Ein Konflikt beinhaltet nicht nur Negatives, sondern beinhaltet in der Regel auch immer eine Chance zu wachsen und bietet Raum für positive Veränderungen.

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Was ist ein Konflikt?

Ein Konflikt bedeutet, dass die Interessen und Vorstellungen von Personen, Gruppen und inneren Anteilen (z.B. dem inneren Kind), nicht vereinbar sind.

In der Fachsprache werden Möglichkeiten und Verhaltensmuster auf Konflikte zu reagieren z.B. von dem Sozialwissenschaftler Gebard Schwarz (https://de.wikipedia.org/wiki/Konflikt), wie folgt dargestellt:

  • Flucht (sich aus der Situation heraus stehlen)
  • Kampf (die eigenen Interessen mit Aggression durchsetzen)
  • Unterordnung (den Bedürfnissen des Anderen nachgeben)
  • Delegation (das Problem und die Lösung an jemand anderen abgeben).
  • Kompromiss (eine win-win Situation erzeugen)
  • Konsens (mit dem/den anderen an einem Strang ziehen)

Wo treten Konflikte auf?

Nun kann man einen Konflikt in so ziemlich jedem Teil des Lebens haben. Von sehr banalen Dingen im Alltag, wie z.B. zwei Autofahrer, die den gleichen Parkplatz wollen, bis hin zu weitreichenden Lebensveränderungen, wie z.B. aus einer Ehe auszusteigen, obwohl die gemeinsamen Kinder noch sehr klein sind.

Wie geht man mit Konflikten um?

Dieser Punkt ist so vielfältig, wie die Frage, wo Konflikte entstehen können.

Für mich und meine Arbeit, spielen meistens die Konflikte in Familiensystemen oder die Konflikte mit den eigenen inneren Anteilen eine Rolle. Die inneren Anteile sind für mich folgendermaßen klassifizierbar. Der innere Erwachsene, das innere Kind , bzw. auch das Ego, unser Verstand und unsere Seele. Ich mixe hier eine paar Anschauungen, die mit den Begriffen ES, ICH und Über-ICH der Psychoanalyse entstammen, mit eher spirituell, fast esoterisch angesiedelten Ansichten, die sich auch mit Wiedergeburt und Karma beschäftigen. Ich werden Ihnen daher eine kleine persönliche Antwort darauf geben, wie ich, bzw. ich es mit meinen Klientinnen und Klienten erarbeite.

Wenn sich ein Konflikt im Leben ereignet, ist es erst einmal wichtig herauszufinden, ob dieses Thema tatsächlich mein Konflikt ist oder man als Beobachter in einem Thema nur anteilig beteiligt ist. Das heißt, dass nicht jeder scheinbare Konflikt auch tatsächlich unser Thema ist. Ein Beispiel aus der Systemischen Familientherapie wäre, die Eltern-Kind-Konflikte, die häufig eher das ursächliche Problem des Elternpaares sind und die Kinder als Symptomträger nur die Auswirkungen ausleben.

Ein Kind wird auffällig in der Schule, stört, ist aggressiv und die Eltern haben parallel täglich Streit und reden über Scheidung. Der Hauptkonflikt liegt hier in der Paarbeziehung, nicht in der Schule des Kindes, oder dem Kind selbst.

Es gibt auch Menschen, die sich oft und leidenschaftlich gerne in die Konflikte anderer einmischen. Sie werfen sich zum Teil heldenhaft in andere Streitigkeiten hinein und wollen als Retter agieren, ohne eine direkte Beteiligung an dem ursächlichen Konflikt zu besitzen. Daher rate ich meinen Klienten, zuerst die beteiligten Personen und deren Anteile am Konflikt zu bestimmen. Danach kann man dann festlegen, wer in welchen Teil des Konfliktes gehört („welche Position hat die Person im Spiel“).

Um einen Konflikt konstruktiv angehen zu können, ist es nötig das Gefühl zu erkennen, welches durch den Konflikt ausgelöst wird.

Beispiele für Gefühle können Trauer, Angst, Wut, Liebe, Eifersucht usw. sein. Hinter jedem dieser Gefühle verbirgt sich letztlich eine Botschaft an uns selbst. Diese in einem Konflikt innewohnende Botschaft zu erkennen ist das entscheidende Kriterium, um den Konflikt ohne Folgeprobleme lösen zu können.

Entstehen Konflikte auf der Arbeit, ist zuerst die Frage zu stellen, ob der Konflikt direkt mit einem selbst zu tun hat. Vielleicht ist z.B. das Betriebsklima allgemein ziemlich schlecht. Durch die allgemeine Anspannung kann dann Stress und Streit unter den Kollegen entstehen. Aber dies hat nicht direkt mit einem selbst als Person zu tun. Eventuell ist dann die Lösung, sich eine bessere Firma zu suchen, oder Methoden zur Stressbewältigung zu erlernen, wie z.B. Meditation, Yoga etc. um die „Durststrecke“ in der Firma, sprich tägliche Anspannung und Stress extern auszugleichen.

Ist man aber z.B. mit einem Kollegen in einer Mobbingsituation, die durch äußere Umstände nicht erklärbar ist, dann stellt sich die Frage, was mir dieser Konflikt mitteilen soll. Also, die innewohnende Botschaft zu erkennen und zu verstehen.  Ansonsten nimmt man den Konflikt mit Sicherheit in eine andere Arbeitsstelle mit. Hier hilft dann ein guter Coach, Therapeut oder Freund, der eine Beobachterstellung einnimmt, sodass man den Konflikt von außen betrachten kann. Weder in die Täterrolle noch in die Opferrolle zu verfallen, ist hierbei die Kunst.

