenen mittlerweile schon kennen und mit dem sie noch immer nur wenig anzufangen wissen. Aber wenigstens gibt es jetzt eine handfeste Diagnose: „Panikattacken“.

Die Überweisung des Hausarztes zu einem Psychologen oder Psychotherapeuten mit dem Therapieansatz „Verhaltenstherapie“ leiten dann ein neues Kapitel auf dem Behandlungsweg der Panikpatienten ein. Besonders die gesetzlich krankenversicherten Patienten sehen sich nun der Situation gegenüber, dass es nur schwer möglich ist einen Ersttermin bei einem Therapeuten zu bekommen. Sind sie dann endlich in einer Therapie untergekommen stellt die verordnete Verhaltenstherapie den Panikpatienten vor die Aufgabe, sich den auftretenden Symptomen zu stellen, kognitiv darin gestärkt dass die Symptome „nur“ aus dem Stress heraus entstehen. Deshalb werden Tagebücher geführt, um Stressoren zu entlarven, die diese Angst auslösen. Es werden Entspannungsverfahren angeleitet, um dem Stress zu begegnen. Atemübungen zur Entspannung und andere Methoden in denen die Betroffenen in der akuten Phase der Panikattacke gut bestehen können,  werden besprochen.

Manchmal noch gesprächstherapeutische Interventionen, die dazu dienen sollen die Ursachen der Angst zu erkennen und durch entsprechendes Handlungen und Verhaltensweisen abzustellen. Dieser vorwiegend pragmatische und symptomorientierte Ansatz hilft einem Teil der Patienten die Paniksituationen zu beherrschen und sich mit dem Gedanken zu arrangieren, dass Panik immer wieder auftreten würde. Einige Patienten schaffen es sogar, die Panikattacken mit Hilfe der erlernten Methoden zu überwinden. Der Teil jener Betroffenen, die keinen Therapieplatz bekommen haben oder denen die Verhaltenstherapie keine zufriedenstellende Hilfestellung leisten konnte, begeben sich weiter auf die Suche nach einer für Sie geeigneten Hilfe. Und so werden einige auf die Hypnotherapie aufmerksam, die in ihrer Vielseitigkeit und individuellen Vorgehensweise eine nachhaltige Unterstützung für Patienten mit Panikstörungen verspricht.

Hypnosetherapie bei Panikstörungen

Um zu erklären wie Hypnose bei Panikstörungen eingesetzt wird, ist es meist hilfreich vorab einige hartnäckige Missverständnisse bzgl. der Hypnose/Hypnotherapie auszuräumen. Lassen Sie mich in diesem Zusammenhang damit beginnen, Ihnen zu versichern, dass Sie während einer hypnotischen Trance weder bewusstlos, schlafend noch willenlos sind. Vielmehr erleben Sie einen Zustand relativ tiefer Entspannung, wie sie ihn bereits wiederholte Male während Ihres Alltags erlebt haben.

Zudem geht es bei der Hypnotherapie nie darum, dass der Hypnotherapeut beim Klienten „etwas weg macht“, sondern vielmehr darum, Auslösereize zu neutralisieren, innere Sicherheit aufzubauen und eigene Ressourcen zu stärken, um die persönliche Resilienz für die Zukunft zu erhöhen. Auch die aktive Einbeziehung des Klienten zwischen den Sitzungen, in der er/sie Selbsthypnose oder andere ressourcenfördernde Aufgaben erfüllt, gehört selbstverständlich zu einer ganzheitlichen Hypnotherapie. Damit erklärt es sich auch dem Laien, dass „Hypno-Quickies“, die Versprechungen machen wie „Panik weg mit 1 – 2 Hypnose Sitzungen“ unbedingt kritisch hinterfragt werden sollten.

Die Hypnotherapie bedient sich vielfältiger Methoden die bei Panikattacken wirsam eingesetzt werden können. Je nach individueller Sachlage, entscheidet der erfahrene Hypnotherapeut, wann welche Methode zum Einsatz kommt.

