Um Schmerzen zu verstehen, sollte man wissen, was Gesundheit ist.

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Stellen Sie sich den Bewegungsapparat als komplexes Netz vor. Ähnlich zu einem Spinnennetz, das in einem alten Haus eine Ecke ausfüllt. Die einzelnen dünnen Fäden sind über Knötchen zu einer dichten Struktur verbunden, die sowohl stabil als auch flexibel ist. Wenn Sie nun leicht mit einem Finger in dieses Netz drücken, verändert sich die Spannung im Netz auch in den umgebenden Strukturen. So wie es an der Schulter spannt, wenn das T-Shirt am Becken gezogen wird. Der Druck von außen wird also nicht nur von einer Stelle, sondern vom gesamten System aufgefangen. So verteilt sich die Belastung im gesamten Netz, anstatt nur auf einen kleinen Bereich, der womöglich überlastet wäre.

Stellen Sie sich nun vor, dass dieses Netz lebendig ist. Es kann also selbst gewählt und in der bestmöglichen Art und Weise auf Druck reagieren. Das heißt bestimmte Stellen in beliebiger Intensität anspannen und lockern und sich so aktiv an den Druck anpassen. Es kann damit den Druck hinleiten, wo es am sinnvollsten ist. Das gibt dem Netz noch weit größere Möglichkeiten sich selbst zu schützen. Das ist das, was Osteopathen spüren, wenn der Patient sich manchmal fragt: „Der macht ja gar nichts?!“. Er gibt Druck in das Gewebe des Patienten, erspürt die Antwort des Gewebes und lenkt diese Antwort in die Richtung, die dem Patienten helfen soll. Man könnte es auch Kommunikation nennen.

Es existiert tatsächlich so ein Netz im Körper. Es heißt extrazelluläre Matrix und zieht sich von Kopf bis Fuß in nahezu jede Stelle des Bewegungsapparates und zwischen den Inneren Organen.

Im Verbund mit den Muskeln, den Knochen und dem Nervensystem bildet es ein System, welches als Ganzes den Körper kraftvoll, stabil und flexibel hält und so für die Herausforderungen des Alltags und darüber hinaus Wohlbefinden gewähren soll.

Gesundheit heißt nicht, ohne Störungen zu leben. Gesundheit heißt, Störungen in sein Wohlbefinden zu integrieren, wie Wasser um den Stein herumfließt, anstatt ihn zu zerstören. Das Ziel ist ja das Meer, warum sich dann mit dem Stein aufhalten?

Wie entstehen nun Schmerzen im Bewegungsapparat?

Die Anpassungsfähigkeit des Körpers hat, wie Sie sich vorstellen können, Grenzen. Grenzen im Raum: Der Körper hat nur eine bestimmte Größe und Weite, in der das Netz den Druck weiterleiten kann. Grenzen in Kraft: Jede Struktur geht einmal kaputt, wenn der einwirkende Reiz groß genug ist.

Wenn nun also die Reize in Anzahl und Kraft zu stark auf das Netz einwirken, gibt es für den Bewegungsapparat keine Möglichkeit mehr Spannungen weiterzuleiten. Das hat zur Folge, dass einzelne Areale zu stark belastet werden, die dann mit der Zeit schmerzhaft werden. Diese Areale werden dann zum Schutz entlastet. Das Bedeutet wiederrum, dass andere mehr belastet, also überlastet, werden. Spannung wird also ständig in die Bereiche geleitet, die das am noch am besten aushalten können. So kann es zu sich verstärkenden und sich vermehrenden Schmerzen im gesamten Körper kommen. Je nach Stärke der Belastung.

Ein weiterer Selbstschutzmechanismus des Körpers, um dies aufzufangen, ist die Muskelspannung. Sie kann verstärkt werden, wenn die Anpassungsfähigkeit des Gewebes nicht mehr ausreicht. So gibt es mehr Widerstand gegen die auftretende Spannung. Wenn dies lange nötig ist, wird der Muskel jedoch mit der Zeit steif und schmerzhaft. Häufiges Beispiel hierfür sind Rücken- und Nackenverspannungen. Bei fester Muskulatur und durch die erhöhte Spannung des Bindegewebes der Bewegungsapparat verliert der Körper an Flexibilität und dadurch funktioniert zusätzlich der Stoffwechsel nicht mehr optimal. Ein gesunder Stoffwechsel funktioniert am besten über flexibles Gewebe.

Alles, was die Zelle braucht, muss vom Blutkreislauf erst durch das Bindegewebe und dann in die Zelle geleitet werden. Zudem fließen die Stoffwechselendprodukte auch durch das Bindegewebe zurück zum Abtransport. Bei zu festem Gewebe ist diese Weiterleitung verlangsamt. Dadurch bleiben Stoffwechselprodukte im Bindegewebe, also zwischen den Muskeln hängen. Diese können sich dann nicht mehr optimal bewegen und schränken auf Dauer zusätzlich die Mobilität ein.

