Wie lerne ich am besten mit meinem Kind lesen

Ist es notwendig, mit meinem Kind lesen zu lernen? Ich kann lesen, mein Kind wird es lernen? Wird mein Kind je Lesen lernen? Was heißt Lesen lernen? Reproduzieren der geschriebenen Worte und/oder auch Verstehen dieser Worte, des Zusammenhanges, der Bedeutung?

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Fragen über Fragen, die sich aus der erst gestellten Frage ergeben. Es gibt diverses auf dem Markt, das als Lesehilfe angeboten wird. Bücher, wie  Ratgeber, Übungshefte, Hör-Lese-Verstehens-Angebote und vieles mehr. Es gibt eine Menge Coaching und Lernhilfsangebote, wie soll ich mich in diesem Dschungel an Angeboten zurechtfinden? Jede Suchmaschine im Internet, meist jede Buchhandlung, meist jeder Pädagoge hat Antworten, Tipps und Tricks, Techniken und Anweisungen parat, die helfen und die zum Erfolg führen sollen.

Doch bei all dem bleibe ich als Eltern vielleicht etwas ratlos zurück. Mein Kind hat durchaus seine eigenen Antworten parat. Denn mein Kind ist in seiner ganz persönlichen Entwicklung auf dem Weg zur kulturellen Fertigkeit, wie dem Lesen, unterwegs. Die Voraussetzungen sind multimodal, von innen wie von außen.

In diesem Artikel finden Sie keine weiteren Angebote zum Training, denn das schaffen Sie ganz alleine, in dem Sie über Suchmaschinen, wie Google,  auf die Vielzahl der Angebote treffen und Ihr ganz Eigenes finden werden. In diesem Artikel möchte ich darauf aufmerksam machen, dass es noch andere, wichtige Komponenten und Voraussetzungen zu beachten gibt, um Ihrem Sprössling beim Erlernen des Lesens zur Seite zu stehen.

Voraussetzungen von außen

Zu den Voraussetzungen von außen ist es relativ schnell erläutert. Es braucht Angebote in papierbasierter und/oder elektronischer Form. Je nach dem, was Sie selbst bevorzugen, gibt es Bücher, Hefte und Arbeitsblätter zum Lesen lernen, Buchstaben schreiben und dazu zu malen, etc.  Es gibt viele Möglichkeiten am Laptop oder Handy zu lesen, nachzuzeichnen, etc. Studien zufolge hat das papierbasierte Lesen lernen einen klaren Vorteil vor digitalem Lesen lernen (versch. Studien/Metastudien). Meist ist eine Mischung ganz vernünftig und auch gerne in Absprache mit Lehrkräften und/oder Pädagogen anzuschaffen und auszuprobieren. Es gibt verschiedene Fertigkeitsstufen, die beim Erlernen sinnvoll einzuhalten sind. Da bei kleineren Kindern das Körperliche noch sehr im Vordergrund steht, ist das Lesen von Büchern effektiver und nachhaltiger.

Das Interesse am Lesen wecken Sie als Vorbild, die natürliche, kindliche Neugierde können Sie offen annehmen und mit dem Kind zusammen stillen. Ein gewisses Training entsteht durch Regelmäßigkeit und hilft dabei, es  leichter und leichter werden zu lassen.  Das ist das Außen. Doch ab welchem Alter ist es denn sinnvoll, gibt es einen Fahrplan? Da kommen wir zum nächsten Punkt.

Voraussetzungen von innen

Viel diffiziler ist dabei das Innen zu beachten und vor allem zu respektieren.

Die Entwicklung der Sprachfertigkeiten hängen sehr eng mit der Entwicklung der Motorik zusammen. Um den Schriftspracherwerb überhaupt angehen zu können ist eine entsprechende Sprachentwicklung vorab essentiell. Diese entwickelt sich schon sehr früh durch persönliche Ansprache, gemeinsames Üben im Benennen von Gegenständen, Tieren, usw.  Kleinkinder lernen hauptsächlich durch direkte und persönliche Anteilnahme und Benennung. (Nachzulesen u.a. bei Maria Aarts – Marte Meo). Sie verankern es dann nach und nach und lernen immer mehr Worte und Bedeutungen. Sind Kinder motorisch etwas zurück in ihrer Entwicklung, sind sie es sehr häufig auch im Spracherwerb, wobei Verstehen weitaus besser funktioniert als selbst zu sprechen, da eine gewisse Reife der Mundmotorik dafür nötig ist.

