Strenge Erziehung - da fällt den meisten von uns wahrscheinlich die Ohrfeige der Eltern oder der Stubenarrest ein.

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Körperliche Züchtigung ist schon längst verboten, findet aber immer noch statt. Strenge ist aber was anderes. Aber wie muss Erziehung wirklich sein? Da scheiden sich sicherlich die Geister, jeder vertritt eine andere Meinung und hat andere Gegebenheiten.

In meiner täglichen beruflichen Praxis begegne ich den unterschiedlichsten Eltern. In Zeiten von Helikopter- und Rasenmäher Eltern ist Erziehung oft völlig anders. Da wird das Kind mit dem Auto bis vor die Schultür gefahren und am Nachmittag 5 Mal in der Woche zum Sporttraining gebracht. Das war zu meiner Zeit noch ganz anders, obwohl das noch gar nicht so lange her ist, ich bin Jahrgang 1985.
Wenn ich wo hinwollte gab es die Alternativen Fahrrad oder Bus, manchmal sogar mit einem von Mama gesponserten Ticket. Wenn ich an einen Museumsbesuch in meiner Kindheit denke, erinnere ich mich daran, wie wir Kinder stets die Arme auf dem Rücken hatten. Ganz von selbst, damit niemand meinen könne, wir würden etwas anfassen.

Wenn ich heute Kinder durch die Räume von Museen toben und lauthals spielen sehe, denke ich immer, "das hätte es bei uns nicht gegeben". Hätten wir Entscheidungen unserer Eltern hinterfragt, wäre "so ist das eben" als Antwort gekommen. Sicherlich belächeln unsere Eltern heute die Erziehung ihrer Enkelkinder, alles wird diskutiert, die Kinder entscheiden mit wie Erwachsene und behalten oft die Oberhand. Doch was davon ist jetzt das bessere? Muss Erziehung streng sein? Sicherlich ist heute auch der Stellenwert der Kinder in der Familie ein anderer.

In der wilhelminischen Zeit vor dem ersten Weltkrieg galten Kinder als Eigentum des Vaters und Zucht und Ordnung sowie Gehorsam wurden erwartet. Gefühle und Bedürfnisse der Nachkommen waren da zweitrangig. Laut Definition meint Erziehung "die pädagogische Einflussnahme auf die Entwicklung und das Verhalten Heranwachsender." Also vielmehr die Begleitung von Kindern zu erfolgreichen und glücklichen Erwachsenen.

Was ist also unsere heutige Aufgabe und ist alles frühere wirklich schlecht?

Die Aktion geht heute aber längst nicht mehr nur von den Eltern aus, auch Lehrer, andere Bezugspersonen und vermutlich auch Medien tragen zur Entwicklung der Kinder bei. Da bleibt sicherlich nicht nur die Frage, was erzogen wird, sondern auch wie, das hat schon Kant genauer betrachtet. Schon nach seiner Ansicht sollten Kinder nicht bloß dressiert werden, sondern begründete Regeln bekommen. Auf Augenhöhe mit den Kindern, gemeinsam Regeln aufstellen und einhalten ist da heute sicherlich moderner. Strenge darf aber nicht mit Konsequenz verwechselt werden. Werden mit Kindern gerechte Regeln aufgestellt und diese auch durchgehalten, vielleicht auch gegen den Willen des Kindes, so ist das noch keine strenge Erziehung.

Kinder müssen lernen, dass alles, was wir in unserem Leben tun, Grenzen und Konsequenzen hat. Als Erwachsener kann ich auch nicht die Arbeit schwänzen, weil der Spielfilm gestern Abend so pannend war. Mir begegnen immer wieder Kinder, denen Konsequenz nicht vermittelt wird, meine Regeln als streng empfohlen werden. Doch Erziehung ist ja nicht die Wahl von Schikanen, sondern Mittel, mit denen man ein gewisses Verhalten der Kinder auslösen will, was ihnen in unserer Gesellschaft hilft und ihr späteres Leben erleichtert. Aus Prinzip das Schauen eines Films oder das Treffen mit einer Freundin zu verbieten, ist ja nicht Sinn der Erziehung. Es geht ja vielmehr darum, das Verhalten der Kinder zu lenken. Wenn sie durch Internet- und Fernsehzeiten lernen, dass sie sich auch mit anderen Dingen beschäftigen müssen und eben nicht immer nur der Spaß regiert, ist das noch lange nicht streng. Nur wenn wir selbst dann nicht vorleben, dass auch wir diese Regeln einhalten und dies sinnvoll für unseren Alltag ist, wirkt das Ganze wie eine Schikane.

Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, sie brauchen unsere Hilfe, um sich in dieser Welt zurechtzufinden. Das ist unsere Aufgabe. Auch wenn da vielleicht das eine oder andere ‚Nein‘ schwerfällt, so wissen wir doch, dass wir ihnen den Weg ins Erwachsenensein und spätere Berufsleben erleichtern. Die Regeln müssen für die Kinder nachvollziehbar sein und mit ihnen besprochen werden. Gesunde Ernährung, ausreichende Bewegung, Hygiene oder lernen für die Schule können leicht erklärt und gemeinsam durchgesetzt werden. Erwischt man dann aber Papi ständig mit Burger und Zigarette, wird die folgende Diskussion tatsächlich etwas schwierig.

Trotzdem dürfen wir nicht vergessen, dass Kinder auch keine kleinen Soldaten sind. Auch wenn dies in früheren Zeiten so nicht gesehen wurde, müssen die Gefühle und die Blickwinkel der Kinder respektiert und mit einbezogen werden. Nicht nur die Eltern-Kind-Bindung leidet unter einer zu autoritären Erziehung, auch Folgen für das spätere Leben und so auf die Erziehung der eigenen Kinder treten häufig auf. Kinder, die keine Konsequenz erfahren, testen hingegen ihre Grenzen meist nur noch mehr aus und sind verwirrt, was sie nun dürfen und was nicht. Sie begreifen schnell, dass eine Diskussion Zeit schindet und vielleicht die Entscheidung der Eltern ändern könnte. Sind wir deswegen gleich streng, wenn wir diese konsequent einhalten und eine Ausnahme nur unter ganz gewissen Umständen zulassen? Sind wir streng, wenn das Kind im Supermarkt weinend am Boden liegt, weil es die Schokolade unbedingt haben will? Dabei dürfen wir nie vergessen, warum wir erziehen und welche Auswirkungen das auf's spätere Leben haben kann. Da muss sicher jede Familie eine individuell eine Lösung finden. Doch konsequent ist noch lange nicht streng. Aus Kindern, die nichts dürfen, werden Erwachsene, die nichts können.

Autor: Anke Wachtendorf, Schülercoach, Lern- und Erziehungsberatung
Thema: Was ist eine strenge Erziehung?
Webseite: http://www.schuelercoaching-wachtendorf.de

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