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Eine Definition

Wer an Hypnose denkt, denkt deshalb nicht automatisch sofort an körperliche oder seelische Therapiemöglichkeiten oder an eine Kraft, die das eigene Leben positive beeinflussen kann. Oft sind nur Vorstellungen von Bühnenshow oder reinen Entspannungsübungen im Kopf. Denn Hypnose  wird auch zur reinen Unterhaltung in Shows eingesetzt. Die Showeffekte können zwar für den Moment erstaunen, sind aber zum Glück nur von kurzer Dauer.

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Therapeutische Hypnose ist in der Zielrichtung etwas ganz anderes: Sie nutzt die Besonderheiten der Hypnose für therapeutische Ziele. Aber was ist dann der Kern von Hypnose, der sich so oder so nutzen lässt?

Die Bedeutung des Wortes kommt aus dem Griechischen und bedeutet „Schlaf“. Von außen sieht es auch oft genau so aus. Wer die Hypnose allerdings einmal selber erlebt hat, weiß, dass das so stimmt. Die innere Wahrnehmung ist zwar tatsächlich entspannt, aber auch sehr lebendig!

Es ist ein angstfreier nach innen gerichteten Bewusstseinszustand, auch Trance genannt, der zu tiefer körperlicher und geistiger Entspannung führt. Der bewusste Verstand ist entspannt, die Gedanken verlangsamen sich etwas, die Fähigkeit, in Bildern zu denken, ist deutlich erhöht und die Zeitwahrnehmung verändert.

Was wirklich schläft ist der sogenannte „kritische Faktor“ – jener  Teil unseres Bewusstseins, der neue Informationen immer mit bekanntem Überzeugungen und Erfahrungen abgleicht und nur das durchlässt, was unserem Weltbild und den Vorerfahrungen nicht widerspricht. Wirklich Neues und Kreatives hat es da schwer.

Ein wichtiges Element der therapeutischen Hypnose ist es darum, diesen „kritischen Faktor“ in Schlaf zu versetzen bzw. dafür zu sorgen, dass er in den Hintergrund tritt.

Die Folge ist: Der Geist öffnet sich für Veränderung, Transformation und neue Ideen. Und genau das macht die therapeutische Hypnose zu einer zu einer in den letzten Jahren immer häufiger genutzten Unterstützung der Psychotherapie oder Beratung.

Neben der Offenheit für Neues ist aber noch ein zweiter Aspekt der hypnotischen Trance von großer Bedeutung, nämlich die starke Konzentration und Fokussierung auf eine einzelne Sache. Denn die Fähigkeit, in der Trance die Aufmerksamkeit so sehr auf eine Sache zu konzentrieren und alles andere zeitweise auszublenden, kann andere, unterschiedliche Therapien sehr unterstützen. So kann sie zum Beispiel dabei helfen, auch schmerzhafte Gedanken und Gefühle zu erforschen. Nicht selten auch solche, die dem bewussten Verstand kaum zugänglich sind.

Auf der anderen Seite kann die Trancefähigkeit dabei helfen, Dinge anders wahrzunehmen auch dazu dienen, Dinge auszublenden, wie zum Beispiel, die Schmerzwahrnehmung oder auch das Verlangen nach Zigaretten.

Die vielen Reize, die im Wachbewusstsein immer um unsere Aufmerksamkeit konkurrieren, werden ausgeblendet und verlieren für den Moment an Bedeutung. Geistig bedeutet das: Das Gehirn erreicht den sogenannten Alphazustand, mit einer Frequenz zwischen 8 – 14 Hertz.

Die körperliche Wirkung dieser Art von Entspannung ist an sich schon erholsam. Der Körper stellt, ähnlich wie beim Schlaf, auf Entspannungs-Modus. Der Muskeltonus ist vermindert, Herzfrequenz und Atmung werden ruhiger und gleichmäßiger, und der Spiegel der Stresshormone sinkt.

Geschichte der Hypnose

Die Vorgeschichte der Hypnose ist lang:  Schon seit Jahrhunderten nutzen Menschen Heilschlaf und Trancetechniken gezielt, um ein körperliches und geistiges Gleichgewicht zu erreichen.

Hypnoseähnliche Trance als Weg war in Form des Tempelschlafes schon den antiken Griechen bekannt. Ägyptische Zeugnisse gehen sogar noch weiter zurück. Diese Vorläufer gerieten aber im Laufe der Geschichte etwas in Vergessenheit. Doch es gibt auch eine jüngere Geschichte der Hypnose, die vor gut 200 Jahren anfing und bis heute andauert.

