Kinder in der Praxis zu behandeln ist ein Geschenk - sie nehmen die Gesundheit mit in ihr Leben und können sich mit den wiedergewonnenen oder auch neuen Kräften stabiler entwickeln und gedeihen.

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Das Krankheitsgeschehen verstehen

Voraussetzung für eine erfolgreiche Behandlung ist das Verständnis dessen, was ursächlich zusammenspielt, wenn sich bei einem Kind ein Beschwerdebild entwickelt.

Sorgfältig wird untersucht, was zur Entstehung der Beschwerden beigetragen haben kann - konstitutionelle Faktoren (wie z. B. eine allergische Disposition in der Familie), äußere Umstände (Reisen mit Klimawechsel, ein Umzug, ein Schulwechsel), das direkte soziale Umfeld, Fragen der Lebensführung wie Schlafenszeiten, Ernährungsweisen und vieles mehr.

Ein chinesisches Sprichwort sagt „Ist das Kind krank, so behandle die Mutter“.

Auf der einen Seite bezieht sich dieses Sprichwort auf eine Behandlungsstrategie, die spezielle Akupunkturpunkt-Kombinationen beinhaltet. Auf der anderen Seite drückt es die Vorstellung aus, daß Kinder bis zum 12. Lebensjahr mit ihren Beschwerden häufig die Emotionen und Ereignisse ihres näheren Umfeldes widerspiegeln.

Xiao Er Tuina und Shonishin

zwei manuelle Behandlungsformen für Säuglinge, Kleinkinder und Kinder bis ca. zum 12. Lebensjahr -

Im Kontext der chinesischen Medizin sind eigenständige Behandlungsarten für Kinder entwickelt worden, Xiao Er Tuina (Kleinkindmassage), oder Shonishin (japanische Kinderakupunktur), die ohne die Anwendung von Nadeln auskommen.

Basierend auf den Theorien und Grundlagen der Chinesischen Medizin, wie den fünf Wandlungsphasen und mit dem Wissen um die hohe Sensibilität und schnelle Reaktivität von Kindern sind diese Therapieformen für die Behandlung von Kindern über Jahrhunderte hinweg entwickelt und verfeinert worden.

Angewandt werden sie in Form von Streichungen der Meridiane oder bestimmter Bereiche, durch Pressen, Halten, oder Massieren von Punkten, klopfenden, kreisenden, schiebenden Bewegungen, die leicht von der Hand gehen und von den Kindern gut angenommen werden.

Für Eltern und Kinder ist es oft eine gute Erfahrung, daß diese Behandlungsform den Kindern angenehm ist und ihnen keine Schmerzen zufügt.

Kinder können während der Behandlung geborgen in den Armen der Eltern spielen, Geschichten zuhören und kuscheln oder eine vertraute Hand halten.

Selber Hand anlegen

Meridiane werden gestrichen, Akupunkturpunkte massiert, manche Bereiche werden reibend erwärmt oder leicht beklopft. Diese Behandlungstechniken können in kleinerem Umfang von den Eltern erlernt und angewandt werden, um die Behandlung zu unterstützen, oder auch, um sie später selbstständig anzuwenden.

Zum Beispiel kann ein Kind unter häufig wiederkehrenden Infekten leiden. Das ständige Kranksein schwächt das Kind zusätzlich zu den auftretenden Symptomen.

Wird das Kind durch die Behandlung stabiler, so werden auch die Infekte seltener und die Verläufe milder. Dann können die Techniken, die die Eltern zur Behandlungsbegleitung gelernt haben von ihnen selbst angewandt werden, um einen beginnenden Infekt abzufangen. 

Die Verarbeitung von Nahrung und Ereignissen

Die freie Atmung, sowie das gesunde Verarbeiten von Nahrung und Ereignissen bilden einen wichtigen Teil der Grundlage für unsere Kraft und Lebensentfaltung.

Bei Kindern, die in jeder Hinsicht beständig wachsen, werden die Atmung und die Verdauung kontinuierlich beansprucht. Dies sind Bereiche, in denen bei Kindern sehr häufig Beschwerden auftreten - von ständig tropfender/verstopfter Nase, Infektanfälligkeit, allergischem Asthma bis zu Bauchschmerzen, Durchfällen, Erbrechen.

Vor allem Lunge und Milz sind in der Chinesischen Medizin verantwortlich dafür, neue Energie für die komplexen Wachstumsprozesse zur Verfügung zu stellen.

Milz und Magen, den Funktionskreisen der Mitte, wird in der chinesischen Medizin eine wichtige Rolle zugesprochen. Neben der Verarbeitung von Nahrung und Ereignissen und der Bereitstellung von Energie kann eine gesunde Mitte uns große Stabilität geben.

Mit der Lunge steht hingegen nicht nur die Atmung in Verbindung, sondern auch die Abwehrstärke sowie die Fähigkeit sich dem Wetter wie auch den Lebensumständen immer wieder neu anzupassen.

Aufgrund der zentralen Funktionen von Milz und Lunge sind Beschwerden in diesen Bereichen nicht zu unterschätzen.

