Das sogenannte Ölziehen – oder auch Ölkauen – erfreut sich einer immer stärker werdenden Beliebtheit bei alternativ ausgerichteten gesundheitsbewussten Menschen.

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Was hat es damit auf sich? Warum nehmen Menschen einen Löffel Öl in den Mund, kauen diesen durch und empfinden danach eine wohltuende körperliche Wirkung?

In diesem Artikel werden die Hintergründe, dieser auch in Deutschland immer beliebter werdenden Mundpflege, näher betrachtet.

Das Jahrtausende alte Wissen des Ayurveda

Das Ayurveda gilt als die älteste Heilkunde der Menschheit. Sein Ursprung ist unbekannt, geht aber zeitlich zurück auf die vedische Hochkultur Altindiens. In den zum Teil 3000 Jahre alten Aufzeichnungen findet sich unter dem Begriff „Gandusha“ die Methode des Ölziehens mit Sesamöl. Ausführlich wurden in den vedischen Schriften die positiven Wirkungen dieser Methode beschrieben. Seither wird es in der traditionellen indischen Heilkunst bis zum heutigen Tag verwendet.

Wie diese Zahn- und Mundpflege dann nach Europa kam, ist ungeklärt. Manche Quellen sprechen sie dem Arzt Fedor Karach zu, der sie auf seinen Reisen von sibirischen Schamanen erhalten haben soll, aber da keine Publikationen des Arztes zu diesem Thema bestehen, ist dies nicht belegt.

Die Anwendung in der heutigen Zeit

Als ganzheitliches heilkundliches System betrachtet das Ayurveda die Mundhöhle mit den Zähnen nicht als einen separaten Bereich, sondern im Zusammenhang stehend mit den Organen des gesamten Menschen. Das bedeutet, der Zustand des Mundbereichs spiegelt den Zustand des ganzen Körpers wieder, kann aber im Umkehrschluss auch den ganzen Körper beeinflussen.

Im Ayurveda wird das Ölziehen für die morgendliche Reinigungsroutine empfohlen, um Gifte aus der Mundhöhle auszuleiten. In den früheren Zeiten kannte man den Begriff „Bakterien“ natürlich nicht, aber es gab ein Wissen von möglichen Schlacken und Giften, die das empfindliche Gleichgewicht der Mundschleimhaut stören und somit zu Krankheiten im gesamten Körpersystem führen.

Für die traditionelle Anwendung beim Ölziehen wird, wie zu damaliger Zeit, ein aus biologisch angebauten Sesamsamen gewonnenes Öl, für die Reinigungstätigkeit im Mundraum genutzt.

Die Wirkungen des Sesamöls beim Ölziehen:

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Der Sesam besitzt schwarze und weiße Samen. In der traditionellen ayurvedischen Heilkunst wird immer nur der schwarze Sesamsamen genutzt, da man diesem stärkere Heilkräfte zuspricht als der weißen Variante. Aus diesem Samen wird ein Öl gepresst, das in der Heilkunde Verwendung findet. Es darf nicht mit dem gerösteten Sesamöl verwechselt werden, welches in der Küche bei asiatischen Gerichten genutzt wird.

Sesamöl ist ein hochwertiges Öl mit langer Haltbarkeit. Es ist geschmacks- und geruchsneutral und punktet mit viel Kalzium und Magnesium, sehr viel Linolsäure (45%), Lecithin, den Antioxidantien Sesamol und Sesamolin und den Vitaminen A und E. Diese Inhaltsstoffe zeigen den außerordentlich hohen Nutzen des Sesamöls auf:

Kalzium wirkt auf die Knochen und Zähne stärkend, was Karies und/oder der Osteoporose vorzubeugen hilft. Der hohe Anteil an Linolsäure sorgt für einen guten Fettstoffwechsel im Sinne einer Senkung des Cholesterinspiegels im Blut. Lecithin wird für den Aufbau der Zellmembran benötigt und stärkt die Nerven. Die Antioxidantien Sesamol und Sesamoli unterstützen die Vitalität der Körperzellen, indem sie als Radikalenfänger den Körper unterstützen. Die Vitamine A und E verbessern die Nährstoffbilanz des Körpers an diesen Vitaminen. Vitamin A dient dem Schutz der Schleimhäute und zur Verbesserung der Sehkraft und Vitamin E ist u.a. ein weiterer Radikalfänger.