Während beim suggestiv hypnotischen Arbeiten, unter Zuhilfenahme geeigneter Metaphern, Veränderungsimpulse angeboten und aktiviert werden sollen, machen es sich die interaktiven Methoden zur Aufgabe, Ursachen oder Lösungen bewusst zu machen oder Potentiale zu aktivieren.

Um analytisch mit Hypnose arbeiten zu können, ist es von großer Bedeutung, dass der Klient einerseits einen guten Bezug zu seinem Problem aufbauen kann und andererseits die Beantwortung analytischer Fragen, die direkt aus dem Unterbewussten gegeben werden. Dazu eignet sich insbesondere der Einsatz ideomotorischer Signale, bei der Finger oder Handbewegungen, unwillkürlich ins Fließen kommen. Dadurch entsteht eine besondere Art der Kommunikation, die direkt aus dem Unterbewussten ins Bewusste aufsteigt und jene Zusammenhänge sichtbar macht, die über logische und chronologisch aufbauende Gedankenketten, nicht ermittelt werden können. Kurz gesagt, die unbewusst verdrängten, abgespaltenen Belastungselemente werden sichtbar.

Erkennbar sind diese entweder dadurch, dass die mit der Erinnerung in Verbindung stehende Emotion besonders intensiv wahrgenommen oder das Event als Situationserinnerung plötzlich klar ins Bewusstsein tritt. In diesem Zusammenhang ist zu berücksichtigen, dass eigene Erinnerungen an Lebensereignisse jedoch erst ab dem vollendeten 3. Lebensjahr zur Verfügung stehen, während emotionale Verknüpfungen bereits pränatal abgespeichert werden, macht es Sinn dies im Rahmen der Hypnotherapie zu berücksichtigen und zu nutzen. Denn erstauslösende Aspekte können in der Hypnotherapie auch ohne Verknüpfung zu einem bestimmten Event ermittelt und neutralisiert werden. Dazu bedienen wir uns einer Vorgehensweise in Trance, bei der ausschließlich die Emotionen im Fokus stehen. Diese effektive Vorgehensweise, die sich in meiner Praxis sehr bewährt hat, ist gleichzeitig schonend, da sie vollkommen auf die Erinnerung belastender Lebenserfahrungen verzichten kann. Sogenannten Retraumatisierungen kann hiermit vorgebeugt werden.

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die Hypnotherapie für Betroffene mit Panikstörungen durchaus effektive Möglichkeiten bereithält, einerseits Symptome als auch Auslösereize zu neutralisieren und andererseits die persönliche Resilienz aufzubauen, so dass Panikattacken und inadäquate Ängste nachhaltig der Vergangenheit angehören können.

Es sei an dieser Stelle jedoch ausdrücklich darauf hingewiesen, dass die persönliche Eignung für eine Hypnose bei Panikattacken immer im Einzelfall geprüft und entschieden werden muss. Nur wenn sichergestellt ist, dass keine Kontraindikationen (wie z.B. psychotische Störungen, depressive Phasen, Epilepsie usw.) vorliegen, kann eine Hypnotherapie durchaus unterstützen die Panikattacken schrittweise zu überwinden. Auch ist es wichtig, die Hypnotherapie als einen ganzheitlichen Ansatz zu verstehen, die sich zur Aufgabe macht Sicherheit aufzubauen, Ursache zu lösen und Resilienz zu stärken.

Autor: Gabriele Häusler
Thema: Hypnose bei Panikattacken
Webseite: http://www.zielerreichung-jetzt.de

Autorenprofil Gabriele Häusler:

Gabriele Häusler, Heilpraktikerin für Psychotherapie arbeitet seit 2008 als Hypnotherapeutin in eigner Praxis. Arbeitsschwerpunkt: Hypnotherapie bei Angst- und Panikstörungen.

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