Bevor man sich mit diesem umfangreichen Thema, wo Erziehung stattfindet, beschäftigen könnte, sollte man zuerst verstehen, was Erziehung überhaupt ist. Kurz gefasst: unter Erziehung werden die sozialen Handlungen verstanden, die auf die Bildung der Persönlichkeit gerichtet sind und zur Veränderung des Verhaltens führen.

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Global gesehen begleitet Erziehung uns alle das ganze Leben lang, Erziehung findet fortlaufend statt. Als Teil einer sozialen Gesellschaft erziehen wir uns gegenseitig mit dem Ziel, entweder bestimmte Persönlichkeitseigenschaften zu verbessern oder als wertvoll empfundene Eigenschaften weiter bestehen zu lassen.

Kindererziehung im pädagogischen Sinne ist ebenso eine gerichtete soziale Handlung, die darauf abzielt, bei den Kindern nicht nur Persönlichkeitseigenschaften, sondern auch Lebenseinstellungen und Überzeugungen zu bilden. Traditionsgemäß wird die Hauptrolle der Kindererziehung den Eltern (oder anderen dem Kind am nächsten stehenden Bezugspersonen, Pflegeeltern, “Ersatzeltern“ u.ä.) zugeschrieben.

Wann und wo fängt Erziehung an?

Die Erziehung in der Familie fängt gleich mit der Geburt des Kindes an. Die Eltern begleiten das Kind während seiner Entwicklung besonders intensiv in den ersten Lebensjahren. Sie unterstützen das Kind bei seiner physiologischen Entwicklung, wie z.B. laufen und sprechen lernen, sich selbstständig anziehen können u.a. Die Eltern vermitteln dem Kind in den ersten Lebensjahren auch die wichtigen sozial-psychologischen Kenntnisse: sie bringen dem Kind das Verständnis für „gefährlich/nicht gefährlich“, „du darfst/du darfst nicht“, „gut/weniger gut“ usw. bei. Außerdem sammelt das Kind in der Familie seine ersten Erfahrungen in der Kommunikation mit den dem Kind bekannten und unbekannten Menschen, das Kind lernt Vertrauen und das Gefühl der Verbundenheit kennen.

Die Erziehung des Kindes ist aber gleichzeitig auch ein Erziehungsprozess für die Eltern selbst. Die Eltern sollen in ihren Erziehungsmethoden von Liebe und Hingabe geleitet werden. Sie sollen ein Vorbild für das Kind sein, da die Kinder ihre Eltern „imitieren“. Ein Vorbild zu sein, setzt aber eine Arbeit an sich selbst, eine bewusste oder unbewusste Selbsterziehung voraus. 

Die Erziehung in der modernen Gesellschaft ist im weitesten Sinne des Wortes ein sozialer Prozess, an dem heutzutage nicht nur die Familie beteiligt ist. Denn mit dem Anfang der Kindergartenzeit beteiligen sich an der Erziehung des Kindes auch die pädagogischen Fachkräfte – die Erzieher. Mit dem Schuleintritt trifft das Kind auf die Lehrer, die ebenso einen Beitrag zum Erziehen des Kindes leisten. Wie gesagt nur einen Beitrag, denn die Lehrer haben in erster Linie einen anderen Auftrag – sie vermittelt das Wissen. Nicht umsonst stammt das Wort „Lehrer“ vom „lehren“ ab und nicht vom Wort „erziehen“. Die Hauptrolle in der Erziehung des Kindes auch in dieser Zeit spielt nach wie vor die Familie.

Im Kindergarten und in der Schule erweitern und vertiefen die Kinder ihre sozialen Kompetenzen und die Kompetenzen in der Kommunikation, die ihnen das Leben im Erwachsenenalter erleichtern sollten. Die pädagogischen Fachkräfte unterstützen die Kinder dabei. In einem Idealfall helfen sie den Kindern, ihre Empathie weiter zu entwickeln und die eigenen Emotionen und Bedürfnisse zu äußern, sie lehren Toleranz und Respekt, stärken das Selbstwertgefühl des Kindes und helfen ihm seine Stärken zu finden.

Somit ist das gemeinsame Ziel von Eltern und pädagogischen Fachkräften bei der Erziehung, das Kind so gut wie möglich auf das Leben vorzubereiten. Das beste Mittel dafür ist das Spielen. Denn im Spiel befinden sich die Kinder ständig in einer Interaktion mit ihrer Umwelt. Durch das Spiel versuchen sie, die Welt um sich herum zu verstehen, sich in dieser Welt einzuordnen, sich an Regeln zu halten, verschiedene Rollen und Handlungen auszuprobieren, neue Strategien zu entwickeln, die Reaktionen der Umwelt zu erleben, Emotionen auszuhalten, Erfahrungen zu verarbeiten und sich neue Fähigkeiten und Kompetenzen anzueignen.

