Wie lebendig eine Partnerschaft ist, zeigt sich an der Kommunikation der Partner.

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Aber was bedeutet eigentlich Kommunikation?

Der Begriff Kommunikation leitet sich ab vom lateinischen communicatio  und bedeutet Mitteilung. Wir teilen uns in der Tat stets einander mit, auch wenn wir stundenlang schweigend nebeneinander sitzen. Der Kommunikationswissenschaftler Paul Watzlawick hat fünf Grundregeln (Axiome) aufgestellt, die die menschliche Kommunikation beschreiben. Die erste und bekannteste Regel lautet:  "Man kann nicht nicht kommunizieren, denn jede Kommunikation (nicht nur mit Worten) ist Verhalten und genauso wie man sich nicht nicht verhalten kann, kann man nicht nicht kommunizieren."

Das klingt kompliziert, ist aber einfach. Sobald wir im Alltag zusammen kommen, reagieren wir aufeinander. Und zwar nicht nur auf sprachlicher Ebene, sondern vor allem auf nonverbaler Ebene (Mimik, Gestik, Körperhaltung) und in der Art und Weise, wie wir uns verhalten. Wie zufrieden ich in meiner Paarbeziehung bin, spiegelt sich also stets in meinem Verhalten, in meiner Körpersprache und in Tonfall und Wahl meiner Worte, die ich an mein Gegenüber richte - oder die ich im Fall einer Befangenheit oder eines Konflikts nicht aussprechen mag.

Denn wie gesagt: Auch wenn ich schweige, kommuniziere ich. Das ist ein Grund, wieso es nicht ausreicht, Ärger einfach  herunter zu schlucken. Mein Verhalten und meine Körpersprache werden meine emotionale Verletzung zum Ausdruck bringen, zum Beispiel indem ich mich provozierend verhalte oder mich abwende und den Blickkontakt meide.

Eben weil uns unsere Kommunikation wie ein Seismograf  meldet, wie es um unsere Partnerschaft steht und jede Missstimmung zuverlässig anzeigt, gehören Störungen der Kommunikation zu den häufigsten Problemen in Partnerschaften. Diese Störungen können einer akuten Situation geschuldet sein, aber auch einen chronischen Verlauf nehmen. In der akuten Situation - zum Beispiel direkt nach einem Streit, aus dem beide betroffen herausgehen - tun beide Seiten gut daran, eine Nacht über das Geschehene zu schlafen. Dann sollten sie sich wieder zusammen setzen. Vertrauen die Partner einander und schätzen sich, haben oft beide den Wunsch, einander möglichst bald wieder friedlich zu begegnen.

Schwieriger wird es, wenn die Kommunikation chronisch gestört ist. Das ist in der Regel dann der Fall, wenn Kränkungen, Missverständnisse und Vorwürfe nicht zeitnah geklärt werden können. Manche Kränkung sitzt derart tief, dass sie über Jahre nicht vergeben werden kann. Dann ist im Grunde jedes Miteinander auf einer tieferen Ebene von dieser Kränkung durchzogen. Zugleich sammeln sich um diese seelische Wunde auch alle Verletzungen, die an diese Kränkung rühren. Sie reihen sich auf wie Perlen auf einer Kette und können nicht mehr verziehen werden. Viele Paare trennen sich dann im Streit – ihre Beziehung ist zerrüttet.

 Möchten Paare zusammen bleiben, kann die Paartherapie helfen, verhärtete Fronten aufzuweichen sowie schädliche Kommunikationsmuster zu erkennen und abzulegen, damit   wirklich miteinander gesprochen werden kann. Denn oftmals ist genau das Gegenteil zu beobachten:  Paare verkeilen sich in Vorwurfs- und Rechtfertigungshaltungen. Einige streiten lautstark ums Rechthaben, andere flüchten sich in tagelanges, abstrafendes Schweigen oder beide Strategien wechseln einander ab. Der Kern des Problems bleibt in diesem Hin und Her allerdings unangetastet. Wirklich einander mitzuteilen bedeutet, sich dem anderen zu öffnen. Diese Prozesse brauchen ihre Zeit und die Bereitschaft beider Partner, einander wieder liebevoller zuzuwenden und sich eben nicht abzustrafen.

Kommen solche Paare in die Therapie, geht es erst einmal darum, einen sicheren Raum  zu schaffen und die Partner zu ermutigen, Worte für ihre jeweilige Befindlichkeit zu finden.  In diesem  Zusammenhang ist es wichtig, beiden Seiten mit Respekt zu begegnen. Denn genau das haben Paare ja oft über die Zeit verlernt. Die Therapeutin kann hier Modell sein, wie ein wertschätzender Umgang gelingen kann. Im besten Fall übernehmen Paare diese Haltung im weiteren Verlauf der Paartherapie und entspannen sich.

