Ratgeber Lifestyle

Der subjektive Blickwinkel auf die Welt.

Ja klar, wird so mancher vielleicht denken. Und ich auch. Ich sehe die Welt mit meinen Augen. Ich weiß, das wird allgemein als subjektiver Blick bezeichnet. Und ich weiß auch, dass das Gegenteil die Objektivität ist. Diese Ebene der Betrachtung dürfte wohl den meisten bekannt sein. Ich möchte in dieser rein subjektiven Betrachtung etwas tiefer unter die Oberfläche schauen. Genauer auf die Zusammenhänge und Wechselwirkungen, welche im Großen und Kleinen, im Einzelnen und Kollektiven eine wesentliche Rolle spielen. Dazu habe ich Fragen gesammelt. Ich habe Menschen aus meinem Umfeld einfach mal gefragt: Was interessiert dich besonders an dem Thema „subjektiver Blickwinkel auf die Welt“? Herausgekommen sind viele gute Fragen, die ich aufeinander aufbauend beantworten möchte. Und nicht vergessen: Das ist meine Sicht und nur ein Angebot! Übereinstimmungen sind genauso willkommen, wie kontroverse Haltungen.

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Was bedeutet der subjektive Blickwinkel eigentlich? Und wie entsteht er?

Dazu gibt es unterschiedliche Ansätze, Zuordnungen und Herangehensweisen. Ich möchte es vereinfacht so formulieren: Subjektivität impliziert ja per se etwas Eigenes. Etwas Eigenständiges. Auf uns Menschen bezogen etwas persönliches. Um einer Sache eine persönliche Note zu geben, brauche ich also eine Persönlichkeit. Diese entwickelt sich nach unserer Ankunft hier auf Erden mithilfe unserer Eltern und dem, mit den Jahren wachsenden Umfeld. Aus dem ursprünglichen Zustand der Nichtidentifikation, des reinen Ich-bin-Zustandes, entsteht ein Portfolio von Eigenschaften, Haltungen, Glaubenssätzen und Sichtweisen, welche ich mir selbst zuordne und von denen ich mehr oder weniger überzeugt bin. Das alles geschieht in dem Rahmen, den mir mein Umfeld zur Verfügung stellt. Und das ist ein wichtiger Prozess, denn sonst würden wir ohne Orientierung ziemlich unsicher aufwachsen. Die Fülle von Eindrücken, Gefahren und Möglichkeiten, würde uns einfach überfordern. Auf der anderen Seite schränkt uns das natürlich auch ein und der Blickwinkel ist erst einmal recht spitz.

Nebenbei: Das Wort „Person“ bedeutet salopp übersetzt so viel wie„über die Stimme zum Ausdruck gebracht“ Per = über, mittels, durch und Sono = Stimme, Laut, Ton. Das kann jeder, der mag, nochmal genauer nachschlagen.

So entsteht die, ich sag mal „erste Version“ unseres Blickes auf die Welt. Wobei das Wort Welt sich nur auf das Erfahrungsfeld bezieht, in dem wir leben. Mit der Welt im globalen, geschweige ganzheitlichen Sinn, hat das aus meiner Sicht noch nicht so viel zu tun. Was ja nicht mehr bedeutet, als dass es einfach noch viel zu entdecken gibt im Leben. Und es lässt auch schon erahnen, dass es sich um einen dynamischen Prozess handelt.

Gibt es einen objektiven Blickwinkel?

Das Wort „objektiv“ beschreibt die Perspektive auf etwas. Objektivität entsteht also vereinfacht gesagt dann, wenn ich eine Sache oder Situation umfassender, in einem größeren Zusammenhang, betrachte. Wie sagt der Volksmund: „… mit dem nötigen Abstand“? Ich denke allerdings, egal mit welchem Abstand ich auf etwas schaue und wie viel ich dadurch mehr erkennen kann, ändert nichts an der Tatsache, dass etwas oder jemand der beobachtende Aspekt in mir ist. Die Frage ist also berechtigt: Gibt es Objektivität wirklich?

Ich behaupte kühn JEIN. Es gibt sie bis zu einem gewissen Grad der Betrachtung, aber eigentlich auch wieder nicht. Sie kann maximal eine Einigung auf ähnliche Betrachtungsweisen beschreiben. So gesehen, gibt es keine reine Objektivität, denn auch die subjektiven Gemeinsamkeiten unterliegen den Schwankungen der individuellen Wahrnehmung.

Andererseits sind wir durchaus dazu in der Lage eine Art „Überblick“ zu haben. Hmm … Objektivität könnte vielleicht so etwas wie die „dynamische Sammelperspektive subjektiver Momentaufnahmen“ sein.