Neben dem  Spracherwerb gehört auch die weitere geistige Entwicklung, z.B.  des Abstraktionsvermögens dazu, um Bilder/Vorstellungen und Worte zu verbinden und reproduzieren zu können (Piaget et.al.). Gelingt dieses mit zunehmendem Alter, braucht es zum Schriftspracherwerb Aktivität. Das heißt, ein Kind kann nicht durch bloßes Schauen und/oder Hören das Lesen lernen, es braucht die Motivation zur eigenen Aktion. Die Pfade, die im Gehirn angelegt werden, brauchen aktive Handlungen und Wiederholungen , damit sie breit und effektiv werden können. Da ist wieder eine Bezugsperson oder die pädagogische Fachkraft  gefragt, die unterstützend begleitet. Warum? Es braucht Motivation, die durch Neugierde/Forscherdrang des Kindes schon im Inneren geweckt ist, weiter angetrieben wird sie aber durch Vertrauen, Mut und auch Geduld. Das lernende Kind braucht dafür die Sicherheit und Bindung einer anwesenden Bezugsperson, die Rückbestätigung und die Hilfe dieser Person, um Vertrauen zu sich selbst zu entwickeln und mutig weiterzugehen (Bindung lässt Vertrauen wachsen – div. zur Bindungstheorie). Es kostet Energie, Kraft und Durchhaltevermögen, gibt aber gleichzeitig das Erfolgsgefühl, etwas Neues selbst zu können, sowie z.B. die ersten Schritte nach dem Hochziehen, denn es erweitert den Aktions- und Möglichkeitsradius des Kindes.

Der richtige Zeitpunkt um seinem Kind das Lesen beizubringen

Nun können nicht die Eltern oder Lehrkräfte den Zeitpunkt des Lesen Lernens bestimmen, denn die hirnphysiologische Entwicklung, das Tempo und die natürliche Neugierde am Lernen sind wichtige Indikatoren für einen erfolgreichen Start des Lesen Lernens. Mit anderen Worten, die Zeichen, die Sie beim Kinde wahrnehmen, sie bestimmen den Zeitpunkt, denn erst wenn die hirnphysiologische Entwicklung es zulässt, ist es überhaupt möglich, diese Fertigkeit zu erlernen.

Ist es nun am Schulbeginn laut Lehrplan angedacht, das Kind soll lesen lernen, es funktioniert aber einfach nicht, entstehen Frust, Ängste, Entwertungen, Misstrauen und Demotivation. Das Kind übt sich in Vermeidungshaltung und fällt unter Umständen in Kleinkindmuster zurück, wird aggressiv oder massiv ängstlich.

Soweit sollte es nicht kommen, denn es kann auch zu Entwicklungsverzögerungen und oder Entwicklungsstörungen gekommen sein, die es schlichtweg unmöglich machen, ohne spezielle Hilfe Lesen zu lernen. Da gibt es Experten, die helfen, herauszufinden, woran es liegen könnte und wie am besten zu verfahren sei. Lehrkräfte äußern zusätzlich oftmals ihre Verdachtsmomente und raten zum Abwarten oder zum Abklären.

Verzögerungen und Störungen

Bei Verzögerungen in der normalen Entwicklung braucht es Geduld und  eine Vermittlung von wohlwollender Zuversicht. In der Regel holt es das Kind dann auf, wenn es soweit ist. Hilfreich ist es dabei, mit dem Kind am Spracherwerb zu üben, Wortspiele und Geschichten erdenken, vorlesen, u.v.m. Ein neuer Start kann dann Stück für Stück ausprobiert und behutsam vorangetrieben werden.

Bei Entwicklungsstörungen gibt es professionelle Hilfe, die individuell zum Kind angepasst wird, denn auch dabei gibt es keine universalen Störungen und universale Hilfen, sie sind in ihrem Ausmaß höchst individuell und entsprechend zu behandeln. Als Eltern werden Sie mit ins Boot geholt und gemeinsam geht es in die richtige Richtung.

Zu früh?

