Das Thema Work-Life-Balance ist heutzutage ja in aller Munde – aber nehmen wir den Begriff doch erst einmal auseinander: Arbeits-Lebens-Balance – wir brauchen also eine Balance zwischen unserer Arbeit und unserem Leben. Steckt nicht schon hier der Fehler? Ist unsere Arbeitszeit nicht ebenso Lebenszeit?? Leben wir nicht auch, wenn wir arbeiten???

ei gabeln balance

Gewiss tun wir das – die Frage ist nur, wie…

In einer Zeit, in der Hektik, Zeit- und Leistungsdruck stetig steigen, ist es für viele Menschen eine der größten Herausforderungen, den hohen Anforderungen unserer Gesellschaft und nebenbei auch noch unserer Familie, unseren Freunden und vielleicht sogar uns selbst gerecht zu werden - ohne dabei Raubbau an der eigenen Gesundheit zu betreiben. Wer diesen Balance-Akt nicht, oder nur unter größten Anstrengungen schafft, gehört nicht dazu in unserer modernen Leistungsgesellschaft. (Versagens-)ängste und Schwächen werden nicht nur nicht gezeigt, sondern meist sogar aus Angst um den Arbeitsplatz unterdrückt.

Arbeiten bis zum Umfallen lautet die Devise!

Der Weg von der Anforderung zur Überforderung – vom „Brennen“ zum „Ausbrennen“ - ist schleichend. Ein gewisses Maß an „Stress“ ist ja sogar lebensnotwendig, denn es setzt ungeahnte Kräfte und Energien frei.

Wie schon Paracelsus sagte: „Die Dosis macht das Gift!“

Jedoch muss die Balance zwischen Anspannung und Entspannung stimmen, sonst laufen die Akkus leer und unsere Gesundheit ist in Gefahr. Das Risiko, in die Erschöpfungsspirale zu geraten, ist dabei umso größer, je weniger Ressourcen zum (Druck-)Ausgleich vorhanden sind.

Wir brauchen keine Work-Life-Balance, sondern eine Life-Balance!

Es geht im Grunde nicht darum, eine Balance zwischen unserer Arbeit und unserem Leben herzustellen – es geht darum, unser Leben in Balance zu bekommen!

Und hier noch ein paar Tipps, wie du die begrenzte Ressource Zeit, die für alle Menschen gleich ist, so optimal planen und nutzen kannst, dass du deine Lebensbalance leichter erreichen und halten kannst:

1. Prioritäten setzen

Wir sind an einem Wochenende zu 4 Partys eingeladen, möchten gerne noch zum Sport, der Garten und die Wohnung müssten auch gemacht werden und der Besuch bei den Eltern ist ebenfalls längst überfällig. Irgendwie kriegen wir das sogar alles hin, fragt sich bloß, zu welchem Preis?

Auf jeder Party bleiben wir nur eine ½ Stunde, weil wir ja schon auf dem Sprung zur nächsten sind, den Sport können wir nicht genießen, da wir das schlechte Gewissen (weil wir ja noch so viel zu tun haben) und den Zeitdruck im Nacken haben. Und der Besuch der Eltern fühlt sich wie eine Pflichtveranstaltung an, die wir absolvieren müssen. Bei keiner dieser Aktivitäten sind wir wirklich voll und mit ganzem Herzen dabei.

Weniger ist oft mehr!

Nur weil wir viele Optionen haben, bedeutet dies noch lange nicht, dass uns das alles auch gut tut. Wäre es da nicht sinnvoller, uns zu fragen „Was will ich eigentlich wirklich?“. Und sich dann ganz bewusst für eine Party zu entscheiden, hier eine schöne, entspannte Zeit mit Freunden zu verbringen und diese in vollen Zügen zu genießen? Uns einmal zu überlegen, für wie viele unnütze Dinge wir Geld ausgeben und ob wir dieses Geld nicht wesentlich sinnvoller in eine Putzhilfe investieren könnten? Prioritäten setzen bedeutet, sich ganz bewusst für etwas zu entscheiden und bei anderen Optionen auch mal Nein zu sagen, zu verzichten oder sie zu delegieren.

Auch das Pareto-Prinzip, die sogenannte 80:20-Regel, kann uns hierbei helfen:

Nicht jede unserer Aufgaben erfordert eine 100%-Lösung!

Laut Vilfredo Pareto, einem italienischen Wirtschaftsökonomen, erledigen wir 80 % unserer wirklich wichtigen Aufgaben in 20 % unserer Zeit. Wenn wir uns gelegentlich mal die Frage stellen, ob 80 % eventuell auch einmal ausreichen könnten, hätten wir noch viel Zeit für unsere weiteren Aufgaben zur Verfügung.

