Veränderungen in den Wechseljahren

Wechseljahre bedeuten seelische und körperliche Wandlung, durch die sich unsere Lebensenergie, unser Bewusstsein, unsere Sexualität und Gesundheit verändern oder neu gestalten. Nachdem wir viel geschafft haben im Leben, können wir auf einen reichen Schatz von Lebenserfahrung zurückblicken und sind doch jung genug, Lebensveränderungen anzugehen. 

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Wechseljahre; das kann das Einschlagen neuer Lebenswege bedeuten oder unser jetziges Leben wird mit einer neuen Intensität weitergelebt. Manchmal bleibt auch alles wie es ist. Ich beobachte häufig, dass Menschen während der Wechseljahre in einer idealen Phase der Veränderung angekommen sind. Eine Veränderung, die tief in uns selbst geschieht, in der wir uns selbst neu begegnen oder Sinnfragen zuwenden.

Sicher spielen sowohl bei Frauen als auch bei Männern hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren eine Rolle. Häufig ändert sich auch etwas in unserem äußeren Umfeld: die Kinder sind herangewachsen oder bereits erwachsen; unsere Eltern werden pflegebedürftig oder sterben und wir müssen uns mit diesem Verlust auseinandersetzen. Manchmal steht ein Berufswechsel an oder der Wiedereinstieg ins Berufsleben. Die Bedeutung von Gesundheit, materiellen Werten und auch der Sexualität nehmen einen anderen Stellenwert ein.

Aber nicht nur Hormone prägen uns, sind für all diese Veränderungen in den Wechseljahren verantwortlich. Wir sind vor allem geprägt durch die Summe unserer Lebenserfahrungen, dazu gehören unsere Kindheitserfahrungen, unsere Beziehungen zu anderen, unsere Hobbies, unser Job, ob wir Eltern geworden sind, Hausfrau/Hausmann waren oder uns vor allem auf unsere Karriere konzentriert haben.

Wechseljahre beginnen im Gehirn

Den meisten Menschen ist bekannt, dass Glückshormone wie Serotonin oder das Bindungshormon Oxytocin unser Fühlen und Handeln beeinflussen. Weniger bekannt ist, dass unser Denken, Fühlen, Handeln und indirekt sogar die Summe all unserer Lebenserfahrung auf die Bildung von Hormonen und Enzymen Einfluss haben. Placebo-Medikamente sind ein Beispiel dafür, dass allein die Annahme, ein heilendes Mittel einzunehmen, unsere Gesundheit positiv beeinflussen kann. Die Selbstregulierung (auch Selbstheilung genannt) des Körpers kann also allein durch Placebos ausgelöst werden. Genauso kann es in den Wechseljahren sein, wenn unser Hormonstatus sich verändert. Denn nicht nur die Gedanken entstehen im Kopf, auch die komplexen Hormonkreisläufe beginnen hier.

Hormone haben bestimmte Auswirkungen auf uns, die von Wissenschaftlern nachgewiesen wurden. Eine Veränderung in den Wechseljahren kann daher nicht folgenlos verlaufen, denn anders als ein Mangel an Spurenelementen oder Vitaminen, die wir nur über die Nahrung aufnehmen, werden die Hormone in unserem Körper gebildet. Komplizierte Regulierungskreisläufe spielen dabei eine Rolle. Auch diese sind wissenschaftlich nachgewiesen.

Hormone, auch Botenstoffe genannt, haben in unserem Körper die Aufgabe der Signalübertragung bzw. der chemischen Kommunikation zwischen den Zellen.  All das geschieht in 100stel Sekunden und völlig unbewusst.  Wir können diese Vorgänge in der Regel nur bedingt über unsere Gedanken beeinflussen.

Wechseljahre betreffen Frauen und Männer

Wechseljahre sind nicht nur Frauensache. Auch bei den Männern gibt es hormonelle Veränderungen in den Wechseljahren. Bei  Männer stellen sich diese meist im Alter von 55 bis 65 Jahren ein. Der Verlauf ist ein anderer als bei Frauen, nur wenige Männer haben z.B. Hitzewallungen. Aber die Sinnfrage und ein Wechsel zu anderen Interessen ist oft auch bei Männern zu finden.

