Ratgeber Lifestyle

Natürlich, im Nachhinein sehe ich, dass ich schon lange energielos war.

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Abends konnte ich nicht einschlafen und morgens bin ich gerädert und unerholt aufgewacht. Aber ich schob es auf die Hitze oder die ständigen Erkältungen die ich hatte. Ich hatte keine Lust und Energie mehr, mich abends mit Freunden zu treffen oder zum Sport zu gehen. Ich wollte mich einfach nur noch mit einem Bier oder einem Wein auf der Couch ausruhen, eine aufgebackene Pizza oder was ähnlich Schnelles herunterschlingen und mir was in der Flimmerkiste vorbei laufen lassen oder mich mit einem Computerspiel ablenken, nein eigentlich betäuben.

Am nächsten Tag musste ich mich zur Arbeit zwingen. Was mir früher leicht von der Hand ging und Spaß machte, war jetzt eine Qual. Die Leute in der Umgebung empfand ich als ätzend und nervig.Wie konnte ich mal mit denen gut auskommen?

Und plötzlich ging gar nichts mehr. Mein Körper streikte.

Wen trifft Burnout?

So, oder so ähnlich geht es vielen. Es sind nicht nur Manager. Besonders Leute im Gesundheitswesen wie Ärzte und Pflegepersonal in Krankenhäusern und Alterseinrichtungen sowie Lehrer sind gefährdet. Es trifft oft Frauen mit Mehrfachbelastung durch Arbeit, schwierige Beziehungen, Sehnsucht nach Liebe, Haushalt, Kindern, Pflege der Eltern und sozialem Arrangement. Selbst Studenten sind mittlerweile betroffen.

Was ist Burnout?

Menschen, die unter einem Burnout leiden, haben meistens einmal für etwas gebrannt.

Der amerikanische Psychoanalytiker Herbert Freudenberger benutzte 1974 diesen Betriff - Burnout-Syndrom, - das erst mal. Er beschrieb damit einen schwerwiegenden Zustand körperlicher, emotionaler und geistiger Erschöpfung bei Ärzten. Diese waren oft über Jahre hinweg dauerhafter Überlastung, durch Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste, ausgesetzt. Sie halfen anderen Menschen mit großem Engagement. (Jahrelange anhaltende Überforderung durch Nacht-, Wochenend- und Feiertagsdienste und Überstunden.)

Fast jeder Arbeiter oder Angestellter kann zum Feierabend, nach 8 Stunden, seine Arbeit liegenlassen und nach Hause gehen. Die liegengebliebene Arbeit kann dann auch am nächsten Tag oder nach dem Wochenende erledigt werden. Das geht mit Kranken und in anderen Berufen, in denen Menschen betreut werden, meist nicht. nicht.

Dazu kommen die hohe Verantwortung für die Gesundheit und das Leben ihrer Schutzbefohlenen und der immer größer werdende Verwaltungsaufwand. Alle versuchen den hohen Ansprüchen gerecht zu werden. Erwartungen der Vorgesetzten, Kollegen, Patienten, ihrer Eltern oder ihre eigenen und vor allem die an sich selbst „müssen“ erfüllt werden. Die Gedanken, nicht gut genug zu sein, nicht genug zu leisten, vergrößern diesen Stress.

Wir Menschen sind in unserem Sozialverhalten dahingehend geprägt, mit anderen zusammen zu leben. Die Meinung anderer ist uns wichtig. Deshalb versuchen wir den Ansprüchen der Mitmenschen gerecht zu werden. Dafür zahlen wir oft einen zu hohen Preis. Mit unserer Gesundheit.

Gesundheit bedeutet nach der Definition der  WHO, der Weltgesundheitsorganisation:

„Gesundheit ist ein Zustand des vollständigen körperlichen, geistigen und sozialen Wohlergehens und nicht nur das Fehlen von Krankheit oder Gebrechen.“ 

Laut einer DAK-Studie liegen die psychischen Erkrankungen auf Platz zwei als Grund für Arbeitsunfähigkeitstage in Deutschland, hinter den Erkrankungen des Muskel-Skelett-Systems. Im psychischen Bereich stiegen die Anzahl der Fehltage seit 2011 von 13,4% auf 16,7% im Jahr 2017. Also nicht nur ein persönliches Schicksal eines jeden Erkrankten mit enormen Leid und Infragestellen des ganzen Lebens, sonder auch ein gewaltiger volkswirtschaftlicher Verlust.

Welche Stressfaktoren begünstigen Burnout?

Weitere Stressfaktoren können der Verlust eines geliebten Menschen, Änderung der Lebensgewohnheiten, wie Hochzeit, Scheidung, schwere Krankheiten bei sich selbst oder in der Familie, Umzug, Arbeitsplatzwechsel, Familienzuwachs oder Auszug eines Kindes, hormonelle Umstellung, Familienfeste oder sogar ein Urlaub sein.

