Sogenannte Stufenmodelle ermöglichen ohne Zweifel anhand des Lebensalters der Kinder einen guten allgemeinen und ungefähren Einblick in die einzelnen Entwicklungsphasen der Kinder, führen jedoch schnell dazu, dass Eltern ihre eigenen Kinder mit den Kindern anderer vergleichen.

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Dieses Vergleichen führt nicht selten dazu, dass voreilige Schlüsse zum Entwicklungsstand der eigenen Kinder gezogen werden und sich unberechtigte Sorgen und Ängste aufmachen. Es ist von essentieller Bedeutung, zu verstehen, dass die Entwicklung eines jeden Kindes völlig individuell verläuft. Es ist nicht möglich Vergleiche in der Entwicklung anhand zeitgleicher Maßstäbe wie Tagen, Monaten oder Jahren anzustellen, da sich ein jeder Mensch im Laufe seines Lebens zu einem eigenständigen Individuum entwickelt. Daher kann das volkstümliche Sprichwort „alles hat seine Zeit“ sehr gut auf die Entwicklung unserer Kinder angewandt werden. Entwicklung geschieht durch Entwicklungsphasen, welche die Kinder von Beginn an durchlaufen und diese brauchen Zeit, welche ihnen unbedingt gegeben werden sollte.

Kinder können entgegen zu uns Erwachsenen noch nicht für sich selbst sorgen. Können ihre Grundbedürfnisse wie beispielsweise Hunger und Durst, oder ihre Sicherheit beispielsweise in Form von einer Wohnung oder einem Haus noch nicht eigenständig sichern. Diese Aufgaben müssen ihre Eltern für ihre kleinen übernehmen und sie beim durchlaufen der vielen Veränderungen und Entwicklungsprozesse begleiten und unterstützen, damit sie im späteren ihren Lebensalltag eigenständig bewerkstelligen können. Damit unsere Kinder nicht die kleinen auf Unterstützung angewiesene Menschen bleiben, sondern später selbst ein eigenständiges und stabiles Leben führen können, ist es notwendig sich immer und stetig im laufe seines Lebens zu entwickeln – Entwicklung ist somit eine Lebensaufgabe.

Bevor jedoch auf die einzelnen Möglichkeiten der Förderung in frühkindlichen Entwicklungsphasen eingegangen werden kann, ist es von wichtiger Bedeutung, die drei Bedingungsfaktoren, welche die Entwicklungsprozesse symbolisch gesehen erst auslösen sowie die Kreisprozesse des sensomotorischen Entwicklungsstadiums zu beleuchten.

Bedingungsfaktoren die den Entwicklungsprozess auslösen

Die drei Bedingungsfaktoren umfassen die Erbanlagen (Endogenistische Theorieansätze), die Umweltfaktoren (Exogenistische Theorieansätze) und die Eigenaktivität (konstruktivistische Theorieansätze).

Die Erbanlagen (Gene) bestimmen zwar den zeitlichen Ablauf von körperlichen Entwicklungen wie beispielsweise der Entwicklung von Organen, Knochen, Gewebe u.a. sind aber nicht ausschließlich für die Auslösung unserer Entwicklungsprozesse verantwortlich. Hierzu benötigen wir noch die Umwelteinflüsse, beispielsweise das Vorgeben von Worten der Mutter, welche das Kind nachahmen bzw. nachsprechen kann. Zwischen diesen beiden Bedingungsfaktoren (Erbanlagen und Umwelteinflüsse) findet eine so genannte Wechselwirkung statt. So kann beispielsweise ein Kind das Sprechen nicht erlernen bzw. keine Wortlaute bilden, wenn die Mutter oder der Vater dem Kind keine Worte, Wortlaute oder Silben vorgeben.

Genauso verhält es sich, wenn ein Kind einen Satz wie z.B: „Ich hab dich Lieb“ sprechen soll, die Vorgaben (Umweltfaktoren) zwar erfüllt sind, das Kind die körperliche Entwicklung bzw. die dafür benötigten körperlichen Entwicklungen noch nicht ausgebildet sind. Die Eigenaktivität des Kindes sollte nicht unbeobachtet bleiben, denn ein Kind welches ohne seine Eigenaktivität, wie beispielsweise dem Versuch Laute zu bilden, Silben zu formen oder Wörter zu sprechen, das Sprechen erst gar nicht entwickeln, noch erlernen könnte.