Wechseljahre am Beispiel weiblicher Hormone

Frauen trifft es manchmal heftig. Familiäre Dispositionen spielen eine Rolle, häufiger jedoch haben Lebensweise, Ernährung und unsere Gedanken und Gefühle Einfluss auf den Verlauf.

weiblicher zyklusBild 1 „Weiblicher Zyklus“   ®Airam, airam-art.de 

Die Grafik zeigt das Zusammenspiel der wichtigsten am weiblichen Zyklus beteiligten Hormone. In den Wechseljahren verändern sich diese Kurven. Entscheidenden Einfluss auf das Wohlbefinden haben Östrogenen (rot) und Progesteron (blau). Die Hormone FSH und LH sind Vorstufen von Östrogenen und Progesteron und werden Hypophyse und Hypothalamus gebildet (s. Bild 2 „Gehirn“)
Verändern sich die Kurven ändert sich auch der Zyklusverlauf. Das Verhältnis von Östrogenen zu Progesteron führt zu mentalen und körperlichen Auswirkungen.

Auswirkungen des sinkenden Östrogenspiegels sind z.B.

  • Schwitzen
  • Hitzewallungen
  • Nachtschweiß
  • trockene empfindliche Schleimhaut
  • dünner werdende Haut und Haare

Auswirkungen des Progesteron-Mangel sind:

  • prämenstruelles Syndrom (PMS),
  • Zwischen-, Schmierblutungen oder starke Menstruation,
  • starkes Schwitzen,
  • Depression,
  • Schlafstörungen

Der Einfluss der Gedanken

In meiner Praxis kann ich beobachten, dass vor allem bei Frauen mit einer positiven Grundhaltung zu sich selbst, zum Prozess der Veränderung und zum Leben, die Wechseljahre  häufig nur mit leichten oder manchmal sogar ganz ohne Beschwerden verlaufen. Tendenziell sind Frauen, die Angst vor den Wechseljahren haben, denen vermittelt oder vorgelebt wurde, dass Wechseljahre etwas Schlimmes sind, häufiger von starken Begleitsymptomen betroffen. Dass lässt vermuten, dass unsere Gedanken und Gefühle auch hier eine größere Rolle spielen und Einfluss auf das Befinden und die hormonellen Schwankungen haben. In der nachfolgenden Skizze wird ersichtlich, wie Nervensystem und Hormonsystem zusammen hängen.

gehirn airam artBild 2 „Gehirn“ ®Airam, airam-art.de

Hypothalamus: oberstes Regulationszentrum für alle vegetativen(unwillkürlichen) und endokrinen Vorgänge. Er steuert u.a. Atmung, Kreislauf, Körpertemperatur, Sexualverhalten sowie die Flüssigkeits- und Nahrungsaufnahme. Der Hypothalamus schüttet das Hormon Oxytocin aus.

Hypophyse: ist eine im Gehirn direkt unter dem Hypothalamus befindliche Hormondrüse. Hier werden neben Stress-, Wachstums, Schilddrüsenhormonen auch die Sexualhormonen FSH und LH ausgeschüttet.

Im Hypothalamus wird das das Hormon GN-RH* gebildet und in der Hypophyse in FSH* und LH* gewandelt.

FSH und LH gelangen über die Blutbahn zu den Eierstöcken und werden hier in Östrogene und Progesteron gewandelt. Östrogene und Progesteron steuern den Zyklusverlauf. Diese beiden Hormone sind es, die Auswirkungen auf das körperliche und mentale Befinden haben.

In unserem Körper befinden sich aber auch Rezeptoren, die an Hypothalamus und Hypophyse zurückmelden, welche Menge der ausgeschütteten Hormone im Körper zirkulieren. Steigt der Hormonspiegel zu sehr an oder fällt zu weit ab, dann wird durch die Rückmeldung ein Reiz gesetzt, der eine vermehrte/verminderte Ausschüttung des betreffenden Hormons zur Folge hat.

