Was versteht man unter Mikronährstoffen?

Unter Mikronährstoffen versteht man die Gesamtheit von Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen - auch „Vitalstoffe“ genannt.

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Idealerweise sollten wir diese in ausreichendem Maß über unsere Nahrung aufnehmen können. Das funktioniert aber nicht immer. Lesen Sie, warum.  

Mikronährstoffe in der Nahrung – oder auch nicht

Wir alle wissen um die Vorzüge einer gesunden Ernährung. Diese kommt jedoch im Alltag oftmals zu kurz. Auch sind unsere Nahrungsmittel aufgrund der industriellen Produktionsweise und weiten Transportwege lange nicht mehr so reich an Vitaminen und anderen Nährstoffen, wie es noch vor wenigen Jahrzehnten der Fall war.

Die Deutschen geben durchschnittlich deutlich weniger Geld für ihre Nahrungsmittel aus, als umliegende EU-Länder. Um Lebensmittel möglichst preiswert anbieten zu können und in Zeiten der Gewinnmaximierung, werden nicht immer gerade die hochwertigsten Inhaltsstoffe verwendet. Genetische Optimierungen, Bestrahlungen, Begasungen und chemische Zusätze zur Verbesserung der Haltbarkeit auf langen Transportwegen und während der Lagerungszeiten vermindern zusätzlich den natürlichen Nährstoffgehalt der Lebensmittel. Der Anspruch, Obst aus allen Herren Ländern und zu jeder Jahreszeit „frisch auf dem Tisch“ haben zu wollen, bedeutet, dass dieses oftmals in den Ursprungsländern unreif geerntet wird, für den Transport haltbar gemacht werden muss und seinen vollen Nährstoffgehalt erst gar nicht entwickeln kann. Nur in reifen Früchten steckt auch deren volles Potential.

Unsere Nahrungsmittel haben im Vergleich zu den 80-er Jahren im Schnitt knapp 50% an Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen eingebüßt. Wenn Sie also Ihren Salat oder Ihr Obst nicht direkt aus Ihrem Garten, vom Bauern oder Gärtner nebenan beziehen, sind ein Großteil der Vitamine allein schon aufgrund des Transportwegs und der Lagerungszeiten verlustig gegangen, auch wenn das Obst und Gemüse noch ansprechend aussieht. Äpfel dürfen bis zu einem Jahr im Kühlhaus gelagert werden, und dennoch als „frisch“ verkauft werden - wussten Sie das? V.a. Vitamin C und die B-Vitamine (mit Ausnahme des Vitamin B12 und bis zu einem gewissen Grad des Vitamin B6) sind sehr flüchtig – da bleibt nach langen Transportwegen und Lagerzeiten nicht mehr allzu viel übrig.

Was ist die richtige Ernährung für mich?

Die „richtige“ Ernährung für alle gibt es nicht. Sie ist eine individuelle Angelegenheit und auch abhängig von persönlichen Dispositionen, insbesondere der Zusammensetzung Ihrer Darmflora (oder Mikrobiom). Wenn Sie Wert auf eine nährstoffreiche Nahrung legen, achten Sie auf eine ausgewogene Vielfalt der Lebensmittel und eine möglichst naturbelassene Herstellung sowie regionale und saisonale Produkte. Erdbeeren im Winter mögen durch ihre Optik bestechen, aber wahrlich nicht durch ihren Geschmack oder ihre Inhaltsstoffe.

Greifen Sie zu Vollkornprodukten statt Weißmehl (raffiniertes Weißmehl entzieht dem Körper Mikronährstoffe und ist hochallergen) und reduzieren Sie Ihren Zuckerkonsum. Beides verhindert einen dauerhaften Anstieg des Insulinspiegels und damit Spätfolgen, wie Diabetes.

vollkornbrot klein

Bei Nahrungsmittelunverträglichkeiten lohnt es sich übrigens, nach dem Mikronährstoffhaushalt zu schauen sowie nach der Besiedelung der Darmflora. Wenn es hier zu Verschiebungen gekommen ist (z.B. durch Antibiosen, starke virale Infekte oder Fehlernährung), kann die Darmbarriere geschädigt sein (Leaky gut). Dann dringen Fremdstoffe in den Körper ein, die dort nichts zu suchen haben und zu Irritationen, Entzündungen oder Allergien führen können. Deswegen: Arrangieren Sie sich nicht mit vermeintlichen Unverträglichkeiten als schicksalhaft, sondern gehen Sie den Ursachen auf den Grund.

