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Manche Beziehungen funktionieren - andere nicht

Betrachtet man die vielen Trennungen und Scheidungen in Deutschland in den letzten Jahren, fällt es schwer, an jahrzehntelange, glückliche Beziehungen zu glauben.

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Nach Angaben des statistischen Bundesamts (www.destatis.de) haben sich im Jahr 2016 nur noch 162.397 Paare scheiden lassen, im Vergleich dazu gab es 2003 knapp 214.000 Scheidungen.

Der Scheidungstrend ist demnach zwar wieder leicht rückläufig, dennoch könnte es sinnvoll sein, einen Blick darauf zu werfen, wie eine gute Beziehung gelingen kann, denn von alleine, durch Zufall oder mit viel Glück und ganz ohne unser Zutun, gibt es keine gute Beziehung!

Ein für alle gültiges Rezept für eine funktionierende Beziehung existiert meines Erachtens tatsächlich nicht, trotzdem wird der Einfluss, den wir auf den Verlauf unserer Beziehung haben, oft unterschätzt und ist sehr viel größer als wir glauben.

Ob eine Beziehung auf Dauer gelingt oder nicht, lässt sich mit Sicherheit kaum voraussagen, da wir fast die ganze Zeit daran arbeiten müssen, um sie lebendig und für beide Partner befriedigend zu halten.

Es gibt Zeiten, da haben wir das Gefühl, die Beziehung läuft gut, wir müssen wenig dafür tun, es ist nicht anstrengend, wir können uns auf andere Dinge konzentrieren. Manchmal jedoch scheint die Beziehung so sehr in den Mittelpunkt zu rücken, dass wir den Eindruck haben, ganz plötzlich sehr viel daran arbeiten zu müssen.

In meiner psychologischen Praxis, in der ich seit vielen Jahren mit Paaren und Familien arbeite, Paartherapie, Trennungsberatung und Mediation für Trennung und Scheidung anbiete, sind für mich über die Zeit hinweg einige wichtige Aspekte in den Mittelpunkt gerückt, die im Sinne einer lebendigen Beziehung Beachtung finden sollten.

Zu Beginn einer Beziehung funktioniert alles gut, oft gefühlt ohne Anstrengung, ohne das eigene Zutun. Wir sind verliebt, sehen die „Fehler“ des anderen nicht, wollen sie vielleicht auch nicht sehen, blenden sie aus, romantisieren die Beziehung.

Nach und nach werden jedoch Unterschiede deutlicher. Seien es zum Beispiel Unterschiede in der Vorstellung von Ordnung und Sauberkeit oder Unterschiede im Umgang mit Konflikten (der eine will alles ausdiskutieren, der andere kehrt gerne unter den Teppich) - plötzlich realisieren wir und stören uns auch daran, dass es Dinge gibt, die der Partner ganz anders wahrnimmt und auch ganz anders damit umgeht als man selbst.

Wie gehen wir mit Unterschieden in der Partnerschaft um?

An dieser Stelle beginnt oft eine der größten Herausforderungen für die Paarbeziehung: zum einen, zu erkennen, dass der andere vielleicht ganz anders ist, in vielen Dingen anders denkt und anders fühlt als wir selbst. Und zum anderen dann die Herausforderung anzunehmen, diese Unterschiede zu akzeptieren und gemeinsam an unserer Toleranz in Bezug auf diese Unterschiede zu arbeiten.

Doch wundert es wirklich, dass wir plötzlich nach der ersten Verliebtheit den anderen gar nicht mehr so idealisiert wahrnehmen wollen?

Letztendlich ist eine erste Enttäuschung schon vorprogrammiert, da wir meist mit bestimmten Erwartungen an den Partner und mit konkreten Vorstellungen von einer guten Partnerschaft in die Beziehung gehen: Im Idealfall soll der Partner bester Freund, bester Zuhörer und idealer Sexpartner sein und noch viele andere Funktionen erfüllen. Die Beziehung soll Abenteuer und Sicherheit bieten, unser Bedürfnis nach Nähe und gleichzeitig nach Eigenständigkeit befriedigen und ein nie endendes sexuelles gegenseitiges Begehren versprechen.

Dass kein Partner alle unsere Bedürfnisse befriedigen kann, wissen wir ja eigentlich. Trotzdem wäre es schön, wenn er oder sie sich doch nur ein bisschen verändern würde! Zu erkennen, dass der andere anders ist als man selbst, ist die eine Sache. Zu erkennen, dass der andere sich vielleicht nicht ändern wird, eine andere.

Und schließlich: Wie gehen wir mit dieser Erkenntnis um ?