Für das Leben lernen

Zusätzlich spielen auch Märchen und Geschichten eine wichtige Rolle in der Erziehung der Kinder (besonders im Kleinkindalter). Am Beispiel der Geschichten und durch das Identifizieren sich mit den Lieblingscharakteren lernen die Kinder viele Aspekte des Lebens, u.a. Konflikte durch zu leben und Probleme zu lösen, die Konsequenzen für bestimmte Handlungen zu erkennen, sowie auch zu erkennen, dass die verschiedenen Gefühle zum Leben gehören, obgleich es Angst, Mut, Misserfolg, Liebe o.a. sind. Märchen und Geschichten liefern keine direkten Anweisungen, wie z.B. „respektiere die anderen“, erlauben den Kindern dennoch, die anderen Menschen und ihre Handlungen besser zu verstehen, mitzufühlen und auf den emotionalen Zustand des anderen effektiv zu reagieren.

Somit werden neben den moralisch-ethischen Grundlagen auch die Fähigkeiten geschult, wie eine gewisse Flexibilität im Umgang mit den anderen Menschen und beim Überwinden der Schwierigkeiten, genauso wie das eigene Verhalten kontrollieren zu können. All diese Eigenschaften erweisen sich im Erwachsenenleben als sehr hilfreich. Außerdem geben viele Märchen den Kindern Sicherheit und Vertrauen, dass am Ende „das Gute“ doch triumphieren wird.

Neben den Geschichten und Märchen aus Büchern nehmen auch Filme und Trickfilme einen Einfluss auf Bildung bestimmter Werte, Handlungsoptionen und Reaktionsmuster und somit auf die Erziehung der Kinder. Aus dem Grund sollten sich die Eltern bewusst sein, inwiefern die Inhalte der (Trick-)Filme, die das Kind sich gerade anschaut, für Kinder wertvoll sind. Wichtig ist nach dem (am besten gemeinsamen) Anschauen eines Filmes mit den Kindern ins Gespräch zu kommen, die Kinder zum Äußern der Gedanken und Gefühle anzuregen, den Kindern Orientierung geben.

Des weiteren darf die Rolle des Sports in der Kindererziehung nicht unterschätzt werden. Denn Sport vermittelt viel mehr als nur ein ausgeprägtes Körpergefühl. Er unterstützt die Entwicklung und Festigung solcher wertvollen Persönlichkeitseigenschaften und sozialen Kompetenzen, wie Kontaktfreudigkeit und Kommunikation, Selbstständigkeit, Selbstdisziplin und Kreativität in den Handlungen, Freude am Siegen und Bitterkeit der Niederlagen und somit die Frustrationstoleranz, (Selbst-)Reflexion, Mitgefühl und Verantwortung, Bewusstsein für Ehre und Würde, Gewissenhaft und „Fair Play“. Das unterstreicht die Ganzheitlichkeit der sportlichen Aktivitäten, die zum Herstellen  des physischen, sowie auch des sozialen und psychischen Gleichgewichts helfen.

Es gibt auch weitere Situationen, in denen Erziehung stattfindet. Dazu gehören u.a.  Ausflüge, enger Kontakt mit der Natur, körperliche Arbeit, Kunstobjekte und Musik. 

Erziehung ist ein begleitender Prozess

Wo findet Erziehung statt? Je mehr man sich mit dem Thema Erziehung beschäftigt, umso mehr wird einem klar, dass Erziehung als Prozess multifaktoriell ist. Die Entwicklung der Persönlichkeit wird zwar von außen beeinflusst, hängt aber auch von den Persönlichkeitseigenschaften jedes Individuums ab. Erziehung ist eine Interaktion, ein Prozess, an dem das Kind und seine Erzieher gleichermaßen beteiligt sind. Dieser Prozess braucht viel Fingerspitzengefühl und ist in einem Idealfall individuell nicht nur an das Kind selbst, sondern auch gleichzeitig an die momentane Situation angepasst. Erziehung ist ein langwieriger Prozess, dessen Ergebnisse nicht sofort, sondern zeitversetzt zu sehen sind. Das erfordert viel Geduld und Vertrauen, sowie auch Respekt, Wertschätzung und Liebe, um die günstigen Bedingungen für die Bildung einer glücklichen und ausgewogenen Persönlichkeit in der Einstimmung mit ihren Stärken, Talenten und individuellen Eigenschaften zu schaffen.

Autor: Katharina Stroh
Thema: Wo findet Erziehung statt
Webseite: http://www.lerntherapie-berlin-karow.de

Literatur:

Andresen, Sabine et al. (Hrsg.), „Erziehung“, Springer-Verlag GmbH Deutschland, 2013
Hillbrunner, Stefan, „Zum Sport durch kooperatives Lernen - Modell zur Erziehung und Persönlichkeitsentwicklung von Schülern“, Diplomica Verlag, 2014

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