Stress, Erkrankungen und Medikamente als Mikronährstoffräuber

Extreme Belastungssituationen, wie dauerhafter Stress oder schwere Erkrankungen, rauben dem Körper Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Aminosäuren en masse. Oftmals besteht ein massiver Mangel an Vitamin C. Vitamin C ist eines der wichtigsten Antioxidantien für den menschlichen Körper. Es wirkt antientzündlich, unterstützt das Immunsystem und ist an vielen biochemischen Reaktionen und Schutzmechanismen beteiligt. Tiere können in Stresssituationen mehrere Gramm (!) Vitamin C produzieren. Dem Menschen ist diese Fähigkeit im Laufe der Evolution verlustig gegangen. Daher macht es Sinn, in besonderen Belastungssituationen (Infekte, Erkrankungen, Entzündungen, Stress) Vitamin C in Hochdosen von mehreren Gramm intravenös zu verabreichen. 

Eine vegetarische oder vegane Ernährung geht dauerhaft zu Lasten des Vitamin B12, das v.a. in tierischen Produkten vorkommt und unerlässlich für das Nervensystem ist. Im Falle einer vegetarischen oder veganen Ernährung sollte darauf geachtet werden, dass neben Vitamin B12 genügend Proteine (Aminosäuren) zugeführt werden, da diese den Grundbaustoff allen Gewebes darstellen und es bei einem Mangel davon zu Abbauprozessen im Körper kommt (kataboler Prozess).

Im Alter, bei schweren Erkrankungen, aber auch Intoleranzen und Allergien kann es zu einer verminderten Aufnahmefähigkeit der Dünndarmschleimhaut kommen (Malabsorption), so dass Mikronährstoffe aus der Nahrung nicht richtig aufgenommen werden können. Auch vermehrtes Schwitzen, Diarrhoe oder starke Blutungen können zu einem Mikronährstoffverlust führen.

Weiterhin sind viele Medikamente nicht zu unterschätzende Mikronährstoffräuber. So blockieren Magensäureblocker (PPI) die Aufnahme von Vitamin B12, Calcium und Magnesium. Metformin, ein breit eingesetztes Antidiabetikum, geht zu Lasten der Zink-, Folsäure- und Vitamin B12-Aufnahme. Statine (Cholesterinsenker) führen zu einem Mangel an Magnesium und Co-Enzym Q10, wodurch es längerfristig zu Muskelproblemen kommt, bis hin zum Muskelabbau (Rhabdomyolyse). Und die allseits gebräuchliche Antibabypille erhöht den Bedarf an Vitamin B1, B6, B12, Folsäure, allein schon, um Thrombosen vorzubeugen, sowie an Magnesium, Zink und Vitamin C. Die Liste ließe sich fortsetzen….

Nahrungsergänzungsmittel (NEM)

vitamine kapseln klein

Aus all den oben geschilderten Gründen lässt sich leicht ableiten, dass eine Ergänzung unserer Nahrung um Vitamine, Mineralien, Spurenelemente und Aminosäuren durchaus sinnvoll sein kann. Diese sollte jedoch nicht auf Verdacht erfolgen, sondern gezielt und individuell. Ihr aktueller Vitalstoffstatus kann mittels einer Blutanalyse der Mikronährstoffe ermittelt werden. So wird ersichtlich, ob Ihre Zellen richtig mit den für Sie erforderlichen Nährstoffen versorgt sind. Sprechen Sie hierfür orthomolekular arbeitende Ärztinnen und Ärzte, Heilpraktikerinnen und Heilpraktiker an. Viele Fälle von Burn out oder Erschöpfungssyndrom (CFS) sind u.a. auf einen Mangel an Mikronährstoffen zurückzuführen, der individuell ausgeglichen werden sollte. So lassen sich Lebensqualität, Leistungsfähigkeit und Wohlbefinden deutlich verbessern.