Hier stellt sich für mich meist die Frage: Wie viel Wohlwollen gibt es in unserer Beziehung? Wohlwollen hängt meines Erachtens vor allem davon ab, ob die eigenen Bedürfnisse in der Beziehung befriedigt werden. Denn nur, wenn es mir selbst gut geht, kann ich meine Aufmerksamkeit auch auf die Bedürfnisse meines Partners richten.

Wenn ich jedoch das Gefühl habe, zu kurz zu kommen, bin ich zum einen oft zu sehr mit mir selbst beschäftigt, um den Blick nach außen auf den anderen richten zu können, zum anderen dann auch weniger bereit, die Bedürfnisse des anderen wertschätzen und anerkennen zu können. Und damit auch anzuerkennen, dass aus unterschiedlichen Bedürfnissen heraus Unterschiede in der Wahrnehmung und im Verhalten entstehen.

Miteinander im Gespräch bleiben

Habe ich das Gefühl zu viel zu geben und zu wenig zu bekommen ist das Geben-Nehmen-Konto nicht ausgeglichen. Eine gute Balance zu finden zwischen Fürsorge für den anderen und einem gesunden Egoismus funktioniert meist nur, wenn das Paar miteinander im Gespräch bleibt.

Miteinander reden, im Gespräch bleiben, heißt für mich nicht, Organisatorisches zu klären, sondern sich dem anderen mitzuteilen. Sich zu öffnen und mit dem anderen darüber sprechen, wo ich gerade stehe, wie es mir gerade geht, schafft Klarheit beim Partner. Im Gegenzug erfahre im vom andern, wie es ihm geht, wie er die Beziehung gerade sieht. In dem Moment, in dem wir uns aufeinander beziehen, entsteht Nähe und wir halten unsere Beziehung lebendig.

Sprachlosigkeit und Kommunikationskluft gehören zu den größten Bedrohungen einer Beziehung. In Paarbeziehungen wird oft zu wenig darüber gesprochen, was wesentlich ist. 

Denn zum einen braucht es Mut, sich dem anderen mitzuteilen, sich zu öffnen und seine verletzlichen Seiten zu zeigen.

Zum anderen wird oft auch zu wenig miteinander gesprochen, weil das Paar-WIR, das wir einmal gegründet haben, irgendwann an letzter Stelle steht auf unserer Prioritätenliste des täglichen Lebens (nach Kindern, Arbeit, Haus, …). Die Auswirkungen dieser Vernachlässigung spüren wir erst spät - meist wenn es schon zu spät ist.

Deshalb kann es sinnvoll sein, sich immer mal wieder folgende Fragen:

Wie viel ICH gibt es in unserer Beziehung? Wie viel Bedeutung hat unser Paar-WIR und wie viel Gewicht hat unser Familien-WIR gerade? Sind wir manchmal auch nur als Paar unterwegs oder gibt es uns nur noch im Familienverbund? 

Es ist gut und sinnvoll, in der jeweiligen Lebensphase einer Paarbeziehung bewusst Prioritäten zu setzen, dabei ist es aber auch wichtig, die nach hinten gestellten Anteile nicht aus den Augen zu verlieren.

Das heißt für mich, dass wir uns auch im größten Stress als Eltern oder bei hoher Arbeitsbelastung regelmäßig Zeit nehmen für einander, um miteinander im Gespräch zu bleiben.

Termine vereinbaren

Spontan ergeben sich nach meinen Erfahrungen solche Gespräche in einem streng durch getakteten Alltag eher nicht. Konkrete Terminvereinbarungen für gemeinsame Gespräche und die Zeit zu zweit ermöglichen oft erst, dass wir uns wieder miteinander beschäftigen können.

Viele Paare in der Paartherapie antworten mir auf die Frage, seit wann sie Probleme haben: schon viele Jahre, die hätten sich so eingeschlichen. Jedoch kommt es oft vor, dass einer von beiden schon sehr früh das Gefühl hat, dass etwas nicht „stimmt“, aber dann nicht wirklich etwas unternommen wird.

Wenn Sie merken, dass „es“ nicht gut läuft, dass Sie sich „aus den Augen verlieren“, dass Sie zu viel streiten, vereinbaren Sie konkrete Zeiten, um in Ruhe, ungestört und ohne  Ablenkungen miteinander über Ihre Themen zu sprechen.

Sollten Sie jedoch feststellen, dass Sie auch im gemeinsamen Gespräch nicht weiter kommen oder Ihre Konflikte regelmäßig eskalieren - spätestens dann ist es notwendig, dass Sie sich Hilfe von außen, von einem Paartherapeuten, holen.

Autor: Andrea Köpp-Partenheimer
Thema: Wie funktioniert eine Beziehung
Webseite: http://www.mediation-paartherapie.de

Autorenprofil Andrea Köpp-Partenheimer:

Diplom-Psychologin, Paartherapeutin, Mediatorin

 

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