Dadurch gewinnen wir sehr viel wertvolle Lebenszeit, die wir unseren anderen Lebensbereichen widmen können und verringern nebenbei auch noch unseren meist selbstauferlegten Stress.

2. Was tut mir JETZT gut?

Die Wege, unsere Akkus aufzuladen, sind sehr unterschiedlich und individuell – was dem einen gut tut, kann für den anderen purer Stress sein. Ich kenne z. B. viele Frauen, für die Shopping eine absolute Entspannung und Erholung ist – für mich ist das purer Stress. Wir brauchen auch nicht in jeder Situation dieselbe Entspannungsmethode – nach einem langen Bürotag mit überwiegend sitzender Tätigkeit tut mir am Abend vielleicht etwas Bewegung an der frischen Luft gut. Wenn ich aber den ganzen Tag in der Firma von Pontius zu Pilatus gelaufen bin, ist abends mit einem guten Buch auf der Couch relaxen, ein Saunabesuch oder eine schöne Meditation zum Ausgleich genau das Richtige.

Je mehr Coping-Strategien (Bewältigungs-Strategien) wir für uns entwickeln, desto größer ist unsere Auswahl und umso leichter finden wir in der jeweiligen Situation die für uns gerade passende. Das Wichtigste hierbei ist allerdings, es auch zu tun ;-)

3. Selbstreflexion

Bevor wir in der Midlife-Crisis oder gar im Burn-out landen, macht es Sinn, sich zwischendurch mal zu orientieren und zu fragen, wo stehe ich eigentlich gerade? Bin ich noch auf meinem Weg oder läuft hier gerade mächtig etwas aus dem Ruder? Hierzu ein paar Orientierungsfragen:

Was gefällt mir an meinem jetzigen Leben? Was läuft gut?

Nicht alles in unserem Leben läuft schlecht. Wenn wir unseren Fokus etwas mehr auf die positiven Dinge in unserem Leben richten, werden wir feststellen, dass wir jeden Tag kleine Glücksmomente erleben. Ein Glückstagebuch, in dem wir jeden Abend drei Dinge notieren, die an diesem Tag gut waren, hilft uns, diese kleinen Glücksmomente bewusster zu erleben und ist eine wunderbare Ressource für Tage, an denen wir uns einmal nicht so gut fühlen und glauben, die ganze Welt sei schlecht. Darüber hinaus fördert es langfristig unsere Zufriedenheit, Gelassenheit und Dankbarkeit.

Was läuft nicht so gut in meinem Leben?

Wenn ich jeden Morgen mit Widerwillen zur Arbeit gehe, ich keinen Sinn in meiner Tätigkeit sehe, keine Freude einschießt, etc. dann sollte ich mir vielleicht einmal überlegen, ob das der richtige Job für mich ist. Womit würde ich lieber meinen Lebensunterhalt verdienen? Wie passen meine aktuellen Fähigkeiten und Qualifikationen zu diesem Berufsbild? Was brauche ich noch für diesen Job und wie kann ich diese Voraussetzungen erfüllen? Und dann die notwendigen Schritte einleiten: evtl. eine Fortbildung besuchen, Kontakte knüpfen, mich bewerben, etc.

Wenn mir der Schritt des Jobwechsels zu groß ist, könnte ich mich fragen: Was kann ich konkret tun, damit mir meine Arbeit mehr Freude bereitet? Vielleicht mal mit dem Chef über eine Veränderung meines Aufgabengebietes sprechen? Schwelende Konflikte ansprechen und lösen? Vielleicht meine Einstellung zu meinem Job verändern? Stress hängt in erster Linie von unserer subjektiven Bewertung der Situation ab – und diese kann man verändern - Eines meiner Lieblings-Mottos hierzu:

Take it – change it – or leave it!

Wenn mir etwas nicht gefällt, wie es ist, so versuche ich, die Situation zu verändern. Geht dies aus irgendwelchen Gründen nicht, habe ich die Möglichkeit, die Situation zu verlassen. Und wenn ich dies – aus welchen Gründen auch immer – nicht will, dann lerne ich, es anzunehmen, so wie es ist. Damit ist nicht gemeint, es einfach nur hinzunehmen und zu erdulden, sondern durch eine Änderung meiner Einstellung zur Situation mein Leiden zu beenden.

Ich wünsche dir eine gute Balance in deinem Leben!

Herzlichst Claudia Bode

Autor: Claudia Bode
Thema: Work-Life-Balance

Webseite: http://www.clauduceus.de

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