Hypothalamus und Hypophyse sind Teil des Gehirns. Da alles, was wir sehen, denken, hören, schmecken, riechen, mental und körperlich fühlen, an das Gehirn gemeldet und als Information verarbeitet wird, ist es naheliegend, dass die Hormonproduktion von diesen Sinnesreizen beeinflusst werden. Daher erfreut sich beispielsweise die Aroma-Therapie zunehmender Beliebtheit. Ätherische Öle aus Lavendel sind in den Wechseljahren sehr hilfreich. Ein Tropfen davon aufs Nachthemd reguliert über Nacht den Schlaf, die Konzentration und die Belastbarkeit. Auch andere ätherische Öle können in den Wechseljahren regulierend eingesetzt werden. Dazu sollten aber Experten befragt werden.

Aufbruch in eine neue Fruchtbarkeit

Wechseljahre bedeuten bei Frauen das Ende der Gebärfähigkeit. Gleichzeitig können sie aber auch der Aufbruch in eine neue, reiche Lebensphase sein. Das kann wie eine kleine Neugeburt sein. Verhütung ist nicht mehr erforderlich. Wir haben gesät und können unsere Ernte einfahren.

Für viele bedeuten die Wechseljahre deshalb auch einen „Aufbruch in eine neue Fruchtbarkeit“.

Wie kann es jetzt weitergehen?

Vitalstoffreiche Ernährung, Licht, Luft, Sonne, Bewegung, gute Beziehungen, all das hilft uns dabei, gut durch die Wechseljahre zu gehen, in eine Phase neuer und anderer Fruchtbarkeit.

Manche haben das Bedürfnis darüber hinaus mehr für sich zu tun. Oft haben wir jetzt dazu die Zeit. Vielleicht ist ein ein Tanzkurs, Chorgesang, gesellschaftliches Engagement, was immer uns Freude macht.

Oder aber wir wollen noch mehr über uns erfahren und entscheiden uns für eine intensivere Selbsterfahrung.

Haben Sie schon einmal etwas von der Rosen-Methode gehört?

Eine Methode, die durch sanfte achtsame Berührung verspannter Körperregionen eine tiefe Entspannung ermöglicht, das Tor zu verborgenen Gefühlen öffnet, neue Lebensfreude weckt und uns möglicherweise noch unbekanntes Potential in uns entdecken lässt.

Die Muskelentspannung bewirkt, dass der Körper seinen Raum besser ausschöpfen kann und   dadurch alle Organe leichter und zuverlässiger arbeiten. Ebenso werden vorzeitige Abnutzungserscheinungen der Gelenke vermieden, wenn Muskeln keinen überflüssigen Druck auf die Gelenke ausüben.

Die in Muskelverspannungen fest gehaltene Energie kann sich lösen und als neue Lebenskraft erfahrbar werden.

Über die Rosen-Methode gäbe es noch viel zu sagen. Wenn Sie neugierig geworden sind, empfehle ich Ihnen das Buch  „Den Körper berühren, die Seele erreichen“  von Marion Rosen/Sue Brenner. Auch im Internet finden Sie weitere Informationen, z.B. auf www.rosenmethode.de

Ich wünsche Ihnen, dass Sie Ihren ganz eigenen Weg in die neue Lebensphase finden.

Herzlichst 

Heike Hessler

Autor: Heike Hessler
Thema: Veränderungen in den Wechseljahren
Webseite: https://www.heikehessler.de

Autorenprofil Heike Hessler:

Heilpraktikerin und Körpertherapeutin; Berlin Prenzlauer Berg

*GN-RH = Gonadotropin releasing hormone
  LH = luteinisierendes(gelbfärbendes) Hormon
  FSH = follikelstimulierendes Hormon

#Wechseljahre, #Veränderung

Expertenprofil:

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