Wer von uns hat ihn noch nicht gesagt, den Satz, der gerne auf die Frage „Wie geht es Dir“ folgt:  „Ich bin voll im Stress!“

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Und mit diesem einen Satz ist schon alles gesagt! Denn jeder, der diese Worte ausspricht, signalisiert auch mit Mimik und Körperhaltung, dass es ihm nicht gut geht. Wir sind gestresst und fühlen uns meist schlecht.

Aber was ist eigentlich Stress?

Stress bedeutet per Definition „eine erhöhte Beanspruchung, Belastung psychischer oder Physischer Art“ und ist somit eigentlich nichts Negatives. Allerdings verbinden die meisten Menschen heutzutage mit Stress den Leistungsdruck am Arbeitsplatz, den Zeitdruck im Privatleben und den Druck unserer Gesellschaft.  Stress hat viele Ursachen und trifft nahezu jeden, die Hausfrau, den Manager, ja sogar die Menschen, die bereits im Ruhestand sind. Stressauslöser können von außen kommen, zum Beispiel durch Lärm oder Reizüberflutung. Aber auch unser Innerstes kann Ursachen für Stress hervorbringen durch extrem hohe Anforderungen an sich selbst, durch ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung oder die Angst des Versagens.

Stress hat auch einen lebenswichtigen Aspekt.

Hätten unsere Vorfahren keinen Stress gehabt, dann gäbe es uns schon nicht mehr. Stress führt im Körper dazu, dass beispielsweise die Herzfrequenz ansteigt, das Blut schneller zirkuliert und wir in einen wacheren Zustand gelangen. Wir werden aufmerksamer und können schneller reagieren. Das machte vor vielen, vielen Jahren auch Sinn  als plötzlich der Säbelzahntiger um die Ecke kam. Da ging es darum schnell zu entscheiden, rennen oder kämpfen? Hätten unsere Vorfahren also keinen Stress gehabt, wären sie vermutlich stehen geblieben. Und dann, na ja.

Es gibt in der Tat zwei Arten von Stress, den positiven und den negativen.

Der positive Stress, auch Eustress genannt, ist die gute Variante. Hier macht uns die erhöhte Belastung nichts aus. Vielleicht gehen wir einer Tätigkeit nach, die wir besonders lieben. Wir arbeiten an einem Projekt, das uns besonders am Herzen liegt und blenden den Zeitdruck einfach aus. Der gute Stress spornt uns zu Höchstleistungen an, wir werden kreativ und machen Fortschritte. Wir werden herausgefordert und das meistern der Herausforderung macht uns zufrieden, sieh der Säbelzahntiger, der jetzt in unserer Höhle liegt!

Der negative Stress, auch unter dem Namen Distress bekannt, ist der Böse. Er sorgt dafür, dass wir uns schnell überfordert fühlen. Wir können Leistungen nicht wie gefordert erbringen, werden unzufrieden, machen Fehler und sind letztlich frustriert. In dem Fall ist der Stress keine Herausforderung sondern eine enorme Belastung die unsere Leistung nicht verbessert. Eher das Gegenteil ist der Fall. In einer negativen Stresssituation erleben wir häufiger einen Leistungsabfall bis hin zur Aufgabe.

Körper und Seele reagieren auf Stress

Wenn wir dem negativen Stress ausgesetzt sind, dann weisen zahlreiche Symptome darauf hin, dass es Zeit ist etwas zu ändern. Auf der körperlichen Ebene äußert sich der Stress häufig durch Kopfschmerzen, Muskelverspannungen und Müdigkeit. Bei einigen Menschen schlägt sich der Stress auch buchstäblich auf den Magen.  Auf der seelischen Ebene kämpfen gestresste Menschen mit starken Stimmungsschwankungen, einem Gefühl der Hilflosigkeit, depressiven Stimmungen, Misstrauen gegenüber anderen und einem geringen Selbstwertgefühl.

Was kann ich dagegen tun?