Da Sesamöl ein fettes Öl ist, liefert es zudem viel Energie.
Statt eines Sesamöls ist heutzutage im Westen auch die Anwendung mit Kokosöl oder Olivenöl gängig. Ebenso gern wird Ghee (geklärte Butter) dafür genutzt. Sollten starke Entzündungen im Mundraum vorliegen, kann auch Sesamöl mit einem pflanzlichen Zusatz wie Thymian, Salbei oder Kamille verwendet werden.

Wie hilft das Ölziehen bei der Zahn- und Mundpflege?

Die besten Ergebnisse erzielt man durch eine regelmäßige tägliche Anwendung. Durch das fette Öl werden die schädlichen Stoffe, die sich in der Mundschleimhaut und in den Zahnzwischenräumen befinden, gebunden. Nach ca. 14 Tagen stellen sich die ersten spürbaren Veränderungen im Mundraum ein: Es fühlen sich die Zähne glatter an, die Lippenhaut ist weicher geworden und der Mund weniger trocken. Da Mundtrockenheit ein großes Thema gerade auch für Prothesenträger ist, hat man hier eine nützliche Abhilfemöglichkeit, die es wert ist einmal versucht zu werden.

Durch die täglich regelmäßige und gezielte Bewegung über 5 – 15 Minuten des Öls im Mundraum, wird der Kiefermuskel entspannt, was sogar Auswirkungen auf die Stimme haben kann. Einige Menschen berichten von einem besseren Geschmacksempfinden. Dies ist vor allem für ältere Menschen ein entscheidender Vorteil, den sie klagen häufig über den Verlust des Geschmacks und damit des Appetits.
Weitere positive Berichte drehen sich um eine Verbesserung der Mundflora und des Zahnfleisches, welches durch regelmäßiges Ölziehen gefestigt werden soll. Die Mundbewegung mit dem Ölkauen massiert und pflegt das Zahnfleisch, strafft es und regt die Durchblutung an. Das gestärkte Zahnfleisch ist deutlich widerstandsfähiger. Es kommt  in Folge zu einer Reduzierung ungesunder Bakterienkulturen im Mundraum, was ein deutlicher Vorteil bei der chronischen Zahnfleischentzündung – der Parodontitis - ist. Die Verringerung der ungesunden Bakterienkulturen ist auch der Grund, warum mit dem Ölziehen Mundgeruch entgegen gewirkt werden kann, jedenfalls solange dieser aus dem Mundraum stammt. Anwender berichten darüber, dass ihr Zahnfleischbluten gelindert wurde und Entzündungen am Zahnfleisch schneller abheilten.

Darüber hinaus gibt es auch kosmetische Vorteile: Die Zähne werden durch das Ölziehen weißer, ohne dass der Zahnschmelz angegriffen wird. Damit können sogar Raucher und fleißige Teetrinker unschöne Belege reduzieren.

Die Anwendung des Ölziehens

Sollten Sie eine Prothese tragen, nehmen Sie diese vor dem Ölziehen heraus und reinigen Sie sie auf normalem Weg.

  • Reinigen Sie Ihre Zähne morgens zuerst ganz normal mit Ihrer Zahnpasta und nutzen Sie für Ihre Zunge einen Zungenschaber.
  • Nehmen Sie einen knappen Esslöffel Sesamöl oder Kokosöl in den Mund.
  • Bewegen Sie das Öl für 5 bis 15 Minuten im Mundraum hin und her und ziehen Sie es dabei durch die Zahnzwischenräume. Sie können das Öl auch kauen. Das Öl wird dabei sehr flüssig. Achten Sie darauf nichts zu verschlucken.
  • Nach den 5 – 15 Minuten spucken Sie das Öl – es ist jetzt milchig weiß – in ein Papiertaschentuch und entsorgen dieses über den Hausmüll.
  • Nun putzen Sie sich erneut mit Ihrer Zahnpasta auf gewohnten Weg die Zähne.
  • Zu guter Letzt nutzen Sie Zahnseide und/oder Interdentalbürstchen für die Zahnzwischenräume
  • Spülen Sie den Mund nochmal mit Wasser aus.