In diesem Prozess kann das Einüben vom Kommunikationsregeln hilfreiches Handwerkszeug sein. Das Befolgen dieser Regeln garantiert keine glückliche Partnerschaft. Kommunikationstrainings unter fachkundiger Anleitung bewähren sich aber stets, wenn es darum geht, eingefahrene Muster auszuhebeln und etwas Neues zu probieren. Schwierige und sperrige Themen können im schützenden Rahmen der Regeln ausgesprochen werden. Und auch das Zuhören fällt leichter, wenn ich meinem Gegenüber nicht mehr sofort ins Wort fallen muss, weil ich mich in meinem Selbstwert angegriffen fühle.

Die wesentlichen Regeln lassen sich auf ein überschaubares Maß zusammenfassen: Wenn mich etwas in der Partnerschaft stört, spreche ich in der Ich-Form, also ich habe ein Problem mit meiner Partnerin. Spreche ich in der Du-Form, steckt dahinter oft ein versteckter oder offener Vorwurf. Zugleich vermeide ich, mich meinem Gegenüber zu öffnen. Das ist auch der Grund, weshalb wir so gern auf Vorwürfe zurückgreifen: Mein Partner ist der Böse und hat sich zu ändern. Bleibe ich bei der Ich-Form, habe ich auf meinen Teil des Geschehens zu schauen und die Verantwortung dafür zu übernehmen. Es ist auch ratsam, nur die konkrete, als belastend empfundene Situation anzusprechen. Auch ist es für beide Seiten entlastend, nur das konkrete Verhalten der Partnerin anzusprechen und eben nicht alle Verfehlungen der letzten Jahre. Ebenso entlastend ist es, beim Thema zu bleiben.

Partner werfen einander oft vor, schuld daran zu sein, dass beide nur noch aneinander vorbei reden. Oder einem von beiden wird die Schuld zugeschoben, und der andere betrachtet sich als Opfer. Diesen Schuldgedanken zu folgen, ist sinnvoll, wenn  wirklich Leid zugefügt wurde, zum Beispiel im Fall eines massiven Vertrauensbruchs oder körperlicher Gewalt. Oft ist es aber eher so, dass beide Partner Opfer der Umstände sind.

Diese Umstände können vielgestaltig sein. Wir alle tragen das Erbe unserer Eltern in uns. Und die Art und Weise, wie wir in Partnerschaften kommunizieren, ist erlernt. Wir übernehmen oft die Muster naher Bezugspersonen unserer Kindheit. Gehen wir dann selber eine Partnerschaft ein, nehmen wir die hilfreichen Strategien ebenso mit wie die schädlichen. Sind wir mit liebevollen Bezugspersonen aufgewachsen, die uns in Vielem so sein lassen konnten wie wir sind, verfügen wir oft über eine größere innere Freiheit und gestehen dem anderen seine Grenzen ebenso zu wie wir auch unsere Grenzen achten – die Paarkommunikation ist in der Regel unbelasteter als bei Partnern, deren Selbstwert und Integrität fragiler sind.

Ein anderer Umstand, der die Kommunikationsfähigkeit von Paaren stets aufs Neue fordert, ist die simple Tatsache, dass unser Leben ein Fluss ist. Jede Lebensphase und damit auch jede Phase einer Beziehung birgt ihre eigenen Herausforderungen. Für jede neue Situation haben Partner eine neue Sprache, einen neuen Umgang zu finden: Sei es zum Beispiel, wenn die Partnerin schwer erkrankt. Sei es, wenn das erste Kind geboren wird und die Partner nun auch Eltern sein werden. Sei es, wenn das letzte Kind ausgezogen ist und beide Partner wieder mehr auf sich selbst geworfen sind. Sei es nach einem Vertrauensbruch oder wenn berufliche Veränderungen anstehen. Stets gilt es, im Gespräch zu bleiben. Zeichen lebendiger Kommunikation ist deshalb auch, den Faden nie ganz abreißen zu lassen.

Unsere Kommunikation – also Mimik, Gestik und Körperhaltung - wird weicher und zugewandter, wenn wir uns verstanden fühlen und wieder Vertrauen gewinnen. Fühle ich, dass meine Partnerin meine Haltung stehen lassen kann, brauche ich mich nicht mehr zu verteidigen und auch nicht mehr anzugreifen. Und umgekehrt genauso: Kann mein Partner meinen Standpunkt akzeptieren auch wenn er sich von seiner Sicht der Dinge unterscheidet, kann ich mich entspannen und beide Sichtweisen betrachten. Es wird friedlicher, Kummer kann heilen und neue Räume entstehen, die das Paar nutzen kann, einander wieder lebendiger, liebevoller und spontaner mitzuteilen. Auch hier, in der Wendung zum Guten, ist die Kommunikation Spiegel unserer Partnerschaft und Seismograf unserer Beziehung.

Autor: Nancy Nadja Sandmann, Heilpraktikerin für Psychotherapie & Paartherapeutin
Thema: Kommunikation - Spiegel der Partnerschaft
Webseite: https://www.sandmann-peine.de

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