Vielleicht ist die dahinterliegende Botschaft, dass man sich besser wehren soll und seinen eigenen Selbstwert erkennen darf. Oder es ist z.B. nötig zu erkennen, dass der Andere ein großes Gewaltpotenzial besitzt und durch eigene Minderwertigkeitskomplexe einen Ventil gesucht hat.

Vielleicht ist auch das eigene Verhalten störend und unangemessen gewesen und der Kollege hat sich als einziger getraut, einem dieses zu spiegeln.

Konflikte lösen etwas in uns aus. Ein Gefühl, eine Erinnerung oder vielleicht auch eine Lebensveränderung.

Wege aus Konflikten

Ein Konflikt wird meistens dann problematisch, wenn es keine gemeinsame Lösung oder Kompromiss gibt. In diesem Fall sind das Ego, das innere Kind oder beide Anteile am Konflikt beteiligt, Wahrscheinlich gibt es dann nicht nur einen Beteiligten des Konfliktes, der z.B. im Ego agiert, sondern meistens mehrere Beteiligte.

Die Arbeit mit dem inneren Kind ist für mich in dieser Arbeit eigentlich das Wichtigste.

Wenn innere Kinder mitspielen, dann ist es der Konflikt für Außenstehende oft rational nicht mehr nachvollziehbar. Der Streit um eine freie Parklücke ist ein gutes Beispiel dafür. Für den Beobachter solcher Szenen erscheint der unerbittliche Kampf um einen freien Parkplatz eher amüsant, wenn  Menschen plötzlich Wutanfälle, Aggression oder bittere Tränen anwenden, um als Sieger aus diesem Konflikt zu treten.

Jeder wird wütend, wenn ein Anderer die freie Parklücke wegschnappt. Das darf man dann auch gerne zeigen; aber nicht jeder wird ausfallend und sogar handgreiflich.

Der aggressive Teil in so einem Zweierkonflikt hat in seinem Inneren ein wütendes Kind, das nicht mehr von dem Erwachsenen „kontrolliert“ wird.

Kommt so ein Klient zu mir und sagt, „Ich verliere in solchen Momenten die Fassung und sehe nur noch rot“, schaue ich mir immer das innere Kind an. Der Partner des Konflikts, der sich einfach frech den Parkplatz „geklaut“ hat, der hat in der Regel sein ausgeprägtes Ego bedient und wird sich auch nicht darum bemühen die Situation zu reflektieren. Das Ego erschafft dann eher tausend Argumente für die Richtigkeit des Verhaltens.

Wie löst man in solchen Momenten also den Konflikt?

Das innere Kind einfangen, durchatmen, und wirklich fühlen, wie wichtig es jetzt tatsächlich ist die eigenen Bedürfnisse durchzusetzen. Der Erwachsene wird sagen:„Ach komm, ich fahre ein Stück weiter und parke woanders. Es ist es nicht wert, mit einem unerzogenen Ego zu diskutieren und Zeit zu verschwenden“. Der Erwachsene erkennt, dass es sinnlos ist mit einem anderen inneren Kind zu streiten oder einem ausgeprägten anderen Ego.

Das innere Kind einzufangen und in seinen Schranken zu halten, bedeutet aber auch, dieses Kind zu kennen, zu verstehen und ihm oder ihr glaubhaft vermitteln zu können: „Ich schütze dich, ich löse das Problem, lass los“.

Wenn dieses Kind aus der Vergangenheit Konflikte in sich trägt, wird es immer wieder in solchen Situationen, wie z.B. dem Streit um die Parklücke, überreagieren.

Ein gutes Mittel, um dieses Kind kennenzulernen, sind innere Reisen (Mediationen), Aufstellungen, systemisch arbeitende Therapeuten oder Schamanen/Geistheiler etc.

Auch wichtig empfinde ich die Suche nach dem ursächlichen Konflikt.

Kommt eine Mutter als Klientin zu mir und berichtet über ihr Kind, welches in der Schule Auffälligkeiten, wie z.B. Konzentrationsmangel, Aggression etc., zeigt, dann können diese natürlich einem Konflikt im schulischen Bereich entstammen (Z.B. ausgelöst durch Mobbing).  Eine alternative Erklärung für die Auffälligkeit kann aber eben auch die Spiegelung der Eltern-Beziehung sein.

Es ist ein bisschen wie Detektivarbeit. Eltern glauben manchmal, dass die Kinder die heimlichen Streitereien und Spannungen nicht mitbekommen. Aber das ist komplett falsch. Jedes Kind spürt diese Spannungen und geht damit etwa in die Stille und spaltet es ab oder es spiegelt diese Aggression im Außen (z.B. der Schule, dem Sportverein etc.).

Diesem Kind Stressbewältigungs- und Anti-Agressionstrainungs zukommen zulassen, ist nicht zielführend, solange der ursächliche Konflikt zwischen den Eltern nicht geklärt ist. Nimmt man diesem Kind das Ventil ohne eine Lösung anzubieten, wird sich das Problem nur verlagern.

Zusammenfassend gesagt:

Wie man schlussendlich mit Konflikten umgeht, ist jedem selbst überlassen. Ich rate immer dazu, erst einmal zu ermitteln, wer tatsächlich am ursächlichen Konflikt beteiligt ist und dann zu spüren, was der Konflikt in mir ausgelöst hat. Erkennt man die Botschaft hinter dem Konflikt, hat man eine gute Möglichkeit dem Konflikt zu begegnen.

Autor: Yamina van der Moolen
Thema: Wie kann man Konflikte lösen
Webseite: https://www.hpp-yvdm.de

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