Kinder können, wenn sie die Geduld dafür haben, ab dem Alter von 6 Jahren mit dem Ölziehen beginnen. Es ist wichtig sie darauf hinzuweisen, dass sie das Öl nicht schlucken, sondern am Ende in ein Papiertaschentuch ausspucken sollen.

Es gibt keine Nebenwirkungen bei dieser Methode – manchmal verstärkt sich der Speichelfluss für eine kurze Zeit direkt nach der Anwendung. Sollten Allergien gegen das Sesamöl oder ein anderes Öl bestehen, ist von der Anwendung abzuraten.

Was sagt die Forschung zum Ölziehen?

Das Ölziehen und seine Auswirkungen auf Zähne und Zahnfleisch wurde bisher wissenschaftlich nicht ausreichend untersucht. Es gibt nur einige wenige Studien von kurzer Dauer welche sich dem Thema widmen. Diese waren aber durchaus positiv und lassen die Wissenschaftler vermuten, dass die Methode des Ölziehens bei Zahnfleischentzündungen ähnlich gute Ergebnisse bringt, wie eine Mundspülung. Die Wirkung auf die Zahngesundheit ist bisher ungeklärt, genauso wie die Frage, ob die Bildung von Karies oder der Zahnbelag dauerhaft verringert wird und es durch die regelmäßige Anwendung zu einer Reduzierung von ungesunden Bakterien im Mundraum kommt.

Viele Anwender sprechen dem Ölziehen eine entgiftende Wirkung auf den ganzen Körper zu, welcher dadurch positive Auswirkungen im gesamten Organismus hat. Das eine Aufnahme von Schadstoffen durch das Öl erfolgt, sehen die Anwender in der Verfärbung des Öls hin zu einer milchig-trüben Farbe. Diese Schadstoffe stammen aus dem Lymphbereich des „Waldeier'schen Rachenrings“,der als Abwehrbarriere gegen Bakterien und Viren in die unteren Atemwege dient.

In der wissenschaftlichen Herangehensweise geht man grundsätzlich nicht von einem Krankheitsmodell aus, in dem der Körper von Schlacken oder Schadstoffen belastet ist, so dass eine Entgiftung von Schadstoffen durch das Ölziehen nicht plausibel erscheint. Die Veränderung der Färbung des Öls kommt demzufolge nur durch Enzyme im Speichel zustande, die vorhandene Fette aufspalten.
Allerdings findet man deutlich positive Studien u.a. vom Meenakshi Ammal Dental College und am PG Department of Microbiology, VHNSN College (beides Indien), die eine Wirkung auf die Bakterien Streptococcus mutans und Lactobazillus acidophiles anzeigen.

Was sagen Zahnärzte zu der Methode des Ölziehens?

Zahnärzte sehen im Allgemeinen keine schädlichen Auswirkungen in der Methode des Ölziehens. Natürlich ersetzt es nicht die tägliche gründliche Zahnputzpflege.

Auch kann damit keine notwendige medizinische Behandlung bei Karies oder Parodontose umgangen werden. Aber durch die umfassendere tägliche Pflege der Zähne und des Mundraums gibt es oftmals sehr positive Effekte. Deswegen wird es als natürliche, nebenwirkungsfreie und verträgliche Möglichkeit der zusätzlichen Zahnpflege sehr gern gesehen und unterstützt.

Autor: Elisabeth Jaskolla
Thema: Ölziehen | Öl ist gesund – auch im Mund?
Webseite: http://www.angelos-zentrum.de

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