Vor ein paar Jahren hat es mich von heute auf morgen an meinem Arbeitsplatz umgehauen, ein Burnout, verbunden mit einer Depression und starken Ängsten. Plötzlich stand ich da und erkannte mich nicht wieder, konnte meine Symptome nicht einschätzen, wusste nicht, wie es weiter gehen soll. Ich war von klein auf voller Power und empfand mich als sehr stark, habe meine Ziele immer erreicht und wurde im Job immer sehr gut beurteilt. Doch plötzlich, mit Anfang 30, fing ich an zu schwächeln. Ich befand mich in einer sehr schwierigen Jobposition, die mich als Mensch und Mitarbeiter in Frage stellte. Mein Nervenkostüm war angegriffen. Ich war viel sensibler als je zuvor – Hypersensibel?

meike nolde

Hochsensibilität (auch: Hochsensitivität, Hypersensibilität oder Überempfindlichkeit genannt) ist ein Phänomen, bei dem Betroffene stärker als der Durchschnitt auf Reize reagieren, diese viel eingehender wahrnehmen und verarbeiten. Quelle: Wikipedia

Jeder Mensch bekommt ein starkes oder weniger starkes Nervenkostüm in die Wiege gelegt. Bei dem einen Menschen ist es sehr ausgeprägt bei dem anderen Menschen weniger. Unsere Erziehung und unsere eigenen Erfahrungen tragen dazu bei, ob wir unser starkes Nervenkostüm halten können oder ob es durch schwierige Situationen und mit den Jahren einen Knacks bekommt.

Hypersensibel zu sein bedeutet nicht krank zu sein! Wenn wir allerdings durch die zahlreichen Symptome wie z. B. Alpträume, verstärkte Wahrnehmung von Gerüchen, Hyperakusis, stärkeres Hitze-/Kältempfinden, Überreaktion auf Kaffee, starke Lichtempfindlichkeit, Überreaktion in der Kommunikation mit Menschen, Schwindel, Unruhe und Erschöpfung unseren Tagesablauf nicht mehr schaffen, wir uns isolieren und den Kontakt zur Außenwelt abbrechen, sollten wir uns Hilfe suchen. Am besten schon, wenn Symptome regelmäßig auftreten und sich gar verstärken. Das Leben mit der Hypersensibilität ist nicht immer einfach und oftmals auch mit Schmerzen verbunden.

In meinen Augen ist Hypersensibilität eine Gabe, die einen Menschen besonders macht. Wir nehmen Reize unserer Umwelt viel intensiver wahr, sind offener für Empfindungen, haben mehr Empathie für andere Menschen und können uns in Prozesse und Situationen besser reindenken und reinfühlen. Mit dieser Gabe sind wir anderen Menschen voraus. Allzu oft werden wir in unserer Gesellschaft leider als nicht belastbar oder zu sensibel abgestempelt.

Was können wir tun, wenn wir Hypersensibel sind bzw. im Laufe der Jahre, durch schwierige Situationen oder durch Krankheiten viel sensibler werden?

Ich halte es für sehr wichtig und kann es aus eigener Erfahrung bestätigen, den Kontakt zur Außenwelt und zu Menschen zu bewahren, sich nicht zu isolieren und sportlichen Aktivitäten an der frischen Luft nach zu gehen, aber auch Pausen einzulegen, wenn es der Körper und Geist verlangt. Auch, wenn es manchmal weh tut, ist es m. E. sehr förderlich immer wieder in unangenehme Situationen rein zu gehen und zu versuchen uns dort aufzuhalten bis es sich wieder normal und angenehm anfühlt. Natürlich sollte ich mich nur da aufhalten, wo ich mich auch gerne aufhalten möchte und mit Menschen, die mir gut tun. Dabei dürfen wir uns nicht unter Druck setzen, so, wie wir es am besten aushalten können. Wenn es heute nicht klappt, dann morgen. Wir benötigen Ausdauer, Ruhe und Geduld. Affirmationen wie „Ich kann es schaffen“ – „Wenn ich es heute nicht schaffe, dann schaffe ich es morgen“ können hier sehr hilfreich sein.

Neulich lass ich in einem schönen Artikel, wie heilend sich die Natur und der Wald auf Menschen auswirkt. Wir können uns dort eine Auszeit von der Reizüberflutung gönnen - durch einen schönen Spaziergang, walken, joggen, mit dem Rad fahren oder einfach nur die Seele baumeln lassen. Wir atmen frische Luft ein, können die Naturgeräusche und Stille auf uns wirken lassen und entspannen. Ab und an baue eine Achtsamkeitsübung beim Spazieren gehen mit ein – ich konzentriere mich nur auf mein Gehen, ein Schritt nach dem anderen und atme ganz tief ein und wieder aus. Danach fühle ich mich frei und unbelastet.

Ich habe für mich die Erfahrung gemacht, das mein Nervenkostüm durch regelmäßiges Sportprogramm - Ausdauertraining, Zeit verbringen mit meiner Familie, lieben Menschen, meinen Tieren, die Natur, Entspannungstraining, Aufgaben und Zielen, die für mich richtigen Berater und Therapeuten und durch Auszeiten, gestärkt wurde und wird.

An wen kann ich mich wenden, wenn ich merke, dass mir alles zu viel ist, meine Belastbarkeit abnimmt, ich viel sensibler bin oder reagiere?

Um nur ein paar Anlaufstellen zu nennen: Hausarzt, Neurologe, Psychologe, Heilpraktiker, Heilpraktiker für Psychotherapie, Fachberater, Fachforen z. B. bei Facebook, Ernährungsberater, Massagen, Fitnessstudio. Entscheidet für Euch selbst, welche/r Berater/Institution/Therapeut zu Euch passt und mit wem ihr gerne zusammen arbeiten möchtet. Vor allem „learning by doing“. Traut Euch, probiert neues aus, Themen, die Euch interessieren, glücklich machen und gesund halten.

Aus meiner Krankheit habe ich neue Energien und Stärke gewinnen können. Ich gehe wieder nach vorne, bin offener und kommunikativer geworden. Aus diesem Grund helfe ich heute anderen Menschen bei Burnout-Problemen, Ängsten- und Paniken, im Kommunikationsverhalten und beim Stressabbau.

„Es gibt immer einen Weg raus - nach vorne. Auf geht’s.“

Autor: Meike Nolde
Thema: Hypersensibilität

Webseite: http://www.burn-out-beratung-mn.de

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