Dabei hatte die moderne Geschichte der Hypnose keinen guten Start: Der Arzt Friedrich Anton Mesmer machte Hypnose als „Magnetismus“ populär, als eine Art Fluidum, dass durch den Körper fließe. Störungen versuchte er durch sog. „Séancen“ wieder in „Fluss“ zu bringen. Österreich wies ihn wegen seiner obskuren Methoden aus. Aber Mesmer hatte trotz seiner merkwürdigen Theorien erstaunliche Heilerfolge. Der englische Chirurg James Braid beschäftigte sich deshalb näher mit Mesmer Vorgehensweise und erkannte dabei die Wirksamkeiten von Entspannung und Suggestion. Er prägte auch den Begriff „Hypnose“. Später erkannte er, dass es sich keineswegs um einen Schlaf- sondern vielmehr um einen Wachzustand handelte, aber da war sich der Begriff „Hypnose“ schon etabliert.

Die Hypnose brauchte noch einige Zeit, um sich durchzusetzen. Nicht zuletzt auch deswegen, weil der Übervater der modernen Psychotherapie, Sigmund Freud, sich entschieden gegen dieses Verfahren ausgesprochen hatte, so dass es zumindest im deutschsprachigen Raum für lange Zeit eher einen mystischen und unwissenschaftlichen Ruf hatte.

Mittlerweile wird Hypnose in verschiedenen Ausprägungen in den verschiedensten Therapiebereichen anerkannt genutzt. Namhafte Vertreter und Lehrer sind unter anderen:

Milton Erickson, Dave Elman, Stephan Gilligan und Norbert Preetz.

Auch wenn die Bühnenhypnose wohl nicht aussterben wird, hat sich zum Glück für viele Klienten die Wahrnehmung der Hypnose in den letzten Jahrzehnten deutlich zur Therapieform hin geändert. Und der Blick auf die heilsamen und generativen Möglichkeiten ist auch deutlich weiter und offener geworden. Seit 2006 gilt die therapeutische Hypnose deshalb jetzt als anerkanntes Verfahren der Psychotherapie. Zusammengefasst lässt sich sagen: Bei der therapeutischen Hypnose geht es um das Gegenteil des Showeffektes: Langfristiger Wandel statt schnelles Strohfeuer. Denn erst der therapeutische Rahmen verwandelt eine reine Technik in ein weiterreichendes Werkzeug für die Therapie.

Zielsetzung der therapeutischen Hypnose

Die Spanne der Anwendungen reicht weit. Auf unterschiedliche Weise wird therapeutische Hypnose genutzt, um Genesung oder Wandel zu befördern. Das gilt vor allem für die Psychotherapie, aber auch für körperliche Prozesse wie Schmerzreduktion und für das Zusammenspiel von seelischen und körperlichen Prozessen, wie wir sie im Feld der Psychosomatik vorfinden.

Hypnose und die Therapie psychischer Themen

Nicht selten haben psychische Themen, wegen denen Menschen in psychotherapeutische Behandlung gehen, ihren Ursprung in der biographischen Geschichte der Person. Hier kann die Regression in die Kindheit als Teil der Psychotherapie genutzt werden. So lässt sich zum Beispiel eine erwachsene Person in die Momente ihrer Kindheit zurückbegleiten, die besonders schwierig waren. Durch Neubewertung mit dem erwachsenen Bewusstsein und eine liebevolle Zuwendung können emotionale Wunden versorgt werden, und das Erleben der Gegenwart kann auf neue Wurzeln bauen und sich so verändern. Therapeutische Hypnose ist, meines Erachtens, oft auch die Methode der Wahl bei Menschen, die unter Ängsten leiden. Schon die angstfreie Zeit in der hypnotischen Trance ist nach meiner Erfahrung für jemanden, der unter dieser Symptomatik leidet, eine angenehme Entspannung, ohne Herzrasen, Schwindel und Schweißausbrüche. Und sie kann dann zu einer Basis werden, auf die weitere Therapie, mit und ohne Trance, aufbauen kann.

