Grundsätzliches zu Vertrauen

Ein Statement gleich vorweg: Leben ohne Vertrauen ist unmöglich.

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Wir Menschen sind darauf angewiesen, zu vertrauen, dem Leben zu trauen. Von Geburt an gehen wir davon aus - vor-bewusst: Leben ist lebenswert. Vertrauen zu Beginn des Lebens ist wesentlich und die Qualität der Vertrauenserfahrung ist prägend. Der Hinweis, dass ein Neugeborenes auf vertrauensvolle Fürsorge absolut angewiesen ist, mag an dieser Stelle genügen. Diese Bedingung verbindet alle Menschen miteinander. Das aufeinander Angewiesen-sein gehört wesenhaft zum Menschen. Zugleich bedeutet diese erfahrungsmäßige menschliche Grundaussage eine entscheidende Konsequenz im Leben: Es ist offensichtlich so, eigene elementare Vertrauens- und Fürsorgeerfahrungen sind Voraussetzung, vertrauensvoll zu sein. Und die Entwicklung zu Selbstvertrauen setzt wirkungsvolle Vertrauenserfahrung voraus.

Das Wesen eines Vertrauensbruchs ist ein Widerspruch

Ist es not-wendig, Vertrauen wieder aufzubauen, so ist etwas geschehen, das Vertrauen ver - stört. Das Geschehene, das Vertrauen verunmöglicht und gar den Vertrauensbruch bewirkt, ist Folge eines Widerspruchs von Worten und Taten. Das, was jemand sagt oder zusagt, stimmt nicht mit dem überein, was er/sie letztlich tut oder wie er/sie sich verhält.  

Worte und Handeln sind nicht im Einklang.

Sicher, das kommt alltäglich vor. Ich verspreche pünktlich zu Hause zu sein und verspäte mich. Oder ich sage zu, die ein oder andere Sache zu erledigen und tue es dann doch nicht. Oder ich verspreche zu helfen und erinnere nicht rechtzeitig diese Zusage. Weil…? -  

Nun, hier kommt es darauf an, was die Gründe für die Widersprüche sind? Aus welchen Gründen sage ich dies, ich tue aber oder unterlasse aber jenes. Welche aktuellen Motive verleiten mich zum Widerspruch?  

Kommen solche widersprüchliche Verhaltensweisen immer wieder vor, stört es zunehmend das Beziehungsgeschehen. Unsicherheit und Unruhe - konkret sicht- wie unüberhörbar in Streit mit lautstarken Vorwürfen oder Verbalattacken. Diese Art abwertender Kommunikation beeinträchtigt das Miteinander von Mal zu Mal vehementer, aussichtsloser, unverbindlicher.  

Die Partner trauen sich nicht (zu), das zu sagen, was oder wie es ist, worum es ihnen eigentlich geht. Weil…? -  

Klar, je früher die Widersprüche offenbar werden, desto günstiger ist es für die Partner und die Partnerschaft. Je länger und heftiger widerspruchsvolles Handeln und Verhalten geschehen, desto bedrohlicher trifft es die Beziehung. Vertrauen wird brüchig, er(-)hält kaum noch die Partner und Partnerschaft.  

Die Frage, was sind die Gründe für diese Art fortschreitenden Vertrauensverlustes braucht das Wagnis allseitiger Aufrichtigkeit. Kontinuierlicher Vertrauensverlust führt letztendlich zum tiefgreifenden Vertrauensbruch - so sehr, dass die innere Mitte der Partner derart verletzt ist.

Not - Wendigkeiten, um Vertrauen aufzubauen

Innere Selbstklärung

Ist es notwendig, Vertrauen wieder aufzubauen, geht es darum, die Not, genau die innere Not (konkret in Gestalt des Gefühlscocktails aus Wut, Angst, Unruhe, Unsicherheit, Beklemmung) zu wenden. die der Verlust bzw. sogar Bruch des

Vertrauens auslöst.

Voran steht die willensstarke Bereitschaft, sich selbst gegenüber die Klarheit zu erarbeiten, was beabsichtigte ich mit dem widersprüchlichen Verhalten. Auf die zwei sich sich gegenseitig bedingenden Aspekte richtet sich diese Selbstklärung:  die Beziehung zu mir selbst wie zum anderen, der von dem widersprüchlichen Aussagen verletzt wurde. Konkret: Was war mir zu dem Zeitpunkt so wichtig und hat sich aktuell so sehr in den Vordergrund geschoben, dass ich mich nicht im Einklang mit meinem Zusagen verhielt und anderes, was mir am Herzen liegt, aus dem Blick verdrängte?