Die Begriffe „subjektiv“ und „objektiv“ sind ein weiteres Beispiel für die Dichotomie innerhalb der Polarität. Beides ist als zusammengehöriges Gegensatzpaar erfahrbar. Der Versuch, nur einen Aspekt näher zu untersuchen funktioniert bis zu einem gewissen Punkt. Ab da verschwimmen die Grenzen der Unterscheidungsmerkmale und wir dürfen feststellen: das Eine bedingt das Andere, sonst wäre es nicht möglich.

Wie weit geht Subjektivität? Ist intersubjektives Erleben möglich? Wenn ja, auf welcher Ebene?

Aus meiner Sicht gibt es keinen Punkt, an dem Subjektivität aufhören kann. Sie ist wie der Grashalm einer Wiese: ein wesentlicher Bestandteil der Objektivität. Und umgekehrt. Ohne die Grashalme gäbe es keine Wiese und ohne Wiese keine Grashalme.

Für ein Miteinander von Menschen gilt das genauso, auch wenn die Komplexität eine andere ist. Zusammenleben, egal in welcher Gruppengröße, braucht ein oder mehrere Gegenüber um Subjektivität überhaupt erfahren zu können.

Intersubjektivität entsteht innerhalb dieser, durch die Einigung auf bestimmte Betrachtungsweisen. Sie ist sozusagen ein Gruppendynamik, welche sich auf eine ähnliche Konditionierung oder gleiches Erfahrungsfeld zurückführen lässt.

Mich hat schon als Kind immer eine Frage beschäftigt: Warum heiß der Tisch „Tisch“? Wer hat das festgelegt? Warum kann er nicht anders heißen? Es war generell nicht so einfach, weil ich das meiste von dem, was ich erlebt habe infrage stellen konnte. In mir gab es eine Opposition zu bestehenden Strukturen, Regeln und eben auch Bezeichnungen. „Das ist eben so.“ – eine beliebte Antwort von Erwachsenen. Oder auch: „Frag doch nicht immer so komische Sachen.“ Naja, eins wurde für mich dadurch deutlich: die Freiheit in der Wahrnehmung eines Kindes, wird durch eine manifestierte Verallgemeinerung suk­zes­si­ve abtrainiert. Als Kind ist ein Stück Holz nicht nur ein Stück Holz. Es kann eine Rakete, ein Tiger oder ein Auto sein. Es spielt keine Rolle. Das Holz ist ein universeller Transporter der Imagination. Für die meisten Erwachsenen bleibt es ein Stück Holz. Und dieses Stück Holz könnte sinnbildlich für das intersubjektive Erleben stehen. Aus dem Meer der Möglichkeiten, wird ein Teich voll Fakten. Fakten, welche kaum noch infrage gestellt werden. Sie geben auf der einen Seite Sicherheit und Orientierung … und sperren auf der anderen Seite die Neugier, Offenheit und Toleranz ein. Die Balance dieser zwei Seiten ist durchaus eine große Herausforderung, denn das Leben und die Gesellschaft ist ein Spiel von Regel und Regellosigkeit. Aus Gefängnis und Freiheit. Aus lernen oder leiden.

Nehmen wir noch ein Fußballspiel als ganz einfaches Exempel. Jeder Spieler weiß, dass ein Spiel 90 Minuten dauert. Das der Ball ins gegnerische Tor muss. Und jeder weiß, dass es verschiedene Spielpositionen und Funktionen innerhalb der Mannschaft gibt. Torwart, Stürmer, Verteidigung und Mittelfeld – alle kennen die Rahmenbedingungen und Regeln … und ganz wichtig: sie sind sich darüber einig. Nur aufgrund dieser intersubjektiven Wahrnehmung funktioniert so ein Spiel. Trotzdem wird es für die Spieler und Fans nie langweilig, da kein Spiel genau wie das andere ist. Egal, wie viel Millionen Spiele noch folgen werden, jedes wird anders. Die intersubjektive Wahrnehmung gibt in dem Fall einen allgemeinen Erlebnisrahmen vor.

Welche Konflikte entstehen durch die subjektive Wahrnehmung?

Wie heißt es so schön: „Der Teufel steckt im Detail“? Übertragen auf dieses Thema bedeutet das, dass die subjektive Wahrnehmung auch ihre Schattenseiten hat. Zu Beginn habe ich kurz beschrieben, dass der subjektive Blickwinkel die Summe der persönlichen Erfahrungen, Glaubenssätze und Prägungen ist. Diese Summe ist mit den Jahren zu einem stattlichen Weltbild herangewachsen.