Auch für andere Themen ist die Hypnose ein Weg für eine direkte Kommunikation mit den enorm hilfreichen Kräften des Unterbewussten. Die Routinen des Alltags und die Art, wie unser bewusster Verstand tickt, verleitet Menschen immer wieder dazu, vom Bekannten auszugehen. Und neue Lösungsansätze eher durch immer neue Versuche, die bekannten Größen, die „Sachzwänge“, umher und vor sich herzuschieben. Also immer wieder eine neue Variante des so gut Bekannten.

Aber: Wer immer nur das erwartet, was er schon kennt, wird auch nur das bekommen, was er immer schon hatte!

Daher kann erfahrungsgemäß die Einbindung der Hypnose in viele Facetten der psychotherapeutischen Arbeit besonders hilfreiche Wege zu den Möglichkeiten des Unbewussten eröffnen. Neues zu wagen und zu lernen ist leichter, wenn man den Geist vollständiger anspricht – und nicht nur den kritischen Verstand.

Es sind die Bilder und die Interpretationen von der Welt, die unsere Handeln leiten. Die Hypnose ist dabei das Tor zur Grenze zwischen Wach– und Traumbewusstsein. Sie erleichtert den Zugang zu den eigenen Imaginationen, Leitbildern und Abläufen des Unbewussten. Sie ermöglicht es, im Körper gespeichertes Wissen sowie tief sitzende Intuitionen nutzen zu können. Tiefliegende (und oft nicht bewusste) Glaubenssätze, Bilder und Vorstellungen über das Leben können auf diese Art leichter zugänglich und damit auch veränderbar gemacht werden.

Diese Veränderung ist oft der erste, große Schritt zu Bewältigung und Neuausrichtung.

Hypnose und Körpersymptomatik

Was die körperliche Symptomatik angeht, so gibt es ein paar Klassiker, die immer wieder in Zusammenhang mit der therapeutischen Hypnose genannt werden: Zu nennen sind hier  zum Beispiel die Unterstützung bei chronisch entzündlichen Darmerkrankungen wie Colitis Ulcerosa oder Morbus Chron. Die bekannteste Anwendung ist allerdings vermutlich die Anwendung der  Hypnose als Unterstützung zur Schmerzbekämpfung.

Hier wird die Hypnose und eine begleitende Schulung in Selbsthypnosetechniken genutzt, um Schmerzpatienten zu helfen, ihre Schmerzen kontrollieren. Das Ziel ist, dass sie ohne Medikamente auskommen können oder diese zumindest deutlich reduzieren können.

Hypnose und Psychosomatik

Schon die deutsche Sprache gibt einen Hinweis darauf, wie körperliches und seelisches Leid als verbunden und zusammengehörig erlebt werden. Man spricht davon, sich etwas auf die Schultern geladen zu haben, dass einem etwas auf den Magen geschlagen ist oder man an gebrochenem Herzen leidet. Genau zu verstehen, wie tief Körper und Seele eine Einheit bilden, und wie sie sich in ihrer Gesundheit gegenseitig beeinflussen, ist ein weites Feld.

In der praktischen Arbeit wird es von Hypnosetherapeuten immer wieder als hilfreich erlebt, das subjektive Erleben von Patienten zu erkunden. Also auf welche Weise sie emotionalen Schmerz in körperliches Leiden verwandelt haben, und wie eine seelische Unterstützung wieder neue Kräfte, auch für die körperliche Genesung, freisetzen kann.

Hypnose und Stress

Hierfür scheint eine eigene Überschrift angebracht, weil Stress geradezu universell alle Bereiche anspricht. Unausweichlich erscheint vielen der Druck, der durch hohe Belastung in der Arbeitswelt oder bei andauernden Konflikten im familiären Kontext entstehen kann, aber natürlich auch durch hohe Lautstärke oder unregelmäßige Arbeits- und damit Schlafzeiten. Dabei ist übermäßiger Stress die Ursache für eine ganze Reihe an Problemen. Die therapeutische Hypnose beschäftigt sich dabei vor allem mit dem Stress und Druck bei der Arbeit. Hier geht es um das Thema Burnout, um Prüfungsangst und die Angst vor freiem Sprechen. In diesen Bereichen findet die Hypnose deshalb auch in der Beratung in den letzten Jahren immer größere Bedeutung.

So verwundert es nicht, dass der Erfolgszug der Hypnose gerade erst richtig begonnen hat. 

Autor: Thomas Schmidt
Thema: Was ist therapeutische Hypnose
Webseite: http://www.gestalttherapie-hypnose.de

 

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