  • Beabsichtigte ich mit meinem Verhalten, selbstbestimmt oder frei das zu erleben, was mit dem Partner/ der Partnerin nicht möglich ist?  
  • Habe ich nicht die Selbsteinsicht, den Mut oder die Fähigkeit, rechtzeitig zu benennen, was mir wichtig ist, was ich möchte, woran mir liegt?
  • Habe ich daher nicht den Blick auf den anderen gerichtet, weil ich selbst nicht aufrichtig mit mir und meinen (Lebens-) Vorstellungen bin?
  • Mache ich mir überhaupt ausreichend und regelmäßig die Mühe eines inneren Selbstchecks?
  • Traue ich mir zu, mich so zu sehen, wie ich bin, mir einzugestehen, was ich brauche?
  • Und traue ich mir zu, mich dann auch offen und ehrlich auszudrücken gegenüber meinem Partner oder meiner Partnerin?
  • Was hat mich daran gehindert, das zu tun?: Scheu, Aufwand, Gedankenlosigkeit, Nachlässigkeit oder Unfähigkeit vor Auseinandersetzung mit mir selbst sowie dem anderen?  

Um Vertrauen wieder aufzubauen, ist es notwendig, sich zu trauen, sich selbst aufrichtig in Blick zu nehmen. Diese Art von Selbstklärung strengt an. Hierbei scheinen die zwei sich gegenseitig bedingenden Aspekte von Vertrauen auf: Ohne

Vertrauen glückt das Leben nicht und das Angewiesen-sein auf Vertrauen.  

Nach der notwendenden inneren Klärung folgt not-wendig der Blick auf den anderen. Denn durch meine eigenen ungeklärten wie nicht ausgedrückten oder uneingestandenen Motive habe ich sozialen Schaden verursacht: emotionale

Unsicherheit und Vertrauensverlust.

Bedeutung und Nähe zum anderen

Nachlässigkeit oder Mangel an Verlässlichkeit sowie Vertrautheit in der Beziehung ist entscheidender Hinweis, wie notwendig der innere Selbstcheck wird. Erste Ungereimtheiten zwischen Reden und Tun lassen den Mangel von innerer Klarheit erkennen, wie sehr mir der andere überhaupt am Herzen liegt.  

  • Habe ich seine Interessen und Anliegen im Blick? Möchte ich sie berücksichtigen?
  • Wie schwer bzw. unbeschwert fällt es mir, diese in meinem Leben alltäglich einzubeziehen. Wie nahe ist mir der andere? Oder ist die Nähe ausschließlich eine Art Gewohnheit geworden?
  • Hat sie sich zur Selbstverständlichkeit und Sorglosigkeit verändert?

Mithilfe meiner Antworten hierauf kann ich mir selbst erschließen, wie nahe ich mir selbst bin, wie sehr ich mir selbst trauen kann und mit meiner inneren Tiefe verbunden bin, die sich dann in meinem eindeutigen Verhalten widerspiegelt.- Diese Art von Nähe zu mir selbst ist wesentliche Voraussetzung um überhaupt auch dem anderen nahe zu sein. Anders ausgedrückt: Die Qualität der Nähe, die ich zum anderen erreiche korrespondiert mit der Aufrichtigkeit und Tiefe, die ich in mir er-schaffe.  

Gelingt es mir, mit dieser Übereinstimmung und in Eindeutigkeit gegenüber dem anderen zu begegnen, wächst erneut Vertrauen.  

Vertrauensbildung braucht notwendig diese tätige Einsicht oder innere Tat und zugleich ist es mehr als ein bloßer Willensakt. Vielmehr bleibt Vertrauensbildung ein dynamischer Prozess, indem sich manches ereignet, das nicht einfach machbar ist:  Vertrauen in, auf und mit dem voraussetzungslosen Ja am Anfang unseres Lebens. Vertraue ich, dass ich sein darf?

Autor: Ursula von Gehlen
Thema: Vertrauen wieder aufbauen
Webseite: https://www.ursulavongehlen.de

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