Ratgeber Lifestyle

Ein Artikel von Tierphysiotherapeutin und Tierheilpraktikerin Katrin Lodes.

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Der Hund – der beste Freund des Menschen und heutzutage so viel mehr. Hunde sind Freunde, Familienmitglieder, Spielgefährten, Sportsfreunde und Seelentröster. Umso schlimmer ist es, wenn unsere geliebten Vierbeiner mit schmerzhaften Erkrankungen kämpfen müssen.

Doch wie erkenne ich Schmerzen beim Hund?

Kann er mir sie deutlich zeigen? Und wie ist es um das Schmerzempfinden des Hundes überhaupt gestellt?

Die Antworten zu diesen Fragen soll der nachfolgende Artikel geben.

Hunde können, anders als wir Menschen, Schmerzen sehr lange aushalten und kompensieren sie auf die unterschiedlichsten Arten. Jeder wird selbst schon mal beobachtet haben, dass der eigene Hund Zuhause bedrückt und ruhig erscheint, aber draußen auflebt und sogar mit anderen Artgenossen spielen möchte. Spätestens dann fragen mich die meisten Hundehalter: „Wie kann das sein? Hat mein Max überhaupt Schmerzen oder schauspielert er nur um Aufmerksamkeit zu bekommen?“

Um genauer darauf einzugehen, muss man sich das Schmerzverhalten der Hunde anschauen. Hunde können Schmerzen nicht so äußern, wie wir Menschen. Problematisch ist, dass Hunde Schmerzen gar nicht zeigen wollen. Dieses Verhalten, welches rein biologisch und evolutiv bedingt auf den Wolf zurückzuführen ist, sagt nichts über die Bindung zu seinem Menschen aus. Für wildlebende Wölfe oder Hunde macht dieses Verhalten durchaus Sinn, denn nur fitte, gesunde Tiere sind im Rudel willkommen und haben einen Nutzen. Schwache oder kranke Tiere werden gemobbt oder sogar verstoßen. Daher versuchen Hunde instinktiv sich Schmerzen nicht anmerken zu lassen. Somit leidet der Hund nicht nur auf der körperlichen Ebene, sondern hat unter Umständen sogar Angst um seinen Platz im Rudel, in seiner Familie. 

Daher ist es an uns, unsere Hunde genauestens zu lesen und jede kleinste abweichende Verhaltensweise zu hinterfragen, um bestmöglich über den Gesundheitszustandes unseres geliebten Freundes Bescheid zu wissen. In meiner Praxis erlebe ich häufig, dass Menschen ihre Hunde zwar tagtäglich anschauen, sie aber nicht genau sehen. Was meine ich damit?

Damit meine ich, dass ich als Therapeutin viele Auffälligkeiten beobachte, die dem Halter noch nie ins Auge gestochen sind. Wenn ein Hund in meiner Praxis vorgestellt wird, dann schaue ich ihn mir erstmal aus der Ferne an und achte auf seinen Stand, die Kopfhaltung, die Rückenlinie, die Haltung der Rute und natürlich auf sein Verhalten und Wesen. All diese Dinge können mir ganz schnell einen ersten Aufschluss über den aktuellen Zustand des Hundes geben. Oftmals lassen sich direkt anfangs schon einige Dinge aufklären, wie bspw. ein aufgewölbter Rücken. Dieser kann auf unterschiedliche Dinge hinweisen, wie Rückenschmerzen, Nierenschmerzen, aber auch Bauchschmerzen.

Bevor mir der Hund aber überhaupt erst in der Praxis vorgestellt werden sollte, können Hundebesitzer sich bereits im Vorfeld ein eigenes Bild vom Gesundheitszustand ihres Hundes machen. Sie sollten sich folgende Punkte genauestens anschauen, um eventuelle Auffälligkeiten beobachten zu können.

Indikatoren um Schmerzen beim Hund zu erkennen

Fress- und Trinkverhalten

Frisst mein Hund noch? Nimmt er genügend Flüssigkeit zu sich? Verweigert er Mahlzeiten? Wenn selbst das Lieblingsfutter oder Leckerchen nicht aufgenommen wird, so ist das ein deutlicher Hinweis dafür, dass der Hund sich unwohl fühlt.

Kot und Urin

Auch wenn es nun etwas unappetitlich wird, ist der Absatz, sowie Farbe und Konsistenz von Kot und Urin oftmals ein deutlicher Hinweis für Beschwerden. So können wir Hinweise für bestimmte Erkrankungen finden, die nicht immer nur mit dem Magen- und Darmtrakt in Verbindung stehen müssen. Äußert ein Hund beispielsweise beim Kotabsatz und der damit einhergehenden Krümmung des Rückens Schmerzen, in dem er immer wieder erneut ansetzt, um seine Notdurft zu verrichten oder sogar aufjault, sollte der Rücken untersucht werden. Außerdem können Inkontinenz oder Verhalt auf eine neurologische Problematik des Rückens hinweisen.