Es gibt in der Tat die Kinder, die in der Entwicklung voraus sind und schon zu einem frühen Zeitpunkt ihr Interesse am Lesen signalisieren. Da hat eine frühere Entwicklung im Gehirn stattgefunden, das entsprechende Abstraktionsvermögen ist ausgebildet und das Kind drängt auf das Lernen des Schriftspracherwerbs. Da wäre es fatal, das Kind auszubremsen, es erzeugt Demotivation, Misstrauen und Selbstwertprobleme, es wird in seiner natürlichen Lernbereitschaft und Neugierde stark entmutigt. Diese Kinder lernen das Lesen oft ohne Hilfe der Bezugspersonen, brauchen diese aber, in Sachen Bindung und Vertrauen.  Auch hierbei braucht es Geduld, nämlich dann, wenn das Kind seinen Mitschülern dann voraus ist. Gespräche zwischen Eltern und Pädagogen helfen, einen guten Weg zu finden. Entwicklung ist im Tempo individuell und schon C.F.Gauß hat seine berühmte Kurve zur Verteilung der Intelligenz entwickelt, was sich durchaus auf das Tempo des Lernens auswirkt.

Wichtige Bausteine beim Lesen lernen mit Kindern

Welche Bausteine zum Lesen lernen sind noch erheblich? Ich habe sie schon erwähnt und doch wiederhole ich es hier, da sie die Grundvoraussetzungen bilden, mit Freude zu lernen:

Vertrauen - Vertrauen Sie ihrem Kind und es lernt sich selbst zu vertrauen! Vertrauen sie in den Erfolg und Ihr Kind darf auf seinen Erfolg vertrauen!

Geduld – Bleiben Sie geduldig, wenn es auch nicht so schnell voran geht, wenn es Rückschritte gibt oder wenn Sie das gesteckte Ziel nicht erreichen! Bleiben Sie während des Übens bei Ihrem Kind, auch mental, denn es spürt, wenn Sie sich schon im Gedanken woanders befinden, das beunruhigt und verunsichert und stört die Bindung!

Motivation – Die Motivation ist dann am effektivsten, wenn sie direkt aus dem Kinde, mit natürlicher Neugierde, kommt. Das können Sie fördern, indem Sie positiv daran gehen, selbst motiviert lesen und Bücher/Leseobjekte nutzen. Wenn Sie ein Vorbild sind und wenn Kinder sehen, Lesen hilft mir weiter, hilft mir zu verstehen, mein Aktionsradius erweitert sich, wie beim Laufen lernen!

Wertevermittlung – Welchen Stellenwert hat Lesen in Ihrer Familie, was bedeutet es für Sie, welche Intention und natürliche Freude steckt für Sie dahinter? Sie sind das Vorbild für Ihr Kind. Glauben Sie an Ihr Kind, es kann und wird es schaffen, früher oder später, glauben Sie an Ihr Kind!

Freude – Wenn Sie Freude am Lesen haben, spürt es Ihr Kind! Auch wenn Sie nicht gerne lesen, können Sie die Freude wecken, indem Ihr Kind darüber Ihre Zuwendung erfährt und spürt, dass es gemeinsame, wertvolle Zeit ist und gleichzeitig neue Fertigkeiten dabei herauskommen werden.

Adäquater Umgang mit  Fehlern – Bleiben Sie gelassen, wenn es noch nicht fehlerfrei klappt, loben Sie nicht zu überschwänglich, sondern angemessen und korrigieren Sie liebevoll.  Wenn Sie selbst mit Ihren eigenen Fehlern adäquat umgehen, darf auch Ihr Kind den adäquaten Umgang mit seinen Fehlern lernen. Fehler gehören bei allem dazu, was wir tun und bringen uns oftmals sogar weiter. Fehler sind kein Grund für Herabwürdigungen!

Akzeptanz und Respekt – Akzeptieren Sie den Weg, den Ihr Kind zum Lernen des Lesens wählt, es gibt verschiedene Arten und so darf es sein! Respektieren Sie das Tempo und die Weise, die Ihr Kind intuitiv wählt, stärken Sie es, indem Sie mit Wohlwollen akzeptieren und Respekt zeigen.

Dieser Ansatz ist ein anderer, als Sie vielleicht beim Lesen der Überschrift erwartet haben, er ist in meinen Augen sehr wichtig und hilfreich. Genießen Sie die Fortschritte Ihres Kindes, unabhängig ob es ein Früh-, ein Schnell-, ein Langsam-, ein „in seiner Entwicklung gehinderter“ Leser ist. Lernen kann und darf es Ihr Kind, es ist ein Privileg zu Lesen und schafft die Basis für weiteres Lernen. 

Lesetipp für Kinder: Lilli - Eine Geschichte für Kinder und Kindgebliebene

Autor: Maren Heucke, Heilpraktikerin für Psychotherapie
Thema: Wie lerne ich am besten mit meinem Kind lesen
Webseite: https://www.beratung-bewegt-hh.de

#Erziehung, #Familie

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