Nun ist z. B. ein möglicher Konflikt, welcher daraus entstehen kann, die Annahme, dass alle anderen dieses Bild genauso erleben, fühlen oder wahrnehmen. Gerade so, als würde im Louvre nur ein Bild hängen. Aber genau so zeigt sich der Konflikt oft im Alltag. Wie oft war ich überzeugt von der Allgemeingültigkeit meiner Perspektiven, und wie schnell habe ich dadurch vergessen, dass es bei anderen völlig anders aussehen kann? Sicher, es gibt auch hier verallgemeinerte Einigungen – ich meine aber nicht die Oberfläche, nicht den Louvre an sich, sondern die zahlreichen Gemälde, die in ihm gezeigt werden. Und so passiert es leicht, dass es zu Missverständnissen kommt. Aus diesem generieren sich sehr schnell Vorwürfe; eine der beliebten Wege vom Ego um Recht zu bekommen. Wenn ein Mensch nicht offen ist, wird er Recht haben wollen. Aber das ist ein Thema für sich und hier nur ganz allgemein formuliert.

Ob dich das auch in ähnlicher Form betrifft, kannst du gern mal in einem Experiment überprüfen. Reflektiere bei deinem nächsten Gespräch, in welchem es zu unangenehmen Gefühlen in dir kommt: Stimmt das Gesagte mit dem überein, was dein Gegenüber ausgesprochen hat? Oder wird es „übersetzt“ in deine Version der Aussage? Wenn es durch bestimmte Filter in dir umgewandelt oder verzerrt wird, entsteht oft ein Poblem. Das ist natürlich abhängig davon, wie es übersetzt wird. Passt es in dein Weltbild? Passt es nicht? Welche Haltung habe ich dazu? Nehme ich Veränderungen meiner Gefühle wahr? Werde ich wütend, traurig o.ä.?

Sobald eine emotionale Überreaktion beobachtbar wird, ist es sehr wahrscheinlich, dass deine Filter eine Aussage so übersetzt haben, dass du an deine negativen Gefühle gelangst um bestimmte Erfahrungen zu machen. Das geschieht mehr oder weniger bewusst. Ich habe bei mir sehr häufig große Unterschiede festgestellt. Wie oft habe ich Vorwürfe und Angriffe „gehört“ und alles persönlich genommen? Irgendwann kam der Tag, an dem ich mal ausgesprochen habe, zum einen, was ich gehört habe und zum anderen, welche Übersetzung mein Ego mir angeboten hat. Wahnsinn. Es lohnt sich wirklich nachzufragen. Habe ich richtig verstanden, dass …? War es deine Absicht, dass …? etc. pp. Natürlich spielen noch weitere Faktoren eine Rolle, aber zur Veranschaulichung soll das an dieser Stelle ausreichen.

Wie stark beeinflusst mein Blickwinkel andere?

Ich würde die Frage etwas umformulieren: Wie bewusst nehme ich den wechselseitigen Einfluss auf mich und andere wahr? Ich sehe es so, dass per se alles miteinander wechselwirkt. Auch hier tut der Volksmund Wahrheit kund, indem er z.B. sagt: „Das Umfeld formt den Menschen.“

Ich denke, dass können die meisten aus ihrer Erfahrung bestätigen. Wie am Anfang erwähnt, prägt uns auf unserem Weg das meiste aus dem Umfeld – unabhängig davon, ob wir das hilfreich finden oder nicht. Der Einfluss meiner Eltern ist einfach nicht zu leugnen. Genauso wie der meiner Lehrer und Freunde. Und so gibt es noch viele weitere Menschen, die uns beeinflussen. Die Großeltern, die Lieblingsbands, der Chef, die Kollegen oder auch ganz spontane Begegnungen. Niemand ist zufällig in unserem Leben. Den Zufall gibt es für mich nicht. Nur das Unbewusstsein über die Zusammenhänge. Mithilfe des Zufalls lässt sich leicht Verantwortung abgeben, in dem man z. B. denkt, dass man selbst nichts zu einer Situation beigetragen hat oder einfach nichts damit zu tun hat.

Also, die Antwort aus meiner Sicht: Mein Blickwinkel beeinflusst andere immer dann, wenn sie offen dafür sind und umgekehrt.

