Eigentlich ist die Frage, was man mit Osteopathie behandeln kann, mit nur einem Satz zu beantworten, denn es lohnt sich bei fast allen Beschwerden, die über einen längeren Zeitraum entstanden sind, mit osteopathischen Ansätzen den Organismus zu unterstützen.

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Um diesem Gerecht zu werden möchte ich gerne etwas über die Zusammenhänge der Osteopathie schreiben. Die Wirkung der Osteopathie baut auf die Selbstregulationskräfte des Körpers auf. Dies meint, dass jede Behandlung auch noch nachwirkt und der Körper mit der neuen Situation autoregulativ nacharbeitet. In der Regel dauert eine Behandlung 30-60 Minuten. Bei jeder neuen Sitzung wird dann wieder neu untersucht und die Behandlung auf die derzeitige Situation  abgestimmt. Der Grundgedanke der Osteopathie ist mit den Händen zu behandeln. Dabei setzt der/die OsteopathIn alle seine Sinne ein. Er/Sie sieht und erspürt Spannungen, welche im Körper entstanden sind und gleicht sie mit seinen Erfahrungswerten ab. So wird der Patient in seiner Gesamtheit wahrgenommen. Auch Unruhezustände fließen in den Befund mit ein.

Die Behandlungen beginnen mit unter dadurch sehr ruhig und die Übergänge von Untersuchung und Behandlung sind  fließend und nicht immer deutlich zu erkennen, für den aufmerksamen Patienten aber doch spürbar. Der/die OsteopathIn kann über das Verständnis der faszialen (bindegewebigen) Verbindungen im Körper mögliche Auslöser für bestimmte Beschwerden finden, sie dort behandeln und so Beschwerden an ganz anderer Stelle lindern. Es wird also häufig nicht am Symptom selber behandelt, sondern dort wo der bindegewebige Zug im Körper hinführt. Fasziale Arbeit ist ein großer Anteil der osteopathischen Behandlung. Aber auch Gelenkprüfungen und craniale Ausgleichsverfahren gehören zu jeder osteopathischen Behandlung dazu. Dies ist das Wichtigste, dass alle drei Bereiche in jeder Behandlung Beachtung finden auch wenn der Schwerpunkt mal auf dem einen oder anderen Bereich liegt. Nach 3-4 Behandlungen sollte sich dann eine Wirkung zeigen, damit die Fortführung der Behandlung sinnvoll ist. Dies meint nicht, dass alle Beschwerden schon beseitigt sind, aber eine Veränderung sollte der Patient doch im Alltag wahrnehmen. Dies zeigt auch wie wichtig es ist, dass Patient und OsteopathIn im ständigen Austausch stehen um so die Behandlung immer auf die aktuelle Situation abstimmen zu können.

Störungen an der Bandscheibe, der Hexenschuss, Verletzungen der Bandstrukturen am Bewegungsapparat, Allergien und auch hormonelle Störungen können durch Osteopathie positiv beeinflusst werden. Da der Bewegungsapparat, die Schädelknochen, das Rückenmark und auch innere Organe bindegewebig miteinander verbunden sind, bedingen sie sich auch untereinander. Alles steht im ständigen Austausch miteinander. Dies meint der osteopathische Grundsatz: „Die Form bedingt die Funktion und umgekehrt.“ Da jeder Atemzug eine Brustkorbbewegung nach sich zieht und diese dann die Bauchorgane nachfolgend in Bewegung setzt, ebenso wie die Brustkorbeingeweide (Herz, Thymus, Lunge) können Lösungen von Blockaden an einer beliebigen Stelle des Körpers auch an anderer Stelle Beschwerden verbessern oder sogar auflösen. Deshalb ist es so wichtig dem Körper auch nach der osteopathischen Behandlung Zeit zu geben um sich autoregulativ selbst zu heilen, bzw. einen Schritt in Richtung Verbesserung selbst zu tätigen. Hier wird deutlich, dass nicht nur Gelenkblockaden Organbeschwerden lösen können, sondern auch eine Verbesserung der Organbeweglichkeit in ihrer faszialen Aufhängung eine knöcherne Blockade in ihrer Folge auflösen kann. 

Ein sehr großer Vorteil der osteopathischen Behandlung ist, dass der Patient lernt immer feinfühliger auf seine Körpersignale zu reagieren. Er lernt mit jeder Behandlung die Warnhinweise seines Körpers besser wahrzunehmen, diese ernst zu nehmen und entsprechend förderlich darauf zu reagieren. Das Vertrauen in sich selbst wächst und steigert so die eigenen Selbstheilungskräfte. Dieser positive Effekt ist auch immunologisch nachweisbar. (Schubert, 2.Aufl.2020 „Was uns krank macht, was uns heilt.“ Korrekturverlag).