Verhalten

Ein sehr wichtiger Indikator für den Zustand unseres Hundes ist natürlich sein Verhalten. Manche Hunde ziehen sich zurück und suchen nur ihre Ruhe, sie wollen nicht mehr spielen oder toben und haben auch kein Interesse mehr an Hundebegegnungen. Allerdings zeigt sich in der Praxis oftmals auch ein ambivalentes Verhalten: Zuhause ist der Hund eher ruhig bis hin zur Lethargie, draußen wirkt er wacher und zeigt gegebenenfalls sogar Jagd- oder Spielverhalten – das bedeutet allerdings nicht, dass der Hund keine Schmerzen hat, da durch die Umweltreize Hormone freigesetzt werden, die das Schmerzempfinden kurzzeitig unterdrücken. Außerdem ist auch ein plötzlich auftretendes Aggressionsverhalten im Zusammenhang mit Schmerzen zu sehen und der Patient sollte umgehend umfassend untersucht werden.

Vitalwerte

Auch Atmung, Puls und Körpertemperatur sind wichtige Faktoren bei Erkrankungen und eventuellen Schmerzen. Die normale Atemfrequenz in Ruhe beträgt, je nach Größe, 15-30 Atemzüge pro Minute. Zeigt der Hund übermäßiges Hecheln oder eine sehr flache Atmung, deutet es daraufhin, dass es ihm nicht gut geht.

Die Pulsfrequenz liegt bei 80-120 Schlägen pro Minute, wobei dies hier auch wieder abhängig von Größe und Trainingszustand des Tieres ist. Ein kleiner Hund hat eine höhere Pulsfrequenz, als ein großer. Ein gut trainierter Sporthund zeigt meistens eine niedrigere Pulsfrequenz. Der Puls sollte im Ruhezustand und an der Innenseite des Oberschenkels gemessen werden.

Die Körpertemperatur lässt sich ganz einfach mithilfe eines einfachen Fieberthermometers rektal im After messen. Zwischen 37,5° Grad und 39° Grad befindet sich die Temperatur in der Norm.

Außerdem können durch einen kurzen Blick ins Maul und/oder die Augen, die Schleimhäute überprüft werden. Diese sollten leicht rosa sein. Weiße, dunkelrote oder bläuliche Schleimhäute deuten auf verschiedene Erkrankungen hin.

Vermeideverhalten

Der Hund zeigt deutlich, dass er bestimmte Bewegungen oder Handlungen nicht mehr ausführen kann/will. Treppen werden verweigert, Sprünge ins Auto oder aufs Sofa vermieden und sogar bei manchen Berührungen weicht er aus. Zeigt sich dieses Verhalten auch noch ganz plötzlich, könnten Wirbel- und Gelenkblockaden/-erkrankungen die Ursache für ein solches Verhalten sein.

Lecken und Knabbern

Häufig zeigen Hunde ein gesteigertes Leckverhalten an der Körperstelle, die ihnen Unwohlsein verursacht. Die Ursache dafür muss nicht immer oberflächlich sein. So werden beispielsweise arthrotische Gelenke beleckt und benagt.

Haut und Haarkleid

Auch die Beschaffenheit des Fells kann Aufschluss über gesundheitliche Probleme geben. Hat der Hund ein eher glanzloses, stumpfes Fell und eine schuppige Haut? Leidet er teilweise sogar an Haarverlust, sollte man sich diese Körperstelle mal genauer ansehen. Grundsätzlich ist bei solchen Haar- und Hautveränderungen dann ein Blutbild angeraten, um eine genaue Ursache finden zu können. Ein gesunder Hund hat ein kräftiges, glänzendes Haarkleid und eine leicht fettige Haut (aufgrund von Talgproduktion).