In den ersten Jahren brauchen wir die Orientierung und hinterfragen nichts, um heranwachsen und überleben zu können. Ein Baby oder Kleinkind wird wohl kaum in Opposition gehen, wenn es leben möchte. Der Einfluss ist sehr stark und ungefiltert. Mit wachsender Bewusstheit beginnt die Selektion und Unterscheidung zwischen „nützlich“ und „überflüssig“. Ab diesem Punkt wächst der bisherige Blickwinkel über sich hinaus. Er beginnt, zusätzlich zum Konditionierten, weitere Aspekte zu integrieren oder auch abzulehnen. Der wechselseitige Einfluss bleibt aber potentiell bestehen, da alles miteinander in Resonanz steht.

Sehen andere Menschen die Welt wie ich?

Ich sehe es so: aus einer verallgemeinerten kollektiven Perspektive, gleichen sich die subjektiven Ansichten. Sonst wäre es noch komplizierter als es schon ist. Jedoch gibt es aus der individuellen Perspektive zusätzliche Einflüsse. Das sind z. B. Aspekte wie Gefühle, Interpretationen oder Glaubenssätze. Würde man in jeden Menschen weiter hineinzoomen, gäbe es zunehmend Unterschiede in der Wahrnehmung. An der Oberfläche mag alles gleich aussehen oder ähnlich empfunden werden, aber darunter sind die individuellen Formen zunehmend. Damit ein Zusammenleben, eine Gesellschaft möglich werden, gibt es einen gewissen Spielraum mit einer Akzeptanz- und Toleranzgrenze. Das können z. B. Gesetze, Vereine, Parteien oder Traditionen sein.

Wie gehen andere mit der Subjektivität um?

Das ist eine gute Frage. Welche Auswirkungen Subjektivität haben kann, sehen wir an unserer Welt. Neben globalen Konflikten, gibt es unzählige Herausforderungen im Alltag. Natürlich kann dieser ebenso schön, witzig und voller Lebensfreude sein. Subjektivität wird aus meiner Sicht immer dann zum Problem, wenn sie sich selbst verlässt. Will heißen, wenn ich meine Wahrheit allgemeingültig mache und andere Perspektiven verurteile oder hierarchisch ordne. Daraus resultieren die großen und kleinen Konflikte. Die Quelle ist die Subjektivität bzw. der Umgang mit ihr. Sie trägt per se die Tendenz zur Polarisierung in sich, was für sich gesehen noch gar kein Problem ist. Unsere Welt ist nun einmal polar aufgebaut und erhält sich durch ihre Gegensätze. Wir sind als Menschen gezwungen, uns im Dschungel der Gegensätze zurechtzufinden. So wachsen wir auf. Wir lernen über die Jahre und abhängig von unserem Umfeld, was für uns gut oder schlecht ist, was wir akzeptieren oder ablehnen, lieben oder hassen.

Nehmen wir als Beispiel die Begriffe „Freund“ und „Feind“. Als Freunde bezeichnen wir in der Regel Menschen, die uns mit unseren ganz individuellen Sichtweisen (auch Macken genannt) annehmen. Wir können sein, wie wir wollen und eine wirkliche Freundschaft hält durch alle Höhen und Tiefen im Leben – unabhängig von der Häufigkeit des Kontaktes. Das polare Gegenstück dazu nennen wir Feind. In ihm sehen wir die ganzen Dinge, welche so gar nicht in unser Weltbild passen. Der sogenannte Feind ist aus anderer Sicht aber nur der Botschafter unserer eigenen Schattenseiten. Das kann unterschiedlichste Ursachen haben, wie z. B. Erziehung, Dogmen, Religionen oder sehr markante Erfahrungen. Im Freund hingegen sehen wir unsere akzeptierten Eigenschaften, Werte, die wir leben wollen, uns Sinn geben oder die wir einfach als positiv wahrnehmen.

Alles steht und fällt mit den Graden der Polarisierung unserer Perspektiven. Jeder darf und wird seine eigene Sicht auf die Welt haben. Jedoch sollte sie aus meiner Sicht nie zur Einseitigkeit wachsen. Je extremer die Haltungen, desto stärker das Konfliktpotential. Die nächstbewusstere Haltung bezeichnen wir als Neutralität. Das hat aber nichts mit Gleichgültigkeit zu tun. Vielmehr damit, das sich in ihr die beiden Gegensätze durch Verstehen vereinen. Dazu in der nächsten Antwort mehr. 

Wer ist das wahrnehmende Subjekt?

Das ist meine persönliche Lieblingsfrage gewesen. Sie birgt in sich den fehlenden Aspekt, um Subjektivität verstehen und Polarität überwinden zu können. Denn in all den Geschichten, die aus der Subjektive entstehen, gibt es eine Brücke zur Ganzheit. Eine wunderbare Instanz. Dazu braucht es diese Fragestellung: Wer ist das eigentlich, der die ganzen Erfahrungen macht, diese ganzen Gefühle wahrnimmt und sich über die Ereignisse mehr oder weniger bewusst ist?