Stressbewältigungsstrategien gibt es viele. Manche haben sich die Betroffenen selbst erarbeitet, andere wurden von Therapeuten oder Ärzten empfohlen. Wichtig ist hierbei zwischen guten und schlechten Strategien zu unterscheiden. Wer abends permanent seinen stressigen Tag mit einem guten Glas Rotwein hinunterspült hat sich wohl eher für eine schlechte Strategie entschieden. Und auch die Variante, die erhöhten Anforderungen durch zusätzliche Nahrungsaufnahme zu kompensieren, hat sich nicht als wirklich gut erwiesen.  Nicht selten führt  ungesunde Stressbewältigung  in ein Suchtverhalten. Autoaggression, vermehrte Ausflüchte und Vermeidungsverhalten zählen ebenfalls nicht zu den guten Stressbewältigungsstrategien. Welche Strategie bei wem funktioniert, ist sehr individuell. Der Eine kann sich gut während einer wöchentlichen Yogastunde entspannen, der andere braucht die Joggingrunde durch den Park.

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Ein paar Anregungen gefällig?

Zunächst einmal ist es von Bedeutung, den Stress für sich selbst zu bewerten. Ist es für mich positiver Stress der mich weiter bringt? Oder fühle ich mich überfordert und unter Druck gesetzt? Es liegt immer an uns selbst, wie wir die erhöhte Belastung für uns persönlich definieren.

Auf die Formulierung kommt es an!

Wer sich mehrmals am Tag sagt “Ich muss noch die Steuererklärung machen. Ich muss dieses noch und jenes tun...“ der setzt sich allein schon durch die Wortwahl immens unter Druck. Dieses kleine Wörtchen „muss“ suggeriert unserem Gehirn, jemand befiehlt hier etwas zu tun. Wir verlieren unsere Selbstwirksamkeit  dadurch und bauen unbewusst Druck auf. Daher ist es sinnvoller, neue Formulierungen anzuwenden. Statt „Ich muss….“ „Ich will, oder ich möchte…“. Durch diese kleine Veränderung  haben wir selbst entschieden eine Tätigkeit auszuführen. Für unser Empfinden macht das einen großen Unterschied!

Der richtige Zeitpunkt!

Manche Tätigkeit geht uns morgens besser von der Hand, andere abends. Die Planung unseres neuen Projekts  machen wir besonders gerne und mit voller Hingabe, die Steuererklärung vielleicht eher mit weniger Leidenschaft. Es kann hilfreich sein, wenn man sich seiner Leistungskurve  bewusst ist. Wann habe ich besonders viel Energie und bin leistungsfähig und wann bin ich eher gemütlich unterwegs? Es empfiehlt sich die Tätigkeiten, die uns weniger Freude bereiten, in der Hochphase unserer Leistungskurve zu erledigen.  Arbeiten, an denen unser Herz hängt, erledigen wir auch dann noch mit Leichtigkeit und Freude, wenn die Leistungskurve schon ein bisschen nach unten zeigt.

Mach mal Pause

Wichtig in Sachen Stressbewältigung ist außerdem die Einhaltung von Pausen. Und damit meine ich nicht die kurze Kaffeepause, in der man noch schnell ein paar Telefonate erledigt, sondern richtige Pausen. Weg vom Arbeitsplatz, weg von der Bügelwäsche! Am besten sucht man sich einen ungestörten Platz aus um mindestens 30 Minuten abzuschalten. Natürlich darf es dazu eine Tasse Kaffee geben und auch ein Stück vom Lieblingskuchen. Denn wer Leistung bringt, darf und sollte sich auch belohnen. Und wenn sich mal überraschend eine Pause bietet, dann bitte nicht gleich mit Arbeit füllen sondern durch Nichts-tun nutzen!

Entspannung oder Bewegung?

Beides dient der Stressbewältigung! Entspannungsübungen, wie beispielsweise die Progressive Muskelentspannung, helfen dabei,  den Druck loszuwerden. Durch gezielte Anspannung einzelner Muskelgruppen und anschließender Entspannung, löst sich der „Druck“ auf.  Es gibt auch zahlreiche Kurzmeditationen, die sich hervorragend eignen für die Entspannung zwischendurch. Dazu braucht man nicht mal eine Liege. Einfach den Bürostuhl für ein paar Minuten nach hinten kippen.

entspannen relaxen

Wer seine Gedanken nicht loslassen kann sollte es vielleicht mal mit einer Atemübung versuchen.  Wenn wir uns einige Minuten ausschließlich auf Einatmen und Ausatmen konzentrieren, tritt alles andere automatisch in den Hintergrund.