1967 entwickelten Holmes und Rahe die Life-Event-Theorie. Sie konfrontierten 400 Probanden mit 43 Ereignissen und ließen sie diese an einer Stressskala bewerten. Anhand der LCU-Skala (Life Change Units) konnte man sich vor Augen führen, wie hoch die Stressbelastung im letzten Jahr war.

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Wie/woran kann ich rechtzeitig bei mir oder anderen beginnenden Burnout erkennen?

Anhand des  12 STUFEN DES BURN-OUT SYNDROM-MODELLS

STUFE 1: Der Zwang sich zu beweisen

  • Zu diesem Zeitpunkt besteht große Begeisterungsfähigkeit für die Arbeit gepaart mit einer erhöhten Erwartungshaltung an sich selbst.
    Es werden eigener Grenzen übersehen und eigener Bedürfnisse zurück stellt

STUFE 2: Verstärkter Einsatz

  • neuen Aufgaben und Mehrarbeit werden bereitwillig übernommen. Natürlich wird auch Freizeit dafür geopfert. Man fühlt sich unentbehrlich und am besten macht man alles gleich selbst, damit es richtig erledig wird
  • Das Immunsystem leidet darunter und es treten vermehrt an Bagatellerkrankungen. auf

STUFE 3: Subtile Vernachlässigung eigener Bedürfnisse

  • Um die Mehrleistungen zu schaffen bedarf es einer größeren Menge an Kaffee, Aufputschmitteln bzw. Zigaretten.
  • Müdigkeit durch vermehrte Schlafstörungen

STUFE 4: Verdrängung von Konflikten und Bedürfnissen

  • Eigentlich ist der Konflikt bewusst, wird aber verdrängt.
  • Es kommt häufiger zu Fehlern z.B.: Verpassen von Terminen, nicht erledigen von gestellten Aufgaben, Arbeiten werden nicht mehr genau ausgeführt.
    Zu diesem Zeitpunkt werden Hobbys aufgegeben
  • Es kommt zu Energiemangel und Schwächegefühl.

STUFE 5: Umdeutung von Werten

  • Warum mache ich das alles? Welchen Sinn hat das?
  • Abstumpfung und Aufmerksamkeitsstörungen. Es wird immer weniger etwas mit Freunden oder Familie unternommen.
    Private Kontakte werden als belastend empfunden und nicht als Ressource.
  • Es tauchen Probleme in der Partnerschaft auf. Es kann zur Zerreißprobe für die Beziehung kommen.

STUFE 6: Verstärkte Verleugnung aufgetretener Probleme 

  • Probleme werden bagatellisiert, es entsteht das Gefühl mangelnder Anerkennung, Statt Illusionen überwiegen Frustrationen.
  • Täglich wächst der Widerstand zur Arbeit zu gehen. Es kommt vermehrt zu Fehlzeiten, verspätetem Arbeitsbeginn und vorverlegtem Arbeitsschluss.
  • Es erfolgt die innere Kündigung.

STUFE 7: sozialer und emotionaler Rückzug

  • Man fühlt sich immer ohnmächtiger.Orientierungs- und Hoffnungslosigkeit, innere Leere machen sich breit. Man sucht vergeblich Ersatzbefriedigung durch Essen, Alkohol, Drogen, Spielen, Sexualität.
  • Die kognitiven Leistungen lassen nach und führen zu Ungenauigkeit, Desorganisation, Entscheidungsunfähigkeit 
  • Psychosomatische Reaktionen, Gewichtsveränderungen, Herzklopfen, Bluthochdruck

STUFE 8: Deutliche Verhaltensänderung

  • Es kommt zu verändertem Sprachverhalten.
  • Man reagiert ärgerlich auf gut gemeinte Unterstützung.
  • Initiative und Produktivität lassen nach: Dienst nach Vorschrift
  • Verflachung des sozialen Lebens: Gleichgültigkeit macht sich breit und ein Gefühl der Sinnlosigkeit entsteht. Es kommt zu Wutausbrüchen. Es wird der Sündenbock bei anderen gesucht. Schuld sind die anderen. Den Mitmenschen gegenüber zeigt man wenig persönliche Anteilnahme. Berufliche und soziale Kontakte werden gemieden.