Damit etwas einen Gegensatz haben kann, braucht es eine Teilung oder Trennung von etwas. Ein Gegensatzpaar ist im Ursprung also ein Ganzes, eine Einheit. So wie Tag und Nacht, Freude und Leid oder Armut und Reichtum erfahrbare Gegensatzpaare sind. Beides bedingt einander und wäre allein für sich nicht vollständig. Unsere ganze Welt ist polar aufgebaut und wir bewegen uns ständig in den Poläritäten.

Dem übergeordnet ist die beobachtende Instanz in uns. Das eigentlich wahrnehmende Subjekt. Dieses kennen wir alle, aber neigen im Alltag dazu, dies zu vergessen. Für diejenigen, die keine Idee haben, wovon ich rede, möchte ich eine Brücke bauen. Mein Lieblingsbeispiel dazu ist unser Geburtstag. Neben der Zahl, die unseren Aufenthalt hier in Raum und Zeit erfasst, gibt es etwas in uns, was wir vorzugsweise an unserem Geburtstag wahrnehmen. Das eine ist die Zahl. Das was ich meine, ist ein Gefühl. Das Gefühl, eigentlich gar nicht genau bestimmen zu können, wie alt wir uns fühlen. Je älter wir werden, umso deutlicher wird dieses. Ich bin 42. Schön. Aber etwas in mir fühlt sich eben nicht nur wie 42, sondern auch wie 18, 64 oder auch wie 27. Und dieser unbestimmbare Teil fühlt sich irgendwie ewig an. Immer gleich und unabhängig von irgendeiner Alterszuordnung. Das ist eine Brücke um wahrzunehmen, was wir wirklich sind. Das, was ich als Seele bezeichne. Wir als Seele sind allerdings noch weitaus mehr, aber das würde den Rahmen hier sprengen. Als Umschreibung zu dem, was das wahrnehmende Subjekt ist, soll das reichen.

Wenn unsere Welt polar aufgebaut ist, muss es auch einen nonpolaren Zustand geben. In ihm vereinen sich die Gegensätze und heben sich quasi auf. Das bedeutet nicht, dass sie weg sind oder verschwinden. Obwohl das aus anderer Sicht auch so sein kann. Es bedeutet eher, dass dem Beobachter die Zusammenhänge der Erfahrungen bewusster sind oder werden. Das ist für unseren Verstand allerdings schwer nachvollziehbar, weil dieser Zustand nicht wie er selbst, in der Polarität beheimatet ist.

Das weltliche Dilemma der Subjektivität ist die Identifikation mit unseren Erfahrungen. Die meisten Menschen leben in dem Bewusstsein, dass sie das alles sind, was sie als ihre Persönlichkeit bezeichnen. Das ganze Selbstbild, welches sich ja nachvollziehbar auf unserem Lebensweg entwickelt, ist aber genau genommen nicht mehr als eine Idee, ein Konzept von uns selbst. Ein sehr dynamisches Konzept von Eigenschaften, die wir uns zuordnen. Es ist ein bunter Strauß von Möglichkeiten, wie etwas sein kann bzw. etwas gesehen werden kann.

Das, was unsere subjektive Wahrnehmung erfahrbar macht, sind wir als Seele. Körper, Geist und Seele – diese Einheit kennen sicher die meisten. Der Fokus liegt allerdings zum größten Teil auf unserem Körper und Geist. Die Betrachtung der Welt mit ihren Ereignissen und Erfahrungen auf seelischer Ebene, hat den ergänzenden Vorteil, dass eine wertfreie, liebevolle und wohlwollende Haltung möglich wird. Damit einher geht ein wachsendes Bewusstsein und ein hohes Maß an Selbstverantwortung. Wachsendes Bewusstsein lässt uns die Dinge besser und tiefer verstehen und realisieren. Wachsende Selbstverantwortung nimmt die Projektionen von unseren „Feinden“ und lässt uns unsere Anteile in und an den Erfahrungen erkennen und annehmen, also unsere Schattenseiten transformieren.

Was hier so komprimiert beschrieben ist, hätte in der Summe enormen Einfluss auf alles. Die Art der Kommunikation, der Konfliktbewältigung und das ganze zwischenmenschliche Miteinander. Ist das nicht mehr als erstrebenswert?

Autor: Andreas Eck
Thema: Subjektive Wahrnehmung
Webseite: https://www.blickrichter.com



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