In etwa den ersten 18 Lebensmonaten durchlaufen Kinder, in ihrer kognitiven Entwicklung, sogenannte sensomotorische Stufen, welche nochmals in sechs Stadien unterteilt sind. In diesen sechs Stadien werden aber auch zwischen drei Kreisprozessen (primäre, sekundäre und tertiäre Kreisprozesse) differenziert. Diese sind gerade in den ersten Eineinhalb Jahren der Kinder sehr wichtig und spielen in dieser Zeit eine sehr bedeutende Rolle, da sich die Kinder zu Anfang ihrer Entwicklung in einem völligen Egozentrismus befinden. Das bedeutet, dass sich Kinder mit all ihren Wahrnehmungen und Erfahrungen nur und rein auf sich selbst und ihren eigenen Körper festlegen und keine Unterscheide zwischen ich und Welt machen – sie können nicht differenzieren.

Dieser Egozentrismus wird im laufe dieser Entwicklungsphasen, in einem sogenannten Dezentrierungsprozess, welcher besagt, dass das Kind, Schritt für Schritt von der einen Festlegung bzw. Zentrierung weggeführt wird, abgebaut. Kreisprozesse sind eine Form von Assimilationsprozessen (Bestätigung), die aus den Handlungen die das Kind wiederholt bestehen. Diese Form der Assimilationsprozessen besagt, dass Koordinationen zwischen Gewohnheiten und neuen Erfahrungen entstehen. Wenn Kinder beispielsweise das Greifen mit anderen Schemata wie z.B. das Sehen verbinden bzw. koordinieren, können sie sodann einen Gegenstand welchen sie sehen nunmehr gezielt und nicht mehr eher aus Reflex oder Gewohnheit ergreifen.

Beschäftigt sich ein Kind diesen Alters beispielsweise mit einer Dose, welche mit einem Deckel verschlossen und auch wieder geöffnet werden kann, scheint diese Dose von dem Kind zunächst nur geprüft zu werden. Sie wird angesehen, gedreht, an den Mund geführt und ähnliches. Im Laufe der Entwicklungsphase, wird das Kind jedoch entdecken, dass die Dose mittels des Deckels durch das Greifen (vertrautes Schema) und durch das anheben/ziehen (kognitive Struktur), geöffnet und gleichsam auch wieder geschlossen werden kann (neue Situation).

Durch das stetige Wiederholen der Greifreaktionen und das öffnen und schließen des Deckels, macht das Kind einen Entwicklungsschritt, in dem es die Mittel (Greifen + anheben/ziehen) an das Ziel, dem öffnen und wieder schließen des Deckels, anpasst. Dies wiederum bedeutet dass eine neue Beweglichkeit des Handelns entsteht und mit einer verbesserten Ausgangslage zur Anpassungen an die Gegebenheiten der Umwelt einhergehen. Solche Handlungen werden in etwa auch noch bis zum ca. 16. Lebensmonat beobachtet werden können, wenn auch bald in einer veränderten Form. Sicherlich werden sich die Kinder auch weiterhin noch auffällig auf sich selbst und ihre Handlungen zentriert mit Gegenständen beschäftigen, jedoch fangen sie sodann an zu Experimentieren; sie werden beispielsweise versuchen die Öffnung der Dose auch mit anderen Deckeln oder Form ähnlichen Gegenständen zu verschließen – sie beginnen auf verschiedenster Art und Weise zu variieren. Im Laufe der ersten Eineinhalb Jahre, lernen die Kinder sich von der Welt getrennt wahrzunehmen und sich als Person, als ein „Objekt“ im „Ganzen“ (die Welt/das Universum) zu sehen.

Kurz gesagt: Im Laufe der gesamten sensomotorischen Entwicklung treten Kreisprozesse auf, welche mit Hilfe des Dezentrierungsprozesses, den Egozentrismus Schritt für Schritt abzubauen erlauben, sodass dieser in etwa mit der Vollendung des sechsten Stadiums in der sensomotorischen Entwicklung teilweise abgebaut ist.

Das Gefühlsleben sprich die emotionale Entwicklung und die kognitive Entwicklung beeinflussen einander, so fördern positive Gefühle die kognitive Entwicklung, vor allem in der sensomotorischen Stufe wirkungsvoll, was unweigerlich bedeutet, das wir den Kindern eine Atmosphäre aus Geborgenheit, Wertschätzung, Liebe und Sicherheit in allen Bereichen bieten sollten. Sicherlich sollten Kinder nicht zu sehr behütet und von gänzlich allem negativen abgeschottet werden, denn auch negative Erlebnisse, wie beispielsweise Herausforderungen oder Auseinandersetzungen dienen der Entwicklung, andernfalls würde das Kind ein falsches Bild zur Realität entwickeln.

Ein gesunder Mittelweg aus negativen wie aber auch positiven Erlebnissen sind wünschenswert und für die Entwicklung am förderlichsten. So sollte zwar darauf geachtet werden, dass die positiven Erlebnisse überwiegen, da diese eine stabilisierende Wirkung auf die soziale, moralische und emotionale Entwicklung haben , jedoch sollten auch Möglichkeiten bestehen, welche den Kindern erlauben auch negative Erlebnisse durchlaufen zu können, da Kinder auch an Widerständen wachsen können.