Mikronährstoffe in Zeiten von COVID

Ein gut gerüstetes Immunsystem kommt besser mit Infektionen zurecht. Achten Sie grundsätzlich auf eine ausreichende Versorgung mit Vitamin C (1000 mg), Vitamin D (2000 mg), Zink (15 mg) und Selen (50 µg) zur Stärkung Ihres Immunsystems. Die Böden in Deutschland sind mittlerweile ausgelaugt und sehr selenarm; gleichzeitig verbrauchen virale Infektionen das im Körper gespeicherte Selen, so dass es häufig zu einem Selenmangel kommt.

Vitamin D3 kann der Köper zwar selbst produzieren, allerdings nur bei genügend Aufnahme von UVB-Sonnenstrahlen über die Haut (d.h. mindestens 10 Minuten ungeschützte Sonnenexposition in der Mittagszeit zwischen 10 – 14 Uhr und zwar im Sommer – und ohne Sunblocker.) Von Oktober bis März steht die Sonne in Deutschland in einem Winkel, der selbst in der Mittagszeit wenig bis keine UVB Strahlung durchlässt. Folglich ist ein Vitamin D-Mangel weit verbreitet. Wer arbeitet heute noch draußen oder auf dem Feld? Vor Bildschirm und Handy kommt die körpereigene Vitamin D-Produktion zum Erliegen.

Zink ist wichtig für Haut und Haare - das wissen die meisten. Aber auch die Schleimhäute und insbesondere die Darmschleimhaut, die einen Großteil der Immunbarriere unseres Körpers darstellt (dort wird entschieden, was in den Körper hinein darf und was besser gleich wieder ausgeschieden werden sollte), benötigen ausreichend Zink zu ihrem Schutz.

Infusionstherapie bei Mikronährstoffmangel

Bei schwerwiegenden Erschöpfungssyndromen und Erkrankungen oder Darmerkrankungen, die zu einer verminderten Aufnahmefähigkeit von Mikronährstoffen aus der Nahrung führen (Malabsorptionssyndrom) kann es Sinn machen, neben oder statt der oralen Gabe von Nahrungsergänzungsmitteln Mikronährstoffe per Infusion zuzuführen. Bei einer Infusion werden große Mengen an Vitaminen, Mineralien, Spurenelementen, Aminosäuren etc. direkt in die Vene verabreicht und erreichen jegliches Körpergewebe sofort und zu 100 %. Dadurch können Mangelzustände sehr schnell behoben werden.

Autor: Regina Nicolaidis, M.A., Heilpraktikerin
Thema: Was versteht man unter Mikronährstoffe?
Webseite: https://biologische-medizin-nicolaidis.de

Quellen:

  • Gröber, Uwe. Orthomolekulare Medizin. Wiss. Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3.Auflage, 2008
  • Gröber, Uwe. Mikronährstoffe. Metabolic Tuning – Prävention – Therapie. Wiss. Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage, 2011.
  • Gröber, Uwe. Arzneimittel und Mikronährstoffe – Medikationsorientierte Supplementierung. Wiss. Verlagsgesellschaft Stuttgart, 3. Auflage, 2014.
  • Gröber, Uwe; Kisters, Klaus. Arzneimittel als Mikronährstoffräuber – Was Ihr Arzt und Apotheker Ihnen sagen sollten. Wiss. Verlagsgesellschaft Stuttgart, 2016.
  • Pascoe pharmazeutische Präparate Gmbh (Hrsg). Vitamin C Hochdosis-Infusionstherapie. Wissenschaftliche Belege. 8. Auflage 2016
  • Unseren Lebensmitteln fehlen bis zu 40 % ihrer wichtigen Nährstoffe. (2018, Mai 21). Health and Science. https://www.healthandscience.eu/index.php?option=com_content&view=article&id=1557:unseren-lebensmitteln-fehlen-bis-zu-40-ihrer-wichtigen-naehrstoffe&catid=20&lang=de&Itemid=316
  • Der Nährstoffgehalt in Lebensmitteln früher und heute: Was hat sich verändert? (foryouehealth.de)

#Ernährung, #Lebensmittel, #Verdauung , #Zufriedenheit

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