Ganzheitlicher Aspekt

Finet und Williame betrieben in den 80er Jahren umfangreiche Studien in den USA um die Beweglichkeit der Organe in Abhängigkeit der zwerchfell bezogenen Atembewegungen zu ergründen. Heelsmartel(1952-2007) erkannte einen neuen Behandlungsansatz in den 90er Jahren in Verbindung mit der embryologischen Entwicklung. Dies brachte er in Zusammenhang mit der Mobilität der Organe. Hieraus wird klar, dass einer osteopathischen Behandlung eine ganzheitliche Betrachtung innewohnt. Der Physiologe Korr (1909-2004) hat an vielen osteopathischen Studien mitgewirkt. Er weist auf neurobiologische Mechanismen hin bei der Entstehung und Behandlung von körperlichen Beschwerden. Auf Grund der Interkommunikation mit allen anderen Systemen reflektiert und beeinflusst das muskuloskelettale System was in anderen Systemen passiert.

Auch seelische Themen fließen in eine osteopathische Behandlung mit ein. Emotionen sind über das neuro-humerale System vernetzt.  Alle Zellen, Gewebe und Organe des Körpers arbeiten zusammen und bilden eine Einheit. Im gesunden wie im kranken Zustand. Osteopathie ist bestrebt auch über die Zirkulation seiner Flüssigkeiten und Energien Einfluss auszuüben.

Der Organismus verfügt über eigene heilende Kräfte

Der Organismus des Menschen ist ständig bestrebt Toxine zu binden, zu entgiften, zu reparieren, alte Zellen abzubauen und neue aufzubauen. Die Kräfte sind abhängig sowohl von Umweltfaktoren und genetischen Faktoren ebenso vom Lebensstil, der Ernährung, der psychischen Verfassung und der sozialen Eingebundenheit des Einzelnen. Der Körper ist ständig bestrebt krank machende Einflüsse auszugleichen. Veränderungen, die entstehen zu kompensieren. Also kann der Patient sehr viel tun um seine Genesung auch selbst noch zu unterstützen. 

Osteopathische Behandlungen bei Kindern

Die Möglichkeit Kindern mit einer osteopathischen Behandlung zu helfen ist sehr vielfältig und besonders wertvoll. Hier wirkt sich die Verbindung von Struktur und Funktion besonders schnell aus, da alle Strukturen noch weich, formgebend und in der Entwicklung stehen. Wenn man bedenkt, dass die Schädelknochen noch nicht in ihrer erwachsenen Form ausgereift sind und die Schädelnähte noch sehr offen sind. Es können sich z.B. Auswirkungen des Geburtsprozesses und die dabei eventuell entstehenden Schädelverformungen  auf das Wachstum und die Entwicklung des gesamten Körpers auswirken.

Sutherland (Begründer der cranialen Osteopathie) sagte:

„Wie der Ast gebeugt wird so neigt sich der Baum.“

Asymetrien, die bei der Geburt entstehen und nicht aufgelöst werden, bleiben während der gesamten Entwicklung formgebend und können sich sogar verstärken.

Daraus erschließt sich, dass in der Osteopathie die kleinen Dinge von großer Bedeutung sind. Der/die OsteopathIn sollte also ständig auf feine und winzige Details achten, aber dabei den Blick auf das  Ganze nicht verlieren. Ein nicht aufgelöstes Geburtstrauma kann also zu vielen Problemen führen, beim Säugling sowie auch bis ins Erwachsenenalter hinein.

Z.B.: Nahrungsaufnahme, Koliken, Schlafstörungen, spätere Verdauungsbeschwerden, Unruhezustände, Hyperaktivität, schulische Auswirkungen, Konzentrationsstörungen, Reizbarkeit, Ohrinfektionen, durch Drainagestörungen hervorgerufene Nebenhöhlenprobleme, Atemschwierigkeiten bis zu Asthma, Kopfschmerzen, Wachstumsstörungen durch Hormonstörungen, Haltungsschwäche, Skoliose, Kieferfehlstellungen, Gebissfehlstellung durch Asymetrie der Gesichtsknochen, etc.

Hier kommt es auch bei späteren Traumen, auch seelischer Art, zu einer schlechteren Kompensationsmöglichkeit. OsteopathInnen versuchen also nicht das Symptom zu behandeln, sondern das strukturelle Ungleichgeweicht im gesamten Körper aufzulösen. Osteopathie in regelmäßigen Abständen (auch wenn diese groß sind) hilft also präventiv, in der Rekonvaleszenz, beim Wachstumsschub, bei humoralen Veränderungen und seelischen Belastungsphasen.

WICHTIG!

Osteopathen müssen auch ihre Grenzen sehen und entsprechend akute Situationen und Notfälle erkennen und unmittelbar weitervermitteln.

Autor: Constanze Fachinger
Thema: Was kann man mit Osteopathie behandeln
Webseite: http://www.naturheilpraxis-fachinger.de

Quellenangaben:

  • Checkliste Kraniosacrale Osteopathie Liem/Dobler, 3.Aufl. Haug Verlag 2018
  • Handbuch der Pädiatrischen Osteopathie, Möckel/Mitha, 2.Aufl. Elsevier Verl.2009
  • Checkliste viszerale Osteopathie Hebgen, 2.Aufl. Haug Verlag 2014
  • Was uns krank macht, was uns heilt, Schubert 2.Aufl. Korrekturverlag 2020

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