Die Entwicklungsschritte in diesen Lebensmonaten zu begünstigen bzw. zu fördern, ist auch für Eltern kein Buch mit sieben Siegeln. Einige kleine inspirierende Anregungen für den familiären Alltag genügen um in Sachen Frühförderung „Experte“ zu sein.

Gestaltung des Kinderzimmers

Die kindlichen Räumlichkeiten sollten mit hellen, warmen aber kindgerechten Farben gestalten werden, so beispielsweise türkis, beige, blattgrün, himmelblau etc. neutrale Farben wie weiß oder schwarz sind der Entwicklung in diesen Lebensmonaten eher kontra gesetzt. Wandbilder dürfen gern natürlichen Ursprungs sein, wie Tiere, Bäume, Insekten, Häuser oder Landschaften in eben naturgemäßen Farben. Dies fördert die natürliche Neugierde der Kinder und lässt sie mittels ihrer Eigenaktivität entdecken. Da die Kinder viel Platz brauchen um sich entfalten zu können, sollten nicht zu viele Möbel den Raum einnehmen und zusätzlich an der Wand befestigt gesichert werden.Kinder neigen schnell dazu sich an Möbelstücken empor zu ziehen.

Fenster sollten eine Verriegelungsmontur besitzen, damit die Kinder (so sollten sie daran kommen) es nicht öffnen können und der Gefahr des Stürzens kein Raum gegeben wird. Der Blick durch die Fenster nach außen, sollte nicht versperrt oder durch Fensterbemalungen getrübt sein. Fern des Kinderzimmers, wäre es von Vorteil, wenn im Hauptraum des Hauses, in welchem sich der überwiegende familiäre Alltag abspielt Möglichkeiten befinden würden, welche den Kindern erlauben sich geborgen und Sicherheit verleihend zurückziehen und für sich sein zu können, aber dennoch den restlichen Raum (Alltag) und vor allem ihre Eltern oder Elternteile (Bezugspersonen) im Blickfeld behalten zu können. Dies könnte beispielsweise durch mit Teppichbrücken ausgelegte „Spielecken“, welche weiche Sitzgelegenheiten für die Kinder beinhalten und durch niedrige, an den Ecken abgerundete Regal ähnliche Raumteiler, welche den restlichen Raum abtrennen, realisiert werden. Fest integrierte und angebrachte Einrichtungsgegenstände die den Kindern Raum zum entdecken und erkunden ermöglichen sind der frühkindlichen Förderung zu empfehlen.

Das richtige Spielzeug

Bei der Anschaffung von Spielzeug, sollte darauf geachtet werden, dass sie die natürliche Neugier der Kinder anregen und ihnen ihre Assimilations und Akkommodationsbestrebungen erleichtern. Kinder in der sensomotorischen Phase benötigen viele verschiedene Objekte, allem voran Alltagsgegenstände wie beispielsweise Löffel, Kochtöpfe, Kartons, Dosen etc. oder Spielzeug mit verschiedenen Oberflächen – weich, hart, kratzig etc. - zur Sinnesschulung. Dies dient dazu, damit sie sich durch die Auseinandersetzung mit ihnen entwickeln und die Welt begreifen können!

Es sollte Spielzeug sein was den allgemeinen Sicherheitsvorschriften gerecht wird und sollte den Kindern sowohl positive Erlebnisse wie aber auch negative Erlebnisse in Form von Hindernissen bringen, da Kinder auch an Widerständen wie bereits angesprochen, wachsen und sich dadurch weiterentwickeln.

Eltern sollten verständnisvoll, ruhig, geduldig und liebevoll mit den kleinen umgehen und ihre Eltern sollten sich darüber bewusst sein, dass sie den Grundstein für das Gefühlsleben ihrer Kinder legen. Kinder die ihre Umgebung als kalt oder uninteressiert empfinden, können auch zu sich selbst keinen sonderlich positiven Weg finden. Daher ist es von essentieller Bedeutung den Kindern interessiert entgegenzugehen, ihnen das Gefühl von Wertschätzung, Liebe und Sicherheit, jedoch keinesfalls das Gefühl der Abweisung zu vermitteln. Aber auch hier gilt es, seine Kinder nicht all zu behütet und abgeschottet aufwachsen zu lassen, da sie eben auch an ihren Herausforderungen wachsen.

Grundsätzlich gibt es somit keinen akuten Anlass, bei kleineren Abweichungen der Entwicklung zu anderen, Besorgnis oder Ängste zu entwickeln. Der Entwicklung der Kinder in diesem Lebensalter, darf gern interessiert und mit Freude beigewohnt werden. Entwicklung hat eben seine Zeit!

Autor: Mark Krückels
Thema: Kindererziehung - Frühkindliche Entwicklungsphasen

Webseite: http://www.stark-vertraut.de

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