Veränderte Bewegungsabläufe

Sobald der Hund lahmt oder alltägliche Bewegungen, wie hinsetzen, hinlegen oder aufstehen anders ausführt, zeigt er damit deutlich Schmerzen und Schwierigkeiten an. Besonders wichtig ist es die Gangarten des Hundes von Anfang an zu beobachten. Läuft er Schritt, Trab und Galopp harmonisch oder zeigt er Auffälligkeiten, wie bspw. Hoppeln im Galopp? Fällt er eventuell oft in den Passgang? Dieser kann ein Talent, also eine vierte Gangart sein, sofern der Hund den Pass von klein auf zeigt. Ist er erst später in einem höheren Lebensalter erstmalig zu beobachten, so deutet der Passgang auf Probleme in der Lendenwirbelsäule hin. Hat er Anlaufschwierigkeiten nach dem Aufstehen, läuft sich während der Gassirunde aber dann ein? Kann der Hund sich schütteln, strecken, kratzen, das Gleichgewicht halten? Schleift er eventuell sogar mit den Hintergliedmaßen und hat neurologische Probleme? Vermeidet er es den Kopf zu heben oder zu biegen? Zeigt er eventuell sogar einen Kopfschiefstand?

Sobald der Hund etwas anders ausführt, als bisher, sollte er einem Orthopäden, Physiotherapeuten oder Osteopathen vorgestellt werden, um die Ursache abklären zu lassen und frühzeitig intervenieren zu können.

Muskulatur

Die Muskulatur kann uns ebenfalls Aufschluss darüber geben, ob der Hund eventuell in bestimmten Bereichen Bewegungseinschränkungen oder Schmerzen hat. Ein gesunder Hund, der ausreichend Bewegung erhält, hat eine ausgeprägte, gut tastbare Muskulatur. Das richtige Maß an Bewegung ist hier das richtige Stichwort, sind unsere Familienhunde doch tendenziell alle unterbewegt. Ein großer Hund kann und sollte problemlos 20km pro Tag zurücklegen. Generell sollten sich Hunde viel im Freilauf befinden, um bestimmte Strukturen im Körper entsprechend zu trainieren, damit Erkrankungen am Bewegungsapparat vorgebeugt werden können. Es gilt tatsächlich das Sprichwort: Wer rastet, der rostet.

hund sitzt und schaut

All diese Punkte geben uns als Tierhalter Aufschluss darüber, wie es unseren Vierbeinern geht. Wir müssen im Hinterkopf behalten, dass unsere Hunde Schmerzen nicht gerne zeigen, aber wenn doch, sie sich auf vielfältige, ganz unterschiedliche Art und Weise äußern können, die teilweise sogar ambivalent sind.

Doch was tun, wenn der Hund nun also Schmerzen hat?

Natürlich ist der größte Wunsch des Menschen den Hund wieder schmerzfrei leben lassen zu können. Schmerzmittel sind daher immer das erste Mittel der Wahl. Doch hier ist Vorsicht geboten: erstens muss das Schmerzmittel entsprechend der Erkrankung ausgewählt und angepasst werden und zweitens sollte über etwaige Nebenwirkungen, wie beispielsweise Schädigung von Leber und Niere aufgeklärt werden. Je nach Ursache der Schmerzen kann oder muss ein operativer Eingriff durchgeführt werden.

Aber auch naturheilkundlich und alternativ kann durch entsprechende homöopathische oder pflanzliche Mittel eine Schmerzlinderung und/oder Unterstützung des Körpers erzielt werden.

Bei Schmerzen des Bewegungsapparates ist Physiotherapie anzuraten, um neben der Rehabilitation des Patienten auch mit der Erkrankung einhergehende Blockaden, Verspannungen und andere Dysbalancen im Körper aufzulösen, ein besseres Körpergefühl zu erzielen, Muskulatur aufzubauen und dadurch gegebenenfalls eine Schmerzmedikation herabzusenken.

hund training belohnung

Abschließend kann ich aus meiner Erfahrung behaupten, dass jeder Hund, und sei er noch so gesund, an Blockaden im Bereich des Bewegungsapparates leidet und regelmäßig mobilisiert werden muss um Langzeitschäden zu vermeiden. Um ernsthaften Erkrankungen vorzubeugen, sollte dem Hund ein hochwertiges Futter angeboten werden und penibel auf eine schlanke Linie geachtet werden. Regelmäßige Bewegung und das Trainieren unterschiedlichster Bewegungsabläufe, wie bspw. Balancieren schult die tiefliegende Haltemuskulatur die wiederum den Hund in Alltagssituationen durch ein besseres Körpergefühl unterstützt. All das kostet nicht viel Zeit und Mühe, sondern macht sogar Spaß und fördert die Bindung zwischen Mensch und Hund.

Und trotzdem ist es also unumgänglich sich seinen besten Freund immer wieder genaustens anzusehen, um ihm bei frühzeitigen Anzeichen eine bestmögliche Behandlung und Unterstützung zukommen zu lassen, damit man lange gemeinsam unbeschwert durchs Leben gehen kann.

Autor: Katrin Lodes
Thema: Schmerzen beim Hund erkennen
Webseite: http://www.sportsfreund-tierischfit.de



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