Eine ebenso hilfreiche Strategie ist die körperliche Bewegung. Es muss nicht das Workout im Fitness-Studio sein. Um abzuschalten genügt bereits ein Spaziergang an der frischen Luft. Durch die Bewegung wird das Stresshormon Cortisol im Körper abgebaut. Die Natur liefert durch das Sonnenlicht außerdem noch das Glücksvitamin D dazu. Nach einer Runde in der freien Natur fühlen wir uns entspannter, leichter und haben den Kopf wieder frei.

Abgeben heißt Gewinnen!

Niemand kann und muss alles alleine schaffen. Wer das Gefühl hat, mit zu vielen Aufgaben überlastet zu sein sollte sich Freunde oder Kollegen suchen, die die ein oder andere Aufgabe übernehmen können. Sich Hilfe zu holen ist kein Zeichen von Schwäche sondern deutet auf einen verantwortungsvollen Charakter hin. Zum einen werden Fehler durch Überforderung verhindert, zum Anderen gewinnen wir durch das Abgeben von Verpflichtungen etwas ganz wichtiges dazu, nämlich Lebensqualität. Immer mehr Punkte auf der To-Do Liste führen unweigerlich zu negativem Stress. Und letztlich auch zu Überforderung. Stressbewältigung bedeutet auch „Nein!“ sagen!

Prioritäten setzen                    

Wer ein Freund von To-Do Listen ist tut bei der Stressbewältigung gut, in dem er Prioritäten setzt. Was ist wichtig? Was muss als erstes erledigt werden und was kann warten? Wer  sich seine Aufgabe mal wirklich gezielt ansieht wird feststellen, dass manches plötzlich gar nicht mehr so dringend ist. Und dann stehen da auf einmal keine zehn Punkte mehr, sondern vielleicht nur noch drei. Und die werden mit viel mehr Freude und Energie erledigt.

Werden Sie kreativ!

In Sachen Stressabbau wirken kreative Arbeiten oft wahre Wunder. Es muss nicht das filigrane Origami falten sein, auch handwerkliche Arbeiten können eine geeignete  Bewältigungsstrategie sein. Gerade Menschen, die in ihrem Alltag viel mit dem Kopf arbeiten, können sich bei kreativen Tätigkeiten häufig hervorragend entspannen. Dadurch, dass sich der Fokus auf das lenkt, was grade mit den Händen geschaffen wird,  lässt sich das Gedankenkarusell wunderbar anhalten.

Schluss mit Perfektion!

Diese Aufforderung ist speziell für Mütter hilfreich, denn gerade sie tappen häufig in die Perfektionsfalle. Das muss der Haushalt erledigt sein, die Kinder zum Sport gefahren werden, nebenbei die Hausaufgaben kontrollieren, Arzttermine wahrnehmen und der Chef wartet auf die Zahlen vom letzten Quartal? Und dass alles sofort und möglichst perfekt? Wir wollen gut dastehen, wollen als leistungsfähig und belastbar gelten. Doch gerade hier schnappt die Falle zu. Je höher die Anforderungen an uns selbst hin, desto schwerer wird es, sie zu erreichen!  Der Druck wird immer größer und der Stress baut sich richtig schön vor uns auf.  Nobody is perfect! Niemand kann alles zur gleichen Zeit perfekt erledigen. Daher, runter mit den eigenen Ansprüchen!

Egal, für welche der genannten Möglichkeiten man sich entscheidet, wichtig ist immer, dass die Strategie zu einem passt. Wichtig ist es, eine für sich stimmige Methode der Stressbewältigung zu finden. Es sollte Spaß machen und nicht unter Druck erfolgen. Alles kann, nichts muss!

Autor: Andrea Reiner
Thema: Wie kann man Stress sinnvoll bewältigen
Webseite: https://www.lebenswert-familienbegleitung.de

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