STUFE 9: Verlust des Gefühls für die eigene Persönlichkeit, Depersonalisierung

  • Man fühlt sich selbst fremd und es entsteht ein Gefühl des Abgestorbenseins und innere Leere. Frühere Bedürfnisse werden nicht mehr erkannt. Es folgt ein automatenhaftes Funktionieren.
  • Psychosomatische Reaktionen wie Herz-Kreislauferkrankungen, Verdauungsprobleme, Schlaflosigkeit, Rückenschmerzen, Tinnitus, Schwindel, Kopfschmerzen treten noch mehr in den Vordergrund

STUFE 10: Innere Leere

  • Starke schmerzhafte Emotionen mit dem Gefühl des inneren Abgestorbenseins wechseln mit Angstzuständen, Panikattacken und Angst vor Menschen ab. Es entstehen Eigenbröteleien, Einsamkeit, negative Einstellung zum Leben. Auch exzessive sinnliche Befriedigung, z.B.: Kaufräusche, Fressattacken, exzessiver Sex bringen keine wirkliche Befriedigung

STUFE 11: Depression und Erschöpfung

  • Die Hoffnungslosigkeit erzeugt eine negative Einstellung zum Leben. Initiative und Motivation sind nicht mehr vorhanden.
  • Die extreme Erschöpfung weckt den starken Wunsch nach Dauerschlaf
  • Es kommt zu existenzieller Verzweiflung, Selbstmordgedanken. Oft erinnern die Symptome an die eines schwer traumatisierten Patienten.

STUFE 12: Völlige Burnout-Erschöpfung

  • Es folgt lebensgefährliche geistige, körperliche und emotionale Erschöpfung.
  • Angegriffenes Immunsystem, Herz-Kreislauf- oder Organversagen.
  • Suizidalität, Selbstmordgefahr

Wie kann ich mich gegen Burnout schützen?

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Das Beste ist natürlich die Prophylaxe. Lassen Sie es gar nicht erst soweit kommen. Betrachten Sie sich und Ihr Leben mal objektiv. Lassen Sie eine ausgiebige Gesundheitsuntersuchung machen. Bewerten Sie Ihren Ist-Zustand. Vielleicht bitten Sie einen vertrauten Menschen aus Ihrer Umgebung, Ihnen dabei zu helfen. Erstellen Sie ein Diagramm: Wie viel Zeit und Energie investieren Sie in die einzelnen Bereiche Ihres Lebens. Malen Sie einen Kreis und teilen Sie ihn in die entsprechenden Tortenstücke rauf:

  • Körper: Pflege, Schlaf, Ernährung, Genuss, Bewegung an der frischen Luft
  • Beziehung: Familie, Freunde, Partner
  • Freizeit: Hobbys, Urlaub, Kunst, Spaß, achtsames nichts tun
  • Arbeit: Geld, Stellung, Altersvorsorge


Sind die Teile annähernd gleich groß? Oder verdrängt die Arbeit alles andere?

Falls Sie sehen, dass Sie schon Parallelen in dem Stufenmodell und Ihrem Leben finden, scheuen Sie sich nicht professionelle Hilfe zu suchen.

Wer/was kann mir helfen?

Die Interventionsmöglichkeiten richten sich nach der Schwere der schon vorhandenen Beschwerden.

  • Achtsamer Umgang mit sich selbst und eine gute Selbstfürsorge
  • Problem erkennen. Ist-Status erstellen.
  • Ergreifen Sie Initiative. Da Sie diese Seite hier lesen, zeigen Sie ja schon Bereitschaft dazu.
  • Setzten Sie Prioritäten
  • Gewinnen Sie die Kontrolle über Ihr Leben zurück
  • Zur gesunden Lebensführung gehört eine ausreichende Versorgung des Körpers, durch eine ausgewogene und genussvolle Ernährung. Bei höherem Bedarf kann man benötigte Vitamine, Spurenelemente und Vitalstoffe substituieren
  • Sorgen Sie für eine ausgeglichene Arbeit-Freizeit-Balance in Ihrem Leben
  • Bewegung an der frischen Luft
  • Holen Sie sich Hilfe
  • Bei Ihrem Hausarzt können Sie einen Gesundheits-Check-up machen lassen


Ein geschulter Therapeut kann Ihnen bei folgenden punkten helfen:

  • Übersicht über Ihre Situation zu verschaffen.
  • Verdeckte Burnoutfaktoren zu enthüllen
  • Ihre Ressourcen wieder zu entdecken
  • Resilienz stärken
  • Selbstwertefühl stabilisieren
  • Entspannungs- und Selbstwahrnehmungsübungen zu erlernen
  • Stress abzubauen
  • Traumata behandeln
  • Sich selbst und die Freude am Leben wieder zu entdecken

 
Therapie ist zu wertvoll, um nur den Kranken vorbehalten zu sein.« Erving Polster

Ich wünsche Ihnen, dass Sie immer achtsam mit sich umgehen und gut für sich sorgen.

Herzlichst

Elsa Vetter

Autor: Elsa Vetter
Thema: Burnout Stufen
Webseite: https://www.heilpraktiker-voerde.de

Autorenprofil Elsa Vetter:

Avenia
Heilpraktikerin in Voerde Niederrhein
Naturheilkunde und Psychotherapie
Gesprächstherapie Gestalttherapie
Humanistische Verfahren
Traumatherapie
iEMDR



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