Nicht nur was wir essen, auch wie oft und welche Mengen, wann und vielleicht auch mit wem - viele Aspekte rund um das Essen haben unterschiedliche Einflüsse auf die Verarbeitung und den Gehalt, der daraus gezogen wird.

Kleinere oder größere Veränderungen bei den Ernährungsgewohnheiten über einen kürzeren oder auch längeren Zeitraum können deshalb einen wertvollen Beitrag zur Gesundung leisten.

Eine Art von Bauchschmerzen

Es gibt zum Beispiel eine recht häufige Art von Bauchschmerzen bei Säuglingen und Kleinkindern, die aus Sicht der Chinesischen Medizin durch eine Nahrungsstagnation hervorgerufen wird. Hier ist für die Gesundung nicht andere Nahrung, sondern eine Änderung von Menge und Häufigkeit entscheidend.

Von außen sieht man ein Kind, das ständig Hunger hat, aber nicht richtig essen will, das meist auch rote Bäckchen hat („sieht doch gesund aus“) und Bauchschmerzen, bei Säuglingen tritt häufiger auch Erbrechen auf - und man weiß nicht, was das Kind eigentlich hat.

Hier sind die Verdauungsorgane mit der Nahrungsverarbeitung überfordert, so daß sich ein Teil der Nahrung anstaut.

Das Ganze ist ein circulus vitiosus: da die Nahrung aufgrund der Schwäche von Milz und Magen nicht vollständig verdaut werden kann bilden sich Rückstände. Diese entwickeln durch die Stagnation eine Hitze. Diese Hitze wiederum fühlt sich für das Kind an wie Hunger. Es verlangt nach Essen, ist aber nach ein zwei Bissen schon satt, weil der Verdauungstrakt noch gefüllt ist. Zu den alten Nahrungsrückständen kommen neue, die die Entwicklung der Hitze fördern und das Hungergefühl entsteht von neuem.

Die Nahrungsmenge ist nun pro Mahlzeit klein, die Abstände zwischen den Mahlzeiten sind gering – manchmal geht eine Mahlzeit in die nächste über. Das Kind klagt über Bauchschmerzen, schläft schlecht, der Stuhl stinkt, kann grün sein, oder unverdaute Nahrungsreste zeigen.

Die Behandlung im Rahmen der Chinesischen Medizin zielt darauf ab, daß die Nahrungsrückstände entleert werden, Milz und Magen stabilisiert und dann längerfristig gestärkt werden und das Essverhalten verändert wird. Es ist in diesem Fall unbedingt sinnvoll, daß die Mahlzeiten nun, wo Platz ist, trotzdem nicht zu groß sind, sondern dem noch geschwächten Verdauungssystem angepasst und daß auch angemessene Abstände zwischen den Mahlzeiten herrschen. Der Magen muß ein Mal richtig leer werden, bevor die nächste Nahrung aufgenommen wird, damit sich nicht wieder ein Rückstau bildet.

So hat das Kind ausreichend Zeit und Energie, die Nahrung vollständig zu verdauen und daraus neue Energie, Lebenskraft und auch Lebenslust zu entwickeln.

Das macht die Arbeit mit Kindern letzten Endes so beglückend – zu sehen, wie sie nach so schwächenden Beschwerden wie ständigen Bauchschmerzen, allergischem Asthma, juckenden Ekzemen, oder chronischen Infekten wieder langsam zu Kräften kommen, zu sich selber kommen, kräftiger werden und mit dieser neu gewonnenen Kraft und auch innerer Stabilität ins Leben gehen und die nächsten 80 Jahre meistern.

Akupunktur für Schwangere - gut für Mutter und Kind

Die Schwangerschaftsbegleitung durch Akupunktur kann sich in allen Phasen der Schwangerschaft günstig auswirken.

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Zum einen kann auf Schwangerschaftsbeschwerden Einfluss genommen werden, zum anderen kann auch der Geburtsvorgang positiv beeinflußt werden. Schwangerschaftsübelkeit, Sodbrennen, starke Müdigkeit oder Schlafstörungen, Ödeme, Schmerzen der Symphyse oder des Rückens sind bei Schwangerschaften nicht selten, aber beeinträchtigend für Mutter und Kind.

Auch bei einer Beckenendlage kann zum richtigen Zeitpunkt eine natürliche Drehung des Kindes mit den Mitteln der Chinesischen Medizin unterstützt werden.

Die geburtsvorbereitende Akupunktur zielt direkt darauf ab, der Mutter und auch dem Uterus Energie für die Geburt zugänglich zu machen, die Muskeln und Sehnen des Beckenraumes zu stärken und die geschmeidige Öffnung des Muttermundes vorzubereiten.

Zugleich kann mit der Schwangerschaftsbegleitung das werdende Kind durch seine Entwicklungsphasen begleitet werden.

Autor: Suzanne Rainer, Praxis für Chinesische Medizin
Thema: Chinesische Medizin - Kinder behandeln ohne Nadeln
Webseite: http://www.naturheilpraxis-akazienstr.de

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