Jede dieser Faktoren verstärkt weiter die Grundspannung, wodurch wiederrum weitere Störungen hervorgerufen werden. Es kann also zu einem Kreislauf kommen, in dem sich das Problem selbst verstärkt. Daher können Belastungen, die eigentlich schmerzfrei sein sollten wie langes Sitzen, langes Stehen, Gartenarbeit und Joggen mit der Zeit zu Schmerzen führen.

Da der oder die Betroffene hier jedoch nur den Schmerz wahrnimmt, wenn er diese Tätigkeiten ausübt oder nachdem er sie ausgeübt hat, glaubt er oder sie, Überlastung würde den Schmerz verursachen. Tatsächlich ist es eine relative Überlastung, die durch die verminderte Belastbarkeit des Gewebes entsteht. Das Gewebe kann sich nicht mehr an die lange eintönige Belastung oder an die starke Beugung der Gartenarbeit anpassen. Die Belastung ist also nur der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, beziehungsweise wie oben beschrieben, der Druck, der vom Netz nicht mehr integriert werden kann. Somit steigt die Spannung im Gewebe an, einzelne Areale werden überlastet und Schmerzen entstehen. Die Belastung des langen Sitzens, Stehens, der Gartenarbeit und des Joggens sind eigentlich gut auszuhalten, wenn der Körper ein gesundes flexibels Bindegewebe hat.

Es gibt also tatsächlich kein „Ich habe zu lange gesessen“, „Ich habe zu viel gestanden“, „ich habe eine falsche Bewegung gemacht“.

Auch eine Halswirbelsäule, die zum Schlafen ein ganz bestimmtes Kissen braucht, ist grundsätzlich gestört, auch wenn Sie die Schmerzen mit dem Kissen in den Griff bekommen. Es ist Zeichen von Instabilität und Störung, wenn 10° Unterschied in der Halswirbelsäule zwischen Schmerz und Schmerzfreiheit entscheiden können. Die Schmerzen sind also nur der Gipfel des Eisbergs. Für nachhaltiges Wohlbefinden gilt es den gesamten Körper wieder flexibel und anpassungsfähig zu machen. Dann kann in der Regel auch wieder lange gesessen werden ohne Schmerzen zu haben.

Wie wird man wieder gesund?

Der natürliche Zustand des Körpers ist die im ersten Teil beschriebene Flexibilität und Anpassungsfähigkeit. Er ist darauf ausgelegt sich in dieser Flexibilität durchs Leben zu bewegen. Störungen, die den Körper in chronische Anspannung versetzen sind also Hindernisse hierfür. Wenn wir diese Hindernisse nun auflösen, würde sich der Körper von allein wieder in die Flexibilität und Anpassungsfähigkeit begeben. Es gilt also herauszufinden welche Störungen dies sind.

Durch die individuellen Lebensgeschichten jedes einzelnen, gibt es genauso viele individuelle Arten solcher Hindernisse. Es können durch Stürze, schlecht gelaufene OPs, Weißheitszähne, Nachwirkungen von Verletzungen und vieles mehr solche Hindernisse entstehen. Optimalerweise wird im Einzelfall evaluiert und entsprechend behandelt.

Schlechte Ernährung und wenig Bewegung spielen ebenfalls häufig eine Rolle. Hierbei lagern sich Stoffe im Bindegewebe ab und das Gewebe wird durch den fehlenden Sport steif. Wer sich selbst helfen will, kann nach Abwägung der Risikofaktoren, eine 6-Wochen-Kur mit rein veganem Essen und der Stärkung der Flexibilität mittels Fasziendehnung und Faszientherapie durchführen. Häufig werden hier schon Schmerzen gelindert, da hierdurch die allgemeine Flexibilität und Belastbarkeit des „Netzes“, also des Bewegungsapparates, gestärkt werden.

Einzelne lokale Störungen werden hierdurch jedoch nicht behandelt. Möglicherweise können sie jedoch wieder integriert werden, da das Netz sich, durch die gewonnene Flexibilität, wieder anpassen kann. Für einen vollen Check und gegebenenfalls die Auflösung von Hindernissen, denen nicht mit gesunder Lebensweise beizukommen ist, empfiehlt es sich einen erfahrenen Therapeuten aufzusuchen, da es hierzu einer gründlichen Analyse Bedarf.

Zu Guter Letzt noch ein Hinweis. Es handelt sich hierbei um ein Denkmodell um Zusammenhänge im Körper verständlich zu machen. Der Bewegungsapparat ist weit komplexer, als es hier in einem Artikel aufzuschreiben möglich ist. Jedoch kann dieser Blickwinkel hoffentlich zur Einsicht beitragen, dass langfristige Gesundheit möglich ist, wenn Schmerz als Teil einer systemischen Dysbalance behandelt wird.

Autor: Erik Bittmann, Heilpraktiker
Thema: Wie entstehen Schmerzen?
Webseite: https://heilpraktikerinpotsdam.de

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